Die St.-Hedwigs-Kirche () in der polnischen Stadt Jeziorany () ist ein neugotischer Ziegelbau aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis 1945 war sie die Pfarrkirche für das evangelische Kirchspiel Seeburg in Ostpreußen. Heute ist sie Filialkirche der römisch-katholischen Pfarrei St. Bartholomäus Jeziorany in der Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Die Stadt Jeziorany liegt in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren an der Woiwodschaftsstraße 593, die die Städte Reszel (Rößel), Dobre Miasto (Guttstadt) und Miłakowo (Liebstadt) miteinander verbindet.

Die St. Hedwigskirche steht im nördlichen Stadtgebiet an der Ausfallstraße nach Bisztynek (Bischofstein) unweit des alten evangelischen Friedhofs (Stary Cmentarz Ewangelicki).

Kirchengebäude Die Grundsteinlegung zu der bereits lange zuvor geplanten evangelischen Kirche in Seeburg erfolgte am 17. Juni 1886.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 118 Nach 15 Monaten Bauzeit konnte die Kirche am 21. September 1887 eingeweiht werden.

Entstanden war ein auf rechteckigem Grundriss errichteter Ziegelbau in neugotischem Stil mit Apsis und einem quadratischen Turm.Gazeta Olsztyńska: Jeziorany dawny kościół ewangelicki (polnisch)

Das Kirchenschiff ist mit einem Satteldach und holländischen Ziegeln versehen. Im Turm, an den sich ein polygonaler Vorbau anschließt, befindet sich ein spitzbogiges Portal. Im zweiten Stockwerk des Turms ist eine ovale Öffnung mit einem Fenster in einer Nische angebracht. Die Turmspitze ist noch immer mit einem „Kreuz auf der Weltkugel“ gekrönt. In der Glockenstube hängen zwei Glocken.

Von großen Schäden blieb die Kirche während der Weltkriege verschont. Sie wurde nach 1945 als evangelisches Gotteshaus aufgegeben und von der römisch-katholischen Kirche übernommen. Die Weihe vollzog am 10. Mai 1992 der ermländische Bischof Edmund Piszcz.

Kirchengemeinde Seeburg ist ein sehr altes Kirchdorf. Bereits im 14. Jahrhundert gab es hier eine Kirche. Die Reformation konnte hier zunächst nicht Fuß fassen.

Evangelisch Kirchengeschichte Im 18. Jahrhundert gab es hier erste evangelische Einwohner, deren Betreuung bis 1792 den Geistlichen aus Bischofsburg (polnisch Biskupiec) oblag.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformations bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 126 Zu deren Unterstützung waren in Seeburg von 1783 bis 1833 Katecheten eingesetzt. Nachdem 1830 hier eine evangelische Kirchengemeinde gegründet worden war,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 490 gab es ab 1833 auch eigene Pfarrer. Gehörte die Kirche Seeburg anfangs auch noch zum Kreis Heilsberg, so war sie dann bis 1945 in den Superintendenturbezirk Allenstein im Kirchenkreis Ermland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Das weitflächige Kirchspiel zählte im Jahre 1925 doch nur 450 weit verstreut lebende Gemeindeglieder.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung führten zum Verfall der evangelischen Gemeinde in der inzwischen „Jeziorany“ genannten Stadt. Heute hier wieder lebende evangelische Einwohner gehören jetzt zur Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. Die nächste Kirche ist die Christus-Erlöser-Kirche Olsztyn (Allenstein).

Kirchspielorte Neben dem Pfarrort gehörten zum Kirchspiel Seeburg bis 1945 mehr als dreißig Orte:Geschichtliches Ortsverzeichnis: Seeburg (Landkreis Rößel) Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Adlig Wolka1938–1945 Adlig Wolken Wólka Szlachecka Kirschdorf Kiersztanowo Polkeim Polkajmy Bürgerdorf Miejska Wieś Klein Bößau Biesówko Potritten Potryty Derz Derc Krämersdorf Kramarzewo Sauerbaum Zerbuń Eichenstein Dębno Krokau Krokowo Scharnigk Żardeniki Elsau Olszewnik Kunkendorf Kalis Schönborn Studnica Fehlau Wielewo Lekitten Lekity Vierhuben Czwórka Fleming Frączki Lichtenhagen Ustnik Voigtshof Wójtówko Frankenau Franknowo Lokau Tłokowo Walkeim Wilkiejmy Freudenberg Radostowo Mariensee Godzięcin Wollmersruh Ignacówka Johannisberg Januszewko Modlainen Modliny Wonneberg Studzianka Kekitten Kikity Pissau1910–1945 Waldensee Piszewo Zehnhuben Kostrzewy

Pfarrer In den Jahren von 1783 bis 1945 amtierten in Seeburg als Karecheten bzw. als Pfarrer:

Katecheten: Johann Jakob Feggler, 1783–1784 Johann Christopf Dietrich, 1798–1804 NN. Schmidt, 1817–1824 NN. Rohdmann, 1824–1829 NN. Kardinal, 1830–1831 Johann Friedrich Brenke, 1831–1833

Pfarrer: Johann Friedrich Brenke, 1833–1835 August Julius Kloth, 1836–1844 Friedrich Otto Hoffmann, 1844–1856 August Oto Robert Thiem, 1856–1865 Friedrich Rudolf Kühn, 1865–1878 Ludwig Leopold Marchand, 1878–1900 Fritz Hassenstein, 1901–1904 Emil Hermann Ewald Riel, 1905–1924 Emanuel Groth, 1924–1935 Max Metschulat, 1935–1938 Berthold Kröhnert, 1938–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Kirchspiels Seeburg sind erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 107 Taufen: 1824 bis 1944 Trauungen: 1824 bis 1944 Begräbnisse: 1824 bis 1944 Konfirmationen: 1910 bis 1944 Kommunikanten: 1879 bis 1944.

Römisch-katholisch Die römisch-katholische Pfarrkirche in Seeburg resp. Jeziorany war und ist die dortige Kirche St. Bartholomäus.Pfarrei St. Bartholomäus: Pfarrei Jeziorany Nach 1945 siedelten sich hier zahlreiche Neubürger meist römisch-katholischer Konfession an. Mit der einst evangelischen Kirche wurde eine Filialkirche in Dienst genommen. Sie ist dem Patronat der Hl. Königin Hedwig, im 14. Jahrhundert auch Königin von Polen, anvertraut.

Die Pfarrei Jeziorany – sie war für lange Zeit auch Dekanatssitz – gehört zum jetzigen Dekanat Barczewo (Wartenburg) im Erzbistum Ermland.

Weblinks

Einzelnachweise

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