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Amerikanische Schulen in Deutschland beschreibt sämtliche Grund- und weiterführende Schulen unter der Dienstaufsicht des Department of Defense Dependents School System (DoDDS), seit 1992 Department of Defense Education Activity (DoDEA). Die Organisation hat ihren Sitz in Alexandria, Virginia, mit dem für Deutschland zuständigen Büro in Lindsey Air Station in Wiesbaden, seit 1993 in Wiesbaden Army Airfield, 2012 in Lucius D. Clay Kaserne umbenannt.

Geschichte Mit der Ankunft der Familien der amerikanischen Soldaten im besetzten Deutschland 1946 wurde die Einrichtung amerikanischer Schulen erforderlich. Dies war eine völlig neue Erfahrung für die Streitkräfte, denn bisher waren noch nie amerikanische Truppen mit Familiennachzug dauerhaft im Ausland stationiert gewesen. Nunmehr wurden Schulen zunächst in Deutschland, Österreich und Japan gegründet, bald auch in Großbritannien, Frankreich, Italien und Korea sowie weiteren Ländern. Die Schulen wurden dem am 4. Mai 1946 gegründeten Dependents School Service unterstellt. Seine Aufgabe war

-       die Kommandeure bei der Organisation und dem Betrieb der Grund- und weiterführenden Schulen zu beraten und zu unterstützen,

-       Beratung über Privatschulen und Colleges in der Schweiz und anderswo in Europa anzubieten,

-       den deutschen Lehrkräften das Beispiel eines Modells einer amerikanischen Schule als Hilfe für Bemühungen der Militärregierung, das deutsche Schulwesen zu reorganisieren und zu demokratisieren, anzubieten.Frederiksen, Oliver, The American Military Occupation of Germany 1945–1953, Historical Division, Headquarters U.S. Army Europe, Heidelberg 1953, S. 127f.

Das Kriegsministerium (War Department) ordnete an, dass keine direkten Aufwendungen aus dem Haushalt für die Schulbildung der Familienangehörigen (dependents) erfolgen dürften, jedoch durften Mittel aus anderen Quellen fließen, insbesondere aus den Gewinnen bei den Verkäufen in den Läden der U.S. Army und hier wieder vor allem durch den zollfreien Verkauf alkoholischer Getränke.

Die meisten Schulgebäude wurden durch den teilweisen Umbau bereits requirierter Liegenschaften gewonnen, da die Militärregierung weitere Beschlagnahmungen, insbesondere von deutschen Schulen, strikt untersagt hatte. Es sollte vermieden werden, das im Aufbau befindliche deutsche Schulwesen zu behindern. So wurden zumeist Gebäude in bereits beschlagnahmten ehemaligen Wehrmachtskasernen genutzt.

Lehrer Lehrer wurden in den Vereinigten Staaten mit Zweijahresverträgen rekrutiert (später auf ein Jahr geändert) und mit der Unterstützung ausgewählter Universitäten auf die besonderen Probleme von Schulen in einem kriegszerstörten Land vorbereitet. Ein Schwerpunkt lag in den Beziehungen mit den Deutschen. So weit wie möglich versuchte man, Lehrer aus allen Staaten der USA im Verhältnis ihrer jeweiligen Einwohnerzahl zu gewinnen. Auch Ehefrauen mit Lehrerfahrung übten Lehrtätigkeiten aus. Die Gehälter waren gleich für alle Lehrer. Das Kriegsministerium übernahm den kostenfreien Transport vom Heimatort in den USA zum Einsatzort in Deutschland. Für den Deutschunterricht gewann man deutsche Lehrer.

Schulen Grundschulen (Elementary Schools) wurden in allen Wohnorten der Besatzungsmacht gegründet; Busse brachten die Schüler zu den Schulen. Sechs Gymnasien (High Schools) wurden in den größeren Zentren eingerichtet, vier davon als Internate für Jungen und Mädchen für die der tägliche Schulweg sonst unzumutbar zu weit wäre. Grundsätzlich galt die Vorgabe, gleichwertige Schulbildung wie in den Vereinigten Staaten zu gewährleisten. Die Gymnasien wurden von der North Central Association of Colleges and Secondary Schools zertifiziert (accredited).

Im Sommer 1947 machte die sprunghaft zunehmende Schülerzahl die Reorganisation des Schulsystems erforderlich. Der Dependents School Service wurde zur Dependents School Division aufgewertet, dem ein Dependents School Detachment als Dienstleister zugeordnet war. Im Herbst 1950 wurden Division und Detachment zusammengeschlossen, um das Ausufern von Stabsabteilungen im Generalkommando zu verhindern. Unter der Bezeichnung Dependents Education Group wurde das Schulwesen zur Stabsabteilung im Stab von USAREUR in Heidelberg.

Der Schulbetrieb begann im Herbst 1946 mit 2000 Schülern und 80 Lehrern in 44 Schulen – als einzige von diesen Schulen bestand 2023 noch Grafenwöhr Elementary School an dem wichtigen Truppenübungsplatz der amerikanischen Streitkräfte, alle anderen wurden im Laufe der Jahre geschlossen. Sechs High Schools wurden in

-       Berlin (bei Truman Plaza, 1994 geschlossen),

-       Bremen (1948 nach Bremerhaven, 1979 nach Osterholz-Scharmbeck verlegt, 1992 geschlossen),

-       Erlangen (1947 als Nürnberg High School nach Fürth verlegt, 1995 geschlossen),

-       Frankfurt (an der Miquelallee, 1995 geschlossen),

-       Heidelberg (in Mark Twain Village, 2013 geschlossen) und

-       München (am Perlacher Forst, 2002 geschlossen)

gegründet. Zum Schuljahr 1952/53 war das amerikanische Schulsystem auf 18 680 Schüler und 696 Lehrer in 90 Schulen angewachsen.

College Die Vorkehrungen für das College-Studium von Familienmitgliedern der Soldaten waren weniger befriedigend, wurden aber auch weniger nachgefragt.

Die meisten Jugendlichen kehrten zum Studium in die Vereinigten Staaten zurück, wobei die Armee – soweit verfügbar – den nötigen Transport unentgeltlich ermöglichte. Einige wenige studierten auch an einer europäischen Universität und zunehmend auch an deutschen Universitäten, insbesondere Heidelberg. Im Herbst 1950 eröffnete die University of Maryland eine Außenstelle in den McGraw Barracks in München.

Höhepunkt und Auflösung Im Herbst 1963 war der Stationierungsraum in Europa bedeutend erweitert und das amerikanische Schulsystem zählte 68 200 Schüler in 169 Schulen in Deutschland, 37 in Frankreich, 9 in Italien und 4 in Äthiopien, von diesen waren 96 Elementary Schools, 30 High Schools, 22 Junior High Schools und 71 Kindergärten.Hickman, Donald J., The United States Army in Europe, Operations Division Historical Section, Headquarters U.S. Army Europe, Heidelberg 1964, S. 213. 1990 bestanden insgesamt 140 Schulen in Deutschland mit 5579 Lehrern und 88 000 Schülern.Leuerer, Thomas, Die Stationierung amerikanischer Streitkräfte in Deutschland, Würzburg 1997,  S. 267–273. Weiterhin unterhielt die University of Maryland ihren Campus in München, in dem der Lehrstoff der ersten beiden College-Jahre vermittelt wurde.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem damit verbundenen Abzug der amerikanischen Streitkräfte wurden die allermeisten Schulen nach 1991 geschlossen. 2023 bestanden nur noch 34 amerikanische Schulen in Deutschland, davon 8 High Schools, in:

-       Stuttgart (in Böblingen),

-       Ansbach (in Katterbach),

-       Vilseck (in den Rose Barracks),

-       Wiesbaden (in der Texasstraße der Hainerberg Housing Area),

-       Baumholder,

-       Kaiserslautern (in der Vogelweh Housing Area),

-       sowie in den Air Bases Ramstein und

-       Spangdahlem (2017 anstelle von Bitburg gegründet).

Der Campus der University of Maryland wurde 1990 nach Neu-Ulm, 1992 nach Schwäbisch Gmünd verlegt und 1994 geschlossen.

Leitungsgremien Unter Aufsicht des DoDDS im Kriegsministerium, später dem Verteidigungsministerium, wurde 1946 der Dependents School Service (DDS) in Deutschland eingerichtet. Die U.S. Air Force unterhielt ihr eigenes Schulsystem (für 17 000 Schüler). Die Luftstreitkräfte nannten ihre Grundschulen „Family Schools“, während die U.S. Army sie „Dependents Schools“ nannte. 1964 erfolgte die Gründung des United States Dependents School, European Area USDESEA, in dem USAREUR zuständig wurde für sämtliche amerikanischen Schulen in Europa, während die Air Force für den Pazifik (also Japan und Süd-Korea), die Navy für sonstige Schulen verantwortlich wurden. Gegen den erbitterten Widerstand der Teilstreitkräfte wurde 1976 DoDDS als Streitkräfte übergreifendes Leitungsgremien eingerichtet. Eine erneute Reorganisation des amerikanischen Schulsystems in Übersee erfolgte 1992 mit der Bildung der Department of Defense Education Activity (DoDEA). Der DoDEA Direktor übernahm die Verantwortung für Organisation, Management und Leitung von

-       DoDEA-Hauptquartier in Alexandria, Virginia,

-       Dienstleistungen für 67 000 Familienangehörige des U.S. Verteidigungsministeriums in 160 Schulen, organisiert in 8 DistriktenDoDEA Fact Sheet, https://www.dodea.edu https://www.dodea.edu

o  DoDEA Europe (3 Distrikte) mit 64 Schulen und 25 000 Schülern,

Europe East (Ansbach, Baumholder, Garmisch, Grafenwöhr, Hohenfels, Kaiserslautern, Ramstein, Sembach, Stuttgart, Wiesbaden)

Europe South (Ankara, Aviano, Bahrein, Livorno, Neapel, Rota, Sevilla, Sigonella, Vicenza)

Europe West (AFNORTH Community in Brunssum, Alconbury, Brüssel, Kleine Brogel, Lakenheath, SHAPE Community in Mons, Spangdahlem)

o  DoDEA Pacific (3 Distrikte) mit 45 Schulen und 21 000 Schülern,

o  DoDEA Americas (2 Distrikte) mit 50 Schulen und 20 000 Schülern.

Liste der Schulen in Deutschland (218 Schulen) Wichtigste Quelle sind die „School histories“ der American Overseas Schools Historical Societyhttps://aoshs.org/collections/school-histories

Baden-Württemberg (32 Schulen)