mini|Alice Michaelis (1930) Alice Michaelis (* 5. April 1875 in Berlin; † 23. Juni 1943 im KZ Theresienstadt) war eine deutsche Malerin und Opfer des Holocaust. Sie wird der „Verschollenen Generation“ zugerechnet. Ihre Motive waren Stillleben, Interieur und Landschaften.

Familie und Ausbildung Alice Michaelis stammt aus einer jüdischen Familie. Sie war die Tochter des Kaufmanns Moses Priester und seiner Ehefrau Flora, geb. Eyck. Am 15. Oktober 1899 heiratete sie den Prokuristen des Bankhauses Fromberg & CoDer Motorwagen. Zeitschrift für Automobil-Industrie und Motorenbau. 10. Jg. 1907, Seite 221., Louis Michaelis, geb. 28. Februar 1864, in Seelow, Kreis Lebus.Standesamt Berlin Iii, Heiratsregister 1874–1936, Heiratsurkunde Nr. 825. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt Alice Michaelis an der Berliner Malschule von Max Uth sowie an der Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen (VdBK). Weitere Lehrer waren Lovis Corinth und Hans Baluschek.

Mitgliedschaften Alice Michaelis war von 1911 bis 1934 aktives Mitglied des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin (VdBK). Von 1927 bis 1933 war sie im Vorstand des Vereins und von 1929 bis 1933 war sie die Leiterin der Zeichen- und Malschule des VdBK.„Mitteilungen des VdBK“ in Deutscher Lyceum-Club, Nr. 4, April 1933, Seite 7; im Archiv der Akademie der Künste in Berlin: Sign. VdBK, Nr. 4199. Alice Michaelis war auch Mitglied der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft und des Reichsverbands bildender Künstler Deutschlands. Ebenso war sie Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft,Katalog der Ausstellung im Münchener Glaspalast 1921, Seite 52, Nr. 1149. an deren Ausstellungen im Münchener Glaspalast nahm sie zwischen 1917 und 1925 sechsmal teil.

Ausschluss aus dem Vorstand des VdBK Am 18. März 1933 veröffentlichte der Völkische Beobachter, den folgenden Bericht„Zwei Ausstellungen“ in Völkischer Beobachter, 18. März 1933 über die Frühjahrsausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin und startete damit eine Diffamierungskampagne gegen die jüdischen Mitglieder des Vereins:

„In dem schönen, leider fast leerstehenden Atelierhause am Schöneberger Ufer hat der Verein der Künstlerinnen zu Berlin seine Frühjahrs-Ausstellung eröffnet. In zwei kleinen Räumen ist die ganze Herrlichkeit untergebracht, und ebenso dürftig wie die Beteiligung ist die Qualität.

Mit verschwindenden Ausnahmen ist der Geist der Flechtheime vertreten. Und selbst bei diesen Ausnahmen ist mindestens das Sujet jüdisch: ‚Neger aus Liberia‘ (darf natürlich nirgends fehlen), Arthur Schnitzler, ‚Mädchen in blauem Korsett‘, ‚Chinesin‘, ‚Abessinierin‘ usw. Die Namen im Katalog lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wir lesen: Erna Pinner, Jeanne Mammen, Gertrud Koref, Julie Wolfthorn, Milly Steger; und so geht es weiter bis zu Käthe Münzer-Neumann, der es trotz guter Beziehungen zu einem jüdischen Kritiker nicht gelungen ist, im Kronprinzenpalais aufgenommen zu werden, obwohl sie doch eine ebenso rassereine Jüdin ist wie Else Lasker-Schüler. Inzwischen wird sie ja diesen Wunsch begraben haben. Den adligen Damen aber und den Nichtjuden dieses Vereins ist zu raten, sich so schnell wie möglich von der Mischpoke loszulösen.“

Schon in der nächsten Vorstandssitzung des Vereins, im April 1933, kam man dieser Forderung teilweise nach, indem die jüdischen Künstlerinnen aus dem Vorstand ausgeschlossen wurden. In den Mitteilungen des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin ist folgendes zu lesen:

„Vorstandsumbildung. Aus dem Vorstand schieden aus: Fanny Remak, Julie Wolfthorn, G. Koref Stemmler, Harriet von Rathlef-Keilmann, Alice Michaelis, Edda Wiese-Knopf. – Elisabeth von Oertzen wurde zur 1. Vorsitzenden gewählt.“

Deportation und Tod Bis 1941 wohnte sie mit ihrem Mann in Schöneberg in der Speyerer Straße 2.Handbuch des Kunstmarktes 1926, Seite 299Berliner Adressbuch von 1941, Seite 2035, Louis Israel Bankbeamter aD W30, Speyerer Straße 2. In der Transportliste nach Theresienstadt ist als letzter Wohnort Wilmersdorf, Westfälische Straße 49, angegeben.Transportliste 1/71 von Berlin nach Theresienstadt mit Alice Michaelis auf Position 482 Statistik des Holocaust. Diese Angabe ist falsch und wurde auch falsch in die Todesfallanzeige übernommen, denn die Person mit dem Namen „Michaelis E., Kauffr.“, die 1941 und 1942 in der Westfälischen Straße 49 verzeichnet ist, war keine Jüdin, da die Bezeichnung „Sarah“ fehlt. Louis Michaelis ist im Adressverzeichnis von 1942 nicht mehr zu finden.Berliner Adressbuch von 1942, Seite 1993. Das bedeutet, dass das Ehepaar Michaelis schon vor der Deportation die Wohnung in der Speyerer Straße 2 verlassen musste. Der Aufenthalt bis zur Deportation am 3. Oktober 1942 ist bisher nicht bekannt.

Am 3. Oktober 1942 wurden Alice Michaelis und ihr Ehemann Louis mit dem Transport I/71Transport I/71 von Berlin nach Theresienstadt am 3. Oktober 1942, Datenbank der Holocaustopfer Yad Vashem. vom Sammellager Synagoge Levetzowstraße über den Güterbahnhof in Berlin-MoabitSammelplatz Synagoge Levetzowstraße, Gleis69 – Gelebte Erinnerung in Berlin Tiergarten. nach Theresienstadt deportiert. Es war der dritte große Alterstransport, der von Berlin nach Theresienstadt ging.Transportlisten zum Transport I/71, Statistik des Holocausts. Der Transport kam am 4. Oktober 1942 in Theresienstadt an. Louis Michaelis wurde schon am 21. Dezember 1942 im Alter von 78 Jahren dort ermordet.Todesfallanzeige Louis Michaelis KZ Theresienstadt vom 21. Dezember 1942, Nationalarchiv Prag, Institut Theresienstädter Initiative. Alice Michaelis starb am 23. Juni 1943 im Alter von 68 Jahren.Todesfallanzeige Alice Michaelis KZ Theresienstadt vom 23. Juni 1943, Nationalarchiv Prag, Institut Theresienstädter Initiative.

Werke (Auswahl) Interieur aus Dargun, Gouache, 51 × 37 cm, Große Berliner Kunstausstellung 1905, Katalog Nr. 772 Blumenstillleben mit chinesischen Vasen, Öl a. Lw., 48 × 64 cm, 1910, bei Artnet Schierlingswiese, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1912, Katalog Nr. 981 Blaue Stunde, Aquarell, Münchener Kunstausstellung 1917 im Glaspalast, Katalog Nr. 917 Die grüne Stube, Aquarell, Münchener Kunstausstellung 1918 im Glaspalast, Katalog Nr. 1024 Der alte Schreibsekretär, Aquarell, Münchener Kunstausstellung 1918 im Glaspalast, Nr. 1025 Stockrosen, Aquarell, Münchener Kunstausstellung 1919 im Glaspalast, Katalog Nr. 734 Aus einer kleinen Stadt, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1919, Katalog Nr. 475 Großmutters gute Stube, Aquarell, Münchener Kunstausstellung 1920 im Glaspalast, Katalog Nr. 885 Ländliches Esszimmer, Aquarell, Münchener Kunstausstellung 1920 im Glaspalast, Katalog Nr. 886 Mecklenburgische Landschaft, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1920, Katalog Nr. 487 Im Biergarten, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1921, Katalog Nr. 542 Im Altenheim, Aquarell, 1921, in Westermanns Monatshefte, 1922, Band 132, Teil 1, Abb. nach Seite 444 Großmutters Stübchen, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1923, Katalog Nr. 635 Die blaue Stunde, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1925, Katalog Nr. 627 Stillleben mit Zitronen, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1927, Katalog Nr. 321; Abb. Seite 95 Rote Tulpen, öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1928, Katalog Nr. 613 Grüne Äpfel, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1928, Katalog Nr. 614 Stillleben mit Kakteen, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1929, Katalog Nr. 101 Werkhäuser bei Neubrandenburg, Aquarell, Große Berliner Kunstausstellung 1929, Katalog Nr. 255 Wald, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1930, Katalog Nr. 270 Stillleben, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1930, Katalog Nr. 271, Abb. Seite 42 Stillleben mit Büchern, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1931, Katalog Nr. 266 Stillleben mit Spargel, Öl a. Lw., Große Berliner Kunstausstellung 1931, Katalog Nr. 267 Blumenstillleben mit Pfingstrosen, Öl a. Lw., 60,5 × 60,5 cm, ohne Datum, Museum der Verlorenen Generation Salzburg Stillleben mit Früchten und Flasche, Öl a. Lw., 52 × 66 cm, ohne Datum, bei Artnet Blumengarten, Gouache auf Papier, 70,5 × 70 cm, ohne Datum, bei Artnet Stillleben mit Rosenbouquet auf einem Tisch, Öl a. Lw., 60 × 60 cm, ohne Datum, bei Mutual Art

Ausstellungen (Auswahl) 1905 - Große Berliner Kunstausstellung, 23.4.–17.9.1905, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1905, Katalog, Seite 50, Nr. 772. 1912 - Große Berliner Kunstausstellung, ? – ? 1912, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1912, Katalog, Seite 56, Nr. 981. 1913 - Kassel, im Kunstverein am Ständeplatz, 1. März – 31. März, Werkstatt der Kunst 1912/13, Heft 25, Seite 342 1914 - Große Berliner Kunstausstellung, 11.5.–27.09.1914, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1914, Katalog, Seite 108, Nr. 2228. 1917 - Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 1. Juli bis 30. September, München, Katalog, Seite 45, Nr. 917 1918 - Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 1. Juli bis 30. September, München, Katalog, Seite 45, Nr. 1024, 1025 1919 - Große Berliner Kunstausstellung, 24.6.–30.9.1919, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1919, Katalog, Seite 31, Nr. 474. 1919 - Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 1. August bis 30. September, München, Katalog, Seite 33, Nr. 734, 735 1920 - Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 1. Juli bis 30. September, München, Katalog, Seite 21, Nr. 885, 886 1920 - Große Berliner Kunstausstellung, 21.5.–30.9.1920, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1920, Katalog, Seite 28, Nr. 487. 1921 - Große Berliner Kunstausstellung, 14.5. –30.9.1921, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1921, Katalog, Seite 45, Nr. 542. 1921 - Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 15. Juni bis 30. September, München 1922 - Große Berliner Kunstausstellung, 20.5.–17.9.1922, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1922, Katalog, Seite 34, Nr. 587. 1923 - Große Berliner Kunstausstellung, 19.5.–7.9.1923, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1923, Katalog, Seite 20, Nr. 635. 1925 - Große Berliner Kunstausstellung, 16.5 –31.8.1925, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1925, Katalog, Seite 49, Nr. 627. 1925 - Münchener Kunstausstellung im Glaspalast, 29. Mai bis Anfang Oktober, München, Katalog, Seite 36, Nr. 1128 1926 - Frühjahrsausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin (VKB), ? – ? 1926, Schöneberger Ufer, Berlin 1927 - Große Berliner Kunstausstellung, 7.5.–30.9.1927, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1927, Katalog, Seite 19, Nr. 321. 1928 - Frühjahrsausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin (VKB), ? – ? 1928, Schöneberger Ufer, Berlin 1928 - Große Berliner Kunstausstellung, 9.5 –31.7.1928, Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1928, Katalog, Seiten 33–34, Nr. 613, 614. 1928 - 1929 Aquarelle - Graphik – Zeichnungen. Ausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin, Dezember 1928–- Januar 1929, Schöneberger Ufer, Berlin 1929 - Frühjahrsausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin, 15. April – 15. Mai 1929, Schöneberger Ufer, Berlin 1929 - Die Frau von Heute, Gemälde – Graphik – Plastik. Ausstellung des Vereins der Künstlerinnen zu Berlin, November - Dezember, Schöneberger Ufer, Berlin 1929 - Große Berliner Kunstausstellung, 19.5.–15.8.1929, Schloß Bellevue, BerlinGroße Berliner Kunstausstellung 1929, Katalog, Seiten 17, 28, Nr. 101, 255.