mini|Wollstoff mit Kasuri-Musterung

Kasuri () ist eine japanische Methode der Gewebemusterung mit teilgefärbtem Garn. Es handelt sich um eine Variante des Ikats.

Ursprung Kasuri ist eine Musterfärbetechnik, bei der die Fäden vor dem Weben teilweise eingefärbt werden, so dass sich durch leichte Verschiebungen beim Weben ausgefranst wirkende Muster ergeben. Es gibt, neben anderen, zwei ungewisse Theorien, wie das Wort „Kasuri“ entstanden ist, zum einen, weil das Muster „kasutta“ (掠った) „verschrammt“ aussieht, und eine andere, dass es vom „Kashīrī“ (カシィリィ) in der Ryūkyū-Sprache abgeleitet ist. Das Wort selbst leitet sich vielleicht von dem indonesischen Begriff „Ikat“ ab, auch das ist nicht sicher.

Es gibt Vermutungen, dass Ikat-Stoffe aus Indonesien und Indien über die Ryūkyū-Inseln auf die japanischen Hauptinseln gelangten. In Japan wurden vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit die Methoden des Färbens in großen, gepunkteten Mustern übernommen. Das Verfahren wurde weiter vereinfacht, und ab der Mitte der Neuzeit entwickelte sich die Kasuri-Technik zusammen mit der Baumwolle, die in der breiten Bevölkerung populär wurde. Der Verbreitungsweg verlagerte sich von den südlichen Ryūkyū-Inseln allmählich nach Norden und breitete sich in den Baumwollanbaugebieten verschiedener Regionen aus. Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Technik auch für Seiden- und Hanfstoffe eingeführt. Was als einfaches Kreuz- oder Hagelkornmuster begann, entwickelte sich allmählich zu komplexen, bildhaften Mustern. Die Blütezeit der Kasuri-Weberei ist relativ jung und begann in der Meiji-Zeit (1868–1912).

Arten Kasuri lässt sich nach Art der Färbung unterteilen (1. Reservefärbung durch Abbinden und 2. Bedrucken oder Bemalen) oder danach, welches Fadensystem gefärbt wird: Kette, Schuss oder beides. Die Methoden zur Herstellung der Kasuri-Fäden variieren je nach Design und den Produktionsbedingungen in den einzelnen Regionen. Sie umfassen die Tekubiri-Methode (手くびり, dt.: Hand-binden), bei der die künftigen Gewebefäden parallel ausgespannt und bündelweise mit Hanf- oder Baumwollfäden (auch synthetischen Fäden) abgebunden werden, und die Orijime-Methode (織締, dt.: web-binden), bei der die Schussfäden bündelweise in eine provisorische Kette eingetragen und dann abgebunden werden. Ein anderes Verfahren ist das Itajime (板締, dt.: Brett-binden), bei dem die Fäden nicht abgebunden, sondern zwischen zwei mit einem Muster versehene Bretter gelegt werden, um das Färben zu verhindern. Es gibt auch Methoden, bei denen die Kett- oder Schussfäden vorübergehend provisorisch verwebt, mit einer Schablone gefärbt, wieder aufgetrennt und dann endgültig verwebt werden. Ein ähnliches Verfahren wird als „Surikomi Kasuri“ (摺り込み絣) bezeichnet, bei dem die Farbe mit einem Pinsel oder einer Bürste aufgetragen wird.

Weiteres Die japanische Kasuri-Produktion hat ihren Ursprung in den Baumwollanbaugebieten und wurde im Lauf der Zeit auch auf Seiden-, Woll- und andere Stoffe angewendet. Zu den Baumwollgeweben gehören Kurume-Gasuri (久留米絣), benannt nach der Stadt Kurume, Iyo-Kasuri (伊予絣), nach der Provinz Iyo, und Bingo-Kasuri (備後絣), nach der Provinz Bingo. Zu den Seidengeweben gehören „Ryūkyū-Kasuri“, Yūki-Tsumugi (結城紬) und Ōshima-Tsumugi (大島紬), und zu den Hanfgeweben gehören u. a. „Echigo Jōfu“ (越後上布) und „Noto Jōfu“ (能登上布).

Die Kasuri-Stoffe wurden differenziert eingesetzt: das dunkelblaue Kasuri wurde nur für die Arbeitskleidung der Bauern verwendet, während komplexe Kasuri-Muster für Luxusartikel verwendet wurden. Kasuri-Kleidung ist jedoch nur für den Alltagsgebrauch bestimmt und wurde nicht als formeller Kimono getragen.

Literatur S. Noma (Hrsg.): kasuri. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 751.

Weblinks

Information zu Kasuri in der Kotobank, japanisch

Einzelnachweise

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