Die IX. konstitutionelle Regierung Osttimors (, ) ist die neunte Regierung Osttimors seit der Entlassung Osttimors in die Unabhängigkeit am 20. Mai 2002. Sie wurde am 1. Juli 2023 vereidigt. Regierungschef ist Xanana Gusmão (CNRT), der bereits zwischen 2007 und 2015 Premierminister und davor zwischen 2002 und 2007 Staatspräsident war.RTP (Lusa): Veteranos da governação dominam lista de membros de novo Governo de Timor-Leste, 30. Juni 2023, abgerufen am 30. Juni 2023. Die Regierung stützt sich auf eine Koalition aus Gusmãos Congresso Nacional da Reconstrução Timorense (CNRT) und der Partido Democrático (PD).

Organigramm der IX. Regierung

Regierungsmitglieder Über die Zusammensetzung der Regierung wurde noch am Morgen des 30. Junis mehr als fünf Stunden zwischen Präsidenten und den Koalitionspartnern verhandelt und mehrfach geändert. Ursprünglich umfasste die Mitgliederliste über 60 Personen aus CNRT und PD sowie Parteilose. Die Zahl sank dann nach Rückzug der meisten unabhängigen Kandidaten und Umstrukturierungen der Regierung auf 47 Personen.

Mitglieder der Regierung Xanana Gusmão, ab dem 1. Juli 2023 Foto Name Posten100pxXanana Gusmão (CNRT) Premierminister Stellvertretende Premierminister100px Francisco Kalbuadi (CNRT) Stellvertretender Premierminister, koordinierender Minister für Wirtschaft, Minister für Tourismus und Umwelt100px Mariano Assanami Sabino (PD) Stellvertretender Premierminister, koordinierender Minister für Angelegenheiten der ländlichen Entwicklung Minister100px|Ágio Pereira Hermenegildo Ágio Pereira (CNRT) Minister des Ministerrats100px Santina Viegas Cardoso (CNRT) Ministerin für Finanzen MF100px Bendito Freitas (CNRT) Minister für Außenangelegenheiten100px Amândio Benevides (CNRT) Minister für Justiz MJ († 20. Januar 2024)100px Sérgio de Jesus Fernandes da Costa Hornai Minister für Justiz MJ (ab 15. Februar 2024)100px Tomás Cabral (CNRT) Minister für Staatsadministration MAE100px Élia Amaral (CNRT) Ministerin für Gesundheit MS100px Dulce Soares (CNRT) Ministerin für Bildung José Honório da Costa Pereira Jerónimo (PD) Minister für Hochschulwesen, Wissenschaft und Kultur MESCC († 21. April 2026)100px Gil da Costa Monteiro Oan-Soro (CNRT) Minister für Angelegenheiten der Kämpfer der nationalen Befreiung Samuel Marçal (CNRT) Minister für den öffentlichen Dienst MOP100px Miguel Manetelu Marques (CNRT) Minister für Transport und Kommunikation MTC100px Filipus Nino Pereira (PD) Minister für Handel und Industrie MCI100px Marcos da Cruz (CNRT) Minister für Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei und Forstwirtschaft100px Pedro Klamar Fuik (parteilos) Minister für Verteidigung MD Francisco Monteiro (CNRT) Minister für Erdöl und Mineralien MPM100px Francisco da Costa Guterres (CNRT) Minister für Inneres 100px Verónica das Dores (CNRT) Ministerin für soziale Solidarität und Inklusion MSSI100px Nélio Isaac (CNRT) Minister für Jugend, Sport, Kunst und Kultur 100px Gastão de Sousa (PD) Minister für Projekte und strategische Investitionen Vizeminister100px Adérito Hugo da Costa (CNRT) Vizeminister für parlamentarische Angelegenheiten100px Hélder Lopes (CNRT) Vizeminister für Finanzen VMF (1. Juli – 13. September 2023)100px Felícia Carvalho Vizeminister für Finanzen VMF (15. September 2023 – 13. Januar 2026)100px Regina de Jesus de Sousa Vizeminister für Finanzen VMF (seit 12. Februar 2026) 100px Milena da Costa Rangel (parteilos) Vizeministerin für ASEAN-Angelegenheiten Paulo Remédios (CNRT) Vizeminister für die Stärkung der Institutionen 100px José dos Reis Magno (CNRT) Vizeminister für die Stärkung der Gesundheitsinstitutionen 100px Flávio Brandão (PD) Vizeminister für Operationalisierung der Krankenhäuser Júlio do Carmo (PD) Vizeminister für Infrastruktur100px Jacinto Rigoberto (CNRT) Vizeminister für Staatsadministration Augusto Trindade (PD) Vizeminister für Handel Céu Brites (parteilos) Vizeministerin für soziale Solidarität und Inklusion Staatssekretäre Elvina de Sousa Carvalho (PD) Staatssekretärin für Gleichberechtigung100px Expedito Dias Ximenes (parteilos) Staatssekretär für soziale Kommunikation SECOMS100px Jaime Xavier Lopes (CNRT) Staatssekretär für Grundbesitz und Eigentum SETP100px Domingos Lopes Lemos (CNRT) Staatssekretär für das Sekundarschulwesen und die technischen Schulen Santos Noronha (CNRT) Staatssekretär für Elektrizität, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Jorge Soares Cristóvão (CNRT) Staatssekretär für Kunst und Kultur100px Domingos dos Santos da Conceição (CNRT) Staatssekretär für Fischerei José Vieira de Araújo Staatssekretär für Viehzucht Ferdinando Vieira (PD) Staatssekretär für Forstwirtschaft100px Arsénio Pereira da Silva (CNRT) Staatssekretär für Kooperativen SECOOP Rogério Araújo Mendonça (CNRT) Staatssekretär für Berufsbildung und Beschäftigungspolitik SEFOPE Mateus dos Santos Talo Staatssekretär für lokale Entwicklung Germano Santa Brites Dias (CNRT) Staatssekretär für Toponymie und Städteplanung im Ministerium für Staatsadministration SEATOU Domingos Mariano Reis (PD)Servisu Relasaun Publiku Mi-apc: Ministro do Interior - Secretário Estado PC, 11. Juli 2023, abgerufen am 15. Juli 2023. Staatssekretär für Zivilschutz SEPC César da Silva dos Santos Merak Staatssekretär für Veteranen

Geschehen Antritt Bei den Parlamentswahlen in Osttimor 21. Mai 2023 fuhr die FRETILIN, die größte Partei auf die sich die VIII. Regierung stützte, das bisher schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein und wurde nur zweitstärkste Kraft. Auch die Partidu Libertasaun Popular (PLP) von Premierminister Taur Matan Ruak und der dritte Koalitionspartner KHUNTO erhielten nur wenige Sitze. Großer Gewinner war der CNRT mit 31 der 65 Sitzen im Nationalparlament. Er bildete nun mit der PD die neue Regierungskoalition.Jornal da República: TRIBUNAL DE RECURSO: Acórdão dos Juízes do Tribunal de Recurso relativa aos autos de Proclamação do Resultado de Eleição Parlamentar em 21 de maio de 2023, Offizielles vom Obersten Gericht am 6. Juni 2023 bestätigtes Endergebnis, abgerufen am 8. Juni 2023. Die Regierung steht in der Kritik, da in ihr mehrere „Autonomisten“ Mitglied sind, also Befürworter einer Autonomie Osttimors innerhalb Indonesien, während des Unabhängigkeitsreferendums 1999. Politiker warfen sich gegenseitig vor, für ausländische Interessen zu arbeiten, zum Beispiel bei der Debatte über die Entwicklung des Erdgasfelds Greater Sunrise.Fundasaun Mahein: Land Border Agreement with Indonesia: pragmatism and “high level” politics over sovereignty and community rights?, 24. Januar 2024, abgerufen am 26. Januar 2024.

Am 29. Juni empfing Staatspräsident José Ramos-Horta den designierten neuen Premierminister Xanana Gusmão und unterzeichnete am Tag darauf das Dekret 59/2023 der Ernennung der neuen Regierung. Die Vereidigung der Regierung fand am 1. Juli um 16 Uhr Ortszeit beim Präsidentenpalast Osttimors statt.Tatoli: PR Horta dekreta lista IX Governu, 30. Juni 2023, abgerufen am 30. Juni 2023. Ramos-Horta kündigte an, dass er nach einigen Monaten die Leistungen der einzelnen Regierungsmitglieder bewerten werde und jene, welche die Vorgaben nicht erfüllen, ersetzen werde.RTP (Lusa): Governo timorense toma posse e Presidente diz que quem não cumprir é substituído, 1. Juli 2023, abgerufen am 1. Juli 2023. Während der bisherige Premierminister Taur Matan Ruak bei der Zeremonie anwesend war, fehlten die Führer der FRETILIN, Marí Alkatiri und Francisco Lú-Olo Guterres.Tatoli: Lú-Olo no Alkatiri la partisipa pose ba membru IX Governu, 1. Juli 2023, abgerufen am 2. Juli 2023.

Für die ersten 120 Tage seiner Regierung kündigte Gusmão in seiner Antrittsrede eine Reihe von Rücknahme von Gesetzen der Vorgängerregierungen. So sollte die Schaffung der Sonderverwaltungsregion Oe-Cusse Ambeno und der Gemeinde Atauro zurückgenommen werden. Atauro sollte seinen Status als Gemeinde wieder verlieren, „da die Insel über keinerlei Infrastruktur und Logistik verfügt“, wie „Straßen, Strom, Wasser, Hafen und Flughafen“. Rechnungshof, Anti-Korruptions-Kommission und Staatsanwaltschaft sollten „wegen der Umsetzung von Programmen und der fehlenden Vergabeverfahren für viele Projekte“ sowie die Kommission für den öffentlichen Dienst und die Generalinspektion des Staates (Inspeção-Geral do Estado) „wegen illegaler Einstellungen und der Beendigung von Verträgen ohne Begründung“ zu überprüfen. Auch der Wahlbetrug, der durch die Wahlbehörden bei den letzten Parlamentswahlen begangen worden sei, solle untersucht werden. Das Management der nationalen Erdölgesellschaft Timor Gap E.P. und die Regulierungsbehörde für Erdöl und Mineralien (ANPM) sollten sofort umstrukturiert werden, um effizienter zu werden.RTP (Lusa): PM timorense vai revogar leis e mexer no setor do petróleo nos primeiros 120 dias, 1. Juli 2023, abgerufen am 1. Juli 2023. Noch im September wurde die ANPM in die Autoridade Nacional do Petróleo (ANP) und die Autoridade Nacional dos Minerais (ANM) aufgespalten.Lusa: Governo timorense nomeia novos responsáveis de setor de petróleo e minas, 13. September 2023, abgerufen am 29. September 2023.

Dem Wissenschaftlichen Polizei für kriminalpolizeiliche Ermittlungen (PCIC) fehle es an Integrität und Professionalität und müsse umstrukturiert werden. Genauso der Nationale Nachrichtendienst (SNI). Bei der Nationalpolizei (PNTL) sollte die „illegale Zwangspensionierung“ von Dutzenden Beamten geprüft werden. Gleichzeitig müsse man „alle PNTL-Beamten, die geschworen haben, einer bestimmten Partei zu dienen, darauf hinweisen, dass sie den Schwur aufgeben oder andernfalls die Truppe verlassen müssen“. Für den Beitritt Osttimors zu den ASEAN hielt Gusmão das Land noch nicht für bereit. Ramos-Horta hatte in seiner Rede an die neue Regierung betont, der Beitritt zu den ASEAN sei „ein nationales strategisches Ziel“ mit „Vorrang vor allen anderen Prioritäten“.

Gegen die Probleme im Land mit der Portugiesischen Sprache sollten in allen Verwaltungsämtern Zentren für Lernen und schulische Ausbildung (Centros de Aprendizagem e Formação Escolar CAFE) gegründet werden, die Portugal mitfinanziert. Die von Osttimor angestrebte Gaspipeline vom Greater-Sunrise-Feld in der Timorsee sollte verwirklicht werden. Die endgültige Festlegung der Land- und Seegrenze zu Indonesien sei „eine nationale Priorität“. Die Regierung werde sich auf die grundlegende Infrastruktur konzentrieren, „sowohl im Gesundheits- als auch im Bildungssektor“. Die Wirtschaft werde gefördert, angefangen bei der Landwirtschaft, der Fischerei, der Viehzucht, dem Tourismus und der Einführung kleiner und mittlerer Industrien. Im Justizsektor soll ein Oberster Gerichtshof geschaffen werden, dessen verfassungsmäßigen Aufgaben bisher das Berufungsgericht Osttimors erfüllt. Die „qualitativ hochwertige Ausbildung von Richtern und Staatsanwälten“ solle „an die aktuellen Gegebenheiten des Landes“. Lokale Selbstverwaltung und eine schrittweise Dezentralisierung der Regierungen sollten vorangetrieben und die Gemeinden Vertreterversammlungen bekommen. Neben der Agência Nacional para a Avaliação e Acreditação Académica sollte eine Koordinierungskommission der Universitäten und Hochschulen eingerichtet und die Zahl von Studienstipenden verdoppelt werden. Die Installation eines Glasfaserkabels für bessere Internet-Verbindungen und der nationalen Elektrifizierung sollten abgeschlossen werden. Neue Arbeitsprogramme für osttimoresische Saisonalarbeiter im Ausland sollten vereinbart werden.RTP (Lusa): Reforma da justiça, petróleo e descentralização entre prioridades do novo Governo timorense, 1. Juli 2023, abgerufen am 1. Juli 2023.

ASEAN Am 3. August 2023 erklärte Xanana Gusmão, Osttimor werde als demokratischer Staat den ASEAN nicht beitreten, solange Militärregierungen, wie in Myanmar, im Bündnis akzeptiert werden.RTTL: PM Gusmão declares Timor-Leste will not join ASEAN, 6. August 2023, abgerufen am 10. August 2023.