mini|Figur in einem geflügelten Ring auf dem Relief von Behistun mini|Figur in einem geflügelten Ring auf dem Relief des Grabmals von Xerxes I. in Naqsch-e Rostam mini|Figur in einem geflügelten Ring im Eingang zum zentralen Gebäude in Persepolis mini|Apadana-Halle. Der obere rekonstruierte Teil zeigt den geflügelten Ring mit eingebetteter Scheibe mini|Zum Vergleich das Symbol aus der neuassyrischen Zeit Das geflügelte Symbol aus der Zeit der Achämeniden ist in vielen Varianten überliefert. Die bekannteste Darstellung ist die Figur in einem geflügelten Ring auf den monumentalen Reliefskulpturen von Behistun und Naqsch-e Rostam. Die kunstvollste Wiedergabe ist am Eingang zum zentralen Gebäude in Persepolis zu sehen. Die meisten Varianten des geflügelten Symbols stammen aus den Verwaltungsarchiven von Persepolis.

Das geflügelte Symbol ist ein Erbe der assyrischen Könige, beinhaltet ein wichtiges elamisches Konzept und lässt Raum für die iranische Götterwelt, die über die Verwaltungsarchive von Persepolis überliefert ist.

Die Frage nach der Identität der Figur in einem geflügelten Ring ist eines der meistdiskutierten Themen der vorderasiatischen Forschung zum Achämenidenreich.

Quellenlage Monumentale Reliefskulpturen Von Behistun ist die Figur in einem geflügelten Ring (Nr. 1 der Tabelle am Schluss des Kapitels) überliefert. Sie hält einen Ring in der linken Hand und die rechte ist vor das Gesicht gehoben. Sie hat einen rechteckigen Bart und trägt die Persische Hoftracht. Die Frontseite des Polos ist nicht erhalten und es wird angenommen, dass dort Hörner angebracht waren. Über der Kopfbedeckung ist ein achtzackiger Stern in einer Scheibe angelegt. Die Figur taucht aus einem Ring auf, der breite rechteckige Flügel hat. Über den Flügeln ist ein jochförmiges Objekt.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 26.

Die Figur in einem geflügelten Ring kommt auch in Naqsch-e Rostam vor. Sie entspricht dem Bild in Behistun. Jedoch gibt es keinen Stern und kein jochförmiges Objekt.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 26–27.

Persepolis Die Figur in einem geflügelten Ring (Nr. 1 der Tabelle) glänzt in Persepolis mit einer einzigen Ausnahme durch Abwesenheit. Die einzige Figur in einem geflügelten Ring ist im zentralen Gebäude, früher Tripylon genannt, an den Türpfosten des südlichen, östlichen und nördlichen Eingangs angebracht. Gegenüber der Darstellung der monumentalen Reliefskulpturen sind die Flügel abgerundet und haben eine Rille am oberen Ende. Die Flügel bestehen aus fünf und der Schwanz aus drei Reihen Federn. Die Anhängsel (Ranken) enden in Spiralen. Die persische Hoftracht ist mit vielen Falten ausgestattet und die Kopfbedeckung hat eine zylindrische Form. Im zentralen Gebäude ist die Figur im geflügelten Ring prominent dargestellt im Gegensatz zum Apadana und dem Palast von Dareios I., wo die Figur in einem/einer geflügelten Ring/Scheibe völlig fehlt. Das könnte der Argumentation, die sich auf eine spätere Bauzeit des zentralen Gebäudes ausspricht, Auftrieb geben. Es könnte auch ein Hinweis sein, dass die Figur in einem geflügelten Ring während der Regierungszeit von Dareios I. religiösen Darstellungen und Siegesszenen vorbehalten war.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 28.

Es existieren fragmentarische Belege vom geflügelten Ring mit eingebetteter Scheibe (Nr. 3 der Tabelle) von den Reliefs in Persepolis, von denen restaurierte Versionen für den Apadana abgeleitet wurden. Die restaurierte Version geht von Fragmenten des Hundert-Säulen-Palasts und des zentralen Gebäudes aus und die Wissenschaftler haben daraus gefolgert, dass der geflügelte Ring mit eingebetteter Scheibe ebenfalls im Apadana vorgekommen sein müsse. Ein einzelnes Fragment eines Flügels, das Teil eines geflügelten Rings mit eingebetteter Scheibe sein könnte, wurde im Palast von Dareios I. gefunden.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 27.

Verwaltungsarchive von Persepolis Das geflügelte Symbol als ikonographischer Typ mit und ohne Figur taucht selten im Festungsarchiv von Persepolis auf. Im Schatzhausarchiv von Persepolis zeigen von den insgesamt 21 verschiedenen Siegelabdrücken fünf eine Version der Figur in einem/einer geflügelten Ring/Scheibe und fünf weitere eine Version von einem geflügelten Ring oder einer geflügelten Scheibe. Beim hohen Anteil von 50 Prozent der Siegelabdrücke des Schatzhauses von Persepolis muss berücksichtigt werden, dass die Anzahl der Siegel im Vergleich zum Festungsarchiv von Persepolis klein ist und die Siegelabdrücke von der Elite der Verwaltung stammen.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 32.

Der Kontext der Siegelabdrücke mit dem geflügelten Symbol in den Verwaltungsarchiven von Persepolis sind heroische Begegnungen (heroic encounter) und andächtige Szenen (devotional scenes). Die heroischen Begegnungen haben offensichtlich in manchen Szenen die Bedeutung einer religiösen oder rituellen Nachricht. Gleichzeitig ist der Themenbereich, bei dem es auftaucht, eng begrenzt.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 32–33.

Das geflügelte Symbol ist öfters an seltene charakteristische Elemente eines Bildes gebunden wie Podestwesen, Atlantiden, stilisierte Pflanzen oder Bäume, Inschriften, Altäre, Kronen und herausgearbeitete Kopfbedeckungen, Bogen und Pfeile, Speere, Blumen, Ring und die Persische Hoftracht. Zusammengesetzte Kreaturen kommen häufig auf Bildern vor und scheinen ein verpflichtendes Element zu sein, wenn das geflügelte Symbol benutzt wurde. Ihre Häufigkeit in Verbindung mit dem geflügelten Symbol dürfte den Versuch signalisieren, den numinosen Charakter zu verstärken. Die selten auftauchenden Podestwesen könnten eventuell an den Status und Rang des Siegelinhabers gebunden gewesen sein. Zusammengesetzte Kreaturen, meistens Varianten eines Stiermannes, fungieren als Atlantiden und halten das geflügelte Symbol in die Höhe. Diese Kombination ist alt und könnte ein Hinweis auf die Religion und die Konzepte von universellem Königtum sein. Die Vorstellung wird bestärkt durch die Kombinationen von Atlantiden, dem geflügelten Symbol und einem stilisierten Baum, auch heiliger Baum genannt. Die Kombination dieser Elemente hat eine lange Geschichte und ist speziell von der glyptischen Kunst von Assyrien überliefert.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 34–35.

Ein großer Prozentsatz der Siegel, die das geflügelte Symbol aufführen, tragen Inschriften, die auf weniger als 10 Prozent aller Siegel des Festungsarchiv von Persepolis auftreten. 13 Szenen mit dem geflügelten Symbol haben Inschriften. Das sind etwa 30 Prozent aller Szenen mit dem geflügelten Symbol beider Archive. Vier davon enthalten dreisprachige Königsinschriften, was nicht als Zufall angesehen wird. Als spezielle Phänomene gelten Siegel mit Inschriften. Sie werden generell mit hohen Status und Rängen verbunden.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 35.

Das geflügelte Symbol taucht oft in Szenen auf, die mit königlichen ikonographischen Elementen bestückt sind: Altären, Dattelpalmen, Kronen, Bögen, Speere, Blumen, der Persischen Hoftracht und den dreisprachigen Inschriften.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 35.

Die Szenen mit dem geflügelten Symbol und die Syntax dieser Szenen sind sehr eingeschränkt. Der visuelle Wortschatz im Zusammenhang mit dem geflügelten Symbol ist aufgeladen mit bezeichnenden Aspekten eines elitären Status und/oder dem Königtum. Die Kombination des geflügelten Symbols und von Inschriften scheint dabei sowohl in der monumentalen Kunst als auch in der Glyptik besonders mächtig gewesen zu sein und hatte verschiedene Bedeutungsfunktionen. Aus der Sicht der Glyptik dürfte die Kombination ein Echo der monumentalen Reliefskulpturen gewesen sein und dürfte als Affinitätsmerkmal der Elite gegenüber der herrschenden Dynastie gewirkt haben.Mark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 36.

Zusammenstellung der HauptvariantenMark Garrison: Visual Representation of the divine and the numinous in early Achaemenid Iran: Old Problems, new Directions. Trinity University, San Antonio 2009, S. 25–31.Nr Begriff (d) Begriff (e) Beschreibung Primärquelle 1 Figur in einem geflügelten Ring Figure in winged ring Die Figur tritt deutlich hervor/ist eingebettet in einem geflügelten Ring. Das Bild enthält meistens einen Vogelschwanz und Anhängsel (Ranken). Das Bild könnte auch ein jochförmiges Gerät über dem Ring enthalten Monumentale Reliefskulpturen in Behistun und Naqsch-e Rostam, Persepolis, Verwaltungsarchive von Persepolis. 2 Figur in einer geflügelten Scheibe Figure in winged diskDie Figur tritt deutlich hervor/ist eingebettet in eine solide geflügelte Scheibe. Das Bild enthält meistens einen Vogelschwanz und Anhängsel (Ranken). Es könnte auch ein jochförmiges Objekt über dem Ring enthalten.Verwaltungsarchive von Persepolis.3 Geflügelter Ring mit eingebetteter Scheibe Winged ring-and-diskEine Scheibe eingebettet in einem geflügelten Ring. Das Bild enthält meistens einen Vogelschwanz und oft Anhängsel (Ranken). Oft hat es auch ein jochförmiges Objekt über dem Ring.Persepolis4Geflügelte ScheibeWinged diskEine geflügelte Scheibe. Das Bild enthält oft einen Vogelschwanz und manchmal Anhängsel (Ranken). Manchmal hat es auch ein jochförmiges Gerät über der Scheibe.Verwaltungsarchive von Persepolis. -Figur in einem/einer geflügelten Ring/ScheibeFigure in winged ring/diskGlobale Bezeichnung für 1 und 2Verwaltungsarchive von Persepolis mit 16 von 1148 Siegelabdrücken. -Geflügelter Ring mit eingebetteter Scheibe/Geflügelte ScheibeWinged ring-and-disk/diskGlobale Bezeichnung für 3 und 4Verwaltungsarchive von Persepolis mit 15 von 1148 Siegelabdrücken. -Geflügeltes SymbolWinged symbol Globale Bezeichnung für 1 bis 4 Verwaltungsarchive von Persepolis mit 31 von 1148 Siegelabdrücken, 2,7 % des gesamten überlieferten Siegelbestands.