mini|hochkant|Führerschein-Foto von Ziad Jarrah
Ziad Samir Jarrah (; * 11. Mai 1975 in Mazraa, Libanon; † 11. September 2001 in Shanksville, Pennsylvania, USA) war ein libanesischer islamistischer Terrorist. Er war als Pilot einer der Entführer des United-Airlines-Fluges 93 und maßgeblich an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beteiligt.
Leben Es gilt als sicher, dass er bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als Pilot eines der vier Flugzeuge gesteuert hat. Als Anschlagsziel wurden später das Weiße Haus, das Kapitol oder der Landsitz des US-Präsidenten in Camp David vermutet. In einem Interview mit dem Al-Jazeera-Redakteur Yosri Fouda vom Juni 2002 sagte das al-Qaida-Mitglied Ramzi Binalshib, das vierte Flugzeug habe das Kapitol treffen sollen.Die Terror-Codes: Das Pentagon war die „Kunstakademie“. In: Der Spiegel vom 13. September 2002, abgerufen am 16. Juli 2014. Alle Insassen starben bei dem Absturz auf einem Feld. Eine teilweise verbrannte Kopie seines US-Visums konnte laut 9/11-Kommission bei der Absturzstelle in Somerset County geborgen werden.9/11 and Terrorist Travel – Staff Report of the National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States, S. 173.
1996/1997 belegte Jarrah einen DSH-Deutschkurs in einem An-Institut der Universität Greifswald, um damit die Zulassung zum Studium in Deutschland zu erlangen. Ab 1997 studierte er Flugzeugbau an der Fachhochschule Hamburg. Gemeinsam mit Mohammed Atta und weiteren in Hamburg studierenden Islamisten bildete er die Hamburger Terrorzelle. Wie alle Terroristen des 11. September war er Salafist.Radikal-islamische Missionierung. Im Auftrag des Herrn. In: Süddeutsche Zeitung, 9. April 2012, abgerufen am 10. April 2012. Er gehörte hierbei der dschihadistischen Ausprägung dieser Richtung des Islam an.Dirk Baehr: Dschihadistischer Salafismus in Deutschland. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hrsg.): Salafismus in Deutschland. Ursprünge und Gefahren einer islamisch-fundamentalistischen Bewegung, Bielefeld 2014, S. 231–249, hier S. 233 ff. Jedoch wird berichtet, dass Jarrah bis zuletzt, insbesondere im Vergleich zu den übrigen Attentätern, einen vergleichsweise „lockeren“ und „verwestlichten“ Lebensstil gepflegt habe, was für Spannungen innerhalb der Gruppe sorgte.
Im Oktober 2006 wurde der Sunday Times ein nicht vertontes Al-Qaida-Video bekannt, in dem am 18. Januar 2000, vermutlich in einem afghanischen Trainingslager, Jarrah und Mohammed Atta zu sehen sind. In einer Szene liest Atta aus einem als Testament bezeichneten Dokument.Der letzte Wille der Todespiloten. In: Neue Zürcher Zeitung, 1. Oktober 2006, abgerufen am 29. März 2019.
Vor dem Terroranschlag war Jarrah mit einer Medizinstudentin liiert. Er hielt sich während dieser Liaison über einen längeren Zeitraum in Bochum auf und lebte gemeinsam mit seiner Freundin in einem Studentenwohnheim. Im Laufe des Jahres 1999 heirateten Jarrah und seine Freundin nach islamischem Ritus in der Hamburger Al-Nour-Moschee.Terry McDermott: Perfect Soldiers – The Hijackers: Who They Were, Why They Did It, HarperCollins, 2005, S. 78. Vgl. auch Oliver Schröm: Die Liebe des Terroristen. In: Die Zeit, Nr. 38, 9. September 2004. Nach dem Terroranschlag stellte der deutsche Verfassungsschutz Briefe Jarrahs an seine Freundin bzw. nach islamischem Rechtsverständnis Ehegattin sicher, aus denen sich zusätzlich zu bisherigen Ermittlungsergebnissen seine Beteiligung an den Anschlägen ergab.Wilhelm Dietl, Carl Thalmann, Josef Hufelschulte: Ermittlung. In mörderischer Mission. In: Focus, Nr. 47, 19. November 2001, abgerufen am 13. Oktober 2009. In der Folge kam es auch zu Durchsuchungsmaßnahmen in Moscheen, die Jarrah in Bochum besucht hatte. Die Frau war über die tiefer liegenden Weltanschauungen ihres Mannes nicht informiert.
Am 23. November 2008 veröffentlichte der US-Fernsehsender MSNBC Ausschnitte aus einem Videoband, das Jarrah mehr als ein Jahr vor 9/11 zeigt, wie er von mutmaßlichen Al-Qaida-Instrukteuren dazu angeleitet wird, sein eigenes Propaganda-Märtyrer-Video zu drehen.An intimate look at one 9/11 hijacker (Flash-Video), MSNBC (englisch), abgerufen am 13. Oktober 2009.
Im Film Jarrah wurde in dem Film Flug 93 vom britischen Schauspieler Khalid Abdalla dargestellt. Jarrah wurde im Film Flight 93 – Todesflug am 11. September dargestellt von Dominic Rains. Im Spielfilm The Hamburg Cell spielt ihn Karim Saleh. In diesem Film über die Hamburger Terrorzelle ist Jarrah Hauptfigur. Im Spielfilm Die Welt wird eine andere sein (2021) wird er von Roger Azar dargestellt.
Literatur Terry McDermott, Perfect Soldiers – The Hijackers: Who They Were, Why They Did It, HarperCollins 2005 (englisch).
Weblinks
The Hamburg Contingent – Kapitel 5.3 des 9/11 Commission Report (englisch)
Oliver Schröm: Die Liebe des Terroristen, Die Zeit Nr. 38, 9. September 2004
Einzelnachweise
Kategorie:Flugzeugentführer Kategorie:Al-Qaida-Mitglied Kategorie:Person des Islam (Hamburg) Kategorie:Hamburger Terrorzelle Kategorie:Salafist Kategorie:Libanese Kategorie:Geboren 1975 Kategorie:Gestorben 2001 Kategorie:Mann