Die Österreichische Eishockeyliga 2005/2006 begann am 22. September 2005 und endete am 2. April 2006. Titelverteidiger waren die Vienna Capitals, neuer Österreichischer Meister wurde jedoch zum sechsten Mal der EC VSV. Dieser konnte sich im Finale gegen den EC Red Bull Salzburg durchsetzen, der nach dem Grunddurchgang noch geführt hatte.
Im Vorfeld Teilnehmer
Es nahmen dieselben sieben Vereine wie in der vorangegangenen Saison teil. Der EHC Linz war neu gegründet worden, nachdem im Juni 2005 ein Konkursverfahren über den ursprünglichen Club eröffnet worden war.Black Wings Linz in Konkurs, Bericht auf der Internetpräsenz des Standard vom 5. Juni 2005Neugründung im Linzer Eishockey, Bericht auf www.news.at vom 24. März 2005
Team Vorsaison Trainer Vienna Capitals Meister Jim Boni EC KAC Vizemeister Mats Waltin (bis 31. Oktober 2005)Mats Waltin ist weg, Bericht auf hockeyfans.at vom 31. Oktober 2005 Kevin Primeau (ab 6. November 2005)Kevin Primeau wird neuer KAC-Trainer, Bericht auf der Internetpräsenz des Standard vom 6. November 2005 HC Innsbruck Halbfinal-Out Alan Haworth EC VSV Halbfinal-Out Greg Holst EC Graz 99ers Rang 5 Mike Zettel (bis 23. November 2005)Mike Zettel in Graz gefeuert, Bericht auf hockeyfans.at vom 23. November 2005 Bill Stewart (ab 27. November 2005)Bill Stewart neuer 99ers-Coach, Bericht auf www.hockeyfans.at vom 27. November 2005 EHC Liwest Linz Rang 6 Kurt Harand Mike Zettel (ab 20. Februar 2006)Kurt Harand als Linz-Trainer gefeuert, Ex-Graz-Coach Mike Zettel ist Nachfolger, Bericht auf www.news.at vom 20. Februar 2006 EC Red Bulls Salzburg Rang 7 Hardy Nilsson
Modus Im Grunddurchgang wurden nach einer doppelten Hin- und Rückrunde die bis dahin erzielten Punkte halbiert (Punkteteilung), danach wurde noch eine weitere doppelte Hin- und Rückrunde ausgetragen. Für einen Sieg in regulärer Spielzeit gab es zwei Punkte. Bei einem Unentschieden nach sechzig Minuten wurde eine 5-minütige Overtime ausgetragen. Gab es auch danach keinen Sieger, wurde dieser in einem Penaltyschießen ermittelt. Der Sieger erhielt dann zwei, der unterlegene Gegner einen Punkt. Die besten vier Vereine qualifizieren sich für das Halbfinale, das wie das anschließende Finale im Best of seven-Modus ausgetragen wurde.
Zeitplan Grunddurchgang: 23. September 2005 bis 3. März 2006 Halbfinale (Best-of-Seven): 5. März bis 19. März 2006 Finale (Best of Seven): 21. März bis 4. April 2006
Grunddurchgang Die erste Hälfte des Grunddurchgangs wurde vom EC VSV und dem HC Innsbruck dominiert. Hatten sich die Villacher zunächst mit vier Siegen zum Auftakt an der Spitze platziert, so wurden sie dort nach dem ersten Durchgang von den Innsbruckern abgelöst, die zwischenzeitlich einen Vorsprung von fünf Punkten auf den zweiten Rang hatten herausspielen können. Umgekehrt bildete zunächst der EC KAC das Schlusslicht, da die ersten sechs Partien verloren gingen. Erst nach und nach folgten einige Siege, während die 99ers, geplagt vom Verletzungspech, mehr und mehr zurückfielen und schließlich im Verlauf einer acht Spiele andauernden Niederlagenserie auf dem letzten Platz zu liegen kamen. Die übrigen Mannschaften blieben im Mittelfeld nahe beieinander und behielten engen Kontakt zur Führungsgruppe.
Mit der Punkteteilung rückte das Feld wieder auf neun Punkte zusammen, aber die Trends setzten sich fort. Während die Innsbrucker im Dezember in ihren Leistungen einbrachen und von den Salzburgern an der Tabellenspitze abgelöst wurden, hatte auch der VSV mit einem kleinen Zwischentief zu kämpfen, das ein wenig Abstand zur Spitze entstehen ließ. Die Leistungen der Villacher stabilisierten sich aber schnell, sodass gegen Ende der Hauptrunde Villach und Salzburg sich mit deutlichem Abstand um den ersten Platz duellierten, der schließlich mit zwei Punkten Differenz an Salzburg ging.
Im Mittelfeld wendete sich das Blatt mit Fortgang der Meisterschaft. Der EC KAC hatte sich inzwischen ein wenig stabilisiert und kämpfte sich zusammen mit den Capitals, die nach einer Unserie mit nur einem Sieg aus sieben Spielen weit zurückgefallen waren, in der Tabelle wieder an die Playoff-Ränge heran. In den letzten Runden zeichnete sich ein Kampf unter vier Mannschaften ab: Wien, Klagenfurt, Linz und Innsbruck lagen schließlich sehr nahe beieinander, da die beiden Letzteren sich mit einigen unnötigen Niederlagen in Schwierigkeiten gebracht hatten. Die Capitals konnten ihre letzten beiden Spiele gewinnen und sich auf Rang vier retten. Punktegleich eroberte Innsbruck nach einem Heimsieg gegen Salzburg im letzten Spiel den dritten Platz. Das parallel stattfindende Spiel zwischen dem KAC und Linz, die beide auf Schützenhilfe durch Salzburg gehofft hatten, ging zwar an den KAC, blieb aber in der Folge im Kampf um die Playoff-Plätze ohne Wert.
Als einzige Mannschaft hatte Salzburg eine positive Bilanz gegen alle Gegner aufzuweisen. Das genaue Gegenteil stellten die Graz 99ers dar, denen dies bei keiner anderen Mannschaft gelungen war. Die Grazer hatten auch die gesamte zweite Hälfte des Grunddurchgangs mit einem uneinholbaren Rückstand zu kämpfen und fanden trotz zweier Trainerwechsel nie zu ihrer Form. Verletzungen taten ein Übriges. Nur neun von 28 Partien in der zweiten Meisterschaftshälfte konnten gewonnen werden, wobei es nach der Saison zu ernsthaften Diskussionen darüber kam, ob die 99ers ein weiteres Mal in der Bundesliga antreten würden.
Besondere Ereignisse während des Grunddurchgangs mini|Das letzte Spiel des Grunddurchganges zwischen dem EC VSV und den Vienna Capitals zog viele Diskussionen nach sich In der vorletzten Runde kam es zu einem besonderen Kuriosum: das Spiel Vienna Capitals gegen EC VSV ging ins Penaltyschießen – beim Stand von 2:1 für die Wiener trat aber der falsche Villacher an (vermutlich hatte der Linienrichter die falschen Schützen notiert), weswegen der Schiedsrichter den Treffer annullierte und die Wiener zum Sieger erklärte. Da für diesen Fall keine eindeutigen Bestimmungen bestehen, und die Lage zusätzlich dadurch verschärft wurde, dass zu diesem Zeitpunkt noch vier Vereine (u. a. die Capitals) um die verbleibenden zwei Playoffplätze spielten, kam es zu starken Protesten der anderen Vereine. Der VSV war zu diesem Zeitpunkt bereits fix für das Playoff qualifiziert. Der Verband beschloss die Neuaustragung des gesamten Penaltyschießens. Gegen diese Entscheidung erwirkten wiederum die Wiener vor einem Zivilgericht eine einstweilige Verfügung, aufgrund derer die Villacher, die schon am Weg nach Wien waren, wieder umkehren mussten. Nach neuerlicher Prüfung durch den Verband wurde beschlossen, das Penaltyschießen beim Stand von 2:1 für Wien weiterzuführen, und zwar in der ursprünglich festgelegten Reihenfolge. Dieses wurde am 2. März vor ca. 1500 Zusehern in der Albert-Schultz-Halle ausgetragen. Günther Lanzinger trat gegen den Wiener Torhüter Jürgen Penker an und verschoss den Penalty, wodurch die Capitals endgültig zum Sieger erklärt wurden und durch den Zusatzpunkt den Einzug in die Play-offs fixierten. Im Laufe der Saison wechselten drei der sieben Teams den Trainer: Der EC KAC entließ den Schweden Mats Waltin und engagierte an seiner Stelle Kevin Primeau. Im November verpflichteten die Graz 99ers Bill Stewart anstelle von Mike Zettel, und kurz vor Ende des Grunddurchganges beurlaubten die Blackwings Linz mit Trainer Kurt Harand den einzigen österreichischen Bundesligatrainer. Verpflichtet wurde der von den Grazern entlassene Mike Zettel, der den Linzern aber auch nicht mehr zu einem Playoff Platz verhelfen konnte. Für die nächste Saison verpflichteten die Linzer Bill Stewart, wodurch die kuriose Situation entstand, dass Mike Zettel gleich zweimal in einer Saison durch Bill Stewart ersetzt wurde. Eine Besonderheit gelang KAC-Torhüter Andrew Verner am 27. Jänner 2006 im Spiel gegen den HC Innsbruck: Er erzielte in der 60. Minute das Tor zum 4:2, nachdem die Innsbrucker ihren Torhüter Claus Dalpiaz vom Eis genommen hatten. Der sensationellste Transfer des Jahres gelang den Red Bulls Salzburg mit der Verpflichtung des lettischen Nationaltorhüters Artūrs Irbe, der im Dezember den Schweden Björn Bjurling ablöste. Im Dezember musste das Spiel Graz 99ers gegen Red Bulls Salzburg mit 5:0 zugunsten der Salzburger strafverifiziert werden, da die Grazer aufgrund von über 10 verletzten Spielern nicht in der Lage waren, zum Spiel anzutreten und die Salzburger nicht zu einer Verschiebung bereit waren. In der Geschichte des Kärntner Eishockey-Derbys gab es zum ersten Mal seit der Saison 1979/80, damals für den EC KAC, wieder eine Perfect Season einer Mannschaft: der spätere Meister EC VSV konnte alle acht Begegnungen mit dem Lokalrivalen EC KAC im Grunddurchgang für sich entscheiden, auch wenn die letzten vier Spiele jeweils erst im Penaltyschießen ihren Sieger fanden. Diese acht Spiele waren Teil einer 17 Spiele andauernden Serie, die bis heute einen Rekord in der Derbygeschichte darstellt.
Tabelle nach den Grunddurchgang Platz Team SP S N SNV NNV T GT TVH PKT 1 Red Bulls Salzburg 48 23 13 6 6 177 140 +37 49 2 EC VSV 48 21 14 6 7 149 125 +24 47 3 HC Innsbruck 48 22 17 4 5 160 147 +13 40 4 Vienna Capitals 48 21 20 4 3 173 163 +10 40 5 EC KAC 48 17 20 5 6 136 153 −17 39 6 EHC Linz 48 17 19 7 5 141 156 −15 38 7 EC Graz 99ers 48 9 27 6 6 119 171 −52 28
Statistiken Topscorer Spieler Team GP G A PTS PIM +/− PPG PPA SHG SHA GWG Todd Elik Innsbruck 48 21 53 74 150 +19 9 18 2 4 2 Daniel Gauthier VSV 48 20 52 72 24 +11 4 25 4 2 3 Oliver Setzinger Capitals 45 32 38 70 98 +18 7 16 6 0 6 Dany Bousquet VSV 45 36 32 68 77 +11 14 11 3 3 3 James Desmarais Innsbruck 48 32 34 66 99 +16 8 12 4 0 4 Chad Hinz KAC 48 25 37 62 30 +18 6 17 2 2 7 Dave Chyzowski Linz 48 25 36 61 100 +5 5 15 3 1 6 Bob Wren Capitals 42 22 38 60 110 +9 6 17 0 1 4 Mike Craig Capitals 47 25 34 59 103 +11 7 11 0 2 4 Anthony Iob KAC 41 24 35 59 84 +11 7 12 4 4 5 Legende:GP = Spiele, G = Tore, A = Assists, PTS = Scorerpunkte, +/- = Plusminuswert, PIM = Strafminuten, PPG = Powerplaytore, PPA = Powerplayassists, SHG = Unterzahltore, SHA = Unterzahlassists, GWG = Siegestore
Torhüter Spieler Team GP GPI MIP SOG SVS GA SVS% GAA SO W L OTL Gert Prohaska VSV 48 41 2497 1406 1308 98 93,03 2,36 5 26 10 5 Walter Bartholomäus Capitals 48 30 1634 964 885 79 91,80 2,90 1 14 12 1 Andrew Verner KAC 36 36 2066 1227 1126 101 91,77 2,93 4 16 13 6 Artūrs Irbe Salzburg 17 17 1009 409 374 35 91,44 2,08 2 11 3 2 Claus Dalpiaz Innsbruck 46 43 2569 1282 1162 120 90,64 2,80 1 25 14 4 Jeff Maund Capitals 23 14 790 497 449 48 90,34 3,65 0 6 6 1 Pavel Nešťák Linz 48 47 2819 1480 1331 149 89,93 3,17 6 23 19 5 Scott Fankhouser 99ers 47 47 2807 1548 1389 159 89,73 3,40 3 15 26 6 Hannes Enzenhofer KAC 47 16 844 456 409 47 89,69 3,34 0 6 7 0 Björn Bjurling Salzburg 23 23 1363 663 585 78 88,24 3,43 1 12 6 4 Legende:GP = Spiele, GPI = tatsächliche Einsätze, MIP = Spielminuten, GA = Gegentore, GAA = Gegentorschnitt je 60 Minuten, SOG = Torschüsse, SVS = gehaltene Schüsse, SVS% = Fangquote, SO = Shutouts, W = Siege, L = Niederlagen, OTL = Niederlagen nach Verlängerung oder Penaltyschießen
Playoffs mini|Dany Bousquet mit Meisterpokal. Er erzielte in dieser Saison 47 Tore. Links: Greg Holst mit der Meistermedaille.
Playoff-Baum
Halbfinale Serie EC Red Bull Salzburg – Vienna Capitals Die Serie des EC Red Bull Salzburg gegen die Vienna Capitals stellte im Nachhinein für die Wiener den Auftakt zu einer Unserie dar, die sich über die nächsten vier Jahre hinziehen und jedes Jahr wieder das Halbfinal-Out gegen die Salzburger bedeuten sollte. Bereits im ersten Spiel gelang Salzburg mit einem ungefährdeten 6:1-Heimsieg die Führung in der Serie. Im zweiten Spiel liefen die Wiener bis in den Schlussabschnitt einem knappen Rückstand nach, konnten aber in der 48. Minute das erlösende 2:2 erzielen. Salzburg spielte sich aber postwendend wieder in Führung und brachte den knappen Vorsprung schließlich über die Zeit.