Der Große Preis von Japan 1995 (offiziell XXI Fuji Television Japanese Grand Prix) fand am 29. Oktober auf dem Suzuka Circuit in Suzuka statt und war das 16. Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1995.
Berichte Hintergrund Nach dem Großen Preis des Pazifiks stand Michael Schumacher als Fahrerweltmeister fest. Er führte in der Fahrerwertung uneinholbar mit 40 Punkten vor Damon Hill und mit 50 Punkten vor David Coulthard. In der Konstrukteurswertung führte Benetton mit 21 Punkten vor Williams und mit 50 Punkten vor Ferrari.
Vor dem Rennwochenende gab es zwei Fahrerwechsel: Jean-Christophe Boullion saß seit dem fünften Saisonrennen in Monaco in einem der beiden Sauber-Autos und wurde nun vom Team entlassen und durch Karl Wendlinger ersetzt. Der Österreicher erhielt eine weitere Chance, sich zu beweisen, nachdem er beim Großen Preis von Monaco 1994 einen Unfall erlitt, der ihn wochenlang im Koma liegen ließ. Der zweite Fahrerwechsel war Mika Häkkinens Rückkehr bei McLaren, nachdem er den Großen Preis des Pazifiks wegen einer Blinddarmentzündungsoperation verpasst hatte und dort von Jan Magnussen ersetzt wurde.
Hill trat zu seinem 50. Grand Prix an.
Mit Gerhard Berger (zweimal) und Hill (einmal) traten zwei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Vor dem Rennen fanden zwei Trainingseinheiten statt: Die erste am Freitagmorgen und die zweite am Samstagmorgen.
Das erste freie Training am Freitagmorgen entschied Schumacher mit einer Zeit von 1:40,410 Minuten vor Häkkinen und Hill für sich.
Im zweiten freien Training am Samstagmorgen war dann Häkkinen mit einer Zeit von 1:40,389 Minuten der Schnellste vor Eddie Irvine und Hill.
Qualifying Das Qualifying fand in zwei Abschnitten statt, die jeweils beste Zeit entschied über die Startposition.
Im ersten Qualifyingsegment (Q1) war Schumacher mit einer Zeit von 1:38,428 Minuten der Schnellste vor Jean Alesi und Häkkinen. Im zweiten Qualifyingsegment (Q2) blieb die Reihenfolge der ersten Drei unverändert. Die Pole-Position sicherte sich somit Schumacher. Für Schumacher war es die zehnte Pole-Position seiner Karriere.
Obwohl Häkkinen neben seinem dritten Platz in Belgien die beste Qualifikationsleistung der Saison erzielte, hatte sein Teamkollege Mark Blundell eine enttäuschende Qualifikation. Im ersten Teil des Qualifyings prallte Blundell gegen die Wand, sodass er keine Zeit fahren konnte, da sein Auto zu stark beschädigt war. Blundell hatte im Samstagstraining in der 130R-Kurve seinen zweiten Unfall des Wochenendes, der schwerwiegender war als der erste. Auf ärztlichen Rat hin nahm Blundell nicht am zweiten Qualifying teil, so dass er am Ende der Startaufstellung landete.
Aguri Suzuki verunfallte im Qualifying am Samstag mit seinem Ligier. Er konnte nicht am Rennen teilnehmen, da er mit einer gebrochenen Rippe im Krankenhaus lag.
Warm-Up Die Fahrer gingen am Sonntagmorgen zu einer 30-minütigen Aufwärmsitzung auf die Strecke. Hill war mit einer Zeit von 2:00,025 Minuten der Schnellste vor Schumacher und Coulthard.
Rennen Alle Fahrer entschieden sich für den Start auf Regenreifen, da die Strecke vom Morgenregen feucht war. Schumacher behielt von der Pole-Position aus die Führung bis in die erste Kurve. Alesi, der neben Schumacher startete, hatte einen Frühstart und verbüßte hierfür in Runde drei eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe, von der er als Zehnter ins Rennen zurückkehrte. Alesis Teamkollege Berger war ebenfalls zu früh gestartet und erhielt die gleiche Strafe. Gianni Morbidelli im Footwork drehte sich nach dem Start in der ersten Kurve, nachdem er von Wendlingers Sauber von hinten getroffen wurde und musste daraufhin sein Auto abstellen. In Runde sieben hielt Alesi an der Box an, um auf Slicks für trockenes Wetter zu wechseln, da die Strecke zu trocknen begann. Anschließend begann er sich durch das Feld zu kämpfen und fuhr ständig die schnellsten Runden. Die erste davon war eine 1:54,416 Minuten, fünf Sekunden schneller als der Rest des Feldes. Schumacher legte in der zehnten Runde seinen Boxenstopp ein und wechselte ebenfalls auf Slicks. Häkkinen übernahm für eine Runde die Führung, bevor auch er an die Box ging. Alesis Aufholjagd wurde unterbrochen, als er sich drehte und versuchte, Pedro Lamys Minardi für den 15. Platz zu überholen. In der zehnten Runde war er allerdings dann doch bis auf den zweiten Platz vorgefahren und überholte Hill in der letzten Schikane außen herum, um dessen Platz einzunehmen. Alarmiert durch Alesis Tempo auf den Slick-Reifen kamen die anderen Fahrer an die Box, um auch auf Slick-Reifen zu wechseln.
Die beiden Jordan-Autos kollidierten in Runde 15. Rubens Barrichello drehte sich in der letzten Schikane, als er versuchte, später als sein Teamkollege Irvine zu bremsen. Barrichello prallte gegen eine Wand, wodurch der Heckflügel seines Autos beschädigt wurde und er aus dem Rennen ausschied. Irvine war in der 20. Runde in der Schikane erneut in eine Kollision verwickelt, als Heinz-Harald Frentzen ihn von hinten anfuhr. Irvine fuhr ohne Schaden weiter, aber Frentzen musste wegen eines neuen Frontflügels an die Box. An der Spitze fuhr Alesi schneller als Schumacher, obwohl Schumacher auch auf Trockenreifen unterwegs war. Alesi lag nur sechs Sekunden hinter Schumacher, als sein Ferrari 412T2 in Runde 25 einen scheinbaren Differentialschaden erlitt. Später stellte sich heraus, dass das Problem ein Defekt der Antriebswelle war, möglicherweise aufgrund seines früheren Durchdrehens. In Runde 31 legte Schumacher zum zweiten Mal einen Boxenstopp ein und kehrte als Zweiter hinter Hill ins Rennen zurück. Schumacher fuhr in Runde 33 die schnellste Runde des Rennens und eroberte seine Führung in der nächsten Runde zurück, als Hill seinen Boxenstopp einlegte. Dahinter lagen Häkkinen und Coulthard vor ihren Boxenstopps auf den Plätzen drei und vier, aber Coulthard kam sechs Runden später als Häkkinen an die Box und kehrte als Dritter auf die Strecke zurück, einen Platz vor dem Finnen. Johnny Herbert war im zweiten Benetton nach der zweiten Runde der Boxenstopps Fünfter, Irvine rundete die Punkteplätze als Sechster ab.
Zu diesem Zeitpunkt begann es erneut zu regnen, allerdings nur am Ende der Strecke in der Spoon Curve. Die Williams-Fahrer lagen auf den Plätzen zwei und drei, bis Hill zwei Runden nach seinem Boxenstopp in der Spoon Curve von der Strecke abkam. Dabei beschädigte er seinen Frontflügel und fuhr als Vierter auf die Strecke zurück. Hill kehrte an die Box zurück, um seinen Frontflügel zu wechseln. Er nahm das Rennen auf den fünften Platz wieder auf, erhielt dann aber eine Stop-and-Go-Strafe von zehn Sekunden wegen Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxengasse. Coulthard machte den gleichen Fehler wie sein Teamkollege, indem er durch das Kiesbett an der Spoon Curve fuhr, es sah aber so aus, als würde er mit nur geringem Schaden davonkommen. Als er jedoch in der nächsten Kurve bremste, flog der Kies, der in seine Seitenkästen gelangt war, heraus, was dazu führte, dass er die Kontrolle verlor und sein Auto im Kiesbett landete. Hill wurde von seinem Team über Funk angewiesen, schneller zu fahren, da er seine Stop-and-Go-Strafe noch nicht erhalten hatte, aber später in dieser Runde drehte er sich in der Spoon Curve und schied aus dem Rennen aus, ohne die Strafe erhalten zu haben. Schumacher gewann das Rennen nach 53 Runden und sicherte sich seinen neunten Saisonsieg. Der Sieg, zusammen mit Herberts drittem Platz und dem Ausscheiden von Hill und Coulthard, bescherte Benetton die ersten und einzige Konstrukteursmeisterschaft der Team-Geschichte. Häkkinen wurde Zweiter, 20 Sekunden hinter Schumacher. Irvine wurde mit seinem Jordan Vierter, Olivier Panis mit seinem Ligier Fünfter. Mika Salo holte sich in seinem Tyrrell den sechsten Platz und den letzten Punkt. Obwohl Blundell als Letzter startete, wurde er Siebter, nur 1,6 Sekunden hinter Salo. Frentzen, Luca Badoer, Wendlinger, Lamy und Taki Inoue komplettierten das Feld.
Dies war Schumachers letzter Sieg für Benetton, da er zur nächsten Saison zu Ferrari wechselte.
Da Hill seine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe wegen seines Ausfalls nicht antreten konnte, wurde Williams vom Formel-1-Dachverband, der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), mit einer Geldstrafe von 10.000 US-Dollar belegt.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Benetton B195 Renault 3.0 V10 2 3 Tyrrell 023 Yamaha 3.0 V10 4 5 Williams FW17 Renault 3.0 V10 6 7 McLaren MP4/10B Mercedes-Benz 3.0 V10 8 9 Footwork FA16 Hart 3.0 V8 10 14 Jordan 195 Peugeot 3.0 V10 15 16 Pacific PR02 Ford ED 3.0 V8 17 21 Forti FG01 Ford ED 3.0 V8 22 23 Minardi M195 Ford EDM 3.0 V8 24 25 Ligier JS41 Mugen-Honda 3.0 V10 26 27 Ferrari 412T2 Ferrari 3.0 V12 28 29 Sauber C14 Ford Zetec-R 3.0 V8 30
Klassifikationen Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Q1 Q2 Start 1 1:38,428 1:38,023 1 2 1:39,127 1:38,888 2 3 1:39,127 1:38,954 3 4 1:39,032 1:39,158 4 5 1:40,305 1:39,040 5 6 1:39,155 1:39,368 6 7 1:40,153 1:39,621 7 8 1:40,010 1:40,380 8 9 1:40,349 1:40,391 9 10 1:40,381 1:40,413 10 11 1:40,838 1:41,081 11 12 1:41,355 1:41,637 12 13 1:42,561 1:41,592 – 14 1:41,977 1:42,273 13 15 1:42,623 1:42,059 14 16 1:43,634 1:42,912 15 17 1:43,387 1:43,102 16 18 1:43,940 1:43,542 17 19 1:44,386 1:44,074 18 20 1:46,869 1:46,097 19 21 1:46,654 1:47,166 20 22 1:50,097 1:48,267 21 23 1:48,824 1:48,289 22 24 16:42,640 keine Zeit 23
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 5321:36:52,93011:42,976 (33.) 2 532 + 19,33731:43,369 (38.) 3 533 + 1:23,80491:43,404 (37.) 4 533 + 1:42,13671:43,477 (30.) 5 522 + 1 Runde111:45,661 (47.) 6 522 + 1 Runde121:45,625 (51.) 7 522 + 1 Runde231:44,287 (50.) 8 523 + 1 Runde81:44,211 (35.) 9 512 + 2 Runden171:47,025 (47.) 10 513 + 2 Runden151:45,824 (43.) 11 512 + 2 Runden161:46,954 (44.) 12 512 + 2 Runden181:46,600 (42.) – 403DNF41:43,193 (31.) – 392DNF61:43,079 (33.) – 322DNF201:50,261 (30.) – 242DNF21:44,370 (23.) – 231DNF191:49,985 (21.) – 161DNF51:52,165 (12.) – 151DNF101:51,343 (13.) – 121DNF131:56,404 (12.) – 60DNF222:06,927 (5.) – 10DNF21– – 00DNF14– DNS Suzuki konnte aufgrund eines Unfalls im zweiten Teil des Qualifying nicht am Rennen teilnehmen. ––––– Anmerkungen
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs eines Rennens bekamen 10, 6, 4, 3, 2 und 1 Punkt(e).
Fahrerwertung Pos.FahrerKonstrukteurPunkte1Benetton-Renault1022Williams-Renault593Williams-Renault494Benetton-Renault455Ferrari426Ferrari317McLaren-Mercedes178Sauber-Ford159Jordan-Peugeot1110Jordan-Peugeot1011Ligier-Mugen-Honda1012McLaren-Mercedes1013Ligier-Mugen-Honda714Tyrrell-Yamaha315Sauber-Ford316Ligier-Mugen-Honda117Footwork-Hart118Minardi-Ford0Pos.FahrerKonstrukteurPunkte19Tyrrell-Yamaha020Footwork-Hart021Minardi-Ford022Footwork-Hart023Pacific-Ford024Minardi-Ford025Forti-Ford026Simtek-Ford027Sauber-Ford028McLaren-Mercedes029McLaren-Mercedes030Pacific-Ford031Simtek-Ford032Forti-Ford033Tyrrell-Yamaha034Pacific-Ford0–Pacific-Ford0
Konstrukteurswertung Pos.KonstrukteurPunkte1Benetton-Renault und Williams-Renault erhielten beim Großen Preis von Brasilien keine Konstrukteurspunkte (zehn bzw. sechs) wegen Verwendung nicht regelkonformen Treibstoffs.1372102373427521618718Pos.KonstrukteurPunkte8391100110120130 Anmerkungen
Einzelnachweise
#1995 Japan Kategorie:Sportveranstaltung in Suzuka Kategorie:Suzuka International Racing Course