Eva Luna ist ein 1987 erschienener Roman der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende. Die deutschsprachige Übersetzung von Lieselotte Kolanoske erschien 1988 im Suhrkamp Verlag.

Kurzbeschreibung Der Roman Eva Luna schildert die Lebensstationen einer südamerikanischen Frau von der Geburt bis jenseits ihres 25. Lebensjahrs. Während dieser Lebensstationen entdeckt die Titelfigur unter anderem ihre Gabe als Geschichtenerzählerin, arbeitet in diversen Haushalten, lebt mit Prostituierten zusammen, verbindet sich zeitweilig mit einem Rebellenführer und schreibt an einer Telenovela. Parallel zur Lebensgeschichte Eva Lunas wird die Lebensgeschichte des aus dem kriegstraumatisierten Europa in Evas Land eingewanderten Rolf Carlé geschildert: „So wie der Roman Eva Lunas Reise zu Unabhängigkeit und Künstlertum folgt, zeichnet er auch Rolfs allmähliche Heilung und Einführung in die Welt des Filmemachens nach, die seine Zuflucht sein wird.“„Just as the novel follows Eva Luna's journey to independence and artistry, so does it chart Rolf's gradual healing and introduction into the world of filmmaking, which will be his refuge.“ – Karen Castellucci Cox: Eva Luna. In: Karen Castellucci Cox: Isabel Allende. A critical companion. Greenwood, Westport CT 2003. ISBN 0-313-31695-3. S. 71–92. Hier S. 86–87.

Inhalt Eva Luna Eva Luna wird gezeugt von dem jungfräulichen Dienstmädchen Consuelo und dem durch eine Surucucú gebissenenIsabel Allende: Eva Luna. Roman. 1. Auflage. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-518-40134-3. S. 29. und vermeintlich im Sterben liegenden Gärtner eines exzentrischen Professors namens Jones: Consuelo „beschloss, sich die Freude zu gönnen und sie zugleich auch dem Kranken zu bereiten, vielleicht würde er dann zufriedener in die andere Welt hinübergehen.“Allende, Eva Luna, S. 30. Der Gärtner allerdings begibt sich nicht ins Jenseits, sondern gesundet überraschend. Bald darauf verabschiedet er sich von Consuelo, „und sie versucht nicht, ihn zurückzuhalten.“Allende, Eva Luna, S. 31. Als Eva Luna sechs Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter an einem verschluckten Hühnerknochen.Allende, Eva Luna, S. 59.

Evas „selbsternannte Hebamme“ und Patentante, Köchin im Jones-Haushalt,Allende, Eva Luna, S. 33. übernimmt die Erziehung. Etwa ein Jahr nach dem Tod ihrer Mutter schlägt auch für Professor Jones die Stunde,Allende, Eva Luna, S. 68. der nach einem Schlaganfall zuletzt von der siebenjährigen Eva häufiger besucht und wie eine Puppe gepflegt wird: „Wenn ich bei ihm war, schien er für eine Weile die demütigenden Umstände seine Sterbens und die Qualen der Unbeweglichkeit zu vergessen […] und beklagte sich, nicht eher gewußt zu haben, daß ich in seinem Hause lebte. Vielleicht war er nie mit einem Kind in Berührung gekommen und entdeckte zu spät, wie gut er sich zum Großvater eignete“.Allende, Eva Luna, S. 70–71.

Nach Jones‘ Tod wird Eva von ihrer Patentante im Haushalt eines dem Alkohol und Spiel zugeneigten Patrons und dessen Schwester, einer schrillen alten Jungfer, untergebracht„shrill spinster“ – Cox, Eva Luna, S. 73. und dort von der Köchin Elvira unter ihre Fittiche genommen. Diese pflegt eine „gewisse Absonderlichkeiten“.Allende, Eva Luna, S. 78. Beispielsweise hat sie einen Sarg in ihrer Kammer stehen: „Von Zeit zu Zeit durfte ich mich hineinlegen und den Deckel über mir zuklappen, worauf Elvira sich untröstlich stellte“.Allende, Eva Luna, S. 79. Eigentlich schläft Eva in einer Hängematte, sie schleicht sich aber nachts in Elviras Bett und bietet ihr „eine Geschichte an zum Tausch gegen die Erlaubnis, bei ihr bleiben zu dürfen.“Allende, Eva Luna, S. 81.

Als Eva neun Jahre alt ist,Allende, Eva Luna, S. 84. lernt sie den Straßenjungen Huberto Naranjo kennen, und so beginnt „eine dauerhafte Verbindung“, die sie später „zu Freundschaft und zur Liebe“ führen wird.Allende, Eva Luna, S. 85. Sie verbringen einige gemeinsame Tage, Huberto nimmt sie mit in „ein Nest aus Zeitungspapier“ in einer Tiefgarage, und auch ihm erzählt Eva „als Dank für so viele und große Freundlichkeiten eine Geschichte“.Allende, Eva Luna, S. 87. Während Elvira immer mehr zu (Groß-)Mutterfigur für Eva aufrückt, macht ihre Patentante durch eine TotgeburtAllende, Eva Luna, S. 135. mit zwei Köpfen von sich reden, „der eine Kopf weißhäutig, der andere schwarzhäutig“.Allende, Eva Luna, S. 133. Die Patentante entsorgt das Baby in einem Müllschlucker,Allende, Eva Luna, S. 134. wird ertappt und heißt nur noch „Mörderin des Monsterchens“. Sie wird nach der Feststellung der Todesursache aus der Haft entlassen, aber „das schreckliche Ereignis zerrüttet ihre Nerven“, ihr Alkoholkonsum steigt ebenso wie ihre Frömmelei und Eva hat Angst vor ihr:Allende, Eva Luna, S. 136. „Wenn sie ins Haus kam, rannte ich und versteckte mich in Elviras Sarg. […] Die Lage wurde unhaltbar“.

Eva wird aus dem Haushalt entlassen und die Patentante vermittelt ihr zunächst neue Arbeitsstellen.Allende, Eva Luna, S. 137. Für sie beginnt „eine Pilgerfahrt von einem Haus ins andere“, von einer verwitweten Jugoslawin, die aus einer Spezialmasse („kaltem Porzellan“) Figuren herstellt und „halb verrückt vor Angst“ vor Bolschewisten aus dem Land flieht,Allende, Eva Luna, S. 138–141. bis hin zu einem geschiedenen, kinderlosen Minister.Allende, Eva Luna, S. 141–142. Als Eva in dessen gespenstisch leerer Kolonialvilla angestellt ist, „wird ihre Fantasie dadurch angeregt, dass sie viele verschlossene Räume vorfindet, da ihrer Meinung nach leere Räume viel Spielraum bieten, verborgene Welten zu ersinnen.“„her imagination is triggered on finding so many locked rooms because according to her, empty rooms provide ample scope to invent hidden worlds“ – A. Vanitha: Storytelling as Subsistence Strategy. The Literary and the Political in Isabel Allende’s Eva Luna. In: HuSS. International Journal of Research in Humanities and Social Sciences. , Jg. 4, Nr. 1, 2017, , S. 14–17. Hier S. 15. (pdf). Weniger schön ist, dass der Herr Minister lieber einen luxuriösen Toilettenstuhl benutzt statt „wie jeder normale Mensch“, der körperlich dazu fähig ist, die Toilette zu gebrauchen.Allende, Eva Luna, S. 144. Die Eimer-Entleerungs-Aufgabe nervt Eva dermaßen, dass sie eines Tage, „als täte ich das jeden Tag“, den Toiletteneimer-Inhalt über dem Ministerialkopf ausschüttet und den Dienst quittiert.Allende, Eva Luna, S. 145.

Eva will bei Elvira unterkommen, doch jene hat gerade ihre Stelle gekündigt und ist verschwunden, so dass Eva sich auf die Suche nach Huberto Naranjo macht, der sie im Haushalt der Señora unterbringt, einer Bordellchefin: „nicht zum Arbeiten“, sondern damit „sie dir Gesellschaft leistet. Sie kann Geschichten erzählen“, so Naranjo, der für Kost und Logis aufkommt.Allende, Eva Luna, S. 151. Im Haushalt der Señora lernt Eva Melecio kennen (Künstlername: Mimí): Der „beste Freund der Señora“ verdient sein Geld tagsüber als Italienisch-Lehrer, nachts durch Travestie, und stattet dem „unorthodoxen Haushalt“„unorthodox home“ – Cox, Eva Luna, S. 75. der Señora allabendlich einen Besuch ab.Allende, Eva Luna, S. 155–158. Unter dem Schutz von Melecio/Mimí, der Señora und deren Beschäftigten wird es in Naranjos Auftrag gelingen, „Eva rein und unschuldig zu halten […]. Eva lebt ein glückseliges Dasein bei den Prostituierten“.„Together Melecio, La Señora, and her girls share a pact to keep Eva pure and innocent. […] Eva lives a blissful existence with the prostitutes.“ – Cox, Eva Luna, S. 75. Während sich Evas Schutzengel bemühen, sie „von Roheit und Gemeinheit fernzuhalten“, gewinnen sie „eine neue Würde für ihr eigenes Dasein.“Allende, Eva Luna, S. 163. Das mehrmonatigeAllende, Eva Luna, S. 167. Idyll, während dessen Eva sich vergeblich um eine Liebesbeziehung zu Naranjo bemüht (Naranjo: „Ich kümmre mich um dich, das genügt“),Allende, Eva Luna, S. 164. endet in dem Augenblick, als der korrupte Polizei-Sergeant, der für das Bordellviertel zuständig ist, „von einem Tag zum anderen abgelöst“ wird, und die „guten Beziehungen […] beim Teufel“ sind. Melecio/Mimí initiiert einen kollektiven Brief an Polizeichef und Innenminister, was aber eine dreitägige, groß angelegte Polizeirazzia zur Folge hat, in deren Wirren Eva ihre Bezugspersonen und ihre Unterkunft verliert, so dass sie nicht weiß wohin: „Von Elvira hatte ich schon seit langem nichts gehört, und den Gedanken, meine Patin zu suchen, schob ich beiseite, denn zu dieser Zeit hatte sie bereits völlig den Verstand verloren“.Allende, Eva Luna, S. 168–171. Der „Aufstand der Huren“ eskaliert durch das Eingreifen der Presse zu einem viertägigen Aufruhr von „Tausenden von Studenten und Arbeitern“, dessen einziger Effekt jedoch ist, dass der zuständige Minister durch den Eva bekannten Toilettenstuhl-Liebhaber ersetzt wird.Allende, Eva Luna, S. 172–174.