Die World Reference Base for Soil Resources (Abkürzung WRB) ist ein internationales Bodenklassifikationssystem zur Benennung von Böden und zur Erstellung von Legenden für Bodenkarten. Sie ist weltweit anwendbar und dient dazu, Informationen über Böden und deren Eigenschaften über regionale und nationale Grenzen hinweg auszutauschen. mini|WRB, 4. Auflage (2022)
Entstehung und Hintergrund Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Staaten Systeme, die Böden beschrieben und in Klassen einteilten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde aber immer deutlicher, dass diese Entwicklung zu mehreren Problemen geführt hatte:
Durch die unabhängige Entwicklung der nationalen Klassifikationssysteme war ein internationales Verständigungsproblem entstanden. Einzelne Begriffe tauchten in verschiedenen Klassifikationen auf, hatten aber je andere Bedeutungen. So steht die Podsolierung in Deutschland für die Verlagerung von Aluminium, Eisen und Humus. In Russland beinhaltet sie aber zusätzlich die Verlagerung von Tonmineralen. Daneben existierten für ein und denselben Boden die unterschiedlichsten Namen.
Die nationalen Systeme sind an die Gegebenheiten des jeweiligen Landes angepasst. So kam es, dass sie zwar sehr genau für ihre Ursprungsgebiete sind, Böden anderer Zonen aber kaum behandeln. In den meisten Klassifikationssystemen fehlen sogar ganze Themenbereiche. Als Beispiel können hier die international wichtigen Bodentypen der Frost- oder Salzböden genannt werden, die in der Deutschen Bodensystematik gar nicht vorkommen. Kein System war damals in der Lage, alle Böden der Welt befriedigend zu behandeln.
Obwohl jedes System Schwächen hat und nicht weltweit einsatzfähig ist, weisen doch alle große, nicht abweisbare Stärken auf. Da sie optimal an die landesüblichen Böden angepasst sind, enthalten sie eine enorme Detailtreue. Wären sie einfach abgeschafft worden, so hätte dies einen Verlust an Daten und Beschreibungsmöglichkeiten bedeutet. Böden sind so komplexe Erscheinungen, dass eine benutzerfreundlich gehaltene Klassifikation für den weltweiten Einsatz kaum die Genauigkeit der nationalen Systeme erreichen kann.
Dazu kamen nationale Interessen, da kein Staat bereit war, seine in Jahrzehnten gewachsene und an allen Bildungseinrichtungen gelehrte Klassifikation einfach aufzugeben.
Die USA begannen damit, ihre Klassifikation radikal umzugestalten, um mit ihr alle Böden weltweit abzudecken. Ihr neues System wurde 1960 im Entwurf vorgestellt und 1975 unter dem Namen Soil Taxonomy in erster Auflage veröffentlicht. Trotz starker Bemühungen von Seiten der USA wurde es bis 2014 international nicht offiziell angenommen.
Von 1971 bis 1981 publizierte die FAO zusammen mit der UNESCO die Weltbodenkarte im Maßstab 1 : 5 Millionen in 10 Blättern. Die Legende zu dieser Karte wurde 1974 veröffentlicht und wurde als FAO-Bodenklassifikation bekannt. An ihrer Erarbeitung wirkten unter Führung von Rudi Dudal Bodenkundler aus zahlreichen Staaten mit, darunter auch aus Deutschland. Viele Ideen bestehender Systeme flossen ein, z. B. das Prinzip der diagnostischen Horizonte aus dem Entwurf zur Soil Taxonomy. 1988 wurde dann eine Revidierte Legende herausgegeben.
1982 richtete die International Soil Science Society (ISSS; jetzt: International Union of Soil Sciences, IUSS)90 years of soil classification of the IUSS. In: IUSS Bulletin. 126, S. 38–45. die Arbeitsgruppe International Reference Base for Soil Classification (IRB) ein. Vorsitzender wurde Ernst Schlichting. Die Arbeitsgruppe sollte ein internationales Bodenklassifikationssystem entwerfen, das stärker bodengenetisch ausgerichtet war als die FAO-Bodenklassifikation. Sie präsentierte zwei Entwürfe, einen 1982 und einen 1990.
1992 beschloss die IRB-Arbeitsgruppe die Ausarbeitung eines neuen Systems mit dem Namen World Reference Base for Soil Resources (WRB). Es sollte eine Weiterentwicklung der Revidierten Legende der FAO-Bodenklassifikation sein unter Berücksichtigung bodengenetischer Aspekte aus der IRB. Otto Spaargaren (International Soil Reference and Information Centre) und Freddy Nachtergaele (FAO) wurden mit der Erarbeitung eines Entwurfs beauftragt. Dieser wurde 1994 auf dem 15. Bodenkundlichen Weltkongress in Acapulco präsentiert. Auf demselben Kongress wurde die WRB anstelle der IRB als Arbeitsgruppe der ISSS eingerichtet. Auf dem 16. Bodenkundlichen Weltkongress in Montpellier 1998 wurde schließlich die 1. Auflage der WRB veröffentlicht. Noch auf demselben Kongress legte die ISSS die WRB als internationales Referenzsystem für Bodenklassifikation fest. (2014 erhielt dann die US Soil Taxonomy ebenfalls den Status eines Referenzsystems.) Auf dem 18. Bodenkundlichen Weltkongress 2006 erschien die zweite Auflage (mit einem Update 2007), wovon es auch eine offizielle deutschsprachige Übersetzung gibt. Zum 20. Bodenkundlichen Weltkongress 2014 wurde die dritte Auflage präsentiert (mit einem Update 2015). Während die Version von 2006 nur für die Benennung einzelner Bodenprofile geeignet war, kann die WRB ab der Version von 2014 auch zur Erstellung von Bodenkartenlegenden verwendet werden. Seit dem 22. Bodenkundlichen Weltkongress 2022 gibt es die vierte Auflage. Die vierte Auflage ist ein Open-access-Dokument gemäß der Creative Commons Attribution License, die Nutzung, Verteilung und Reproduktion in jedem beliebigen Medium erlaubt, sofern das Originaldokument korrekt zitiert wird.
Die WRB ist nicht dazu gedacht, die nationalen Klassifikationen zu ersetzen. Sie stellt eine internationale Sprache dar, um Erkenntnisse aus der Bodenkunde weltweit eindeutig zu veröffentlichen und leichter auszutauschen. Dies geht auch aus dem Namen hervor, denn WRB steht für World Reference Base oder zu deutsch: weltweite Referenzbasis.
Die WRB ist auch in Deutschland anerkannt, wenn auch primär die Deutsche Bodensystematik (KA5) verwendet und an den Hochschulen gelehrt wird. In deutschsprachiger Fachliteratur werden zuweilen die WRB-Bezeichnungen parallel zu denen der Deutschen Bodensystematik angegeben. Eine eindeutige Übersetzbarkeit der deutschen Bodenbezeichnungen in jene der WRB gibt es nicht. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ermöglicht mit dem kostenfreien AbleitungsschlüsselAbleitung des WRB-Namens (2015) Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. eine programmgestützte Ableitung des WRB-Namens aus Geländedaten nach KA5 und Laborwerten. Autoren dieses Tools sind Einar Eberhardt (BGR), Peter Schad (Technische Universität München) sowie Carsten Lehmann und Roland Harhoff (BGR).
Einen ähnlichen Ansatz eines Referenzrahmens haben der französische Référentiel pédologique und die Klassifikation der Böden der Schweiz (KlaBS). Die Soil Taxonomy dagegen ist hierarchisch aufgebaut und nutzt auch Eigenschaften, die keine Bodeneigenschaften im engeren Sinne sind (z. B. das Bodenfeuchteregime).
Die Herausgeber der WRB Die WRB wird von der gleichnamigen ArbeitsgruppeIUSS Working Groups der International Union of Soil Sciences (IUSS) herausgegeben. Gegenwärtiger Vorsitzender ist Cezary Kabała (Naturwissenschaftliche Universität Breslau, Polen, seit 2022). Stellvertretender Vorsitzender ist Stephan Mantel (International Soil Reference and Information Centre (ISRIC), Niederlande, seit 2018).
Vorsitzender zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten Auflage 1998 (und damit Erstherausgeber) war Seppe Deckers (Belgien), zum Zeitpunkt der zweiten Auflage 2006 Erika Michéli (Ungarn), und zum Zeitpunkt der dritten Auflage 2014 und der vierten Auflage 2022 war es Peter Schad (Deutschland).
Die Arbeitsgruppe WRB verfügt über eine eigene homepage, die am ISRIC angesiedelt ist.WRB homepage Dort finden sich: die aktuell gültige 4. Auflage der WRB (2022) zum Herunterladen, die dritte Auflage der WRB (Update 2015) mit dem englischen Original sowie den Übersetzungen (französisch, georgisch, polnisch, russisch, slowenisch, spanisch, tschechisch), eine Erklärung des Systems, Fotos von Profilen aller Referenzbodengruppen, die heruntergeladen werden können und bei Nennung des Bildautors verwendet werden dürfen (weitere Fotos sind auf der World of Soils page der IUSS zu finden, siehe Weblinks), eine Darstellung der Geschichte der WRB, die Adressen des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe und seines Stellvertreters, Hinweise auf vergangene und bevorstehende Workshops, Unterrichtsmaterialien, z. B. Videos, Einladungen zur Beteiligung an Veröffentlichungen, Links zu anderen Institutionen, die für die WRB von Bedeutung sind.
Die vierte Auflage der WRB (2022) (Quelle:) Der Aufbau der WRB Grundlage der Klassifikation sind diagnostische Horizonte (diagnostic horizons), diagnostische Eigenschaften (diagnostic properties) und diagnostische Materialien (diagnostic materials). Diagnostische Materialien sind Materialien, die bodenbildende Prozesse maßgeblich beeinflussen. Sie sind entweder vom Ausgangsgestein ererbt oder durch bodenbildende Prozesse entstanden. Diagnostische Eigenschaften sind typische Ergebnisse von bodenbildenden Prozessen oder spezielle Bedingungen der Bodenbildung. Diagnostische Horizonte sind typische Ergebnisse von bodenbildenden Prozessen, die über eine bestimmte Mindestmächtigkeit hinweg horizontal auftreten. Die diagnostischen Horizonte, Eigenschaften und Materialien werden zusammen auch als Diagnostika (diagnostics) bezeichnet. Die Diagnostika tragen Namen (z. B. argic Horizont, stagnic Eigenschaften, fluvic Material).
Die Klassifikation ist in zwei Ebenen aufgeteilt:
Auf der ersten Ebene werden Referenzbodengruppen (reference soil groups – RSG) unterschieden, von denen es 32 gibt (1998: 30).
Auf der zweiten Ebene werden dem Namen der RSG Qualifier hinzugefügt. Die 4. Auflage der WRB verfügt über 202 Qualifier, Die Definition eines Qualifiers gilt für alle RSGs, in denen er auftreten kann. Für jede RSG gibt es eine Liste, die angibt, welche der 201 Qualifier für diese RSG verfügbar sind. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Principal Qualifier sind hierarchisch in der Reihenfolge ihrer Bedeutung geordnet. Sie geben eine Untergliederung der RSG an oder benennen wesentliche Auswirkungen auf die Bodenfunktionen. Supplementary Qualifier beschreiben weitere Eigenschaften. Ein Qualifier kann bei manchen RSGs principal sein und bei anderen supplementary.
Die Namen der RSGs und der Qualifier werden großgeschrieben. Sie werden nicht in andere Sprachen übersetzt, um weltweit einheitliche Bodennamen zu gewährleisten. Die verwendeten Namen für RSGs und Qualifier wurden überwiegend neu gebildet. Sie haben ihre Wurzeln im Latein, im Altgriechischen sowie in modernen Sprachen, z. B. im Russischen. Aufgrund der praktisch nicht-hierarchischen Einteilung besteht die Möglichkeit, mehrere Tausend verschiedene Bodenuntereinheiten zu benennen.
Wird die aktuelle WRB mit der Legende der alten FAO-Weltbodenkarte verglichen, so fällt auf, dass die Referenzbodengruppen stärker bodengenetisch definiert sind und Aussagen über Nutzungspotentiale und Nutzungseinschränkungen teils auf die Qualifier-Ebene verlagert wurden. Die früheren Soil Phases sind überwiegend direkt in die Klassifikation eingegangen. So wurden z. B. Böden mit duripan phase zu Durisols, und Böden mit stony phase haben den Skeletic oder Coarsic Qualifier.
Bodenbenennung mit der WRB Die Einordnung eines Bodens in die jeweilige RSG erfolgt anhand eines Schlüssels, in dem in einer fest definierten Reihenfolge nach dem Vorhandensein und der Tiefenlage von Diagnostika gefragt wird. Außerdem wird nach Einzelmerkmalen gefragt, etwa bestimmten Tongehalten oder Basensättigungen. Ein Boden gehört zur ersten RSG im Schlüssel, deren Kriteriensatz er vollständig erfüllt.