Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande von Fritz Mauthner ist eine umfangreiche Geschichte des abendländischen Atheismus. Sie erschien in vier Bänden in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart und Berlin in den Jahren 1920, 1921, 1922 und 1923. mini|hochkant Einführung
Fritz Mauthner (1849–1923) war ein Philosoph, Kritiker und Schriftsteller, der aus einer assimilierten deutsch-jüdischen Familie stammte und dem Judentum gegenüber entfremdet blieb. Er ist bekannt für seine Arbeiten über Sprache und Philosophie, darunter sein kritischer „unhistorischer Essay“ über Aristoteles.Fritz Mauthner: Aristoteles: Ein unhistorischer Essay. Berlin, 1904 (Die Literatur. Sammlung illustrierter Einzeldarstellungen, hg. v. Georg Brandes, 2. Band) Mauthner untersucht die Entwicklung des atheistischen Denkens, die Herausforderungen, denen sich Atheisten im Laufe der Geschichte gegenübersahen, und die Auswirkungen des Atheismus auf Philosophie, Religion und Gesellschaft.
Der Autor behauptet, dass alle Dogmen – ob religiös oder wissenschaftlich – bloße menschliche Erfindungen seien („geschichtlich gewordene und geschichtlich vergängliche Menschensatzungen“Vorwort („Meersburg, im März 1920“ – Von 1911 bis zu seinem Tod lebte der Verfasser dort am Bodensee, wo er auch die Bibliothek der Philosophen herausgab.)) und dass ihr Ursprung, ihr Aufblühen und ihr Niedergang seine Grundlage in der Geschichte habe. Mauthner versuchte dann zu zeigen, wie der Westen begonnen hatte, den einst dominierenden Gottesbegriff abzuschütteln. Sein Werk sollte also den Zerfall dieses Konzepts nachzeichnen, einer „anthropomorphen Illusion“, die die Menschen über mehrere Jahrtausende in ihren Bann gezogen hatte.Fritz Mauthner – EJ (”His work was thus intended to trace the disintegration of this concept, an "anthropomorphic illusion" that had held peoples spellbound for several millennia.“)
Der Verfasser spannt einen weiten Bogen von der europäischen Antike über die Teufelsfurcht und Aufklärung im sogenannten Mittelalter, die Entstehung der Wissenschaften zu Beginn der Neuzeit bis hin zum Materialismus des 19. Jahrhunderts.
Mauthner, der insbesondere als radikaler Kritiker der Sprache in die Geistesgeschichte einging,Siehe sein dreibändiges Werk Beiträge zu einer Kritik der Sprache (1901/1902), das sich einer antimetaphysischen Grundhaltung bedient. veröffentlichte das Werk in den Jahren 1920 bis 1923 und lieferte damit „eine fast einzigartige Kulturgeschichte des Abendlandes vom Standpunkt der religiösen Befreiungalibri.de (Verlagslink)“.
Seine Arbeit gilt als bedeutender Beitrag zum Studium des Atheismus und seines historischen Kontextes. Er nähert sich dem Thema mit einer kritischen und analytischen Denkweise und gibt Einblicke in die intellektuellen, sozialen und kulturellen Faktoren, die den Aufstieg und die Verbreitung des Atheismus in der westlichen Welt beeinflusst haben.
Fritz Mauthner schrieb seine Geschichte des Atheismus mit einer verschärften antimetaphysischen Grundhaltung, sein Ansatz ist dabei die Befreiung vom Gottesbegriff.Vgl. auch den Artikel „Gott“ in Mauthners Wörterbuch der Philosophie (online)
Das Werk wurde verschiedentlich neu aufgelegt. 2011 erschien das Werk in einer vierbändigen Neuauflage in modernem Satz mit abweichender Paginierung,Hrsg. und eingel. von Ludger Lütkehaus (Alibri, Aschaffenburg 2011). deren Klappentext das Werk auf engem Raum so umreißt:
Der Fritz Mauthner gewidmete Artikel des sowjetischen Atheistischen Wörterbuchs (1985) beispielsweise wirft dem Verfasser des Werkes vor, dass er die sozialen Bedingungen des Atheismus nicht erkannt und eine unwissenschaftliche Interpretation einer Reihe von atheistischen Lehren gegeben habe, einschließlich der marxistischen.МАУТНЕР Фриц. In: Атеистический словарь (Ateističeskij slovarʹ). Изд. политической литературы, Москва (Izd. političeskoj literatury, Moskva) 1983 ("М. не признавал соц. обусловленности атеизма, давал ненауч. трактовку целого ряда атеистич. учений, в т. ч. марксистского.")
Gliederung
Literatur Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. 4 Bände. Stuttgart/Berlin, Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), 1922/1923. Mehrere Neuauflagen (zuletzt hrsg. von Ludger Lütkehaus, Alibri, Aschaffenburg 2011) Band 1: Einleitung. Teufelsfurcht und Aufklärung im sogenannten Mittelalter (Digitalisat), 1920. Band 2: Entdeckung der Natur und des Menschen, lachende Zweifler, Niederlande, England (Digitalisat), 1921. Band 3: Aufklärung in Frankreich und in Deutschland, die grosse Revolution (Digitalisat), 1922. Band 4: Die grosse Revolution (12. bis 14. Abschnitt). Die letzten hundert Jahre, Reaktion, Materialismus, gottlose Mystik (Digitalisat), 1923.
Weblinks Digitalisate: I*, II, III, IV (Ausgabe: 1922/3, Sach- und Namenregister) Fritz Mauthner
Einzelnachweise und Fußnoten
Kategorie:Atheismus Kategorie:Sachliteratur Kategorie:Literatur (Deutsch)