mini|Franz-Kafka-Statue in Prag Diese Liste enthält Kompositionen, Filme und weitere Werke zu Leben und Schaffen von Franz Kafka.
Musik Geschichte Erste Kompositionen Es gab zahlreiche Kompositionen zum Werk von Franz Kafka.Thomas Meyer: Grosse Wirkung, keine Liebe. Franz Kafka und die Musik. Rundfunksendung im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) am 28. Oktober 2015; sowie weitere Literatur zu diesem Thema „Offenbar als erster hat Max Brod einen Kafka-Text vertont; er berichtet selbst, dass er 1911 das Gedicht Kleine Seele – springst im Tanze […] mit einer einfachen Melodie versehen habe“Ulrich Müller: Vertonungen. In: Hartmut Binder (Hrsg.): Kafka-Handbuch. Stuttgart 1979, S. 852., weitere Kompositionen von ihm waren Lieder Tod und Paradies für Gesang und Klavier (1952) sowie Schöpferisch schreite! aus dem Liedzyklus op. 37 (1956)
Von historischer Bedeutung sind die „in den Jahren 1937/1938 unter dem Eindruck der Verfolgung durch die Nationalsozialisten“ im Exil entstandenen 5 Lieder für Gesang und Klavier nach Worten von Franz Kafka von Ernst Krenek, der in seiner Musik „der existentiellen Bedrängtheit und Bedrohtheit des Individuums“ und somit „seiner eigenen Situation als Exilierter und Verfolgter“ Ausdruck verlieh.Andreas Kernbach: Musik und Kunst im Deutschen Bundestag – Ernst Krenek. 2010 (PDF auf bundestag.de). Ebenfalls im Exil entstanden Theodor W. Adornos Sechs Bagatellen für Gesang und Klavier op. 6 (1942), darunter Trabe, kleines Pferdchen nach Franz Kafka. Mit kompositorischen Mitteln zeichnet er Kafkas Vorahnungen vom Krieg sowie das Zerbrechen vertrauter Lebensformen und alter Wertvorstellungen nach, das Kafka in Worte gefasst hat: „Kleines Pferdchen, du trägst mich in die Wüste, Städte versinken, […] Mädchengesichter versinken, verschleppt vom Sturm des Ostens.“Aus dem Nachlass hrsg. von Max Brod und Heinz Politzer in: Gesammelte Schriften. Band VI, Heinrich Mercy Sohn, Prag 1937. Diese Ausgabe fand sich in Adornos Nachlass.
Danach setzte erst „mit den frühen fünfziger Jahren die große Wirkung Kafkas in der Musik“ ein.Ulrich Müller: Vertonungen. In: Hartmut Binder (Hrsg.): Kafka-Handbuch. Stuttgart 1979, S. 852
György Kurtág Einige wichtige Vertonungen entstanden in östlichen europäischen Ländern, wo die existenzielle Bedrohung des Individuums in der Lebenswirklichkeit der Komponisten noch spürbar war, die Kafka in seinen Texten so oft beschrieben hatte.
Dabei bedient sich Kurtág einer musikalischen Darstellungsweise, die der für Kafka typischen Sprachbehandlung entspricht: Es ist die „Reduktion“ auf kleine Gesten und Formulierungen, die auch als Erzählprinzip am Werk Kafkas festgemacht werden kann.Klaus Ramm: Reduktion als Erzählprinzip bei Kafka. Athenäum, Frankfurt 1971. Mehrere CD-Einspielungen belegen den hohen Grad der Wertschätzung, welche Kurtágs Kafka-Fragmente in kürzester Zeit gefunden haben.U.a. Anu Komsi/Sopran u. Sakari Oramo/Violine auf Ondine ODE8682 (1996); Adrienne Csengery/Sopran u. András Keller/Violine bei Hungaroton (1996); Julian Banse/Sopran u. András Keller/Violine auf ECM New Series – 476 3099 (2006); Caroline Melzer/Sopran u. Nurit Stark/Violine auf BIS2175 (2015).
Opern und Bühnenmusiken
Hans Werner Henze: Ein Landarzt, Oper (1951). Gottfried von Einem: Der Prozess, Oper (1953). Pierre Schaeffer und Pierre Henry: Bühnenmusik für die Bühnenfassung (Kassel) von Das Schloss (1955). Rainer Kunad: Das Schloß Oper (1960/61). Roman Haubenstock-Ramati: Amerika, Oper (1961–64; Neufassung 1992 unter Beat Furrer; 1967 vier Teile daraus bearbeitet als Symphonie „K“). Niels Viggo Bentzon: Faust 3, Oper; Libretto verwendet Themen und Figuren von Goethe, Kafka und Joyce (1964). Gunther Schuller: The Visitation, „Jazz-Oper frei nach einem Motiv von Kafka“ (1966). Joanna Bruzdowicz: Die Strafkolonie; Oper für eine Singstimme (Bass), Pantomimen, Schlagzeug und Elektronik (1968). Fiorenzo Carpi: La porta divisoria [Die trennende Türe], Oper (nach Kafka Die Verwandlung) 1969. Miloš Štědroň: Aparát, Kammeroper nach: „In einer Strafkolonie“ (1970). Ellis Kohs: America; Oper (1971). Alfred Koerppen: Das Stadtwappen; Szene für Soli (Tenor, Bariton, Bass), gemischten Chor und großes Orchester nach einem Text von Franz Kafka (1973). Peter Michael Hamel: Kafka-Weiss-Dialoge – Bühnenmusik zum „Neuen Prozess“ von Peter Weiss, für Viola und Violoncello (1983). Michèle Reverdy: Le Château; Libretto von Michèle Reverdy nach Alfred Vialattes Übersetzung von Das Schloß, nicht aufgeführt, unveröffentlicht (1980–1986).michelreverdy.com André Laporte: Das Schloss, Oper (1986); daraus zwei Orchestersuiten (1984/87). Paul-Heinz Dittrich: Die Verwandlung (1986)Jan Brachmann, „Thesen, Rätsel. Jelinek: Rein Gold. Dittrich: Die Blinden / Die Verwandlung. Berlin / Staatsoper im Schiller Theater“, in: Opernwelt, 12. Mai 2014, S. 40–41 Rolf Riehm: Das Schweigen der Sirenen (1987) erweitert zur musiktheatralischen Komposition für 4 Sänger, 2 Sprechstimmen und Orchester (1994). Aribert Reimann: Das Schloss, Oper nach Kafkas Roman (1990/92). Ron Weidberg: Die Verwandlung, Oper für Solostimmen und Kammerorchester (1996). Xaver Paul Thoma: Kafka, Ballett in 24 Bildern (1995/96). Philip Glass: In the Penal Colony [In der Strafkolonie], Oper (2000). Thomas Beimel: In der Strafkolonie, Musik zur Bühnenfassung der gleichnamigen Erzählung von Franz Kafka, (2001). Georg Friedrich Haas: Die schöne Wunde Oper nach Franz Kafka, Edgar Allan Poe u. a. (2003). Poul Ruders: Kafka’s trial, Einakter mit Präludium (2005). Salvatore Sciarrino: La porta della legge [Vor dem Gesetz], Oper (2009). Michel Roth: Im Bau [Der Bau], 14 Klangräume nach Franz Kafka (2011). Hans-Christian Hauser: Der Schlag ans Hoftor – eine szenisch musikalische Collage zu 17 kurzen Erzählungen Kafkas (2013). Philip Glass: The Trial [Der Prozess], Oper (2015). Peter Androsch: Goldküste – Mono-Oper nach „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka für einen Sänger und Instrumentalensemble (2018).
Sinfonische Musik Vladimír Sommer: Vokální symfonie [Vokalsymphonie] für Mezzosopr., Sprecher, gemischten Chor und Orchester mit Texten von Franz Kafka (1. Satz V noci [In der Nacht]), Dostojewski und Pavese (1958). Roman Haubenstock-Ramati: Symphonie „K“, 1967, nach Oper Amerika (1961/64)
Chormusik Ernst Krenek: 6 Motetten nach Worten von Franz Kafka, op.169 für gemischten Chor (1959). Eduard Steuermann: Auf der Galerie, Kantate (1963/64). Zbyněk Vostřák: Kantate nach Kafka für gemischten Chor, Bläser und Schlagzeug op. 34 (1964). Peter Graham (Jaroslav Stastny-Pokorny): Der Erste, Kammerkantate nach Texten von Franz Kafka (1997). Abel Ehrlich: Kristallnacht, Kantate für Chor und Orchester, Texte: Franz Kafka sowie Fragmente aus Nazi-Liedern (1998). Martin Smolka: Der Wunsch, Kafka zu werden für gemischten Chor (2004).
Szenische Musik Paul-Heinz Dittrich: Die Verwandlung, szenische Kammermusik für einen Pantomimen, einen Sprecher, 5 Vokalisten, Violine, Violoncello und Bassklarinette (1983).
Gesang mit Instrumentalbegleitung Max Brod: Kleine Seele – springst im Tanze, Lied, 1911, erste bekannte Vertonung eines Kafka-Textes, nicht erhaltenUlrich Müller: Kapitel Vertonungen. In: Hartmut Binder (Hrsg.): Kafka-Handbuch. Stuttgart 1979, S. 852., als erster (spielerischer) Versuch Ernst Krenek: 5 Lieder für Gesang und Klavier nach Worten von Franz Kafka, 1937/1938 Theodor W. Adorno: Sechs Bagatellen für Gesang und Klavier op. 6 (1923–1942), darunter Trabe, kleines Pferdchen (1942) Eduard Steuermann: Vier Lieder für eine hohe Frauenstimme und Klavier (1935–1942), darunter Trabe, kleines Pferdchen (1942) Vivian Fine: The Great Wall of China, vier Lieder für Singstimme, Flöte, Cello und Klavier (1948). Max Brod: Tod und Paradies, zwei Lieder nach Versen von Franz Kafka für Sopran und Klavier (1951). Hermann Heiss: Expression K. – 13 Gesänge nach Kafka für Singstimme und Klavier (1953). Max Brod: Schöpferisch schreite! aus dem Liedzyklus op. 37 (1956) Lukas Foss: Time Cycle, 4 songs for soprano and orchestra nach Texten von Wystan Hugh Auden, Alfred Edward Housman, Franz Kafka und Friedrich Nietzsche (1959–1960); Version f. Sopran, Klar., Cello, Celesta, Schlz (1960). Fritz Büchtger: Die Botschaft, Gesänge nach Franz Kafka für Bariton und Orchester (1970). Alberto Ginastera: Milena, Kantate für Sopran und Orchester op. 37 (1970). Josef Tal: Scene, Monodrama für Sopran oder Tenor (szenisch aufzuführen); Text aus Franz Kafkas Tagebüchern (1978/1982). Alexander Goehr: Das Gesetz der Quadrille für tiefe Stimme und Klavier (1979). Lee Goldstein: An Imperial Message (nach einem Text von Kafka) für Sopran und Kammerensemble (1980). Ulrich Leyendecker: Versunken in die Nacht für Sopran und Kammerorchester (1981). György Kurtág: Kafka-Fragmente, Liederzyklus für Sopran und Violine op. 24 (1985/86). Vojtěch Saudek: Ausflug ins Gebirge für Mezzosopran und 11 Instrumente (1986). Ruth Zechlin: Prometheus für Sprecher Klavier und Schlagwerk (1986). Ruth Zechlin: Frühe Kafka-Texte für Singstimme und fünf Instrumente (1990). Rolf Riehm: Das Schweigen der Sirenen für Sopran, Tenor und Orchester (1987). Anatolijus Ṧenderovas: Der tiefe Brunnen nach Franz Kafka für Gesang und fünf Instrumente (1993). Pavol Ṧimai: Fragmente aus Kafkas Tagebuch für Altstimme und Streichquartett (1993). Menachem Zur: Gesang eines Hundes für Mezzosopran und Klavier (1994). Ron Weidberg: Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse für Sopran, Streichquartett und Klavier (1994). Gabriel Iranyi: Zwei Parabeln nach Texten von Franz Kafka für Mezzosopran und Streichquartett (2. Streichquartett/1998). Juan María Solare: Nachts für Bariton, Klarinette, Trompete und Gitarre (2000). Hans-Jürgen von Bose: K.Projekt nach Texten aus verschiedenen Werken Kafkas für Countertenor und Violoncello (2002). Hans-Jürgen von Bose: Der Ausflug ins Gebirge für Countertenor und Klavier nach Texten von Franz Kafka (2005) sowie Kafka-Zyklus für Countertenor und Cello, Aribert Reimann zum 70. Geburtstag gewidmet (2006). Isabel Mundry: Wer? nach Fragmenten von Franz Kafka für Sopran und Klavier (2004). Jan Müller-Wieland: Rotpeters Trinklied – nach Franz Kafkas „Ein Bericht für eine Akademie“ für Bariton und Klavier (2004); Ein Traum, was sonst – frei nach Kleist und Kafka für Orch. (2006). Christian Jost: Der explodierende Kopf: Fragment aus „Das Urteil“ von Franz Kafka für Sopran und Klavier (2004). Charlotte Seither: Einlass und Wiederkehr, Elf Bruchstücke für Sopran und Klavier frei nach Franz Kafka (2004); Minzmeissel – Drei kleine Stücke für Stimme und Klavier, Texte: Franz Kafka, (2006). Stefan Heucke: Der Gesang aus der tiefsten Hölle, Zyklus nach Texten von Franz Kafka für Mezzosopran und Klavier op. 26 (2006). Péter Eötvös: The Sirens Cycle für Streichquartett und Koloratursopran (2016). Evgeni Orkin: Kafka-Lieder nach Gedichten von Franz Kafka für Stimme und Klavier op. 67 (2017).
Sprecher mit Begleitung Bruno Maderna: Studi per „Il processo“ di Franz Kafka für Sprechstimme, Sopran und Orchester (1950). Jan Klusák: Vier kleine Stimmübungen. Über Texte von Franz Kafka für Sprechstimme und elf Blasinstrumente (1960). In den Jahren 1993–97 entstand seine Kammeroper Zprava pro Akademii nach Kafkas Bericht für eine Akademie. Jiráčková Marta: Die Wahrheit über Sancho Panza, nach einem Aphorismus von Franz Kafka, für Sprecher, Flöte, Fagott, Cello und Schlagzeug op. 48 (1993). Bruno Maderna: Studi per „Il processo“ di Franz Kafka für Sprechstimme, Sopran u. Orch. (1950). Mischa Käser: Kafka-Zyklus für Sprecher, Sopran, 3 Schlagzeuger (1987/88).
Instrumentalmusik Boris Blacher Epitaph – Zum Gedächtnis von Franz Kafka (Streichquartett Nr. 4) op. 41 (1951). Roman Haubenstock-Ramati: Vermutungen über ein dunkles Haus – Hommage à Franz Kafka, für Orch. (1963). František Chaun: Kafka-Trilogie für Orchester (1964–68).