Die Islamische Revolutionsgarde bzw. das Korps der Islamischen Revolutionsgarde (englisch Islamic Revolutionary Guard Corps, IRGC) ist die Armee der Wächter der Islamischen Revolution (; kurz auch Sepāh oder Pāsdārān), informell auch Revolutionsgarde (), Revolutionswächter oder Iranische Revolutionsgarde genannt, bildet zusammen mit der regulären Armee (Artesch) die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran und ist gemäß der Journalistin Natalie Amiri „die wichtigste und mächtigste Institution der Islamischen Republik Iran“. Die Garde verfügt über ein eigenes Heer, eine eigene Marine und Luftstreitkraft sowie einen eigenen Geheimdienst.

Im Auftrag von Ruhollah Chomeini am 5. Mai 1979 aufgestellt, entwickelte sich die Revolutionsgarde als Eliteeinheit der Streitkräfte zu einem wichtigen Akteur während des Ersten Golfkriegs (1980–1988). Kommandeur der Revolutionsgarde ist seit dem 1. März 2026 Ahmad Vahidi.

Die wichtigste Abteilung der Islamischen Revolutionsgarde stellt die millionenstarke Freiwilligenmiliz der Basidschis dar.

Die Islamische Revolutionsgarde wird unter anderem von der Europäischen Union,EU setzt iranische Revolutionswächter auf die Terrorliste In: Der Spiegel, 29. Januar 2026 Australien, Kanada, den USA, Ecuador,Iran’s armed forces warn Ecuador over IRGC designation, Meldung von Iran International, 21. September 2025 Paraguay,Paraguay designates Iran’s Guards as terror group, US applauds, Meldung von Iran International, 25. April 2025 ArgentinienArgentina declares Iran's top diplomatic envoy 'persona non grata,' orders expulsion In: Buenos Aires Times, 20. Juni 2025 und der UkraineUkraine names Iran's Islamic Revolutionary Guard Corps as terrorist organization In: The Kyiv Independent, 2. Februar 2026 offiziell als Terrororganisation eingestuft.

Geschichte Die Organisation wurde von Chomeini gegründet, um die Vielzahl paramilitärischer Gruppen zu einer dem revolutionären Ideal treu ergebenen Streitmacht zusammenzufassen. Die bewaffneten revolutionären Gruppierungen, die sich u. a. aus Mitgliedern der Muslimischen Studentenbewegung im Gefolge des Imam (Daneschdschuyan-e mosalman-e peyrov-e chat-e Emam) und radikalen, meist jugendlichen Anhängern Chomeinis, den sogenannten Hisbollahi, zusammenschlossen, unterstanden von 1979 bis 1980 ihrem ersten Kommandanten Abbas Zamani (genannt Abu Scharif). Sie formierten sich erst ab 1980 auf Grund des Ersten Golfkrieges zu einer offiziellen Armee-Einheit.

Nach Ende des Ersten Golfkriegs Ende der 1980er entschied der damalige Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, die Aktivitäten der bewaffneten Garde auf das Feld der Wirtschaft zu lenken, damit sich die Revolutionsgarde nicht tiefer in die Politik einmische. Dies hatte zur Folge, dass die Revolutionsgarde und andere staatsnahe Konglomerate zunehmend von der Privatisierung zahlreicher, während der Revolution verstaatlichter Unternehmen profitierten.

Im Jahr 2005 wurde mit Mahmud Ahmadineschad ein Revolutionsgardist Präsident Irans.

Im Oktober 2009 kamen bei einem Selbstmordanschlag der sunnitischen Organisation Dschundollah (persisch für „Brigade Gottes“) mindestens 31 Menschen zu Tode, darunter auch fünf ranghohe Kommandeure der Revolutionsgarde.

Zu Jahresbeginn 2020 wurde Qasem Soleimani, Kommandeur der der Garde untergliederten Quds-Einheit, mittels eines Drohnenangriffs des US-amerikanischen Militärs, in Bagdad getötet.Michael Crowley, Falih Hassan, Eric Schmitt: Top Iranian General Qassim Suleimani is killed on Trump’s Orders, Officials say. In: The New York Times vom 2. Januar 2020. Zwei Jahre später, im Mai 2022, wurde mit Hassan Sayyad Khodayari ein weiterer hochrangiger Offizier derselben Einheit in Iran getötet. Diese Tötung wird auch in westlichen Medien dem israelischen Geheimdienst Mossad zugeschrieben.

Im Rahmen der US-israelischen Angriffe auf die Islamische Republik trat deren Revolutionsgarde erneut weltöffentlich in den Vordergrund. Direkt nach dem Tod des obersten Führers Ali Chamenei kündigte sie an: „Die Mörder des Imams der Nation werden einer harten, entschiedenen und abschreckenden Strafe nicht entgehen“. Zusätzlich begann die Revolutionsgarde mit der Blockade der Straße von Hormus, durch welche rund ⅕ der globalen Ölversorgung transportiert wird. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim meldete: „Mit der Einstellung des Schiffs- und Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus ist die Meerenge praktisch geschlossen.“

Ideologie und Bedeutung für Politik und Gesellschaft Neben der Aufrechterhaltung des politischen Systems seit der Revolution von 1979 ist die Sepah nach der Verfassung der Islamischen Republik verpflichtet, die „ideologische Mission des Dschihad im Sinne Gottes, d. h. die Souveränität des Gesetzes Gottes auf die ganze Welt auszudehnen“. Es gilt, die Ausbreitung des Welāyat-e Faqih zu verfolgen und „abweichlerische Bewegungen“ auch im Ausland zu unterbinden. Kulturen anderer Glaubensrichtungen außerhalb des Islams betrachten die Pasdaran als Bedrohung für die Schia. Dieses Weltbild verbindet die Revolutionsgarde mit gleichgesinnten Extremistengruppen außerhalb Irans, wie der Hisbollah im Libanon und den Huthis im Jemen, zu denen sie enge Beziehungen pflegt. Ein besonderes Ziel, das die drei genannten Gruppen eint, ist die Vernichtung des jüdischen Staates Israel. Die Verfolgung dieses Ziels veranlasst die Revolutionsgarde dazu, auch mit sunnitischen Islamisten, wie der Hamas im Gazastreifen und dem Islamischen Dschihad in Palästina zu paktieren, sie auszubilden und zu finanzieren, obwohl diese nach ihrer ideologischen Auffassung nicht den wahren Islam vertreten.

Die militärische Aufgabe, die der Revolutionsgarde übertragen wurde, wechselte nach dem Ersten Golfkrieg. Heute obliegt der Garde u. a. die Aufgabe, mögliche gegnerische politische Gruppen zu bekämpfen. Im Kabinett von Präsident Mahmud Ahmadineschad waren 13 der 21 Ministerposten mit ehemaligen Kommandanten der Revolutionsgarde besetzt, dazu gehörte auch das Geheimdienstministerium. Ahmadineschad selbst hatte ebenfalls den Rang eines Kommandanten erreicht.

Die Revolutionsgarde ist für die Organisation des schwarzen Außenhandels, mit dem die Islamische Republik Iran Wirtschaftssanktionen zu umgehen versucht, verantwortlich.

Von Vetternwirtschaft und Korruption in Iran profitiert die Nomenklatura der Revolutionsgarde am meisten. Der materielle Reichtum, für den die Elite der Garde in der iranischen Gesellschaft bekannt ist und den diese offen auslebt, sorgt für Unmut beim iranischen Kleinbürgertum, das erst die Islamische Revolution und damit die Existenz der Revolutionsgarde mit ermöglichte.

Die Revolutionsgarde steht an vorderster Front der gewaltsamen Unterdrückung von Protesten der iranischen Zivilbevölkerung, wie denen in den Jahren 2009, 2017/2018, 2022/2023 und 2025/2026. Laut dem Blair Institute for Global Change verfügt die Revolutionsgarde über ein formelles Indoktrinationsprogramm für die eigenen Mitglieder. Iranische Oppositionelle und das Europäische Parlament forderten, die Revolutionsgarde auf die EU-Liste von terroristischen Vereinigungen zu setzen.

Einfluss auf die Wirtschaft Die Islamische Revolutionsgarde ist wirtschaftlich auf fast allen Gebieten aktiv und ist als paramilitärische Einrichtung der größte Unternehmer des Landes. Niemandem außer dem Revolutionsführer Rechenschaft schuldig, unterliegen die Pasdaran keiner Steuerpflicht und zahlen ebenso bei der Einfuhr keine Zollgebühren. Die nach der Verkündigung des iranischen Atomprogramms durch die USA im Jahr 2010 verhängten Wirtschaftssanktionen stärkten die Revolutionsgarde, weil sie die Projekte der internationalen Firmen übernahm, die sich aus Iran zurückzogen. So erhielt die Garde unter der Präsidentschaft von Mahmud Ahmadineschad, wie Bahman Nirumand berichtet, Konzessionen für mehrere Großprojekte, unter anderem für zwei Projekte zum Ausbau der Ölanlagen, einen Pipelinebau und für den Ausbau der Teheraner Untergrundbahn. Laut Mehdi Khalaji war die Revolutionsgarde über 16 Jahre an 1220 Industrie- und Bergwerksprojekten beteiligt. Die religiöse Stiftung Mostazafan va Dschanbazan („Stiftung der Unterdrückten und Kriegsveteranen“) mit einem Umsatz von zehn Milliarden US-Dollar im Jahr – entstanden nach dem Ersten Golfkrieg – ist ebenso Vertragspartnerin bei der Erweiterung der Teheraner Untergrundbahn mit einem Volumen von 2,4 Milliarden US-Dollar. Auch See- und Flughäfen, über welche nicht verzollte Waren ins Land kommen, werden von den Revolutionswächtern kontrolliert. Dies gilt insbesondere für den größten iranischen Containerhafen in Bandar Abbas, an dessen Spitze ein General der Revolutionsgarde berufen wurde.

Politikanalysten der International Crisis Group gehen davon aus, dass die Pasdaran (Stand 2023) ein bis zwei Drittel des iranischen Bruttosozialprodukts kontrollieren.

Die Geschäfte der Revolutionsgarde florieren aufgrund ihrer Monopolstellung in Iran, aufgrund staatlicher Korruption, Schmuggel und informeller transnationaler Netzwerke. Dass die iranischen Geldflüsse mit noch mehr Sanktionen durch die westliche Welt ausgetrocknet würden, gilt im Jahr 2023 als unwahrscheinlich.

Wichtige Sepâh-e Pasdaran-Unternehmen Zu den Unternehmen, die von den Revolutionswächtern kontrolliert werden, gehört die 1990 von der Revolutionsgarde gegründete Bauunternehmensgruppe Chatam al-anbiya (deutsch: „Das Siegel der Propheten“; vollständiger Name: Gharargah-e markazi-ye chatam ol-anbiya). Diese Holding, die als größter Auftragsnehmer in Iran mehrere Zehntausend Iraner beschäftigt, führt u. a. große Infrastrukturprojekte durch, baut Öl- und Gasanlagen, Straßen, Eisenbahnen und Metros, Ölleitungen und Flughäfen. Im Libanon soll sie für den Bau der durch die Hisbollah genutzten Tunnels verantwortlich sein. Während seiner Zeit als Bürgermeister von Teheran erhielt die Unternehmensgruppe von Ahmadineschad den Zuschlag für mehrere Großprojekte im Wert von 2,2 Mrd. Dollar.Le Monde diplomatique vom 12. Februar 2010: Die Revolutionsgarde im Iran Ende April 2009 erwarb die zu Chatam al-anbiya gehörende Firma Sepanir einen Anteil von 51 Prozent an Sadra, der größten Werft Irans. Der Anteil des militärischen Sektors an den Unternehmensprojekten wird auf 70 % geschätzt. Chatam al-anbiya steht seit dem 24. Juni 2008 auf der EU-Sanktionsliste gegen Iran.U.S. Department of State, Oktober 2007: Fact Sheet: Designation of Iranian Entities and Individuals for Proliferation Activities and Support for Terrorism, abgerufen am 5. Juni 2015.

Weitere Unternehmen im Besitz oder unter Kontrolle der Revolutionsgarde: Oriental Oil Kish Ghorb Nooh Sahel Consultant Engineering Ghorb-e Karbala Sepasad Engineering Co Omran Sahel Hara Company Gharargahe Sazandegi Ghaem Mahan Air

Telekommunikations- und Mediensektor