mini|Hans Sloane, Gemälde von Stephen Slaughter (1697–1765) aus dem Jahr 1736 Sir Hans Sloane, 1. Baronet (* 16. April 1660 in Killyleagh; † 11. Januar 1753 in Chelsea) war ein britischer Arzt, Naturforscher und Sammler. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.

Leben und Wirken Sloane war der siebte Sohn des protestantischen Verwalters Alexander Sloane († 1666) und dessen Frau Sarah Hicks.Arthur MacGregor, Sloane, Sir Hans, baronet (1660–1753). Oxford Dictionary of National Biography, Oxford 2004. doi:10.1093/ref:odnb/25730 Die Familie stammte aus Schottland. Frühzeitig interessierte sich Sloane für Botanik und Naturgeschichte. Nach seiner schulischen Ausbildung begann er 1679 ein Studium der Medizin in London. Im Frühjahr 1683 wechselt Sloane für ein Jahr nach Paris. Dort studierte er Botanik bei Joseph Pitton de Tournefort und Anatomie bei Joseph-Guichard Duverney. Er wurde am 27. Juli 1683 an der Universität von Orange promoviert und setzte seine Studien in Montpellier bei Pierre Chirac und Pierre Magnol fort.

Ab 1687 unternahm Sloane als Angestellter von Christopher Monck, 2. Duke of Albemarle eine fünfzehnmonatige Forschungsreise nach Jamaika, wo er auch als Arzt auf einer Plantage arbeitete.Sir Hans Sloane, British Museum, https://www.britishmuseum.org/about-us/british-museum-story/sir-hans-sloane, Zugriff 29/04/2022Wendy D. Churchhill: Bodily Differences?: Gender, Race and Class in Hans Sloane’s Jamaican Medical Practice, 1687–1688. In: Journal of the History of Medicine and allied Sciences. Band 60, 2005, S. 391–444 (). Sloane behandelte hier auch den Freibeuter Henry Morgan.Richard B. Sheridan: The Doctor and the Buccaneer: Sir Hans Sloane’s Case History of Sir Henry Morgan, Jamaica, 1688. In: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences. Band 41, Nr. 1, 1986, 76–87 (). Er ließ zahlreiche einheimische Pflanzen sammeln, aber auch solche, die als Nahrungsmittel für Sklaven aus Westafrika importiert worden waren.James Delbourgo: Gardens of life and death. In: British Journal for the History of Science. Band 43, Nr. 1, 2010, S. 113 (doi:10.1017/S0007087410000245). Der Tod Albemarles unterbrach diese Arbeiten, Sloane balsamierte ihn ein und segelte am 16. März 1689 mit der Leiche und der Witwe zurück nach England. Am 2. November 1694 wurde Sloane Oberarzt von Christ's Hospital in London, wo er bis 1730 arbeitete. 1701 wurde Sloane von der University of Oxford zum Doktor der Medizin ernannt. 1712 wurde er Leibarzt von Königin Anne, später auch von Georg I. und Georg II., der ihn am 3. April 1716 zum Baronet ernannte. 1742 gab er seine Arzt-Praxis auf. Mangels männlicher Nachkommen erlosch sein Baronettitel bei seinem Tod 1753.

Sloane heiratete am 11. Mai 1695 Elizabeth Rose (geb. Langley), Witwe von Fulke Rose (1644–1694), die mehrere Zuckerrohrplantagen auf Jamaika mit in die Ehe brachte. Mit ihr hatte er drei Töchter und einen Sohn, von denen ihn nur zwei Töchter überlebten.

Ehrungen Am 21. Januar 1685 wurde Sloane zum Mitglied der Royal Society gewählt und 1727, in direkter Nachfolge von Isaac Newton, zu deren Präsidenten ernannt. 1687 wurde er Mitglied („Fellow“) des Royal College of Physicians, dessen Präsident er von 1719 bis 1735 war. 1699 wurde Sloane korrespondierendes und 1709 auswärtiges Mitglied (associé étranger) der Académie royale des sciences. Die Preußische Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1712 als auswärtiges Mitglied auf. 1752 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften gewählt.Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 227.

Carl von Linné benannte ihm zu Ehren die Gattung SloaneaCarl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 94 (online). der Pflanzenfamilie Elaeocarpaceae. Pieter Cramer benannte den ausgestorbenen jamaikanischen Schmetterling Urania sloanus nach Sloane, Bloch und Schneider den Viperfisch Chauliodus sloani.

Nach ihm benannt ist auch der Sloane Square.

Sammlungen Hans Sloane war ein leidenschaftlicher Sammler. Er veranlasste eigene Sammlungen und kaufte bestehende Sammlungen auf, zum Beispiel von: Jakob Breyne William Charlton (1642–1702) Nehemiah Grew Paul Hermann Engelbert Kaempfer Christopher Merret James Petiver Leonard Plukenet

Neben seinem umfangreichen Herbarium umfasst seine Sammlung Insekten, Fossilien, Steine, Münzen, Gemälde sowie Antiquitäten aus Ägypten, Peru, Nordamerika sowie dem Orient. Als sein Haus in No. 3 Bloomsbury Place zu klein für die Sammlung wurde, kaufte er auch das Nachbarhaus (No. 4) an. 1742 zog er mit seiner Sammlung nach Chelsea (später Cheyne Walk) um. Kurz vor seinem Tod 1753 verfasste er ein ausführliches Testament, in dem er seine Sammlungen und Besitztümer aufteilte. 71.000 Gegenstände fielen an das British Museum und bildeten den Grundstock seiner Sammlungen. Seine Bibliothek, unter anderem die Tagebücher vieler zeitgenössischer Bukaniere und Freibeuter, vermachte er der Library of the British Museum. Sie bildet heute die Sloane Collection der British Library. Sein Herbarium befindet sich im Natural History Museum.

Black Lives Matter mini|Tafel 3 aus A voyage to the islands Madera, Barbados, Nieves, S. Christophers and Jamaica mini|Statue von Hans Sloane im Chelsea Physic Garden mini|Die aus der Ausstellung des British Museum entfernte Büste Sloanes Zu Sloanes Vermögen trugen Einnahmen aus den jamaikanischen Zuckerrohrplantagen seiner Ehefrau bei. Erst im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung wurde thematisiert, dass er dort Sklaven für sich arbeiten ließ. Mit deren elenden Lebensbedingungenfür einen allgemeinen Hintergrund s. u. a. James A. Delle, Kristen R. Fellows, Death and Burial at Marshall's Pen, a Jamaican Coffee Plantation, 1814–1839: Examining the End of Life at the End of Slavery. Slavery & Abolition 35/3, 2014, 474-492, DOI:10.1080/0144039X.2014.944033 war er durch seinen Aufenthalt in Jamaika wohl vertrautHans Sloane, Natural History of Jamaica... Bd. I, lvii. beschreibt die Bestrafung von Sklaven (zitiert nach Kay Dian Kriz, Curiosities, Commodities, and transplanted Bodies in Hans Sloane's "Natural History of Jamaica". The William and Mary Quarterly 57/1, 2000, )., seine Sammlung enthielt unter anderem eine Sklavenpeitsche.Lorraine Boissoneault: The British Museum was a Wonder of its Time — but also a Product of Slavery: A new book explores the little-known life and career of Hans Sloane, whose collections led to the founding of the British Museum. In: Smithsonian Magazine, 28. August 2020, mit einer Rezension von James Delbourgo Collecting the World: Hans Sloane and the Origins of the British Museum. Er selber drohte Sklaven Folter an, um sie von „vorgeblichen“ Krankheiten zu heilen.William J. Ryan, “A New Strange Disease”. The Eighteenth Century 59/3, 2018, 305–324 (doi:10.2307/90025165).

Eine Büste Sloanes wurde 2020 vom British Museum von ihrem Sockel entfernt und ist seither im erklärenden Kontext des British Empires in der Abteilung über die Aufklärung ausgestellt.Nora McGreevy: British Museum Moves Bust of Founder, Who Profited From Slavery. In: Smithsonian magazine online, 25. Aug. 2020

Schriften (Auswahl) Bücher Catalogus Plantarum quae in Insula Jamaica sponte proveniunt. D. Brown, London 1696 (Digitalisat). A voyage to the islands Madera, Barbados, Nieves, S. Christophers and Jamaica […]. 2 Bände, London 1707–1725 (Band 1, Band 2). Pharmacopoeia Collegii regalis medicorum Londinensis. 4. Auflage, Knaplock, London 1721 (Digitalisat) – als Herausgeber des vollständig überarbeiteten Arzneibuchs von 1618.

Zeitschriftenbeiträge A description of the pimienta or Jamaica pepper-tree, and of the tree that bears the cortex winteranus. In: Philosophical Transactions. Band 17, Nr. 192, London 1691, S. 462–468 (doi:10.1098/rstl.1686.0083, ). An account of two plants lately brought from the Cape of Good-hope. In: Philosophical Transactions. Band 17, Nr. 198, London 1693, S. 664–667 (doi:10.1098/rstl.1693.0018, ). Part of a letter from Mr. T. M. in Salop, to Mr. William Baxter, concerning the strange effects from the eating dog mercury with remarks thereon by Hans Sloan. In: Philosophical Transactions. Band 17, Nr. 203, London 1693, S. 875–877 (doi:10.1098/rstl.1693.0060, ) – mit Thomas Molyneux (1661–1733). An account of the true cortex winteranus, and the tree that bears it. In: Philosophical Transactions. Band 17, Nr. 204, London 1693, S. 922–924 (doi:10.1098/rstl.1693.0068, ). An account of a prodigiously large feather of the bird cuntur, brought from Chili, and supposed to be a kind of vultur; and of the coffee-shrub. In: Philosophical Transactions. Band 18, Nr. 208, London 1694, S. 61–64 (doi:10.1098/rstl.1694.0016, ). A letter from Hans Sloane, M. D. and S. R. S: with several accounts of the earthquakes in Peru October the 20th. 1687. and at Jamaica, February 19th. 1687/8 and June the 7th. 1692. In: Philosophical Transactions. Band 18, Nr. 209, London 1694, S. 78–100 (doi:10.1098/rstl.1694.0019, ). An account of four sorts of strange beans, frequently cast on shoar on the Orkney isles, with some conjectures about the way of their being brought thither from Jamaica, where three sorts of them grow. In: Philosophical Transactions. Band 19, Nr. 222, London 1696, S. 298–300 (doi:10.1098/rstl.1695.0045, ). An account of the tongue of a pastinaca marina, frequent in the seas about Jamaica, and lately dug up in Mary-Land, and England. In: Philosophical Transactions. Band 19, Nr. , London 1697, S. 232 (doi:10.1098/rstl.1695.0123, ). Part of a letter from Mr. George Dampler, dated, Exmouth, November 10. 1697. to Mr. William Dampier, his brother, concerning the cure of the bitings of mad creatures. With a remark on the same by Hans Sloane. In: Philosophical Transactions. Band 20, Nr. 237, London 1698, S. 49–52 (doi:10.1098/rstl.1698.0009, ) – mit George Dampler. Of the use of the root Ipecacuanha, for loosenesses, translated from a French paper: With some notes on the same. In: Philosophical Transactions. Band 20, Nr. 238, London 1698, S. 69–79 (doi:10.1098/rstl.1698.0016, ). An account of a China cabinet, filled with several instruments, fruits, &c. used in China: sent to the Royal Society by Mr. Buckly, chief Surgeon at Fort St. George. In: Philosophical Transactions. Band 20, Nr. 246, London 1698, S. 390–392 (doi:10.1098/rstl.1698.0086, ). A further account of the contents of the China cabinet mentioned last transaction, p. 390. In: Philosophical Transactions. Band 20, Nr. 247, London 1698, S. 461–462 (doi:10.1098/rstl.1698.0100, ). A further account of the China cabinet. In: Philosophical Transactions. Band 21, Nr. 249, London 1699, S. 44 (doi:10.1098/rstl.1699.0006, ). A further account of what was contained’d in the Chinese cabinet. In: Philosophical Transactions. Band 21, Nr. 250, London 1699, S. 70–72 (doi:10.1098/rstl.1699.0014, ). Some observations made at a meeting of the Royal Society, concerning some wonderful contrivances of nature in a family of plants in Jamaica, to perfect the individuum, and propagate the species, with several instances analogous to them in European vegetables. In: Philosophical Transactions. Band 21, Nr. 251, London 1699, S. 113–120 (doi:10.1098/rstl.1699.0024, ). An observation concerning a very odd kind of dropsy, or swellings in one of the ovaries of a woman. In: Philosophical Transactions. Band 21, Nr. 252, London 1699, S. 150–152 (doi:10.1098/rstl.1699.0032, ). Part of a letter from Mr. Llwid to Dr. Tancred Robinson, F. R. S. concerning a figured stone found in Wales; with a note on it, by Hans Sloane. In: Philosophical Transactions. Band 21, Nr. 252, London 1699, S. 187 (doi:10.1098/rstl.1699.0037, ).