mini|hochkant|Utta Danella, 1975 Utta Danella, geborene Denneler (eigentlich Utta Schneider; * 18. Juni 1920 in Leipzig oder Berlin; † Anfang Juli 2015 in München), war eine deutsche Schriftstellerin, deren Werk im Bereich der Trivialliteratur angesiedelt ist. Mit rund 70 Millionen verkauften Büchern gehört sie zu den erfolgreichsten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Rund 30 ihrer ab 1956 erschienenen Romane wurden für das Fernsehen verfilmt. Sie schrieb auch unter verschiedenen Pseudonymen (zum Beispiel als Stephan Dohl).
Leben Utta Dennelers Vater, der sehr früh starb, war Apotheker und Chemiker sowie Beamter. Sie wurde von ihrem Onkel mütterlicherseits aufgenommen und großgezogen. Bereits als Schülerin interessierte sie sich für Theater, Oper und Musik. In ihrer Freizeit nahm sie Schauspielunterricht, Tanz- und Gesangsstunden. Sie schrieb gern Aufsätze und verfasste mit 14 Jahren heimlich ihren ersten Roman. Nach ihrem Abitur versuchte sich Denneler in verschiedenen Berufen, besuchte Vorlesungen an Universitäten und war journalistisch für Radiosender und Zeitungsverlage tätig.
1950 heiratete sie den um 20 Jahre älteren Hermann Schneider und zog mit ihm nach München. Mit ihm war sie 30 Jahre lang bis zu seinem Tod verheiratet. Sie starb, wie am 11. August 2015 bekannt wurde, Anfang Juli 2015 im Alter von 95 Jahren in München.Erfolgsautorin: Utta Danella ist tot. In: Spiegel Online, 11. August 2015. Abgerufen am 12. August 2015.
Karriere Auf dem Dachboden ihrer Wohnung tippte Danella heimlich – sie wollte sich vor ihrem Mann nicht bloßstellen – ein 1000-seitiges Manuskript mit dem Titel Alle Sterne vom Himmel. Mehrere Verlage hatten Interesse an dem Werk, schreckten jedoch vor dem Umfang zurück. Der Münchener Verleger Franz Schneekluth (Franz Schneekluth Verlag) bot an, den Roman abzudrucken, wenn er um die Hälfte gekürzt und unter dem Pseudonym Utta Danella veröffentlicht würde. Utta Schneider nahm das Angebot an, woraufhin der Roman 1956 mit einer Startauflage von 6000 Exemplaren erschien. Schneekluth war es auch, der die Schriftstellerin weiterhin motivierte und sie unterstützte.
Den Durchbruch schaffte die Autorin mit ihrem vierten Roman Stella Termogen oder Die Versuchungen der Jahre aus dem Jahr 1960. Das Buch erreichte in kürzester Zeit eine Auflage von über 100.000 Exemplaren. 1967 zog sich ihr Verleger Franz Schneekluth aus dem Berufsleben zurück. Seitdem wurde sie von Albrecht Knaus beim Hamburger Verlag Hoffmann und Campe betreut. In ihren Erzählungen bettete sie die jeweilige Handlung in einen zeitgeschichtlichen Hintergrund ein.
In ihrem den Balkan zur Zeit Titos schildernden Roman Der Schatten des Adlers von 1971 sah sie die zum Ende des 20. Jahrhunderts eingetretene Situation voraus.
Utta Danella schrieb außer Romanen auch Sachbücher, Erzählungen und Jugendbücher. Sie übersetzte englische Bücher ins Deutsche. Ein Jugendhörspiel aus ihrer Feder war Zwei gute Freunde.
Rezeption Danella zählt neben Johannes Mario Simmel und Heinz G. Konsalik zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der Trivialliteratur nach 1945. Rainer Moritz verglich ihr Werk mit Schlagertexten: „Der Schlager also biete – wie die Romane einer Utta Danella – Triviales und entziehe sich deshalb einer ernsthaften Beschäftigung.“Rainer Moritz: Schlager. 100 Seiten 2017, S. 9. Sie wurde oftmals als Vorreiterin späterer Autorinnen der Trivialliteratur wie Hera Lind, Charlotte Link oder Inga Lindström genannt.
Werke Praktisch alle Werke sind seit 2014 als E-Book erschienen. Hingegen sind 2015 gerade noch zwei Romane als Taschenbuch neu erhältlich.
Romane Alle Sterne vom Himmel (1956) Regina auf den Stufen (1957) Die Frauen der Talliens (1958) Alles Töchter aus guter Familie (1958) Die Reise nach Venedig (1959) Stella Termogen oder Die Versuchungen der Jahre (1960, in zwei Bänden) Der Maulbeerbaum (1964) Adieu, Jean Claude (1965), auch unter dem Titel Niemandsland (1970) Der Mond im See (1965) Vergiß, wenn du leben willst (1966) Unter dem Zauberdach (1967) Quartett im September (1967) Jovana (1969) Tanz auf dem Regenbogen (1971) Der Schatten des Adlers (1971) Gestern oder Die Stunde nach Mitternacht (1971) Der blaue Vogel (1973) Die Hochzeit auf dem Lande (1975) Zwei Tage im April (1975) Der Sommer des glücklichen Narren (1976) Gespräche mit Janos (1977) Der dunkle Strom (1977) Die Tränen vom vergangenen Jahr (1978, Jugendbuch) Flutwelle (1980) Eine Heimat hat der Mensch (1981) Jacobs Frauen (1983); Filmausgabe 2004 als Das Familiengeheimnis Die Jungfrau im Lavendel (1984) Die Unbesiegte (1986) Der schwarze Spiegel (1987) Das Hotel im Park (1989) Meine Freundin Elaine (1990) Ein Bild von einem Mann (1992) Wo hohe Türme sind (1993) Wolkentanz (1996) Die andere Eva (1998) Der Kuss des Apollo (2006) Begegnung in der Nacht (2020)
Erzählungen Familiengeschichten (1979) Sophie Dorothee. Eine preußische Geschichte (1981); ergänzte Neuausgabe 1997 als Sophie Dorothee und andere Geschichten Das verpasste Schiff. Die Geschichte einer turbulenten Traumreise (1986)
Anderes Eine Liebe die nie vergeht. Begegnungen mit Musik (1988)
Übersetzungen Margaret Bell Houston: Die silbergrauen Bäume der Jugend (Cottonwoods Grow Tall), 1959 Gwen Bristow: Morgen ist die Ewigkeit (Tomorrow Is Forever), 1964 Evelyn Anthony: Weißer Mond von Barbados (The Tamarind Seed), 1973
Auszeichnungen 1998: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Verfilmungen 1980 sendete das ZDF die Dokumentation "Wasser ist hier überall", in der Utta Danella ihr geliebtes Schleswig-Holstein vorstellt.
1992 sendete das ZDF die zehnteilige Serie Regina auf den Stufen mit Katja Riemann nach Danellas Roman aus dem Jahr 1957.
Ab 2000 wurden Romane Utta Danellas im Rahmen der Filmreihe Utta Danella von der ARD/Degeto verfilmt.
Nr. Titel Literaturvorlage Regie Erstausstrahlung1Der schwarze SpiegelDer schwarze Spiegel (1987)Rainer Boldt10. November 20002Der blaue Vogel, Teil 1Der blaue Vogel (1973)Dietmar Klein29. Dezember 20013Der blaue Vogel, Teil 2Der blaue Vogel (1973)Dietmar Klein1. Januar 20024Die Hochzeit auf dem LandeDie Hochzeit auf dem Lande (1975)Gloria Behrens5. April 20025Die andere EvaDie andere Eva (1998)Gloria Behrens16. Mai 20036Der Sommer des glücklichen NarrenDer Sommer des glücklichen Narren (1976)Gloria Behrens27. Juni 20037Der Mond im SeeDer Mond im See (1965)Heidi Kranz26. März 20048Das Familiengeheimnis, Teil 1Jacobs Frauen (1983)Heidi Kranz7. Oktober 20049Das Familiengeheimnis, Teil 2Jacobs Frauen (1983)Heidi Kranz8. Oktober 200410Plötzlich ist es LiebeDie Frauen der Talliens (1958)Brigitta Dresewski29. Oktober 200411Eine Liebe in VenedigDie Reise nach Venedig (1959)Marco Serafini6. Januar 200512Eine Liebe im SeptemberQuartett im September (1967)Gloria Behrens15. September 200613Der Himmel in Deinen AugenDie Erbschaft (Kurzgeschichte)Gloria Behrens29. September 200614Tanz auf dem RegenbogenTanz auf dem Regenbogen (1971)Peter Weissflog7. September 200715Wenn Träume fliegenDer Maulbeerbaum (1964)Peter Weissflog22. Februar 200816Das Geheimnis unserer LiebeVergiß, wenn du leben willst (1966)Gloria Behrens28. März 200817Mit Dir die Sterne sehenDer Wochenendgast (Kurzgeschichte)Gloria Behrens11. April 200818Der Verlobte meiner besten FreundinMeine Freundin Elaine (1990)Peter Weissflog3. April 200919Schokolade im SommerDer verlorene Vater (Kurzgeschichte)Gloria Behrens18. September 200920Eine Nonne zum VerliebenDie Jungfrau im Lavendel (1984)Peter Weissflog23. April 201021WachgeküsstDas Hotel im Park (1989)Gloria Behrens20. Mai 201122Liebe mit LachfaltenJovana (1969)John Delbridge27. Mai 201123Prager GeheimnisDas Familienfest (Kurzgeschichte)Marco Serafini26. Oktober 201224Wer küsst den Doc?Alles Töchter aus guter Familie (1958)John Delbridge26. April 201325Sturm am EhehimmelDer Garten der Träume (Kurzgeschichte)John Delbridge3. Mai 201326Die HimmelsstürmerAlle Sterne vom Himmel (1956)Thomas Kronthaler14. Februar 201427Von Kerlen und KühenSibylle Tafel11. April 201428Lisa schwimmt sich freiPeter Stauch27. März 201529Lügen haben schöne BeineThomas Kronthaler20. November 2015
Literatur Hiltrud Häntzschel: Danella, Utta. In: Killy Literaturlexikon – Band 2. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-020934-1, S. 549–550 () Danella, Utta, geb. Denneler. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 204–205
Weblinks
Nachruf der dpa. In: Zeit Online, 11. August 2015. Petra Pluwatsch: In: Berliner Zeitung, 11. August 2015. Martin Ebel: Die Königin des Kitsch ist tot. In: Berner Zeitung, 11. August 2015.
Einzelnachweise
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