mini|hochkant|Der Künstler Alfred Kunft Alfred Kunft (* 3. August 1892 in Aussig, Leitmeritzer Kreis, Königreich Böhmen; † 21. Januar 1961 in Nybro) war ein deutsch-böhmischer Maler, Zeichner, Grafiker und Glasdesigner. Seine wichtigsten Themen auf dem Gebiet der Malerei sind Stillleben, Figuren- und Landschaftsdarstellungen in Öl oder als Aquarell, er hat außerdem Radierungen, Lithographien, Holzschnitte und Gravuren auf Glas geschaffen. Er wird dem Neoklassizismus und der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Kunstarchiv AbArt: Alfred Kunft (tschech.) (abgerufen am 17. Juli 2023) Anna Habánová (2016), S. 179
Leben und Wirken Alfred Kunft war der Sohn des Beamten Franz Kunft und der Marie Süßemilch. Von 1913 bis 1921 studierte er Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien und an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und geriet 1916 Tschechisches Militärisches Zentralarchiv (tschech.) (abgerufen am 17. Juli 2023) in russische Kriegsgefangenschaft, die er in Sibirien und Wladiwostok Interniert in Sibirien – deutschböhmische Künstler im Ersten Weltkrieg, 2015 (abgerufen am 17. Juli 2023) verbrachte und kehrte erst 1920 in seine Heimat zurück, die nun in einem neuen Staat, der Tschechoslowakei lag.
Nach Studienende reiste er zu Studienzwecken nach Spanien, Frankreich, Italien und in die Schweiz. 1921 heiratete er seine Jugendliebe, die Tschechin Maria Roubinková.
Er war eine Zeit lang künstlerischer Leiter der Riedel-Glashütte in Dessendorf-Unterpolaun Anna Habánová (2016), S. 294 . Später lebte er in Pokratitz (Pokratice), jetzt Ortsteil von Litoměřice und in Aussig als Werbedesigner bei der Georg Schicht AG. Geschichte der Stadt Aussig (tschech.) (abgerufen am 17. Juli 2023) In den Jahren 1921 bis 1925 nahm er an mehreren Ausstellungen teil, u. a. in Prag, Wien und Berlin, und wurde 1925 auf der Ausstellung in Paris für seine Glasreliefs auf Vasen mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Als Mitglied der Künstlervereinigung Metznerbund nahm er regelmäßig an den Ausstellungen der Gruppe teil, 1922 schloss er sich der neu gegründeten Künstlergemeinschaft Oktobergruppe an. Im Jahr 1929 schuf er die Illustrationen zum Kinderbuch Bi-Ba-Butzemann von Karl M. Komma. Seine Werke aus dieser Zeit sind meist nur in Privatsammlungen zu finden.
Nach 1945 war er von der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nicht betroffen, weil seine Frau tschechischer Abstammung war und er wegen seiner speziellen Kenntnisse zur Glasherstellung und künstlerischen Glasgestaltung dem Staat nützlich war. Aber bereits im Herbst 1945 hatte das Ehepaar Kunft beschlossen, das Land zu verlassen. Sie wurden dann zu Staatenlosen erklärt, konnten aber auf Grund seiner Kontakte zur Glasfabrik Åfors, OT von Eriksmåla in Småland bereits im Frühjahr 1946 nach Schweden emigrieren. Kunft arbeitete nur für kurze Zeit in dieser Glasfabrik und ging dann nach Nybro, wo er entsprechend seiner künstlerischen Fähigkeiten arbeiten und sich der Glaskunst und Malerei widmen konnte. Er gravierte große Vasen und Urnen mit Motiven aus Märchen und der Griechischen und christlichen Mythologie.
Im April 1950 konnte er eine Ausstellung im Kunstmuseum in Kalmar organisieren, wo er Zeichnungen, Ölgemälde, Aquarelle, Lithographien, Holzschnitte und seine Glasgravuren mit verschiedenen Motiven zeigte. Die Kunstkritiker und Kunstsammler waren von seinen Arbeiten begeistert, so dass er viele seiner Werke verkaufen und von deren Erlös leben konnte. Die Bestellungen kamen sowohl von Museen, Schulen und Kirchen als auch von privaten Sammlern, insbesondere aus Westdeutschland. Die Einkünfte ermöglichten dem Ehepaar Kunft ins Ausland nach Deutschland, Österreich und Italien zu reisen, wo Kunft neue Motive sammeln konnte, z. B. aus Venedig und Hamburg.
Am 5. August 1956 starb seine Frau Marie Kunft überraschend während einer Auslandsreise in München. Bei Alfred Kunft wurde Kehlkopfkrebs diagnostiziert und nach zahlreichen Behandlungen verstarb der Künstler am 27. Januar 1961 in Nybro.
Alfred Kunft beteiligte sich außerdem an einigen Gruppenausstellungen in Emmaboda, Nybro und Kalmar. Er ist mit Glaskunstarbeiten im Schloss Kalmar, mit Gemälden im Kreismuseum Kalmar und im Kunstmuseum Kalmar sowie mit seinen Glasarbeiten (Gravuren) im Stockholmer Schloss und im Nationalmuseum Stockholm vertreten, seine Arbeiten befinden sich auch in ausländischen Museen, darunter in Prag. Wegen seines Schicksals und der politischen Verhältnisse war er Staatsbürger der Österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, der Tschechoslowakei, des Deutschen Reichs, staatenlos und von Schweden. Willi Lang: Konstnären Alfred Kunft - ett människoöde (Der Künstler Alfred Kunft – ein menschliches Schicksal) ( als PDF-Artikel, schwedisch, abgerufen am 17. Juli 2023)
Werke (Auswahl) Japanisches Daheim (1922), Öl auf Karton Artnet – Kunft: Japonský domov (abgerufen am 17. Juli 2023) Allegorische Landschaft mit nackter Frau (1924), Öl auf Leinwand Illiad – Kunft: Landschaft (abgerufen am 17. Juli 2023) Plakat zur Ausstellung des Metznerbundes in Aussig (1924) Kulturstiftung: Die Gründung des Metznerbundes (abgerufen am 17. Juli 2023) Blumenstillleben (1924–1928), Privatsammlung Anna Habánová (2016), S. 181 Waldlandschaft (1924) und Glashütte Květná, Privatsammlung(1926) Anna Habánová (2016), S. 187–189 Bi-Ba-Butzemann (1929), Illustration zum Kinderbuch Bi-Ba-Butzemann von Karl M. Komma Bi-Ba-Butzemann - 15 Kinderlieder (abgerufen am 17. Juli 2023) Schlittschuhlaufen (1941), Privatsammlung Anna Habánová (2016), S. 248 Potiphar, Glasvase Artnet – Kunft: Potiphar (abgerufen am 17. Juli 2023) Rhythmus (1950), Glasrelief, Gravur Jesus im Gebet in Gethsemane (1951), Pfarrheim Högsby Hommage an die Heimat (1951), Pfarrheim Emmaboda Familie (1952) Das Mädchen mit den Schwefelhölzern (1954), Grafik Auctionet – Kunft: Märchenmotiv (abgerufen am 17. Juli 2023) Kriegsgefangener (1955), Grafik (abgerufen am 17. Juli 2023) Venedig (1956), Ölgemälde Auctionet – Kunft: Venedig (abgerufen am 17. Juli 2023) Belagerte Stadt (1957)
Literatur Anna Habánová: Mladí lvi v kleci - Umělecké skupiny německy hovořících výtvarníků z Čech, Moravy a Slezska v meziválečném období („Junge Löwen im Käfig - Künstlergruppen deutschsprachiger Künstler aus Böhmen, Mähren und Schlesien in der Zwischenkriegszeit“). Arbor Vitae Řevnice, Regionalgalerie Liberec, 2013. Anna Habánová: Dějiny uměleckého spolku Metznerbund v Čechách 1920–1945 („Geschichte des Kunstvereins Metznerbund in Böhmen 1920–1945“). Technische Universität, Liberec (TUL) 2016, ISBN 978-80-7494-322-5
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