mini|Schöningen von Süden aus gesehen, im Hintergrund das Kraftwerk Buschhaus und der Tagebau mini|Blick über die Stadtmitte, im Hintergrund der Elm mini|Merian-Stich von Schöningen um 1654 Schöningen ist eine Stadt im Landkreis Helmstedt am Höhenzug Elm. Sie liegt etwa elf Kilometer südwestlich der niedersächsischen Kreisstadt Helmstedt an der Grenze zu Sachsen-Anhalt.
Stadtgliederung Die Stadt Schöningen ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in drei Stadtteile: Kernstadt Esbeck Hoiersdorf
Geschichte Im Gebiet um Schöningen hielten sich bereits während der Altsteinzeit Frühmenschen auf. Innerhalb des ehemaligen Tagebaus Schöningen wurden 1994 bei Ausgrabungen die rund 300.000 Jahre alten "Schöninger Speere" gefunden. Die Wurfgeräte sind die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen, die einen wichtigen Beleg für die aktive Jagd des Homo heidelbergensis darstellen. Die seither anhaltenden Ausgrabungen im Tagebau Schöningen führten zu weiteren bedeutenden Entdeckungen, wie dem Fund des Wurfstocks von Schöningen als ältestem Exemplar weltweit, dem Fund des Waldelefanten von Schöningen und dem Fund von mehreren Säbelzahnkatzen. 2023 wurden hier drei Fußabdrücke des Homo heidelbergensis freigelegt, die etwa 300 000 Jahre alt sein sollen und damit die ältesten jemals entdeckten menschlichen Fußabdrücke weltweit sind.300.000 Jahre alte Fußspuren entdeckt auf tagesschau.de vom 12. Mai 2023
Eine durchgehende Besiedlung ist für die Stadt Schöningen, die wegen ihrer Salzvorkommen besondere Bedeutung erlangte, seit etwa Christi Geburt nachweisbar. Sie war in karolingischer Zeit Königshof, wurde 747 zusammen mit Ohrum erstmals urkundlich erwähnt als „Scahaningi“ und ist damit der älteste Ort im ehemaligen Herzogtum Braunschweig. Bereits damals gab es hier die Saline Schöningen. Sowohl Pippin der Jüngere als auch Karl der Große sind auf ihren Kriegszügen in Schöningen eingezogen. 994 und 995 hielt auch König Otto III. mehrmals hier Hoflager, dessen Kanzler Erzbischof Willigis von Mainz in Schöningen geboren sein soll. Mehrere Adelsgeschlechter hatten am Elmrand ihren Sitz und im 13. Jahrhundert wurde dem Deutsch-Ritter-Orden die im Elm nahe Schöningen liegende Elmsburg übertragen. Die Edelherren von Warberg waren reichsunmittelbar und nur dem König untertan. Als das Geschlecht in Fehden verarmte, trug es seine Besitztümer den Welfen als Lehen auf. Die Welfen hatten bereits um 1347 mit dem Schloss Schöningen eine starke Befestigung zum Schutz ihrer östlichen Landesgrenze angelegt.
Von 1949 bis 1989 lag Schöningen im Zonenrandgebiet, unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. 1976 wurde die Fußgängerzone eröffnet., abgerufen am 25. Februar 2018 1989 berichtete Der Spiegel über eine Abhörstation der NSA.NSA: Amerikas großes Ohr, Der Spiegel, Heft 8/1989. Am 19. November 1989 wurde im Zuge der Wende die Grenze geöffnet und die Straße in den Nachbarort Hötensleben mit der Brücke über die Schöninger Aue freigegeben.Günter Schwulera (Hg.): Hötensleben. Geschichte des Ortes von 1016 bis 2006. Geiger, Horb 2007, ISBN 978-3-86595-224-0, S. 58.
Im Jahr 1997 war Schöningen Ausrichter des Kulturfestes Tag der Braunschweigischen Landschaft.
Postgeschichte
Eingemeindungen Am 1. April 1971 wurde ein Großteil des Gebietes der aufgelösten Gemeinde Alversdorf eingegliedert. Am 1. März 1974 kamen Esbeck und Hoiersdorf hinzu.
Religionen mini|hochkant|links|Katholische Kirche mini|Clus-Kirche mini|Neuapostolische Kirche Die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden mit den Kirchen Clus an der Helmstedter Straße, St. Lorenz an der Klosterfreiheit und St. Vincenz neben dem Rathaus gehören zur Propstei Helmstedt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig. In den Ortsteilen Esbeck und Hoiersdorf befinden sich weitere evangelisch-lutherische Kirchen.
Die katholische Kirche Maria Hilfe der Christen, umgangssprachlich auch kurz St. Marien genannt, befindet sich an der Anna-Sophien-Straße. Die 1907/08 von Maximilian Jagielski erbaute Kirche ist heute eine der ältesten Kirchen im Dekanat Wolfsburg-Helmstedt. Heute gehören zur Pfarrgemeinde Schöningen auch die katholischen Kirchen in Jerxheim und Neu Büddenstedt.
Die Christuskirche an der Helmstedter Straße, 1985 errichtet, gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (Baptisten).
Eine Neuapostolische Kirche befindet sich an der Danziger Straße. Von 1908 an bildete sich die Kirchengemeinde, die heute zum Kirchenbezirk Braunschweig gehört. In den 1960er Jahren wurde das erste Gotteshaus am Kampweg errichtet, in den 1980er Jahren die heutige Kirche.
Ferner sind die Zeugen Jehovas in Schöningen vertreten.
Politik mini|Altes Rathaus, dahinter die St.-Vincenz-Kirche Rat Der Rat der Stadt Schöningen zählt 30 Ratsmitglieder. Die Sitzverteilung stellt sich seit der letzten Kommunalwahl am 12. September 2021Stadt Schöningen: Kommunalwahl in der Stadt Schöningen (Wahl zum Stadtrat Schöningen, Gesamtergebnis), 11. September 2011.Stadt Schöningen: Kommunalwahl in der Stadt Schöningen (Wahl zum Stadtrat Schöningen, Sitzverteilung), 11. September 2011.schoeningen.de wie folgt dar:
Parteien und Wählergemeinschaften %2011 Sitze2011 %2006 Sitze2006 % 2016Sitze 2016% 2021Sitze 2021 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 57,73 17 52,81 16 39,38 1140,1311 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,25 9 29,78 9 34,64 1030,218 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 4,90 2 3,82 1 6,09 210,253UWG-ZIELUnabhängige Wählergemeinschaft-ZukunftsInitiative Elm-Lappwald––––––9,773AfDAlternative für Deutschland––––––6,852LINKEDie Linke––––––2,791 UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 8,08 2 9,44 3 10,04 3–– ZIEL ZukunftsInitiative Elm-Lappwald – – – – 5,00 1–– FDP Freie Demokratische Partei 1,02 – 4,13 1 1,99 ––– Einzelbewerber Schliephake – – – – 2,08 1–– Einzelbewerber Schwarzer – – – – 0,78 ––– gesamt 100 30 100 30 100 2810028 Wahlbeteiligung in % 50,22 % 46,66 % 47,92 %49,96
Ortsrat Esbeck Bei der Ortsratswahl 2011 in Esbeck gaben 811 von 1.284 wahlberechtigten Personen gaben ihre Stimmen ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,81 %.Stadt Schöningen: Kommunalwahl in der Stadt Schöningen (Wahl zum Ortsrat Esbeck, Gesamtergebnis), 11. September 2011.Stadt Schöningen: Kommunalwahl in der Stadt Schöningen (Wahl zum Ortsrat Esbeck, Sitzverteilung), 11. September 2011. SPD (50,69 %, 7 Sitze) Bündnis 90/Die Grünen (5,47 %, 1 Sitz) Esbecker Wählergemeinschaft (43,83 %, 5 Sitze)
Wahl 2016:schoeningen.de SPD: 4 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 1 Sitz EW: 8 Sitze
Ortsrat Hoiersdorf Bei der Ortsratswahl 2011 in Hoiersdorf gaben 410 von 700 wahlberechtigten Personen ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,85 %.Stadt Schöningen: Kommunalwahl in der Stadt Schöningen (Wahl zum Ortsrat Hoiersdorf, Gesamtergebnis), 11. September 2011.Stadt Schöningen: Kommunalwahl in der Stadt Schöningen (Wahl zum Ortsrat Hoiersdorf, Sitzverteilung), 11. September 2011. HBL (50,69 %, 7 Sitze)
Bürgermeister Bei der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters der Stadt Schöningen setzte sich am 26. Februar 2012 der parteilose Kandidat Henry Bäsecke mit 78,5 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen Knut Gödecke durch. Henry Bäsecke war vom 1. März 2012 bis 29. Februar 2020 hauptamtlicher Bürgermeister und damit Nachfolger von Matthias Wunderling-Weilbier, der in das Amt des Landrats des Landkreises Helmstedt gewechselt ist. Mit Wahl vom 10. November 2019 setzte sich Malte Schneider (SPD) mit 66,13 Prozent gegen seinen Mitbewerber Markus Sobotta (parteilos) durch. Schneider trat sein Amt als Bürgermeister der Stadt Schöningen am 1. März 2020 an. Henry Bäsecke kandidierte aus Altersgründen nicht erneut.
Städtepartnerschaften Die Stadt Schöningen unterhält Städtepartnerschaften mit Beni Hassen in Tunesien (seit 1955), mit Solotschiw in der Ukraine (seit 1996), mit Outokumpu in Finnland (seit 2000) sowie mit Oschersleben (Bode) in Sachsen-Anhalt (seit 1990).
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Heimatmuseum Schöningen in der früheren Lateinschule Anna-Sophianeum
Das im Herbst 1981 wiedereröffnete städtische Heimatmuseum Schöningen ist in dem 1593 errichteten Renaissancegebäude der alten Lateinschule Anna-Sophianeum (Markt 33) untergebracht. Es gibt einen Überblick über die Entwicklung der Region seit der Vorgeschichte.
Das vermutliche Geburtshaus des Mainzer Erzbischofs Willigis (* ca. 940; † 1011) befand sich in der Salzstraße im Stadtzentrum. Das Mainzer Stadtwappen soll auf ihn zurückgehen. Eine Gedenktafel an dem heute dort stehenden Haus, dem ältesten erhaltenen Schöningens aus dem Jahr 1568, weist auf dieses Ereignis hin.
2004 wurde im Torhäuschen des Schöninger Schlosses ein Seilereimuseum eingerichtet. Dieses Museum bezog sich auf eine in Schöningen über 200-jährige Tradition. Dort konnte man unter anderem Ausstellungsstücke und Seilerwerkzeuge aus früherer Zeit besichtigen. Anfang 2020 wurde das Seilereimuseum geschlossen, da der Museumsbetreiber, Seilermeister Walter Lutze, verstorben war, und sein Nachlass dem geplanten Deutschen Hafenmuseum in Hamburg zur Verfügung gestellt wurde. Im Torhäuschen ist seit 2021 eine Ausstellung über die Bergbaugeschichte Schöningens zu sehen.Markus Brich: Bergbautradition hat in Schöningen eine neue Heimat. In: Helmstedter Nachrichten. Beilage Zukunft in Helmstedt. Ausgabe vom 25. November 2021.
Für eine Fremdenverkehrskampagne und um sich besser zu repräsentieren, benutzte man über lange Zeit den Slogan „Schön, Schöner, Schöningen“. In Schöningen und seiner Umgebung, wie z. B. Esbeck, wurde von vielen älteren Einwohnern noch eine Variante des Plattdeutschen gesprochen, die aber mittlerweile kaum mehr zu hören ist. Dies ist auch in der umfangreichen Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg begründet.
Schloss
mini|links|Schloss Schöningen auf einem Merian-Stich von 1654 mini|Schloss Schöningen heute Der Schlossbau geht auf den Welfenherzog Magnus zurück, der hier um 1350 ein Jagdschloss errichten ließ. Es diente gleichzeitig als Grenzfeste zu den Gebieten der Bischöfe von Halberstadt und Magdeburg. Die Anlage nahm Schaden, als der Schmalkaldische Bund gegen Herzog Heinrich den Jüngeren in einen Religionskrieg zog. Das Schloss wurde später in ein Wohngebäude umgebaut und diente zwischen 1568 und 1659 drei Braunschweiger Herzoginnen, Sophia Jagiellonica (Sophie Jagiello), Elisabeth von Dänemark und Anna Sophia von Brandenburg, als Witwensitz. Um 1644 lebte und starb hier Annas Schwester Katharina von Brandenburg. Die Schlossanlage gehörte zu den prunkvollsten Gebäuden nahe dem Elm. Sie diente den Welfenherzögen mit ihrer Residenz in Wolfenbüttel und ihrem Gefolge oft als Unterkunft bei Treibjagden im Elm. Bei einer Jagd sollen sie mit 3000 Treibern in den Elm gezogen sein. Am 25. Januar 1681 heiratete Elisabeth Eleonore von Braunschweig-Wolfenbüttel hier Herzog Bernhard I. von Sachsen-Meiningen. 1733 übernachtete der preußische Kronprinz Friedrich – der spätere König Friedrich der Große – hier bei der Anreise zu seiner Hochzeit mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern im Schloss Salzdahlum.
Kloster Stift St. Lorenz mini|St.-Lorenz-Kirche
Die Kirche St. Lorenz geht aus einem 1120 von Bischof Reinhard von Halberstadt als Augustiner-Chorherren-Stift gegründeten Kloster hervor. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde das Hauptschiff völlig zerstört. Es entstand eine behelfsmäßige Ergänzung im spätgotischen Stil, bei der die beiden romanischen Osttürme ihre gotischen Spitzen erhielten. Seit der Säkularisation 1648 wird das Kirchengebäude von der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Schöningen genutzt. Die Baugeschichte der Kirche ist nicht vollständig bekannt. Dazu fanden von 1992 mit Unterbrechungen bis 2003 archäologische Untersuchungen statt. Dabei wurden zwischen romanischen Mauern Fundamente festgestellt, die älteren Datums sind. Seit langem wird in Schöningen eine im 8. Jahrhundert bestehende Pfalz der Karolinger als Vorposten gegen die Slawen im Osten vermutet.