Das Gymnasium Muttenz ist eine Maturitäts- und Fachmaturitätsschule in Muttenz im Kanton Basel-Landschaft.
Bildungsangebote
Maturitätsabteilung mini|Gymnasium Muttenz, Foto: Daniel Nussbaumer An der Maturitätsabteilung des Gymnasiums Muttenz können die Lernenden nach vier Jahren Schulzeit die eidgenössische Matur in den folgenden Schwerpunktfächern ablegen: Mathematik/Physik (A), Biologie/Chemie (B), Italienisch (I), Latein (L), Musik (M), Spanisch (S), Wirtschaft/Recht (W), Bildnerisches Gestalten (Z). Neben diesem Angebot an Schwerpunktfächern können die Lernenden eine Immersionsklasse (E) besuchen, bei der der Unterricht in einigen Fächern auf Englisch stattfindet. Die Lernenden erhalten ein Maturazeugnis mit dem Vermerk «zweisprachige Matur in Deutsch und Englisch».
FMS und Fachmaturität An der FMS, der Fachmittelschule, können die Lernenden nach drei Jahren Schulzeit den Fachmittelschul-Ausweis erlangen. Dazu wählen sie eines der folgenden Berufsfelder: Gesundheit/Naturwissenschaften, Kunst und Gestaltung, Pädagogik, Soziale Arbeit oder Musik. Daran anschliessend können sie in einem weiteren vierten Jahr die Fachmaturität erlangen, die zum Studium an einer Fachhochschule berechtigt.
Der Unterricht an der FMS zeichnet sich durch seine Praxisnähe aus. Während der Berufsorientierungstage, im wöchentlichen Berufsfeldunterricht, des dreiwöchigen Praktikums sowie der Berufsfeld-Plus-Kurse im dritten Schuljahr erhalten die Lernenden einen fundierten Einblick in das von ihnen gewählte Berufsfeld. Im vierten Jahr verfassen sie im Rahmen des Praktikums oder Vorkurses (BF Kunst und Gestaltung sowie BF Pädagogik) die Fachmaturitätsarbeit (FMA), die einen festen Bestandteil zum Erwerb der Fachmaturität darstellt.
Partnerschule Als Partnerschule der PH FHNW (Pädagogische Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz) bietet das Gymnasium Muttenz den angehenden Lehrpersonen eine Praktikumsausbildung während eines Schuljahres. Die schulinternen Praxislehrpersonen unterstützen die PH-Studierenden beim Berufseinstieg und tauschen sich regelmässig mit den Mitarbeitenden der Hochschule aus.https://www.fhnw.ch/de/die-fhnw/hochschulen/ph/partnerschuljahr-begleiteter-berufseinstieg/partnerschulen
Unterricht
Überblick Der Unterricht findet grundsätzlich im Klassenverband statt. Darüber hinaus gibt es verschiedene Gefässe, in denen die Lernenden nicht im Klassenverband unterrichtet werden. Eines dieser Gefässe ist der Halbklassenunterricht, bei dem nur eine Hälfte der Klasse Unterricht hat. Das betrifft an der Maturitätsabteilung zum Beispiel die Arbeit im Labor in den B-Klassen oder den Fremdsprachenunterricht, an der Fachmaturitätsschule den Berufsfeldunterricht.
In den vierten Klassen können die Schülerinnen und Schüler in der Maturitätsabteilung zusätzlich zu den regulären Fächern Wahlkurse und Ergänzungsfächer wählen. Diese finden während des ganzen vierten Schuljahres statt. Ergänzungsfächer können als fünftes Maturfach anstelle von Englisch abgeschlossen werden. Mündliche Maturaprüfungen finden im Wahlkurs dann statt, wenn dieser an ein Stammfach (M, D, F oder E) gekoppelt ist. An der FMS entsprechen diesen Gefässen im Abschlussjahr die Angebote im Projektunterricht.
SLSplus Das SLSplus-Konzept hat das Ziel, das selbstständige Lernen der Schülerinnen und Schüler an der Maturabteilung zu fördern. Es entstand als Reaktion auf Evaluationen u. a. der ETH Zürich, nach denen die Studierenden in den Anfangssemestern Schwierigkeiten hätten, sich im komplexen Studienalltag zurechtzufinden. Vor allem aber bereitet das SLSplus die Schülerinnen und Schüler auf das Verfassen einer Maturaarbeit vor. Das Konzept ermöglicht selbstständiges Lernen in zwei Unterrichtsgefässen: Im zweiten Schuljahr arbeiten die Klassen an interdisziplinären Projekten. Lehrpersonen der Fächer Geographie und Geschichte unterrichten hierfür je ein Semester lang mit einem anderen Fach zusammen, also bspw. Geographie und Englisch im ersten Semester und Geschichte und Chemie im zweiten Semester. Dabei werden konkrete Themen aus der Perspektive beider Fächer bearbeitet. Methodisch liegt der Schwerpunkt auf dem wissenschaftlichen Arbeiten und dem richtigen Umgang mit Fachliteratur. Im SLS, dem Selbstlern-Semester, lernen die Schülerinnen und Schüler im ersten Semester der dritten Klasse selbstständig in den Fächern Deutsch, Mathematik, Französisch, Englisch und im Schwerpunktfach. In den SLS-Stunden können die Lernenden selbst entscheiden, an welchem Projekt aus welchem Fach sie arbeiten. Die individuellen Projekte oder Gruppenarbeiten werden benotet. Methodisch werden die Erkenntnisse aus den interdisziplinären Projekten vertieft, indem sie selbstständig angewandt werden.
Selbstständige Arbeiten Lernender (SAL) Die Schülerinnen und Schüler an der Maturitätsabteilung und an der FMS schreiben in ihrer Schullaufbahn eine längere Arbeit, in der sie wissenschaftliches Arbeiten mit Blick auf die Universität und Fachhochschule erlernen.
In der Maturaarbeit (MA), die im dritten und vierten Schuljahr entsteht, greifen die Schülerinnen und Schüler auf das Erlernte aus den interdisziplinären Projekten und dem SLS zurück. Sie bearbeiten eine eigene Problemstellung wissenschaftlich oder produktiv und erstellen so eine erste wissenschaftliche Arbeit oder ein eigenes gestalterisches Projekt. Die Maturaarbeit und ihre Präsentation ergeben eine ganz zählende, maturrelevante Note.
Die Selbstständige Arbeit (SeA) in der FMS knüpft an ein dreiwöchiges Praktikum zu Beginn der zweiten Klasse an. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten in der SeA ein Thema aus ihrem Berufsfeld und reflektieren dabei ihre Erfahrungen aus den Praktika, wobei auch produktive Arbeiten möglich sind. Die SeA und ihre Präsentation ergeben eine promotionsrelevante Note für das FMS-Abschlusszeugnis.
Digitalisierung Seit dem Schuljahr 2021/22 arbeiten alle Lernenden an der Maturitätsabteilung und an der FMS an und mit ihren eigenen Computern. Die Digitalisierung des Unterrichts findet im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Kantons Baselland statt. Das Gymnasium Muttenz hat zusammen mit dem Gymnasium Liestal seit dem Schuljahr 2018/19 früh Erfahrungen mit dem Einsatz von eigenen Geräten im Unterricht mit Pilotklassen gesammelt.
Politische Bildung
Politische Bildung ist am Gymnasium und der FMS gemäss dem schulinternen Lehrplan ein fester Bestandteil im Geschichts-, Geographie- und Wirtschaftsunterricht. Im dritten Gymnasialjahr wird das Fach zudem in einer weiteren Jahreslektion von der Geschichtslehrperson unterrichtet. Konkret können die Lernenden Politik an Diskussionsrunden und Wahlpodien mit amtierenden und zukünftigen Politikerinnen und Politikern erleben, die regelmässig an der Schule stattfinden. Besondere Bedeutung haben auch Exkursionen ins Bundeshaus oder der Besuch kantonaler Institutionen, wo die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit haben, sich mit den Mitgliedern der nationalen und kantonalen Exekutive und Legislative auszutauschen.
Sport Die Sportfachschaft organisiert jedes Jahr im Sommer einen Sporttag, der es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, verschiedene Sportarten auszuprobieren oder sich als Einzelperson oder auch als Klasse mit anderen zu messen. Der Wintersporttag steht im Zeichen des Schneesports: Ski- und Snowboardfahren, Langlaufen, Schlitteln und Winterwandern stehen zur Auswahl. Nebst dem regulären Sportunterricht belegen die Lernenden während zwei Quartalen im 3. und 4. Schuljahr einen Wahlfachsportkurs, der einen Einblick in Sportarten ermöglicht, die im Regelunterricht nicht vertieft werden können. Sportlich interessierte und talentierte Schülerinnen und Schüler können an den kantonalen Sportturnieren teilnehmen, die von je einem baselländischen Gymnasium organisiert werden. Das kantonale Siegerteam qualifiziert sich automatisch für die Schweizer Meisterschaft in der jeweiligen Sportart. Ebenfalls fest im sportlichen Programm verankert ist die Gymnasiade, ein Leichtatheletikwettkampf, an dem leistungsstarke Lernende aller baselländischen und baselstädtischen Gymnasien teilnehmen können.
Schulentwicklung Aktueller Schwerpunkt der Schulentwicklung ist das Thema Prüfungskultur. Ab 2024 beginnt die Umsetzung der Weiterentwicklung der gymnasialen Matur. In einigen Bereichen der Schulentwicklung findet auch ein Austausch mit der Universität Basel statt.
Sprachzertifikate Die Lernenden an beiden Abteilungen können Sprachkurse belegen, die auf international anerkannte Sprachdiplome in Englisch (Cambridge und IELTS) und Französisch (DELF) vorbereiten.
Sprachaufenthalte und Austauschprogramme Lernende, die sich für einen Sprachaufenthalt oder ein Austauschprogramm interessieren, werden in ihrem Vorhaben unterstützt. Besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler können nach einem Austauschjahr in ihre Regelklassen zurückkehren. Ausserdem bietet die Schule die Möglichkeit, dank der kantonalen Partnerschaft mit der Schweizer Schule in Chile, dem Colegio Suizo de Santiago, ein Semester in Santiago de Chile zu verbringen. Gleichzeitig können Austauschschülerinnen und -schüler aus allen Ländern während eines Semesters oder Schuljahres die FMS oder das Gymnasium besuchen.
Besondere Gefässe In der Woche vor den Sommerferien findet jedes Schuljahr eine Wahlfach-Woche statt. In dieser Woche können die Lernenden der ersten und zweiten Klassen individuell einen Workshop oder einen Kurs auswählen. Auch in der Woche vor den Herbstferien findet der Unterricht in unterschiedlichen Gefässen (Themen- oder UNESCO Woche) statt.
Seit 2017 bietet das Gymnasium den Wahlkurs Musical für Schülerinnen und Schüler im letzten Gymnasialjahr an. Die Lernenden bereiten in diesem einjährigen Kurs ein Musical vor, das sie im Birsfeldner Theater Roxy in englischer Sprache aufführen. Die Stücke werden jeweils an den Kurs angepasst und entsprechend umgeschrieben. Abgesehen von der Darbietung auf der Bühne sind die beteiligten Lernenden verantwortlich für die Choreographien, das Bühnenbild, das Programmheft sowie für Technik und Regie.
Unterstützungsangebote
BRAVO Die Beratung vor Ort ist ein vertrauliches psychologisches Beratungsangebot. Dabei bietet die Schulpsychologin einmal wöchentlich Gesprächstermine vor Ort an.
LernBegleitung Die interne LernBegleitung unterstützt die Lernenden bei schulischen Herausforderungen und bietet individuelle Coachinggespräche an. Das Angebot der Lerncoaches ist freiwillig und richtet sich in erster Linie an die Erstklässlerinnen und Erstklässler.
Begabungsförderung Im Rahmen der Begabungsförderung werden leistungsstarke Lernende einerseits darin unterstützt, an Wissenschaftsolympiaden teilzunehmen. Andererseits können sie im Rahmen des Schülerinnen- und Schülerstudiums an Vorlesungen und Seminaren der Universität Basel teilnehmen.
Geschichte
Überblick Nach der Kantonstrennung dauerte es einige Zeit, bis im Kanton Basel-Landschaft die ersten Sekundarschulen gegründet wurden. Während in Basel die ältesten Gymnasien im 16. Jahrhundert (Gymnasium am Münsterplatz 1589) und im frühen 19. Jahrhundert («Töchterschule» 1779/1813, heute: Gymnasium Leonhard) entstanden, wurde das erste Gymnasium im Baselbiet 1963 in Liestal gegründet. Dem folgten dann die Gymnasien Münchenstein (1964), Laufen (1969) und zuletzt Oberwil und Muttenz (beide 1972).
Baugeschichte mini|Bildungszentrum Muttenz (BZM). Foto: Daniel Nussbaumer Wie bei allen basellandschaftlichen Gymnasien begann die Geschichte des Gymnasiums Muttenz 1972 in einer Übergangslösung, und zwar in einem Pavillon an der Gründenstrasse 87, in dem sich jetzt die FOS Muttenz befindet. Das Gymnasium erhielt 1974 die eidgenössische Anerkennung und konnte 1980 in das heutige Gebäude an der Gründenstrasse 30 ziehen. 2000 wurde das Bildungszentrum kvBL Muttenz (BZM) an der Kriegackerstrasse 30 als weiterer Schulstandort eröffnet, in dem seither die FMS untergebracht ist. 2016 kam ein Pavillon auf dem Gründenareal dazu.