Das Macellum von Pompeji befand sich am Forum und war als Lebensmittel-Markthalle (Macellum) der antiken Stadt ein zentraler Ort Pompejis. Das Gebäude wurde in mehreren Bauphasen errichtet. Beim Erdbeben 62 n. Chr., das Pompeji in weiten Teilen zerstörte, wurde auch das Macellum in Mitleidenschaft gezogen. Bei den modernen Ausgrabungen fanden die Forscher ein Gebäude vor, das noch nicht wieder völlig instand gesetzt worden war.
Von besonderem Interesse für die Forschung ist der an der Westseite gelegene Bereich, der dem Kaiserkult zugeschrieben wird. Er verdeutlicht, wie sehr schon im ersten Jahrhundert das römische Kaisertum im Leben der Römer verankert war. Auch die anderen Räume der Westseite sind als Beispiele für die Verbindung von Wirtschaft und öffentlichem Leben interessant. Zudem ist der Markt beredtes Zeugnis für die Alltagskultur, die durch Funde wie Reste von Lebensmitteln, Waren des täglichen Gebrauchs und Bedarfs bis hin zu Beispielen römischer Wandmalerei illustriert wird.
Lage mini|Älterer Plan des Forums von August Mau. Das Macellum ist das Gebäude in der rechten oberen Ecke.
Das Macellum von Pompeji befindet sich an der äußersten Nordostecke des Forums. Mit dem fortschreitenden Wachstum der Stadt war es nötig, das Forum zu entlasten. Bei der Entdeckung hielten es die Ausgräber wegen der zwölf Sockel in der Mitte zunächst für eine Art Pantheon,Nissen: Pompeianische Studien S. 278. 283. ein mehreren Göttern geweihtes Gebäude. Als man jedoch bei späteren Grabungen in den Räumen an der Nordseite Getreide und Früchte sowie in der Mitte des Hofes Fischgräten und Fischschuppen fand, erkannte man, dass es sich um einen Markt handelte.
Das Macellum hatte drei Zugänge, zwei Haupteingänge und einen Nebeneingang. Der erste Haupteingang befand sich in der Mitte der Westseite, am Forum, der zweite Haupteingang in der Mitte der Nordseite, an der Via degli Augustali. Ein Nebeneingang befand sich im Südosten. Er war nur über eine kleine Treppe zu erreichen.
Die Orientierung des Macellums weicht von der des Forums ab. Sie wird durch den Verlauf der Via degli Augustali und des Vico del Balcone Pensile im Süden bestimmt. Um diese Abweichung zu kompensieren, nimmt die Größe der Läden, die an der Westseite zum Forum hin liegen, von Norden nach Süden ab.
Bauliche Besonderheiten Eingangsbereich und Westseite mini|300px|Macellum von Pompeji – Ansicht von außen auf die tabernae
Vor der Fassade stehen noch drei stark restaurierte Marmorsäulen von der Portikus des Forums mit korinthischen Kapitellen. Im unteren Drittel sind zwei der Säulen mit einem Rundstab verziert, der obere Teil ist unkanneliert. Auf den Kapitellen liegt heute noch ein Teil des Gebälks. Die Vorhalle des Macellums war besonders eng mit der Portikus des Forums verschmolzen. Auf zwei Stufen erhoben sich zwei Säulenreihen ohne Zwischenboden übereinander. So wirkte die Portikus eher wie eine Fassade.Zum Aufbau und Maßen siehe La Rocca, de Vos: Pompeji, S. 180–185.
Auch die Sockel für die Ehrenstatuen, die hinter jeder Säule standen, befinden sich noch an Ort und Stelle. Ihnen fehlt aber ihre ursprüngliche Marmorverkleidung. Weitere Sockel für Ehrenstatuen befanden sich vor den Eckpfeilern der tabernae (der Läden) an der Vorderseite des Baus. Diese Räume aus opus incertum (einem Bruchsteinmauerwerk) waren wahrscheinlich Wechselstuben. Im Macellum selbst soll noch eine weitere Portikus gestanden haben, von dem aber keine Säulen mehr erhalten sind. Erkennbar sind nur noch eine Wasserrinne und darin Standspuren von Säulen.
mini|Grundriss des Macellums Der Haupteingang wurde von einer zweisäuligen Ädikula für eine Statue mit zwei eleganten korinthischen Säulen in zwei Durchgänge unterteilt. Hier stand vermutlich eine Statue des Kaisers. Somit ist anzunehmen, dass der Kaiserkult schon mit dem Eintritt ins Macellum begann. Beide korinthischen Säulen sind mit Chimären verziert, die ursprünglich nicht Teil des Macellum waren. Sie gehörten eigentlich zu einem der großen Gräber, zur Tomba delle Ghirlande (Girlandengrab) der Via del Sepolchri (Gräberstraße) vor dem Herkulaner Tor.La Rocca, de Vos: Pompeji. S. 181. Sie wurden wahrscheinlich nicht in Pompeji hergestellt, sondern stammen wohl aus einer Werkstatt in Griechenland. Möglicherweise wurden sie aber auch in einer neoattischen Werkstatt in Neapel oder Puteoli gearbeitet.
mini|Wandmalerei im 4. Stil Außerdem hat sich an der Westseite ein Beispiel einer Dekoration des vierten Stils der römischen (sogenannten pompejanischen) Wandmalerei erhalten. Sie stammt offenbar aus der Zeit nach 62 n. Chr. Oberhalb des Sockels sind schwarze, mit Rot eingefasste Felder gemalt. In deren Mitte sind Bilder mit mythologischen Szenen dargestellt. Auf ihnen erkennt man Penelope, wie sie Odysseus wiedererkennt, Io, die von Argos bewacht wird, sowie die über den Tod ihrer Kinder nachsinnende Medea. Zwischen den einzelnen Wandfeldern befinden sich Architekturdurchblicke vor weißem Hintergrund, mit perspektivisch dargestellten grünen und blassroten Gebäuden.
Die zarten architektonischen Elemente überragen die schwarzen Wandfelder und untergliedern die Oberzone in Felder, auf die vor blauem Hintergrund einzelne Figuren gemalt sind. Man erkennt ein Mädchen mit Opfergeräten sowie einen Aulos blasenden Satyr. Darüber sind auf großen Wandfeldern Stillleben mit Vögeln, Geflügel, Weinkrügen, Früchten, Blumen, Körben und Fischen in einem der Volkskunst nahestehenden Stil gemalt. Diese Darstellungen erleichtern die Identifizierung des Gebäudes als Macellum. Ein weiteres Bild zeigt einen Esel, der von Eroten mit Girlanden bekränzt wird. Daneben erkennt man Mühlsteine. Diese Malerei symbolisiert wahrscheinlich das Fest des Vesta, an dem die Esel von ihrer Arbeit befreit wurden.
Innenhof, Nord- und Südseite Von den Eingängen betritt man einen weiträumigen Hof. Von der Porticus, die hier sein sollte, fand man keine Reste mehr. Höchstwahrscheinlich waren die Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben von 62 noch nicht abgeschlossen. Bei Nachgrabungen fand man tatsächlich die aus Travertin gearbeiteten Standflächen (den Stylobat) für die Säulenreihe an der Nordseite sowie für ein kleines Stück an der Westseite. Wahrscheinlich waren die Säulen der Portikus noch gar nicht aufgestellt worden. Es handelt sich dabei nicht um die einzige Stelle, an der man die Arbeiten des Wiederaufbaus erkennen konnte. Auch die inneren Umfassungsmauern sowie die Räume im Süden und Osten gehen auf die Restaurierungen nach 62 zurück. Sie bestehen aus opus incertum. Nur die Eckpfeiler sind aus Backsteinen sowie kleinen Tuffquadern in opus listatum (einem Mauerwerk, in dem sich Ziegel und schmale Mauerblöcke abwechseln) gemauert.
Zu beiden Seiten neben dem Seiteneingang befanden sich zwölf Lebensmittelläden. Sie lagen an der Nordseite, damit ihre Ware vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt und frisch gehalten wurde. Man fand hier Feigen, Trauben, Kastanien, Hülsenfrüchte, Brot, Kuchen, Amphoren sowie Früchte in Gläsern (heute im Museum von Neapel). Die tabernae waren nur zur Via degli Augustali geöffnet und hatten keinerlei Verbindung zum Innenraum des Macellum. Die Ostwand sowie westliche Teile der Nordwand sind bis zu einer Höhe von 1,35 m aus opus incertum gearbeitet, darüber bestanden sie aus Kalkstein und Tuff. Über den Läden sollen sich Mansarden befunden haben, in denen Fleischerknechte und anderes Personal lebten. Vor den Mansarden führte eine Holzgalerie entlang. Da im Inneren des Macellums keine Treppen gefunden wurden, muss der Zugang wohl von außerhalb erfolgt sein.
An der Südseite, direkt neben der Fleisch- und Fischhalle an der Via del Balcone Pensile befindet sich der dritte Eingang. Die Via del Balcone Pensile wurde nach Errichtung des Larenheiligtums zu einer Sackgasse. Die Außenmauer auf dieser Seite wurde bis auf die Höhe des Laren-Heiligtums (ca. 13 m) aus opus reticulatum (Mauerwerk aus netzförmig angeordneten, quadratischen Steinen) gefertigt. Dieses Mauerwerk besteht aus verschiedenfarbigen, in Reihen angeordneten Tuffsteinen, die von Pilastern aus Ziegelsteinen eingefasst sind. Ein Stucküberzug war aufgrund dieser feinen Buntheit unnötig. Nach Meinung einiger Archäologen ist dieses das wohl schönste Beispiel einer Mauer aus der letzten Bauphase Pompejis.La Rocca, de Vos: Pompeji. S. 183. Es schließt sich eine Mauer aus opus incertum an (deutlich älteres Mauerwerk, wohl aus einer älteren Bauphase). Im Inneren des Macellums gibt es an der Südseite zwölf Läden. Sie haben sämtlich in etwa die gleiche Größe und Aufbau. Sie waren zum Verkauf von Lebensmitteln vorgesehen, wahrscheinlich für Fleisch und Fisch.
Mittelbau mini|Die Reste des Mittelbaues
In der Mitte des Macellums stehen die bereits erwähnten zwölf Sockel. Man dachte zuerst, sie seien Überreste eines Rundbaus oder einer Tholos.Nissen: Pompeianische Studien S. 281. Darin sollen sich ein Becken und ein Brunnen befunden haben. Man vermutete, der Rundbau sei nach dem Vorbild anderer Macella, etwa den großartigen ostgriechischen und afrikanischen oder auch römischen wie in Puteoli, gestaltet worden. Die Grabungen Amedeo Maiuris hingegen ergaben Klarheit über die Aufgabe der Sockel und der zwölfeckigen Fläche. Wie die zahlreichen Fischgräten und Fischschuppen beweisen, die in dem bis zur Mitte führenden Abwasserkanal gefunden wurden, war der Platz für den Verkauf von Fischen bestimmt. Sie wurden hier abgeschuppt und geputzt.La Rocca, de Vos: Pompeji. S. 184.
Die Sockel hielten zwölf Holzpfähle, die in der Erde steckten und an den Sockeln verankert wurden. Diese Pfähle trugen ein hölzernes Dach. In der Mitte des Zwölfecks befand sich wohl ein Brunnen, ein Becken gab es aber nicht. Die Sockel wurden im 19. Jahrhundert restauriert, nachdem sie in einem sehr schlechten Zustand gefunden wurden. Sie bestehen aus Tuff und sind zu einem Polygon angeordnet. Der innere Bezirk wird von einer niedrigen Leiste aus Marmor begrenzt. Diese kleine Leiste sollte verhindern, dass das Wasser aus dem mittleren Bezirk nach außen floss. Der Fußboden besteht aus einem Gemisch von zerstoßenen Steinziegeln, aus Travertin, Marmor und Mörtel. Als man unter Giuseppe Fiorelli diesen Bereich ausgrub, hielt man ihn noch für eine Art Pantheon und nannte ihn zunächst auch so.Warscher: Pompeji, S. 17.
Kaiserkultraum An der Ostseite befanden sich drei weitere Räume. Sie sind im Vergleich zum übrigen Macellum erhöht. Der Raum in der Mitte war ein der kaiserlichen Familie geweihter Raum, der Kaiserkultraum. In einigen Büchern wird dieser Raum als sacellum (Kapelle) bezeichnet.So in T. Warscher: Pompeji - Ein Führer durch die Ruinen. Berlin - Leipzig 1925. Man betritt ihn über eine fünfstufige Treppe. Dieser Raum ist im Vergleich zur übrigen Ausstattung recht einfach gestaltet. Der Eingang war mit einem Stabmuster verziert. An der Rückwand befindet sich ein Sockel, und in den Seitenwänden sind beidseitig je zwei Nischen eingelassen.
mini|Kopien der Statuen an ihrer Fundstelle In den Nischen auf der rechten Seite stehen Gipsabgüsse (nach Meinung einiger Archäologen schlechte Kopien) der zwei Statuen, die hier gefunden wurden. Die Originale befinden sich heute im Nationalmuseum von Neapel. Man hielt sie irrtümlich für Bildnisse des Marcellus und der Octavia.La Rocca, de Vos: Pompeji. S. 282. Marcellus war der Schutzherr Pompejis, also lag diese Vermutung nahe. In der anderen Nische wurden Agrippina und Nero vermutet. Heute nimmt man an, es müsse sich um zwei andere, noch nicht identifizierte Mitglieder der kaiserlichen Familie handeln.So in T. Warscher: M. R. Srgejenko: Pompeji. Leipzig 1953, S. 118. Außerdem fand man hier einen Arm mit einem Globus in der Hand. Er gehörte vielleicht zur Kaiserstatue.
Heinrich Nissen zufolgeNissen: Pompeianische Studien S. 282. wurde die Rückwand des Raumes schon in der Antike während einer Grabung durchbrochen. Dabei wurden drei der fünf Statuen geborgen. Außerdem gebe es nur zwei mögliche Kombinationen der Statuen: