mini|Typ 95 Aufklärungswagen, ein bekanntes Radfahrzeug der Japanischen Streitkräfte Die Liste von Radfahrzeugen der Streitkräfte des Japanischen Kaiserreiches führt Radfahrzeuge des Kaiserlich Japanischen Heeres und der Kaiserlich Japanische Marine sowie deren verbundenen Organisationen bis 1945 auf.
Geschichte Die Geschichte der Motorisierung der Kaiserlich Japanischen Streitkräfte begann im Jahr 1907, als eine Kommission des japanischen Heeres erste europäische Fahrzeugentwürfe auf dem Gebiet der Lastkraftwagen begutachtete und bewertete. Die eigene Fahrzeugindustrie war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, solche Fahrzeuge zu bauen. Allerdings begannen zu der Zeit erste japanische Firmen mit dem Bau von Personenkraftwagen für den privaten Sektor. Allerdings waren weder Qualität noch Quantität für eine militärische Nutzung ausreichen. Es dauerte bis 1918, bis als erstes Kraftfahrzeug der Streitkräfte ein als 4-t-Lastkraftwagen bezeichnetes Fahrzeug als Kleinstserie offiziell eingeführt werden konnte. Zeitgleich erwarb das Heer erste ausländische Motorräder der Typen Norton, Indian und Harley-Davidson. Als allererstes gepanzertes Gefechtsfahrzeug wurde erstmalig im Ausland ein Panzerwagen beschafft und man begann auch in Zusammenarbeit mit der eigenen Industrie Prototypen solcher Fahrzeuge zu fertigen. mini|Typ 94 6-Rad-Lkw, ein bekannter Lastkraftwagen der Japanischen Streitkräfte, im Einsatz bei der Panzertruppe Bis Mitte der 1920er Jahre wurden die Fahrzeuge einzeln in Handarbeit produziert. Dadurch waren keine hohen Stückzahlen möglich. Nach dem Großen Kantō-Erdbeben vom 1. September 1923 waren weite Teile der bis dahin um Tokio aufgebauten Fahrzeugindustrie zerstört oder schwer beschädigt. Um die Verluste an Material im zivilen Bereich (Busse, städtische Reinigungsbetriebe und anderes) schneller auszugleichen, vergab die japanische Regierung danach Produktions- und Handelskonzessionen an die amerikanischen Hersteller Ford Motor Company und General Motors. Diese errichteten ab 1925 eigene Produktionsstätten in Japan und bauten dort aus importierten Teilen Nutzfahrzeuge und Personenkraftwagen in Serienfertigung auf Fließbändern. Erst Ende der 1920er Jahre konnte die einheimische Industrie diesen Rückstand Im Hinblick auf die Produktionskapazitäten ausgleichen.
Die Produktion von Panzerwagen war bereits 1933 weitestgehend eingestellt worden, da diese im asiatischen Raum aufgrund der geographischen Verhältnisse noch weniger erfolgreich einsetzbar waren, als in der restlichen Welt. Stattdessen wurde nun leichte Kettenfahrzeuge für Aufklärungszwecke gefertigt. Im Jahr 1935 griff die japanische Regierung in Aktivitäten der verschiedenen Herstellern der Kraftfahrzeugindustrie ein. Auf Druck der militärischen Führung wurde einzelnen Herstellern die Fertigung verschiedener Fahrzeugtypen vorgeschrieben. Zudem wurden Unternehmen zusammengelegt, um Wissen und Produktionsmittel zu konzentrieren. Als große Neuerung kamen erste Personenkraftwagen mit Allradantrieb auf. Doch es fehlten die finanziellen Mittel, um allen Teilstreitkräften gerecht zu werden. Dies änderte sich erst mit dem Beginn der japanischen Angriffe auf China im Rahmen des Zweiten Chinesisch-Japanischen Kriegs Mitte 1937. Geldmittel waren danach kaum noch ein Problem. Anders sah es bei den Rohstoffen aus, insbesondere Erdöl und Stahl waren in Japan seit jeher knapp. Als, wegen der Brutalität der japanischen Kriegsführung gegen China, am 1. September 1940 US-amerikanischen Sanktionen auf diese Rohstoffe bekanntgegeben wurden verschlimmerte sich die Lage für die japanische Industrie und die Streitkräfte nochmals spürbar.
Ab 1940 wurden die Anforderungen an die Nutzlast bei den Lastkraftwagen erhöht. Die japanische Fahrzeugindustrie wurde angewiesen, entsprechende Fahrzeuge für bis zu 4 t Zuladung zu entwickeln, denn bisher waren zumeist Fahrzeuge mit einer Nutzlast von 1,5 bis 2 t vorhanden. Im Laufe des Krieges wurden viele Baugruppen, der in der Vorkriegszeit mit gefälliger Optik entwickelten Fahrzeuge, stark vereinfacht und soweit möglich auf Holz als Baumaterial umgestellt. Zudem wurden Holzgasmotoren entwickelt, um Benzin und Diesel einzusparen.
Die folgenden Listen enthalten keine Beutefahrzeuge, von denen es viele gab. Die Bandbreite an Beutefahrzeuge war hoch, da im Einsatz alles wiederverwendet wurde, was einsatzbereit war. Aufgrund nur selten vorhandener Ersatzteile blieben solche Fahrzeuge oft nicht allzu lange im aktiven Dienst und endeten meist als Ersatzteillager für andere, baugleiche Fahrzeuge in den jeweiligen Einheiten oder wurden bei technischen Problemen einfach stehen gelassen. Eine zentrale Ersatzteilversorgung oder -verwaltung für ausländische Beutefahrzeuge wurde nur in wenigen Ausnahmefällen und nur bei Kampffahrzeugen vorgenommen.
Bezeichnungen Bei der Benennung der Fahrzeuge hielt sich das japanische Militär zunächst an die übliche Benennung nach Hersteller und Hersteller-Fahrzeugname. Mit Beginn der Ära des Kaisers Hirohito wurde dies nach und nach zum Kōki-System geändert, um eine Vereinheitlichung bei den Militärbenennungen zu erreichen. Bei gleichen Jahreszahlen wurden zur Bezeichnung noch individuelle Merkmale hinzugefügt (z. B. Typ 1 Vierrad-Lastkraftwagen – Typ 1 Sechsrad-Lastkraftwagen). Bei Zugmaschinen wurde zudem noch die maximale Anhängelast angegeben. Weitere Systematiken sind nicht bekannt.
Motorräder Die Kaiserlich Japanischen Streitkräfte haben in geringem Umfang insbesondere zu Verbindungsaufgaben Motorräder eingesetzt. Im Rahmen der Aufstandskontrolle kamen zudem Modelle mit Beiwagen zum Einsatz. Alle diese Motorräder basierten auf US-amerikanischen Harley-Davidsons. 1912 Das japanische Heer importiert erstmalig Harley-Davidson Motorräder 1918 Das Heer gibt erstmals Spezifikationen für einen Motorrad-Beiwagen heraus 1931 Daiichi Sankyō übernimmt die Importlizenz und gründet die Japan Harley-Davidson Motorrad Import GmbH 1933 Die Japan Harley-Davidson Motorrad GmbH erwirbt die Produktionslizenz inklusive einer Fertigungsstraße bei der Mutterfirma und beginnt die Produktion in Japan 1935 Die Japan Harley-Davidson Motorrad GmbH wird umbenannt in Sankyō Verbrennungsmotor GmbH 1936 Das neuste Modell mit angetriebenem Beiwagen wird von der Armee als „Typ 97 Beiwagenmotorrad“ offiziell eingeführt. Die Fahrzeugbezeichnung wird von Harley-Davidson zu Rikuo (= König der Landstraße) geändert und die Firma umbenannt in Rikuo Verbrennungsmotor GmbH
Hier eine Liste von Motorrädern und Beiwagenmotorrädern der japanischen Streitkräfte:
Bezeichnung Bild Beschreibung Harley-Davidson Modell 1918 100px|Harley-Davidson Modell 1918 Schweres Motorrad mit 1200 cm³ Hubraum. Ein Beiwagen konnte montiert werden Harley-Davidson Modell 1928 100px|Harley-Davidson JD Modell 1928 Motorrad Schweres Motorrad mit 1200 cm³ Hubraum. Ein Beiwagen konnte montiert werden. Modernisierte Version des Modell 1920, das bereits gegenüber dem Modell 1918 größere Unterschiede aufwies. So war die Hupe unter dem Frontscheinwerfer montiert und ein Nummernschild-Halter auf dem vorderen Schutzblech angeschweißt worden. Shishido (SSD) Dreiachs-Motorrad 100px|SSD Dreiachs-Motorrad Schweres Motorrad mit zwei kleineren, angetriebenen Hinterrädern, von der Armee in geringem Umfang aus Privatbesitz requiriert. Bei Bedarf konnte die Geländegängigkeit durch eine Gummikette über den beiden Hinterrädern erhöht werden Typ 93 Motorrad 100px|Typ 93 Motorrad Schweres Motorrad mit 1200 cm³ Hubraum und Beiwagen. Erstes Modell der Streitkräfte aus japanischer Produktion. Nur geringe Änderungen gegenüber der Harley-Davidson JD Modell 1932 Typ 95 Motorrad 100px|Typ 95 Motorrad Schweres Motorrad mit 1200 cm³ Hubraum. Weiterentwicklung des Typ 93 Beiwagenmotorrads mit höherer Bodenfreiheit. Ein Beiwagen konnte montiert werden Typ 97 Beiwagenmotorrad 100px|Typ 97 Beiwagenmotorrad Schweres Motorrad mit 1200 cm³ Hubraum. Weiterentwicklung des Typ 95 Motorrads mit einem angetriebenen Beiwagen
Dreiräder In Japan waren Dreiräder seit Mitte der 1920er Jahre sehr beliebt. Dabei handelte es sich um Motorräder, die statt des Hinterrads eine angetriebene Achse mit zwei Rädern hatten. Über dem Fahrzeugheck war eine Ladefläche für Lasten von 200 kg bis zu 1,3 t montiert, je nach Motorleistung und Bauart. Es waren im Prinzip die Lieferwagen ihrer Zeit. Die japanische Armee und Marine haben in geringem Umfang zivile Modelle mit mindestens 500 kg Ladekapazität erworben und eingesetzt. Erst mit dem erhöhten Frachttransportbedarf, der mit dem aufziehenden Krieg gegen die Westalliierten im Pazifik prognostiziert wurde, wurde 1941 eine militärische Version mit 1000 kg Ladekapazität als „Typ 1 Dreirad“ offiziell eingeführt. Weitere Fahrzeuge wurden bei Bedarf requiriert.
Bezeichnung Bild Beschreibung Typ 1 Dreirad 100px|Typ 1 Dreirad Dreirad mit Ladefläche für bis zu 1000 kg Last von Kurogane
Personenkraftwagen Bereits im Ersten Weltkrieg wurden ab 1918 in den höheren Stäbe für höhere Offiziere und Stabspersonal bei Heer und Marine Personenkraftwagen verwendet. Später wurden bei Bedarf im zivilen Markt Fahrzeuge erworben, da diese vor allem auf befestigten Straßen und Wegen bewegt wurden. Aufgrund der fehlenden Geländegängigkeit solcher Fahrzeuge war jedoch für Offiziere auf dem Gefechtsfeld das Pferd das Fortbewegungsmittel der Wahl.
Erst nachdem bis Anfang der dreißiger Jahren robustere Fahrwerke entwickelt wurden, kamen Personenkraftwagen auch für Fahrten in leichtem Gelände in Frage und wurden damit auch für Stäbe und Kommandeure von Kampfverbänden interessant. Im Jahr 1933 wurde der erste Wagen dieser Art mit Allradantrieb gebaut, der auch Fahrten in schwererem Gelände ermöglichte. Bis 1945 wurden dann mehrere Pkw-Typen verschiedener Größen mit und ohne Allradantrieb entwickelt. Bei Bedarf und Gelegenheit wurden auch Fahrzeuge in besetzten Gebieten requiriert. Der Einsatz bei Gefechten, dieser bestenfalls sehr leicht gepanzerten Fahrzeuge, blieb aber die absolute Ausnahme. Personenkraftwagen hatten in den Streitkräften insgesamt eine geringe Priorität, so dass die Produktionszahlen der speziell entwickelten Modelle mit etwa 5100 Fahrzeugen bis Kriegsende niedrig blieben. Die Anzahl der erworbenen und requirierten Fahrzeuge ist heute nicht mehr zu ermitteln.
Japanische Modelle