Marie Kartsch, verheiratete Hekimian (* 19. Juli 1847 in Salzburg; † 7. Oktober 1937 ebenda), war eine österreichische Blumenmalerin und Autorin.
Leben Marie Kartsch war eine Tochter des Mundartdichters Josef Kartsch (1811–1853), Enkelin des Dekorations- und Landschaftsmalers J(oseph?) KüblerDie österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Steiermark. Verlag der k.k. Hof- und Staatsdruckerei und Alfred von Hölder, Wien 1890, S. 204. sowie Cousine von Conrad von Hötzendorf. Ihr Vater stammte aus Wien, wo er als Buchbindermeister tätig gewesen war, und ging dann nach Salzburg. Dort arbeitete er ab 1847, dem Geburtsjahr von Marie Kartsch, für den Bücherrevisionsdienst und übernahm 1850 die Verwaltung der k. k. Studienanstalt.
Nach dem frühen Tod ihres Vaters zog Marie Kartsch mit ihrer Mutter und drei Geschwistern zu Verwandten nach Wien. Dort erhielt sie ihre künstlerische Ausbildung bei dem Maler Friedrich Schilcher.Marie Kartsch. In: Gudrun Danzer (Hrsg.): Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950. Leykam, Graz 2020, S. 110.
1865 heiratete sie Paul Hekimian, einen aus Konstantinopel stammenden Großhandelsleiter, der an der Wiener K.k. Akademie für Orientalische Sprachen türkische Konversation unterrichtete. Vier Jahre später trennte sie sich von ihm aufgrund seiner Spielsucht und zog zu ihrer Mutter nach Kindberg in der Steiermark. Dort wurde sie von Jakob Eduard Schmölzer gefördert, zu dessen Kompositionen sie Texte in Mundart schrieb. Mit dem Schriftsteller Peter Rosegger, den sie um 1875 porträtierte, verband sie eine Freundschaft.
Unterstützt durch ein österreichisches Staatsstipendium ging Kartsch 1874 nach Berlin. Dort studierte sie bei Theude Grönland die Blumenstilllebenmalerei. Danach war sie eine Zeitlang sehr aktiv als Malerin und Autorin von Gedichten, Erzählungen und Wanderberichten. Sie nahm an Ausstellungen in Wien, Graz und Salzburg teil. Dazu gehören unter anderem die Weltausstellung 1873, wo sie zwei in Öl gemalte Alpenblumenbilder zeigte, und Ausstellungen des Steiermärkischen Kunstvereins in Graz, dessen Mitglied sie war.
Kartsch wohnte rund 25 Jahre in Kindberg und war akzeptierter Teil des dortigen Kulturlebens. Sie litt jedoch unter psychischen Störungen wie Verfolgungswahn, welche nach dem Tod Schmölzers 1886 und dem ihrer Mutter 1891 zunahmen. 1894 kam sie für drei Monate in die „Landesirrenanstalt Feldhof“ bei Graz. Danach lebte sie bei ihrer Schwester in Wien. Sie war nicht mehr in der Lage zu malen und bekam jährliche Gnadengaben von Kaiser Franz Joseph I., dessen Ehefrau Kaiserin Elisabeth ihre Bilder gefielen. Ab 1916 war Marie Kartsch in der Landesheilanstalt für Geistes- und Gemütskranke in Salzburg untergebracht, wo sie 1937 im Alter von 90 Jahren starb.
Werk mini|Alpenblumen von der Hohen Veitsch (ca. 1880)|hochkant=1.2 mini|Porträt des jungen Peter Rosegger Marie Kartsch malte vor allem Blumenstücke (insbesondere Alpenflora) in Öl und Aquarell. Ihre Werke zeigen ein Streben nach botanischer Richtigkeit, das sich in naturgetreuer Darstellung und mitunter Stilisierung ausdrückt. Dabei stellte sie die Pflanzen wahlweise als Arrangements vor neutralem Hintergrund dar oder in ihrer natürlichen Umgebung, häufig vor einer Landschaftsformation.
Neben der Malerei betätigte sich Kartsch auch als Autorin. Sie schrieb fiktionale Erzählungen und sowohl hochdeutsche als auch mundartliche Gedichte, von denen einige in Peter Roseggers volkstümlicher Monatsschrift Heimgarten erschienen. Sie steuerte die Texte zu einer Reihe von Jakob Eduard Schmölzers Kompositionen bei. Dazu zählt das Lied Almfrieden („Wann i auf d Alma geh, lass i die Sorg daham“), das unter anderem in Gustav Jungbauers Sammlung Volkslieder aus dem Böhmerwalde (Band 2, Prag 1939) aufgenommen wurde. Weiters verfasste Kartsch Berichte über Bergwanderungen, die sie in der Gegend um Rax und Hohe Veitsch unternahm, um die dortige Flora für ihre Bilder zu erkunden. Diese wurden in der Zeitschrift Wiener Tourist veröffentlicht.Heike Dobrovolny: Marie Kartsch, die vergessene Freundin Peter Roseggers. In: Kleine Zeitung. 26. Februar 2020. Abgerufen am 8. Juli 2023.
Gemälde (Auswahl) Rosen, 1874 Ausstellung Österreichischer Kunst-Verein Porträt des jungen Peter Rosegger, ca. 1875, Öl auf Leinwand, 55 × 46 cm, Rosegger-Museum, Krieglach, auch abgebildet auf den Buchcovern der Rosegger Werke der Edition Strahalm Schneerosen, Öl, 1875 Ausstellung Österreichischer Kunst-Verein Rosa Alpina, Öl, 1878 Ausstellung Österreichischer Kunst-Verein Alpenblumen-Bouquet, Öl, 1878 Ausstellung Österreichischer Kunst-Verein Alpenblumen von der Hohen Veitsch, ca. 1880, Öl auf Karton, 26,1 × 31,5 cm, Neue Galerie Graz Edelweiss und Alpenprimeln, Öl, 1885 Ausstellung Österreichischer Kunst-Verein337. Ausstellung – Oesterreichischer Kunst-Verein in Wien – April – Mai 1885. Ausstellungskatalog, Wien 1884, S. 6 (online). Porträt von Jakob Eduard Schmölzer (lebensgroß, in steiermärkischer Tracht), Kreide
Liedtexte und Gedichte (Auswahl) Almfrieden (online) Was’n Steirer g’freut Jagaliad Abschied von der Alm Paar und Paar Im Thal und auf der AlmDie österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Steiermark. Verlag der k.k. Hof- und Staatsdruckerei und Alfred von Hölder, Wien 1890, S. 205. Die Eiche und die Wasserrose Erica carnea (online) Was Leben – was Traum?
Ausstellungen (Auswahl) 1870: Landwirtschafts- und Industrieausstellung, Graz 1871: Künstlerhaus Wien 1873: Weltausstellung, Wien 1874, 1875, 1878, 1879, 1881, 1885: Österreichischer Kunst-Verein, Wien 1876–78, 1880–82, 1893: Steiermärkischer Kunstverein, Graz 2020: Ladies first! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950, Neue Galerie Graz
Literatur Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Steiermark. Verlag der k.k. Hof- und Staatsdruckerei und Alfred von Hölder, Wien 1890, S. 204–205 (online).
Alexander Schein: Marie Kartsch (1847–1936). Ein Beitrag über die Blumenmalerin und Dichterin anlässlich der Auffindung ihrer Sterbedaten. In: Blätter für Heimatkunde. 93. Jahrgang, Heft 3/4, Graz 2019, S. 116–134. Marie Kartsch. In: Gudrun Danzer (Hrsg.): Ladies First! Künstlerinnen in und aus der Steiermark 1850–1950. (Ausstellungskatalog) Leykam, Graz 2020, ISBN 978-3-7011-8174-2, S. 110–113 (PDF).
Weblinks
Werke von Marie Kartsch bei artnet
Einzelnachweise
Kategorie:Blumenmaler Kategorie:Autor Kategorie:Österreicher Kategorie:Maler (Salzburg) Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Person (Kaisertum Österreich) Kategorie:Geboren 1847 Kategorie:Gestorben 1937 Kategorie:Frau