Cornelia Klinger (geb. 1953 in Leipzig) ist eine deutsche Philosophin. Sie ist außerplanmäßige Professorin für Philosophie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Politische Philosophie, Gesellschaftstheorie und Kulturphilosophie. Klinger hat die feministische Philosophie in Deutschland mitgeprägt.

Leben und Werk 350x350px|mini|alt=II. Symposium der Internationalen Assoziation von Philosophinnen - Frauengruppe mit Cornelia Klinger als junge Wissenschaftlerin|II. Symposium der Internationalen Assoziation von Philosophinnen Oktober 1982, Universität Zürich (3. v. l.: Cornelia Klinger; Mitte: E. Walesca Tielsch) Klingers Eltern verließen die DDR Ende der 1950er-Jahre. Klinger besuchte die Schule in der westdeutschen Provinz.https://files.iwm.at/timeline/Transit_28_Klinger.pdf Sie studierte von 1972 bis 1978 Philosophie, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Köln. Anschließend war sie bis 1983 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Köln tätig. 1981 promovierte sie zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Die politische Funktion der transzendentalphilosophischen Theorie der Freiheit.

Von 1983 bis 2014 war sie als Permanent Fellow (Ständiges Wissenschaftliches Mitglied) am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien, Österreich, tätig, unter anderem als Leiterin des IWM-Programms Quellen der Ungleichheit. 2013–2014 war sie Amtierende Rektorin am IWM, gemeinsam mit dem US-amerikanischen Philosophen Michael J. Sandel. Klingers Lehraufträge und Gastprofessuren führten sie an die Universitäten Wien, Zürich, Bielefeld, Frankfurt, Klagenfurt, Innsbruck, Tübingen, München, Luzern und Berlin.

1992 habilitierte sie sich an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit einer Studie über Ästhetische Modernität und ‘Wiederverzauberung der Welt’. Der Ort der Romantik im Prozess der Moderne. Seit 1993 führt sie eine Privatdozentur, ab 2003 arbeitet sie als außerplanmäßige Professorin für Philosophie an der Universität Tübingen. Seit 2015 lebt und arbeitet Klinger in Hamburg als Privatgelehrte.

2013 verlieh das Österreichische Kanzleramt den Frauen-Lebenswerk-Preis (Käthe-Leichter-Preis) 2013 an Cornelia Klinger.

Bücher Die andere Seite der Liebe. Das Prinzip Lebenssorge in der Moderne. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-593-50805-4. Geld oder Leben – Sorge und Sorgearbeit im Kapitalismus (mit Brigitte Aulenbacher und Tine Haubner). Beltz Verlag, Weinheim / Basel 2023, ISBN 978-3-7799-6071-3. Blindheit und Hellsichtigkeit: Künstlerkritik an Politik und Gesellschaft der Gegenwart. De Gruyter Akademie Forschung, Berlin 2014, ISBN 978-3-05-005230-4. Die Erfindung des Subjekts. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-518-29330-0. Perspektiven des Todes in der modernen Gesellschaft. Hrsg. von Cornelia Klinger. Brill Fink Verlag, München 2009, ISBN 978-3-205-78305-3. Achsen der Ungleichheit. Zum Verhältnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizität. Hrsg. von Cornelia Klinger, Gudrun Axeli-Knapp. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-593-38476-4. Das Jahrhundert der Avantgarden. Hrsg. von Cornalia Klinger, Wolfgang Müller-Funk. Brill Fink Verlag, München 2004, ISBN 3-7705-3821-8. Über-Kreuzungen: Fremdheit, Ungleichheit, Differenz. Hrsg. von Cornelia Klinger, Gudrun Axeli-Knapp. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2008, ISBN 978-3-89691-223-7. Continental Philosophy in Feminist Perspective: Re-Reading the Canon in German. Hrsg. Cornelia Klinger und Herta Nagl-Docekal. Penn State University Press 2000, ISBN 0-271-01964-6. Identitätskrise und Surrogatidentitäten. Zur Wiederkehr einer romantischen Konstellation. Hrsg. Cornelia Klinger und Ruthard Stäblein. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-593-34103-4. Flucht - Trost - Revolte. Die Moderne und ihre ästhetischen Gegenwelten. Carl Hanser Verlag, München 1995, ISBN 3-446-18056-7.

Aufsätze (Auswahl)

Eins zu Zwei … Zu Viel. Grenzziehung als fatale Strategie zur Überwindung von Ambiguität im westlichen Denken. In: Ambige Verhältnisse. Uneindeutigkeit in Kunst, Politik und Alltag. Hrsg. v. Verena Krieger, Michael Lüthy, Andrea Meyer-Fraatz, Bernhard Groß. transcript, Bielefeld Mai 2021. Das integrale Patriarchat. Personale Herrschaft in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des Alten Europa. In: Transkulturelle Annäherungen an Phänomene von Macht und Herrschaft. Geschlechterdimensionen und Spannungsfelder. Hrsg. v. Matthias Becher (Macht und Herrschaft 12), V&R unipress, Göttingen 2019, University Press, Bonn 2019, ISBN 978-3-8471-1086-6. Was ist schlecht am alten und am neuen Patriarchat? Nichts Oder: Alles! In: Wespennest. Zeitschrift für brauchbare Texte und Bilder. Mai 2020. Weder eine bürgerliche Ehe noch eine perverse Wahlverwandtschaft. Von Liberalismus und Frauenbewegung zu Neoliberalismus und Postfeminismus. In: Karsten Fischer, Sebastian Huhnholz (Hrsg.): Liberalismus: Traditionsbestände und Gegenwartskontroversen. Nomos, Baden-Baden 2019. Liebe ohne Sorge - Sorge ohne Liebe? Soziologische Theorien zu Ausdifferenzierungsprozessen der Moderne im Anwendungsfall auf ihr Randgebiet. In: Julia Böcker, Anna Henkel, Simon Moebius (Hrsg.): Die Liebe der Soziologie. Festschrift für Günter Burkart. Pro Business, Berlin 2019. Stichwort "Dualismenbildungen". In: Handbuch interdisziplinäre Geschlechterforschung. Hrsg. v. Beate Kortendiek, Birgit Riegraf, Katja Sabisch. Springer, Wiesbaden 2019. Stichworte Geschlecht, Geschlechtertheorie, Weibliche Kultur. In: Hans-Peter Müller, Tilman Reitz (Hrsg.): Simmel-Handbuch - Begriffe. suhrkamp, Hauptwerke, Aktualität. Berlin 2018. The selfie – oder das Selbst in seinem Welt-Bild. In: Thomas Fuchs, Lukas Iwer, Stefano Micali (Hrsg.): Das überforderte Subjekt. Zeitdiagnosen einer beschleunigten Gesellschaft. suhrkamp (stw 2252), Berlin 2018. An Essay on Life, Care and Death in the „Brave New World“ After „1984“. In: Equality, Diversity and Inclusion. An International Journal, Vol. 37/4: Care and Care Work – A Question of Economy, Justice and Democracy. Emerald Publishing UK, 2018. Serfdom – (Lost) Love’s Labor – Service Industries: Services from Feudal Times to Late Capitalism. In: Klaus Dörre, Nicole Mayer-Ahuja, Dieter Sauer, Volker Wittke (Hrsg.): Capitalism and Labor. Towards Critical Perspectives. Campus, Frankfurt / New York 2018. Viel erreicht und nicht(s) gewonnen? Gleichheit und Differenz zwischen Mainstreaming und Diversity. In: Günter, Manuela, Keck, Annette (Hrsg.): Kulturwissenschaftliche Perspektiven der Gender Studies. Kadmos Kulturverlag, Berlin 2018. Freiheit und Gleichheit der Personen - Unfreiheit und Ungleichheit in personalen Beziehungen. In: Magnus Schlette (Hrsg.): Ist Selbstverwirklichung institutionalisierbar? Axel Honneths Freiheitstheorie in der Diskussion. Campus, Frankfurt 2018. Stalins Tod. Ignoble Care oder: Leben und Sterben in einer postpatriarchalen Gesellschaft. In: Brigitte Bargetz, Eva Kreisky, Gundula Ludwig (Hrsg.): Dauerkämpfe. Feministische Zeitdiagnosen und Strategien. Campus, Frankfurt 2017. Von Gelegenheitsfenstern und Fallstricken beim Umbau von Luftschlössern – Frauen in Gesellschaft und Wissenschaft im neoliberalen ‚Wandel‘. In: Feministische Studien. 1/2017. Zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit. Stehen die Ideen von Aufklärung und Revolution im Neoliberalismus zur Disposition? In: Brigitte Aulenbacher, Maria Dammayr, Klaus Dörre, Wolfgang Menz, Birgit Riegraf, Harald Wolf (Hrsg.): Leistung und Gerechtigkeit. Das umstrittene Versprechen des Kapitalismus. Beltz Juventa, Weinheim / Basel 2017. ‚schön denken …‘ Herders Plan zu einer Frauenzimmer-Ästhetik. In: Dieter Hüning, Gideon Stiening, Violetta Stolz (Hrsg.): Herder und die klassische Deutsche Philosophie. Festschrift für Marion Heinz. (problemata frommann-holzboog 157). Frommann-Holzboog, Stuttgart 2016. Leben?! Zwischen Lebensführung und Lebenssorge. In: Erika Alleweldt, Anja Röcke, Jochen Steinbicker (Hrsg.): Lebensführung heute: Klasse, Bildung, Individualität. Beltz Juventa, Weinheim/Basel 2016. Interior Spaces and Other Playgrounds of Inwardness. In: August Sarnitz, Inge Scholz-Strasser (Hrsg.): Private Utopia: Cultural Setting of the Interior in the 19th and 20th Century. de Gruyter, Berlin/Boston 2015. Für einen Kurswechsel in der Intersektionalitätsdebatte (2012). Zwischen Auflösung und Verfestigung: Zur Transformation des Begriffs Kultur im Prozess von Globalisierung. In: Christina von Braun, Ulrike Brunotte, Gabriele Dietze, Daniela Hrzan, Gabriele Jähnert, Dagmar Pruin, im Auftrag des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin (Hrsg.): ‚Gotteskrieg‘ und Geschlecht - ‚Holy War‘ and Gender. Gewaltdiskurse in der Religion - Violence in Religious Discourses. LIT Verlag, Münster 2006, ISBN 3-8258-8109-1. Das Projekt der Aufklärung und der Prozess der Moderne. Zusammenhänge und Widersprüche. In: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärungsprozesse seit dem 18. Jahrhundert. Königshausen & Neumann 2006, ISBN 3-8260-3114-8. Utopie und/oder Illusion? Eine Erinnerung an den Feminismus und andere dirty words. In: Dorothea Lüdke, Anita Runge, Mechthild Koreuber (Hrsg.): Kompetenz und/oder Zuständigkeit. Zum Verhältnis von Geschlechtertheorie und Gleichstellungspraxis. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005. Feministische Theorie zwischen Lektüre und Kritik des philosophischen Kanons. In: Hadumod Bußmann, Renate Hof (Hrsg.): Genus. Gender Studies in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Ein Handbuch. Kröner Verlag, Stuttgart 2005. Erinnerungen an Georges Orwells "1984". In: Transit. Europäische Revue. 28/Winter 2004/05. 1800 - eine Epochenschwelle im Geschlechterverhältnis? In: Katharina Rennhak, Virginia Richter (Hrsg.): Zwischen Revolution und Emanzipation. Geschlechterordnungen in Europa um 1800. Böhlau, Köln/Wien 2004. Macht - Herrschaft - Gewalt. In: Sieglinde Rosenberger, Birgit Sauer (Hrsg.): Politikwissenschaft und Geschlecht. Konzepte-Verknüpfungen-Perspektiven. UTB/WUV, München/Wien 2004. From Freedom without Choice to Choice without Freedom: The Trajectory of the Modern Subject. In: Constellations. 11/1, März 2004. Die Dialektik der Aufklärung im Geschlechterverhältnis. In: Sonja Asal, Johannes Rohbeck (Hrsg.): Aufklärung und Aufklärungskritik in Frankreich. Selbstdeutungen des 18. Jahrhunderts im Spiegel der Zeitgenossen. Berliner Wissenschafts-Verlag 2003. Inklusion und Exklusion. Das Konzept Mensch zwischen Universialitätsanspruch und Ausschluss-Strategien. In: Freiburger FrauenStudien. Zeitschrift für interdisziplinäre Frauenforschung. Band 12: Dimensionen Gender Studies I. Jos Fritz Verlag, Freiburg 2003. "... car je ne tends qu’à connaître mon néant ..." oder: Die verlorene Einsamkeit der Philosophie. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 5/2002 (PDF-Dokument). Corpus Christi, Lenins Leiche und der Geist des Novalis oder: Die Sichtbarkeit des Staates. Über ästhetische Repräsentationsprobleme demokratischer Gesellschaften. Überarbeitete Fassung In: Hans Belting, Dietmar Kamper, Martin Schulz (Hrsg.): Quel Corps. Fink, München 2002. Die Kategorie Geschlecht zwischen Natur, Kultur und Gesellschaft. In: Urte Helduser, Thomas Schwietring (Hrsg.): Kultur und ihre Wissenschaft. Beiträge zu einem reflexiven Verhältnis. Konstanzer Universitätsverlag 2002. Handbuchartikel: modern / Moderne / Modernismus. In: Historisches Wörterbuch ästhetischer Grundbegriffe. Bd. 4. Karlheinz Barck, Martin Fontius, Dieter Schlenstedt et al. (Hrsg.). Metzler Verlag, Stuttgart 2002. The subject of politics - The politics of the subject. In: Okwui Enwezor, Carlos Basualdo, Ute Meta Bauer et al. (Hrsg.): Democracy Unrealized. Documenta 11_Platform 1. Hatje Cantz, Ostfildern 2002 (deutsch und englisch). Gleichheit und Differenz. Von alten Sackgassen zu neuen Wegen. In: Transit. Europäische Revue 21/2001.