mini|506x506px|Gabrielle Hébert Gabrielle Hébert, auch Gabriele Mathilde Henriette von Uckermann (* 3. Januar 1853 in Dresden; † 23. Juni 1934 in La Tronche, Frankreich) war eine deutschstämmige französische Fotografin.
Nach ihrer Heirat mit dem Maler Ernest Hébert aus der Dauphiné im Jahr 1880 verkehrte sie mit der französischen Kunstszene in Italien und beschäftigte sich mit Fotografie. Ihr lange Zeit vergessenes Werk zeigt ihren Alltag in der Villa Medici sowie die zahlreichen Reisen, die sie mit ihrem Mann unternahm. Nach Héberts Tod widmete sie sich der Inventarisierung seiner Werke, um ein Museum zu gründen, das heutige Hébert-Museum in La Tronche. Ihre Fotografien werden bis heute kaum erforscht, trotz der Ausstellungen, die ihr im Museum gewidmet wurden.
Leben Als Tochter des Barons Robert von Uckermann und Mathilde Ehrengard von Wuthenau, wurde Gabriele von Uckermann in Dresden am 3. Januar 1853 geboren.Acte de mariage no 14, 6 novembre 1880, La Tronche, Archives de l’Isère Ihre Eltern waren seit 1843 verheiratet und hatten zwei weitere Töchter: Isadora und Eleonora, genannt Lory. Es existieren kaum Informationen über ihre Kindheit, da das Archiv in Dresden während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Sie entstammte einer aristokratischen Familie, die ein großes Interesse für Kunst aufwies. Ein von Gabriel Ferrier gemaltes Porträt ihrer Mutter aus dem Jahr 1905 befindet sich im Hébert-Museum in La Tronche.
Sie besuchte in Paris die Zeichenkurse des Malers Charles Bellay, einem Freund von Ernest Hébert. Während ihrer Jugend traf sie viele Künstler der deutschen feinen Gesellschaft, wie den Maler Paul Kießling, der sie zusammen mit ihren Schwestern porträtierte.
Sie ehelichte am 6. November 1880 in La Tronche mit 27 Jahren den Maler Ernest Hébert, der damals schon 63 Jahre alt war.Laurence Huault-Nesme: Voyage en Espagne, Photographies Kodak de Gabrielle Hébert. (Ausstellungskatalog) Musée Hébert, La Tronche Juni 2020. Sie bewunderte seine Werke zunächst 1879 auf der Internationalen Kunstausstellung in München. Sie lernte ihn schließlich in Paris kennen, wo sie ein Kunstatelier sucht. Nach ihrer Heirat lebte sie mit ihrem Gatten in Paris, in Rom und in La Tronche. Sie beschrieb ihren Alltag in ihren Notizen und erwähnte ihre persönlichen Aktivitäten erst an zweiter Stelle. Von der Umgebung ihres Mannes wird sie Gaby genannt und wurde als diskrete, aber geschätzte Ehefrau beschrieben. Ihre Notizen zeigen, wie sehr Gabrielle ihren Mann bewunderte, ihn „mein Alles“ nannte und ihn bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützte. Das Paar hatte eine Tochter, die bei der Geburt im Jahr 1882 starb.
Nachdem sie ihren Vornamen französisiert hatte, hieß sie Gabrielle Hébert und betrieb Fotografie ab 1888. Sie mit mehr als 3.500 Fotoabzügen ein umfangreiches fotografisches Werk.
Sie folgte ihrem Ehemann auf seinen zahlreichen Reisen nach Italien, wo er zweimal als Leiter der Villa Medici in Rom nominiert wurde, aber auch nach Spanien. Während dieser Aufenthalte übernahm Gabrielle die Rolle der Haushälterin der Villa. Ernest Hébert lebte in Rom von 1867 bis 1872 sowie von 1885 bis 1896 in der Villa Medici und in der Via Sistina, dieses Mal in Begleitung von Gabrielle. Während diesen Aufenthalte besuchten sie andere italienische Regionen wie das Latium, die Campana, Sizilien und begaben sich in Thermal- und Badeorte wie Ostia, Anzio, Viterbo oder Civitavecchia.Laurence Huault-Nesme: Italiens pittoresques. 1888–1893 Instantanés de Gabrielle Hébert. (Ausstellungskatalog) Musée Hébert, La Tronche 2013. Sie reisten 1889 für eineinhalb Monate nach Spanien und ins Baskenland.
Nach dem Tod ihres Ehemanns 1908 sammelt sie seine Werke und Dokumente mit dem Ziel, ein Museum zu gründen. Es wird das Hébert-Museum in La Tronche, Isère, das sich in ihrem Haus heute befindet. Sie starb 1934 am Vorabend der Eröffnung des Museums.
Fotografie Die Fotografien Gabrielle Héberts sind heute in verschiedenen Fonds gelagert, zum Beispiel im Musée d’Orsay in Paris, Verwahrer des Fonds des Hébert-Museums in Paris, der seit 2004 wegen vorgesehener Bauarbeiten geschlossen ist.
Der Gabrielle Hébert Fonds, der sich im Hébert-Museum in La Tronche befindet, beinhaltet ungefähr 2.600 Fototypen, die zwischen 1888 und 1900 hergestellt wurden. In dieser Kollektion befinden sich 1.500 Negative auf Glasplatten und 3 Fotoalben. Diese Abzüge wurden von der Fotografin dokumentiert, datiert und geordnet. Sie sammelte sie manchmal in Alben oder Umschlägen und sortierte sie chronologisch oder thematisch ein.
Sie betrieb Fotografie von 1888 bis 1896 und später in geringerer Weise zwischen 1908 und 1910. Ihre Kompositionen sind sorgfältig und ihr Stil präzis.
Anfänge Als junge Frau aus der deutschen Aristokratie hatte Gabrielle Hébert vor 1888 ein gewöhnliches Verhältnis zur Fotografie, da sie sich in professionellen Studios nach den Gepflogenheiten der hohen Gesellschaft der Zeit fotografieren ließ. Sie wurde an der Seite ihrer Schwestern unter anderem von Otto Meyer fotografiert, der dem Studio Thiele in Dresden angehörte.
Sie fängt 1888 an zu fotografieren. Ihr erster Fotoapparat soll eine tragbare Kamera gewesen sein. Als Teil des französischen Künstlermilieus, das in Rom aktiv war, soll sie von den Primoli Brüdern, Giuseppe Napoleone und Luigi, Familienangehörigen der Prinzessin Mathilde, in die Fotografie eingeweiht geworden sein. Sie dokumentierte ihre Anfänge der Fotopraxis in Notizen, die auf Juli 1888 datiert sind, worin sie ihre Kurse mit dem Gründer und Leiter des Studio fotografico Vasari, Cesare Vasari, beschrieb. Sie lernt und fängt an, in einer männlich-dominierten Welt zu kreieren, an der Seite des Malers Alexis Axilette, ein renommierter französischer Porträtmaler und Pensionsschüler der Villa Medici, der früher Retuscheur in einem Fotostudio in Angers war. Sie hatte das Caffè Greco in Rom häufig besucht, wo sich Anhänger der Fotografie trafen.252x252px|mini|alt=Paysans italiens et leurs chèvres, photographiés par Gabrielle Hébert vers 1895.|Gruppe italienischer Bauern mit Ziegen in einer Schlucht, fotografiert von Gabrielle Hébert etwa 1895.
Subjekte Die Fotografien von Gabrielle Hébert dokumentieren die Reisen, die sie mit ihrem Ehemann unternimmt, zum Beispiel in Spanien und Italien.
Sie fotografiert vor allem städtische oder ländliche Szenen des Alltags, die als „pittoreske Momentaufnahme“ (instantanées pittoresques) beschrieben werden. Mit diesen sind Landschaften und historische Denkmäler in ihrem Werk zu finden, aber auch intime Darstellungen von dem Leben mit ihrem Ehemann, der häufig die Hauptfigur ihrer Fotografien ist. Darüber hinaus repräsentiert sie den Mikrokosmos der bürgerlichen Gesellschaft und ihre eigenen Freizeitbeschäftigungen, die typisch für die wohlhabende Gesellschaftsschicht sind, der sie angehört, wie mit der Fotografie: Lory, Elsa Albrizzi und ihre Tochter Dada auf einem Boot auf dem See von Enghien (undatiert, 9,6 × 9,8 cm).
Die Natur nimmt einen großen Platz in ihrem Werk, da sie der Garten der Villa Medici, seine Alleen, Hecken und die römische Landschaft inspirierte.Laurence Huault-Nesme: Instantanés à la villa Médicis par Gabrielle Hébert 1888–1895. (Ausstellungskatalog) Musée Hébert, La Tronche 2008. Sie fotografierte auch Schneelandschaften, die technisch besonders kompliziert sind.
Sie fotografierte und dokumentierte mehrmals die Reisegepflogenheiten der aristokratischen Schichten am Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem Zugreisen. Sie inszenierte diese Praxis und stellte Bewegung, Landschaft sowie Unschärfe dar.
Ernest Hébert, Künstler und Modell Ihr Ehemann Ernest Hébert hat in ihrem Werk einen besonderen Platz: Manchmal frontal dargestellt, manchmal bei der Arbeit, ist er in Gabrielles Werken auch unterschwellig präsent, denn sie stellt sein Atelier, seine Modelle, seine Posing-Sitzungen mehrmals dar. Diese Fotografien zeugen von der Bewunderung, die seine Frau ihm während ihrer gesamten Beziehung entgegenbrachte. Wie auch die zahlreichen Aufnahmen zeigen, auf denen der Maler majestätisch posiert, umgeben von seinen Künstlerattributen wie die Staffelei, die Palette und den Pinseln. Da er zum Malen oft nur einen Bademantel trug und von Gabrielle auf diese Weise dargestellt wurde, gibt Gabrielle dem Betrachter einen einzigartigen Einblick in die Intimität dieses Paares. Sie fertigt Abzüge seiner Werke an, wie zum Beispiel das Bild Héberts Sommeil de l'enfant Jésus (Schlaf des Jesuskindes). Der Hauptteil ihres fotografischen Werks stellt ihren Ehemann dar; die folgenden Fotografien können als Beispiel angeführt werden.
Ernest Hébert bei der Arbeit in seinem Atelier in der Villa Medici, 1885–1896, 7,6 × 11,1 cm (Foto), 10 × 13 (Karton). Ernest Hébert in seinem Atelier sitzend, 1908, 9,3 × 9,5 cm (Foto). Ernest Hébert, in einem Rattan-Rollstuhl sitzend, vor seiner Staffelei malend, 1908, 8,6 × 8,7 cm.
Der Alltag in der Villa Medici Sie dokumentierte das Leben der Pensionsschüler der Villa Medici in Rom am Ende des 19. Jahrhunderts, und stellte vor allem den Alltag und die Arbeit ihres Ehemanns während seines zweiten Direktorats an der französischen Akademie zwischen 1885 und 1890 dar. Sie illustrierte auch das Leben und die Mitarbeit der Modelle des Künstlers, wie sein Modell Amelia, das sie in Begleitung von Hébert darstellte. Sie fotografierte auch die Arbeiten der Pensionsschüler der Académie de France, wie Alexis Axilette, mit dem sie zusammenarbeitete, aber auch die französischen Bildhauer Joseph Gardet und Denys Puech, wie die folgende Fotografie:
Rom, Villa Medici: Joseph Gardet beim Anfertigen der Büste von Alexis Axilette, 1886–1889, 8 × 11,3 cm.
In dem Gabrielle Hébert Fonds befinden sich also Fotografien, die zum Beispiel die Sirène von Puech oder der Tireur d’Arc von Gardet darstellen. Darüber hinaus verewigte sie die Besuche von Aristokraten, die die Villa besuchten, wie Prinzessin Mathilde Bonaparte oder den Botschafter Auguste Gérard.
Reisefotografie 251x251px|mini|alt=La villa Médicis à Rome, photographiée par Gabrielle Hébert en 1891.|Die Villa Medici in Rom, fotografiert von Gabrielle Hébert im Jahr 1891. Ihr Werk weist auch ein dokumentarisches Ausmaß auf, da sie das einfache Leben der italienischen Bauern und Bäuerinnen mit einer großen Spontaneität wiedergibt, zum Beispiel mit ihren Fotos der Ciociaren Märkte und des italienischen Landes. Diese Abzüge sind weit entfernt von den häufigen idyllischen Darstellungen Italiens. Während ihren zahlreichen Exkursen in verschiedene italienische Regionen fotografierte sie unter anderem die Villa Lante in Bagnania, die Kathedrale Santa Maria von Anagni, die Tempel von Selinunt und Agrigent, die Pontinische Ebene. Wenn sie diese Orte fotografiert, erstellt ihr Ehemann ergänzend meist eine Zeichnung oder ein Aquarell. Darüber hinaus sind sie ein wahres Zeugnis des Tourismus am Ende des 19. Jahrhunderts.
Im Herbst 1898 unternahm das Ehepaar eine Rundfahrt in verschiedene Städte des Baskenlandes, unter anderem Biarritz, wo Gabrielle die Stadt zum Ende des 19. Jahrhunderts dokumentiert, indem sie 279 Abzüge herstellt, und ein gewisses Interesse für die Architektur äußert.