mini|hochkant=1.3|Bettdecke, Kissen und Teppich aus Alpakafell (2020) Der Pelz im Wohnbereich findet sich bevorzugt in der Form von Fellvorlegern, Felldecken oder als fellbezogenes Sitzmöbel.

Geschichte Die Verwendung von Tierfellen im Wohnbereich reicht weit zurück. Steinzeitmenschen der frühesten Zivilisation nutzten zweifellos Felle als wärmende Unterlage und Zudecke, eine Praxis, die bis in heutige indigene Gesellschaften fortgeführt wird. Wandernde Volksstämme des Nordens führten wohl sämtlich Felle als leicht zu transportierenden Haushalt mit sich. Die Residenz des Mongolenführers Groß-Khans Kublai Khan beschrieb Marco Polo (1254–1324) darüber hinaus wie folgt: „Die Zelte sind außen mit schwarz-weiß und rot-gestreiften Löwenhäuten bedeckt [gemeint sind Tigerfelle] und so verwahrt, dass weder Regen noch Wind eindringen kann. Innen sind sie mit Hermelin- und Zobelfellen bedeckt, welche köstlicher sind als irgend ein anderes Pelzwerk […]“.Reinhold Stephan, Bochum: Zur Geschichte des Rauchwaren-Handels im Altertum und Mittelalter und die Erschließung des russisch-asiatischen Raumes vom 16. –18. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation Universität Köln 1940, S. 32 (→ Inhaltsverzeichnis).

Erste Geschichtsschreibungen über den Pelz zum dekorativen Gebrauch im Innenbereich beginnen mit der Bibel, in der in Exodus die Konstruktion des Tabernakels beschrieben wird, mit 11 Vorhängen aus Ziegenhaar, einem Zelt aus rotgefärbtem Widderfell und einem Vordach aus Dachsfellen.Bibel, King James Version (1611) Exodus 36, 14, 19 (Sekundärquelle Faiers). Der in der Bibel aufgeführte üppige Gebrauch findet seine Entsprechung im Mittelalter, wo eine Vielzahl von Fellarten als Zudecken und Bodenbelag benutzt wurden. Wohlhabende Haushalte verwendeten verschiedentlich Bettdecken, die mit Pelz bezogen waren. Einige davon waren einfach mit Fell gefüttert, andere bestanden vollständig aus Fell.

Pablo Picassos Bemerkung, man könne eigentlich alles mit Pelz beziehen, war wohl nur eine Reaktion auf einen Pelzreif der Künstlerin Meret Oppenheim, die 1936 daraufhin auch noch ihr berühmt gewordenes Déjeuner en fourrure („Frühstück im Pelz“) schuf, eine mit chinesischem Gazellenfell ausgefütterte Tasse mit Pelzuntertasse und Pelzlöffel, der absolute Gegensatz zu einem Gebrauchsgegenstand. Tatsächlich wurde in der Vergangenheit wohl fast jedes Wohnmobiliar auch zusammen mit Pelz gefertigt. Spätere Architekten möblierten Wohnräume allgemein sehr viel spartanischer. Jedoch wurden „Luxusversionen“ neben schlichten Basiktextilien gelegentlich mit Fohlen-, Leopard- oder Zebrafellen dekoriert, wie Jonathan Faiers, „Professor of Fashion Thinking“, meint, „Stücke, die einen Dialog zwischen westlicher, rationaler, technologischer Konstruktion und ‚primitiver‘, taktiler Sinnlichkeit schufen“.

Im Jahr 1974, einer Zeit des seit längerem expandierenden Pelzverbrauchs, war auch der Absatz an Dekofellen und Felldecken gestiegen. Ein Hamburger Pelzgroßhändler, unter anderem Anbieter von „chinesischen Ornament[fell]tafeln“, südamerikanischen „Stierfell“-Teppichen, -Brücken, -Deckchen, -Untersetzern und -Vorlegern,Chinesische Ornamenttafeln, bebilderte Preisliste, ca. 1980; Stierfellartikel. Prospekt und Preisliste, beides Henkell & Co., Hamburg, November 1980. wies in dem Jahr darauf hin, dass die dafür verwendeten Qualitäten von Fuchs, Kanin, Skunks oder Opossum den europäischen Qualitätsansprüchen entsprächen und ebenso gut als Material für Jacken, Paletots, Capes und Mäntel hätten verwendet werden könnten. Billiger geworden waren in diesem Jahr einige Ziegentypen und chinesische Ornamenttafeln, teurer wurden Langhaarartikel, wie Wolf, Coyote und Bären.Henkell & Co., Hamburg: Marktbericht für Dekorationsfelle und Felldecken. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 265, Frankfurt am Main, 20. Dezember 1974, S. 1–2.

Als natürliches Material ist die Lebenszeit der Pelz-Wohnaccessoires begrenzt. Nicht nur wird irgendwann das Aussehen durch natürlichen Abrieb der Haare beeinträchtigt, die trockene Raumluft führt, von der Art der Pelzzurichtung abhängig, früher oder später zum Brüchigwerden des Leders und der Haare. Entsprechende Produkte des Haushalts aus früherer Zeit sind daher fast gar nicht erhalten. Bedingt durch den Zeitgeist sind Echtpelze heute auch im Wohnbereich sehr viel weniger im Gebrauch, verdrängt auch durch den Einsatz von im Aussehen für das ungeübte Auge teilweise kaum zu unterscheidenden Textilien.

Fellvorleger, Fellteppich mini|Lammfellteppich, Vorleger (Barbara Janssen, 2022)

Im Sprachgebrauch werden auch kleinere Fellteppiche aus zusammengenähten Pelzresten oder mehreren kleinen Fellen als Vorleger bezeichnet. Im engeren Sinn sind es Bodenbeläge aus einem einzigen Fell, in der natürlichen Fellform belassen. Typisch waren in den Zeiten, in denen sie besonders in Gebrauch waren, Vorleger aus einem Eisbärfell oder aus Raubkatzenfellen, wie Tiger, Leopard und Löwe. In aufwändigerer Ausführung können sie einen ausgearbeiteten Kopf haben und sind unterfüttert, oft mit einem farbigen, gezackten Filzstreifen eingefasst. Ein Eisbär-Teppichvorleger war lange Zeit der Inbegriff für ein romantisches Ambiente. 1974 hieß es bereits in einem Fachbuch des New Yorker Kürschners David G. Kaplan, dass moderne Dekorateure, die ähnliche Effekte ohne die exorbitanten Kosten für Eisbärfelle anstrebten, diese durch Rinder-, Schaf- und Zebrafelle ersetzten. Die Entwicklung von mehrfarbigen, kunstvoll gestalteten Pelztafeln in aufwendigen Designs hatte zudem eine weitere Quelle für dekoratives Fellmaterial geschaffen.

Für die Herstellung der Vorleger ist es wichtig, dass die Felle noch Nasen und die Krallen besitzen. Die Leipziger Rauchwarenhandlung Heinrich Lomer wies in ihrem Katalog 1913/1914 ausdrücklich darauf hin, dass sämtliche von ihr angebotenen Eisbärfelle in dieser Hinsicht komplett waren. Den gleichen Hinweis gab es für Königstigerfelle, bei den Löwen kam der Hinweis auf die vorhandenen Mähnen hinzu.Preisverzeichnis Heinrich Lomer Rauchwaren Leipzig, Winter 1913/1914. S. 4, 25. Löwenfelle mussten möglichst eindrucksvolle Mähnen haben, Felle von Löwinnen waren wegen der fehlenden Mähne nur schwer zu verkaufen. Das Vorhandensein der Krallen war keinesfalls selbstverständlich. Der Rauchwarenhändler Emil Brass berichtete etwa um die gleiche Zeit, dass die Krallen in China als Amulette sehr begehrt waren, „man muß, wenn man ein Tigerfell gekauft hat, sehr genau aufpassen, da sonst die Klauen unter den Händen weg gestohlen werden“.Emil Brass: Nutzbare Tiere Ostasiens. Verlag J. Neumann, Neudamm 1904, S. 5. (→ Inhaltsverzeichnis) Felle typischer Jagdtrophäen kamen immer nur wenig in den Handel, Brass gab für etliche Arten für Anfang des 20. Jahrhunderts „nur einige Hundert“ an, die Felle wurden zumeist von den Jägern selbst genutzt.

Insbesondere alle Großkatzenarten sind inzwischen geschützt und gelangen vielleicht noch sehr vereinzelt als Jagdtrophäen in entsprechende Räumlichkeiten.

Felldecke, Fellkissen, Fußtasche

mini| Decke und Kissen aus Nutriafellresten. Auszubildenenarbeit von Thomas Pflüger, Firma Herhold Pelze, Wiesbaden (1987) mini|Frieda Hempel auf einer Schaffelldecke auf einem Chaiselongue (um 1917)

Felldecken sind aus mehreren, meist kleineren Fellen, wie Fuchsfelle oder Possumfelle, zusammengesetzte Decken. Historisch wurden auch Vorleger, die in der natürlichen Form aus einem einzelnen großen Tier gearbeitet sind, wie Angoraziege oder Rentier, ehemals vor allem auch Bären und Großkatzen (inzwischen geschützte Arten), als Felldecken bezeichnet.

Im bürgerlichen Wohnzimmer waren Felldecken und Fellkissen eher seltene, aber wahrscheinlich doch die am häufigsten vorhandenen Pelzobjekte. In Intarsienarbeit gearbeitete Fellkissen waren häufig erste selbständige Übungsarbeiten für Auszubildende im Kürschnerhandwerk.

In der früheren Türkei saß man dem Landesbrauch entsprechend auf Teppichen, häufig auch auf Pelzteppichen; es gab auch mit Pelz gefütterte Laken. In der Liste der Möbel und Gegenstände der sehr edlen venezianischen Dame Maria, „relicta quondam“ Clarissimi Domini Hieronimi Pollani († 7. Januar 1590), finden sich über sechzig pelzgefütterte Gewänder und eine große Anzahl von mit Pelz gefütterten Bettdecken, daneben eine Vielzahl von Fellvorlegern mit präparierten Köpfen sowie eine große Kiste (rassone) voller mottenzerfressener Pelzdecken.Richard Davey: Furs and Fur Garments. The International Fur Store and The Roxburghe Press, London 1895?, S. 22, 26–27 (englisch).

In Winchester hatte ein Bischof eine Decke aus Hermelinfellen, die mit Fehfellen besetzt war, ein Londoner Kaufmann schlief unter Leopardenfellen. Es gab Wiegenbezüge, die mit weißem oder getupften Hermelin (Miniver) besetzt oder mit Marder gefüttert oder daraus gearbeitet waren. Die Bettbehänge oder -vorhänge der Prinzessin Philippa von England müssen prächtig gewesen sein, aus Goldtuch aus Zypern, bestickt mit Falken und mit Hermelinfell besetzt. Des englischen Königs Johann Ohnelands Bettdecke aus Samt, mit Zobel gefüttert oder verziert und mit Hermelin eingefasst, muss, nach Ansicht der Historikerin Elspeth M. Veale, eines seiner wertvollsten Besitztümer gewesen sein.

Später dienten Pelzdecken besonders auch als Wagen- und Schlitten-, später als Autodecken. Kleinere, eventuell künstlerisch gestaltete Ausführungen wurden auch als Vorleger oder Wandschmuck genutzt. Beliebt waren zuletzt vor allem Decken aus langhaarigerem Fell. Sie werden oft nicht nur als Zudecke oder Dekoration, sondern auch als Sitzunterlage auf Sofas und Ähnlichem gebraucht. Fußtaschen, Fußkörbe und Fußsäcke, ausgefüttert und verbrämt mit Pelz, waren ein häufiges winterliches Accessoire in den früher weitaus weniger beheizten, fußkalten Wohnzimmern.

In der Kürschnerei ist die Umgestaltung von unmodisch gewordener Pelzbekleidung zu Decken und Kissen eine häufig nachgefragte Möglichkeit der Weiterverwendung durch den Kunden, die neben der Umarbeitung zu Pelzinnenfuttern mit der zuletzt abgenommenen Akzeptanz des Pelztragens an Bedeutung gewonnen hat.

Pelzsitzmöbel In China und Korea waren Leopardenfelle früher ein beliebter Sesselschmuck in den Häusern der Mandarine.Emil Brass: Aus dem Reiche der Pelze. 2. verbesserte Auflage, Verlag der „Neuen Pelzwaren-Zeitung und Kürschner-Zeitung“, Berlin 1925, S. 485–489. Im alten Griechenland und im alten Rom, wo das Essen im Liegen eingenommen wurde, wurden Felle als Überwurf von Stühlen und Liegestätten benutzt. Ein Fund, stammend aus der Zeit kurz nach 1400 v. Chr. aus dem Guldhøj auf Jütland, Dänemark, brachte im Grab, neben einer in ein Rinderfell eingewickelten Leiche, einen Klapphocker mit einem Otterfell als Sitz zutage.An elegant seat of otter skin. Nationalmuseet i København (englisch). Abgerufen am 27. Juni 2023.