mini|alternativtext=Blick in den sogenannten Eckladen der Kultur-Nische an der Radestraße 1. In diesem Raum befand sich zu DDR-Zeiten ein Konsum.|Blick in den Eckladen der Kultur-Nische an der Radestraße 1. In diesem Raum befand sich zu DDR-Zeiten ein Konsum. mini|alternativtext=Der Laubengang im Innenhof der Kultur-Nische an der Rückseite des Laute’schen Hauses und des kleinen Handwerkerhauses ist typisch für die Architektur der Altmark.|Der Laubengang im Innenhof der Kultur-Nische an der Rückseite des Laute’schen Hauses und des kleinen Handwerkerhauses ist typisch für die Architektur der Altmark mini|Der Salon im Obergeschoss der Kultur-Nische mini|Der Musikraum im Erdgeschoss der Kultur-Nische Das Laute’sche Haus und seine Nebengebäude, heute besser bekannt als Kultur-Nische (KuNi), sind ein denkmalgeschütztes Häuserkarree in der Altstadt der Hansestadt Salzwedel. Das aus drei separaten Fachwerkhäusern bestehende Ensemble auf zwei FlurstückenFlurstücke 150058-059-00047 (495m²) und -00048 (171m²) wird von der Neutorstraße im Osten, der Radestraße im Norden und der Salzstraße im Süden begrenzt und erstreckt sich über eine Fläche von 666 Quadratmetern.

Im 20. Jahrhundert sowohl ein Beispiel für die verschiedenen Architekturepochen, die sich heute noch in dem eklektischen Bürgerhaus nachvollziehen lassen, als auch ein Beispiel für Einzelhandelsgeschichte der DDR, beherbergt das denkmalgeschützte Ensemble heute ein soziokulturelles Zentrum mit vielfältigen (kunst-)handwerklichen, kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten, die über die Stadtgrenzen hinausstrahlen.

Geschichte 19. und 20. Jahrhundert Die Anfänge des Gebäudeensembles reichen bis in die Renaissance zurück. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert ist das Haus der heutigen Radestraße 1 als Handels- und später Wohn- und Geschäftshaus bekannt. Die Ersterwähnung datiert auf das Jahr 1773 und betrifft die Verschmelzung des späteren Laute’schen Hauses mit dem Handwerkerhaus, das damals dem Kaufmann Friedrich Andreas Krause gehörte. Die Eigentümer waren durchgehend Kaufleute. Überliefert sind die Kaufmannsfamilien Quasebarth, Schaefer, Falcke, Gericke, Engelhardt und Ehlert im 19. Jahrhundert. Ab 1874 war wahrscheinlich ein Destillationsbetrieb im Haus ansässig. Emil Ehlert eröffnete 1892 ein Geschäft im Erdgeschoss.

1894 wurde das Hauptgebäude durch einen Brand stark beschädigt, weshalb sich große Teile des Laute’schen Hauses in der Salzwedeler Altstadt nicht mehr im ursprünglichen Zustand befinden. Nach dem Brand wurde der Giebel erneuert, Wände abgetragen, Holzbauteile ausgetauscht und eine neue Treppe wurde eingebaut. Anhand des historischen Gebäudebestandes in der unmittelbaren Umgebung kann man jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Ursprung des gesamten Gebäudeensembles im 16. Jahrhundert annehmen. Verschiedene Fachwerkwände im Erdgeschoss und in der 1. Etage des Laute’schen Hauses müssen nach dem Brand abgebrochen und zur Westseite hin massiv erneuert worden sein. Die obere Balkenlage, der gesamte Dachstuhl und die Etagentreppe wurden zu diesem Zeitpunkt im Stil der Zeit neu errichtet.

Als der Kaufmann Ernst Laute das Haus 1919 erwarb, betrieb er den Laden von Emil Ehlert unter dem leicht abgewandelten Geschäftsnamen Emil Ehlert Nachfolger weiter. Für das Laute’sche Haus setzte sich aber sein Name durch. Bis 1939 ist das Haus mit der Familie Laute verbunden, obwohl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu jeder Zeit viele unterschiedliche Bewohner gleichzeitig in dem Haus wohnten. Als der Wohnraum nach dem Zweiten Weltkrieg durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene knapp wurde, verstärkten sich die Wohnprobleme. Badezimmer und Küche wurden dann gemeinschaftlich von sämtlichen Hausbewohnern genutzt. Im Eckladen waren verschiedene Kaffee-, Delikatessen- und Lebensmittelgeschäfte, sowie zu DDR-Zeiten ein Konsum untergebracht. Die vom Eckladen abgehende Treppe zum Keller deutet noch darauf hin, dass dort verderbliche Lebensmittel, wie Margarine, Butter, Wein und Sekt gelagert wurden. Eine Annonce des Geschäftes Emil Ehlert Nachfolger – wohl aus den 1920er oder 1930er Jahren – erwähnt, dass Kaffee, Spirituosen, Kolonialwaren, Delikatessen, Fisch, Wild und Geflügel zum Sortiment gehörten.

Das Kleine Handwerkerhaus, ein Nebengebäude an der Neutorstraße, blieb 1894 vom Brand verschont. Seine dendrochronologisch nachgewiesenen Ursprünge in der Barockzeit sind heute noch sichtbar. Es verfügt als einziges Haus in Salzwedel noch über einen (um 1730 datierten) LaubengangHeike Hinrich: Kultur-Nische will Geschichte am Original erlebbar machen Salzwedeler Volksstimme, 22. Oktober 2011, S. 11., der andernorts in der Altmark – etwa in Stendal – noch häufiger zu sehen ist. Im Kleinen Handwerkerhaus betrieb der Fleischer August Walter seit 1871 sein Geschäft, das sein Sohn August Walter zehn Jahre später übernahm. 1904 wurde das Haus von einem Fleischermeister Görges erworben. 1910 wurde der Sanitätsrat Dr. Hoffmann als Bewohner genannt. Ab 1925 wohnten der Rentner Friedrich Wichmann und seine Frau Frederike Wichmann im kleinen Handwerkerhaus. Ab 1937 betrieb Albert Görges – womöglich ein Sohn des Fleischermeisters – in dem kleinen Laden eine Frühstücksstube und bot einen Abstellplatz für Wagen sowie Unterstellmöglichkeiten für Pferde. Das Branchenverzeichnis von 1949 erwähnt eine Gaststätte Görges an dieser Stelle, deren Inhaber Paul Koch war.

Für den inneren Wiederaufbau bediente man sich zeitgemäßer Gestaltungselemente, zum Beispiel des Barock (das Kleine Handwerkerhaus, das untere Fachwerk des Laute’schen Hauses, die Küchentür, die Treppe und die Tür zum Laubengang, sowie ihre Türbeschläge), des Klassizismus (das Gästehaus), des Historismus (insbesondere Neobarock: die Durchgangstür im Erdgeschoss, die Türbeschläge in der Teeküche, sowie die Türen im Obergeschoss, zur Bierbrauerei und zur Holzwerkstatt), des Jugendstils (Toilettentür, Toilettentürklinke, Holzschnitzerei in der Toilette, einige Tapeten, die Wandmalerei gegenüber der Holzwerkstatt, die Oberlichter im Treppenhaus, sowie die nachträglich eingebaute Türklinke des Eckladens) und Elementen des Neuen Bauens (zwei Fenster in der Tauschbibliothek, die Schiebetür zum Musikzimmer). Viele ursprüngliche Bauelemente sind durch die unterschiedliche Nutzung des Hauses umgestaltet oder verschwunden. Der Ladeneingang wurde 1957 ausgebaut und 1972 wurden umfangreiche Glas-, Maler- und Maurerarbeiten am Laute’schen Haus durchgeführt.

Nach der Wende zog ein Geschäft für Öfen und Kamine in den Eckladen, dessen Besitzer 1995 Umbaumaßnahmen vornahm. Als auch dieses Geschäft schloss, stand das einst prächtige Bürgerhaus leer, ehe es am 23. September 2010 in den Besitz des Vereins Kultur-Nische e.V. überging. Seitdem wird die Kultur-Nische ehrenamtlich als soziokulturelles Zentrum betrieben und schrittweise denkmalgerecht saniert.

Das Laute’sche Haus samt seinem Nebengebäude, dem Kleinem Handwerkhaus, (Grundstück Radestraßé 1) genießt als (Einzel-)Baudenkmal besonderen Denkmalschutz auf Landesebene.Georg Dehio: Das Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bezirk Magdeburg, Institut für Denkmalpflege der DDR (Hrsg.), Akademie-Verlag, 1974, S. 358. Als Teil der Zone 1a des Denkmalschutzbereichs Alt- und Neustadt steht das gesamte Areal der Kultur-Nische, inklusive Neutorstraße 10, unter Denkmalschutz.Hansestadt Salzwedel: Örtliche Bauvorschrift über die Gestaltung des Stadtbildes und die Regelung der Außenwerbung in der Innenstadt von Salzwedel, S. 2, 24, 25

21. Jahrhundert mini|Vereinslogo Der Kultur-Nische e.V. ist ein Salzwedeler Kultur- und Denkmalpflegeverein mit rund 50 Mitgliedern. Laut Vereinssatzung befasst sich der Verein mit den Themen Denkmalschutz, Kunst und Kultur, Bildung, Stadtentwicklung im ländlichen Raum, sowie Politik und Gesellschaft. Als klassischer Denkmalpflegeverein gegründet, entwickelte sich die Kultur-Nische seit 2012 zum Familienverein und Nachbarschaftstreffpunkt, seit etwa 2014 zum Mittelpunkt der Salzwedeler Künstlerszene und ab 2020 zum soziokulturellen Zentrum, das unterschiedliche Interessensgruppen nutzen.

Im Jahr 2007 startete die Stadt Salzwedel das Projekt „100 für 100“, um die denkmalgeschützte Altbausubstanz im Zentrum Salzwedels vor dem Abriss zu retten. 100 leerstehende Immobilien, darunter diejenigen, die später zur Kultur-Nische wurden, sollten an 100 private Investoren vermittelt werden.Alexander Walter: 70 Gebäude im Zentrum stehen leerVolksstimme, 30. Dezember 2014 Am 24. Februar 2009 gründeten ehemalige Mitglieder des Arbeitskreises Salzwedeler Altstadt e.V. (ASA) den Verein Kultur-Nische e.V. und begaben sich auf die Suche nach einer geeigneten Immobilie in der Salzwedeler Innenstadt, um ihre geplanten Aktivitäten umzusetzen. Erster Vorsitzender des neu gegründeten Vereins war Jürgen Förster. Ein geplanter Erwerb der ehemaligen Essigfabrik Walter Schauer an der Jenny-Marx-Straße (inzwischen abgerissen) verlief im August 2010 im Sande.Peter Hitze: Mit der Essigfabrik ist's Essig: Kultur-Nische sucht neues Objekt Salzwedeler Volksstimme, 5. August 2010, S. 5.

Sanierung der denkmalgeschützten Häuser Zwischen September 2010 und Januar 2011 übernahm der Verein schließlich für einen Kaufpreis von etwas mehr als 5.000 Euro ein Areal mit drei vom Abriss bedrohten, denkmalgeschützten Häusern an der Radestraße und Neutorstraße und leitete mit Fördermitteln der Stadt erste Notsicherungsmaßnahmen ein: der Westgiebel und das Dach des Gästehauses wurden bis zum Herbst 2011 wieder instand gesetzt.Heike Hinrich: Kultur-Nische will Geschichte am Original erlebbar machen Salzwedeler Volksstimme, 22. Oktober 2011, S. 11. Noch im selben Jahr folgten erste Notsicherungsarbeiten am Dach des Laute’schen Hauses. Die Sanierung der Außenfassaden und Dächer der Kultur-Nische mit historischen und ökologischen Baustoffen war im Juni 2017 abgeschlossen.Arno Zähringer: Hülle und das Dach werden gesichert Salzwedeler Volksstimme, 14. Februar 2017, S. 13.Arno Zähringer: Dacharbeiten sind abgeschlossen Salzwedeler Volksstimme, 22. Mai 2017, S. 17. Das Büro im Obergeschoss und die stark beschädigte Küche wurden im Jahr 2014 saniert. Mithilfe von Schablonensammlungen aus dem Maler- und Lackierermuseum in Hamburg integrierten die Vereinsmitglieder historische Jugendstil-Verzierungen in die Wandgestaltung des Büros.Melanie Mielke: Alte Häuser fachgerecht hergerichtet Salzwedeler Volksstimme, 29. April 2014, S. 13. Bis 2019 wurde der ehemalige Pferdestall im Innenhof komplett saniert und als zweiter Fluchtweg mit einer Außentreppe über den Laubengang versehen. Immer wieder finden Lehmbauseminare unter professioneller Anleitung in den Räumen der denkmalgeschützten Gebäude statt, so zum Beispiel im Sommer 2012, im Herbst 2022, im Herbst 2023 und im Frühjahr und Herbst 2024. Die Lehmbaustelle in den Jahren 2022 bis 2024 widmete sich im Wesentlichen der Dämmung der Außenwände im ersten Obergeschoss.

Im Laute’schen Haus sind die meisten Räume beheizbar – in der Regel durch Holzöfen, im Obergeschoss dort Infrarotheizungen, wo keine Schornsteine angrenzen – und verfügen über Elektrizität. Das trifft auf fast alle Räume des Kleinen Handwerkhauses und des Gästehauses nicht zu. Abgesehen von oben genannten Ausnahmen haben die Vereinsmitglieder die Spuren der Zeit an Wänden, Fußböden und Decken überwiegend im unrenovierten Zustand belassen – weniger aus denkmalpflegerischer Überzeugung denn aus Ermangelung eines Vereinsbeschlusses zu den Grundsätzen der Raumgestaltung.

Im September 2020 kauften einige Vereinsmitglieder der Kultur-Nische gemeinsam den Salzwedeler Bürgermeisterhof und gründeten im Januar 2021 einen weiteren Denkmalpflegeverein, um das historische Gebäudeensemble in der Burgstraße zu sanieren.Alexander Rekow: Bürgermeisterhof in Aufweckphase Salzwedeler Volksstimme, 15. September 2020.

Nachnutzung des denkmalgeschützten Ensembles