mini|Kombiniertes Logo der beiden Filme mini|Bewerbung beider Filme im Fine Arts Theatre in Asheville Barbenheimer, seltener Barbieheimer oder Oppenbarbie genannt, ist ein Internetphänomen in Reaktion auf die zeitgleiche Veröffentlichung der in Genre und Ton entgegengesetzten Kinofilme Barbie und Oppenheimer am 21. Juli 2023, aus deren Titel die Namensvarianten sich als Kofferwort zusammensetzen. Die ursprünglich als Konterprogramm gedachte gleichzeitige Ansetzung inspirierte Internetnutzer zu Memes sowie Kinogänger als auch Beteiligte an den Filmen selbst, sie am Eröffnungswochenende als Doppelfeature zu schauen. Variety bezeichnete es als das „Filmevent des Jahres“, was sich in den Einspielergebnissen widerspiegelte, bei denen Barbie weltweit etwa eine halbe Milliarde US-Dollar mehr einholte, und in der von Oppenheimer dominierten Award-Saison 2023/2024 fortsetzte, wo es bei der Oscar-Verleihung 2024 seinen Abschluss fand.
Gleichzeitige Veröffentlichung Konterprogramm Die zwei US-amerikanischen Filme Barbie von Greta Gerwig über die Plastikpuppe Barbie und Oppenheimer von Christopher Nolan über Robert Oppenheimer, den Vater der Atombombe, erschienen am selben Tag in den Kinos, in Deutschland am 20. Juli und in Nordamerika am 21. Juli 2023. Inhaltlich und bezüglich des Tons ihrer jeweiligen Inszenierungsweisen wurden sie bereits vor der Veröffentlichung anhand des Marketingmaterials als „extrem unterschiedlich“ oder gegenteilig wahrgenommen. An Genres handle es sich um ein ernsthaftes, trostloses Historiendrama und eine knallbunte Komödie über ein Kinderspielzeug. The Economist hob insbesondere angesichts aktueller Kriegskrisen den Kontrast zwischen Realismus und Eskapismus hervor.
Durch die Unterschiede sei die gleichzeitige Ansetzung „klassisches counterprogramming, also das An-den-Start-bringen zweier unterschiedlicher Filme, die sich an den Kinokassen nicht gegenseitig das Publikum wegnehmen;“ denn aus Marketingsicht sei Oppenheimer mehr auf ein älteres, männliches und Barbie auf ein jüngeres, weibliches Publikum ausgerichtet. Dieser Fall erinnert an das Beispiel von counterprogramming des Sommers 2008 durch die Filme The Dark Knight und Mamma Mia!, „ebenfalls ein düsterer Christopher-Nolan-Film [gegen] eine Komödie mit einem Ensemblecast in glitzernden Jumpsuits und Disco-Elementen“.
Keith Phipps von der GQ merkte an, dass das Konkurrieren zweier Big-Budget-Blockbuster am selben Eröffnungswochenende zunehmend selten ist, und counterprogramming eher mit kleineren Filmen für spezielles Publikum ausgeführt wird, da Studios zu der Strategie übergegangen sind, einen großen Film pro Woche zu veröffentlichen, insbesondere im Sommer, wenn direkte Konkurrenz eher vermieden wird, während die Feiertagssaison im Winter für jeden etwas enthalte und die Filme länger in den Kinos verbleiben. So konnten im Dezember 2022 Der gestiefelte Kater: Der letzte Wunsch neben Avatar: The Way of Water und gleichzeitig am 27. Mai 2022 der Blockbuster Top Gun: Maverick als auch der im Budget deutlich kleinere Animationsfilm Bob’s Burgers – Der Film veröffentlicht werden.
Doppelfeature Entgegen der Strategie des counterprogramming, das Publikum zwischen den Filmen aufzuteilen, führte das Internetphänomen Barbenheimer zu der Idee, unabhängig zu welcher Zielgruppe man gehört, beide Filme anzuschauen, etwa als Doppelfeature am selben Tag hintereinander. Im Internet wurde die passendere Reihenfolge diskutiert, wobei sich als Konsens durchsetzte, zuerst Oppenheimer zu schauen und Barbie später am Tag, um „die Nacht mit einer Party zu beenden.“
Scottie Andrew von CNN Entertainment beschrieb diese Reihenfolge damit, sich einen Nachtisch für nach dem Abendessen aufzuheben. Während sich generell Barbenheimer als Name für das Phänomen unabhängig der Reihenfolge durchgesetzt hat, wird manchmal im Vergleich der möglichen Reihenfolgen zusätzlich Oppenbarbie (Oppenheimer – Barbie) im Gegensatz zu Barbenheimer (Barbie – Oppenheimer) verwendet. Beispielsweise wägten Jen Lennon für AV Club und Chris Farnell für Den of Geek Vorteile beider Reihenfolgen ab, während Stuart Heritage des Guardians nach eigener Erfahrung vom Doppelfeature abriet. Die Reihenfolge Oppenheimer – Barbie beschrieb er mit dem Gefühl, „als würde das Begräbnis deiner Mutter von einem Flashmob parkender Zirkusclowns befallen werden.“ Unter anderem Andrew und Heritage wiesen auch darauf hin, man solle eine ausreichende Pause zwischen den Filmen einlegen, um den ersten, insbesondere wenn es Oppenheimer ist, zu verarbeiten.
Weitere Reporter versuchten durch die zusammenhängende Betrachtung beider Filme, thematische Gemeinsamkeiten zu finden. Für den Escapist schrieb Darren Mooney, in beiden gehe es um die Beziehung zwischen Vorstellung und Realität, und was passiere, wenn Ideen sich in der echten Welt manifestieren; das Ergebnis sei in beiden Fällen grundlegend angsteinflößend. Für den Washington Post schrieb Tyler Austin Harper, beide Filme behandeln Konzepte des 20. Jahrhunderts, mit denen die Menschheit die Epoche maßgeblich beeinflusst habe: Militarismus und Konsumerismus, die beide unsere Spezies in Form ihrer Hinterlassenschaften auf dem Planeten überdauern könnten. Sonia Rao postulierte wiederum als gemeinsames Thema: „die Korrumpierbarkeit von Männern.“
AMC Theatres, die weltgrößte Kinokette, berichtete, dass zwei Wochen vor Veröffentlichung der Filme über 20.000 AMC-Stub-Mitglieder Karten für Vorstellungen beider Filme am selben Tag vorbestellt haben, und dass sie vom 7. bis zum 10. Juli einen Anstieg von 33 % an Mitgliedern, die dies getan haben, verzeichneten. In der folgenden Woche habe sich die Zahl verdoppelt. Die britische Kinokette Vue Entertainment berichtete, dass etwa ein Fünftel der Kunden, die Oppenheimer sehen wollen, auch Karten für Barbie gekauft haben; sowie die amerikanische Kette Alamo Drafthouse eine signifikante Anzahl an Anfragen für private Events wie Partys, bei denen beide Filme gezeigt werden sollen.
Barbenheimer als Meme Verbreitung im Internet Nach Veröffentlichung des ersten Marketingmaterials mit Bekanntgabe desselben Veröffentlichungstermins beider Filme begannen Fans in den sozialen Medien, mit Memes den starken Kontrast ihrer Themen und Farbpaletten zu vergleichen, aber auch zu mischen, unter anderem durch Kombination der Filmplakate, ihrer Protagonisten, Slogans und Schriftzüge zu Barbenheimer als Namen des Phänomens, welcher auch gedruckt auf T-Shirts verkauft wurde. Typisch ist hier ein rosa Atompilz sowie ein Foto zweier bekannter Häuser in den Pacific Palisades – eines mit schwarz-weißer, eines mit lila-pinker Fassade.
Als erste Verwendung des Kofferworts wurde ein Tweet von Matt Neglia von der Website Next Best Picture im April 2022 ausgemacht, als beide Filme immer wieder neue Teile ihrer Besetzung bekanntgaben. Verstärkt verwendet und viral wurde es allerdings erst wieder 2023 in den Monaten vor Veröffentlichung der Filme. Laut Don Caldwell von Know Your Meme erwies es sich dabei fähig, sich weiterzuentwickeln, als immer mehr neue Informationen über die Filme bekanntgegeben, indem es sich von der Kontrastierung zur Debatte über die Reihenfolge verlagerte.
Analysen zum Phänomen als Meme Die Journalistin Elizabeth Spiers kommentierte in einem Gastbeitrag für die New York Times: „Die Memes insbesondere sind ihr eigenes Genre künstlerischer Arbeit. [… Sie] sind zugleich ein organischer Ausdruck von Fan-Enthusiasmus als auch eine Kritik an modernem Konsumismus.“ Sie zitiert den Grafikdesigner Rob Sheridan, laut dem das Meme Möglichkeiten biete, mit den extremsten Gegensätzlichkeiten altmodischer Gender-Stereotype zu experimentieren und spielen in einer Zeit, in der Gender dekonstruiert werde. Sheridan betont den steten Strom unzusammenhängender Themen durch die sozialen Medien, die sowohl Angst als auch Freude ansprechen sollen, und die Fülle an willkürlichen Crossovers in der Konsumlandschaft. Ihr Fazit lautet: „Dieser Moment ist nicht bloß Manipulation durch Konzerne. Es ist ein Produkt aus Fankultur, dem Internet und einer Fügung des Timings.“
Sam Corbin von der New York Times betrachtete das Wort Barbenheimer als Portmanteau, dessen Stärke und Klang ebenfalls zum andauernden Effekt des Phänomens beitrage. Dabei führt sie eine Studie der amerikanischen Linguistinnen Constantine Lignos und Hilary Prichard aus dem Jahr 2015 an, die sechs Kategorien für den Erfolg von Portmanteaus aufstellten, von denen nach Corbin Barbenheimer vier erfülle: Vervollständigungswahrscheinlichkeit der einzelnen Filmtitel, die Assoziation beider Filme miteinander, Spaßfaktor durch die popkulturelle Relevanz und die Natürlichkeit des kombinierten Begriffs. Daysia Tolentino von NBC beobachtete, dass das Wort abseits der Filme zum Slangbegriff für zwei gleichzeitig auftretende Dinge mit gegensätzlicher Stimmung geworden sei.
Palmer Haasch von Business Insider bemerkte, zusätzlich Gentleminions referierend, dass den physischen Akt des Kinogangs auf alberne und übertriebene Weisen in ein Meme zu verwandeln, dabei helfe zu ermuntern, ins Kino zu gehen, und damit die Kinoeinnahmen zu erhöhen. Daniel Loria von Boxoffice.com nannte das Phänomen einen „Katalysator“, bei dem nicht nur davon gesprochen wurde, einen oder beide der Filme zu sehen, sondern dafür ins Kino zu gehen. Nach Michael O’Leary, dem CEO der National Associations of Theater Owners, war ein antreibender Faktor, dass die Menschen das Gefühl hatten, etwas Besonderes passiere, an dem sie teilhaben wollten, was sich nach Shawn Robbins von Boxoffice.com auch in einer Angst, es zu verpassen, resultierte. Mike Polydoros von PaperAirplane Media ergänzte, dass man nicht nur in den Kinos, sondern zusammen mit Freunden die Filme sehen beziehungsweise an dem Erlebnis teilnehmen musste, sodass Gruppen in die Kinos gingen. Josh Goldstine, Marketing-Chef von Warner Bros., sah in dem Phänomen einen seltenen Wohlfühlmoment nationaler Einheit, da man im Internet, das eigentlich ein Werkzeug der Spaltung sei, sich nicht für eine Seite entscheiden musste – Team Barbie oder Team Oppenheimer –, sondern beides sein konnte.
Die Marketingchefs der Produktionsunternehmen beider Filme merkten bei einem Entertainment Marketing Summit an, dass sie selbst jeweils zu beschäftigt mit oder limitiert in ihrem eigenen Marketing für ihren Film waren, als dass sie heimlich eine Barbenheimer-Kampagne hätten starten oder an ihr teilnehmen können. Diese sei über TikTok und andere soziale Medien vollständig eine Basis-Bewegung der Zuschauer gewesen, die sich für diese beiden Filme entschieden und durch eine eigene Kampagne Eigentümerschaft deklariert haben.
Rezeption und Reaktion Reaktionen aus Hollywood
Das Phänomen Barbenheimer und insbesondere die Idee eines Doublefeatures wurde auch von Hollywood und den Beteiligten der Filme selbst aufgegriffen zur gegenseitigen Promotion. Den Anfang machte allerdings Schauspieler Tom Cruise des Films Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil Eins, der eine Woche vor Barbie und Oppenheimer veröffentlicht wurde. Er postete auf Twitter Bilder von sich und Regisseur Christopher McQuarrie vor den Postern der beiden Filme (sowie Indiana Jones und das Rad des Schicksals) mit entsprechenden Tickets mit der Aussage, dass er sich auf das Double Feature freue. In einem Interview erklärte er, er werde am Eröffnungswochenende Oppenheimer am Freitag und Barbie am Samstag schauen.
Darauf reagierten zuerst Margot Robbie und Greta Gerwig, Hauptdarstellerin und Regisseurin von Barbie, mit gleichartigen Fotos unter der Überschrift „Mission: Accepted!“. Gerwig schlug vor, in zwei Doppelfeatures die Filme in beiden Reihenfolgen anzuschauen. Issa Rae, die in Barbie spielt, bezeichnete die Situation als „Solidarität, wo versucht wurde, die Filme gegeneinander auszuspielen.“ Cillian Murphy sagte in einem Interview, sein Rat sei, beide Filme am selben Tag anzuschauen. „Wenn sie gute Filme sind, ist das ein Gewinn fürs Kino.“