You’ll Never Find Me ist ein australischer Horrorthriller von Josiah Allen und Indianna Bell, die damit ihr Spielfilmdebüt als Regisseure vorlegten. Das Kammerspiel um einen Einzelgänger, der in einer Gewitternacht Besuch von einer geheimnisvollen Fremden erhält, feierte am 10. Juni 2023 beim Tribeca Film Festival seine Premiere und wurde am 22. März 2024 vom Streamingdienst Shudder veröffentlicht. In Deutschland erschien er am 9. Mai 2024 im Heimkino.
Handlung Der ältere Patrick lebt allein in einem Wohnwagen am hinteren Ende eines abgelegenen Caravanparks. Spät in der Nacht sitzt er beim Radio; zur Melodie von „Sleep Walk“ erinnert er sich in einer Rückblende an eine Frau, die an einem Regentag vor seinem Auto stand. Er betrachtet ein Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit und legt es beiseite.
Als ein Gewitter aufzieht, klopft eine junge Frau an seine Tür. Sie ist völlig durchnässt und bittet um eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt. Patrick lässt sie ein, erklärt jedoch, sein Auto sei defekt. Ihre Bitte, telefonieren zu dürfen, übergeht er; stattdessen gibt er ihr trockene Kleidung und Münzen für ein Münztelefon, das allerdings hinter einem Tor liegt, das nachts verschlossen ist. Dass sie vom Strand gekommen sein will, erscheint ihm unglaubwürdig, da dieser weit entfernt liegt. Widerstrebend willigt die Frau ein zu bleiben, bis ihre Kleidung getrocknet ist.
Im Laufe des Gesprächs stößt die Frau auf eine Sammlung von Gegenständen, die offenbar verschiedenen Frauen gehörten, darunter ein Medaillon mit einer Haarlocke. Ihre widersprüchlichen Angaben dazu, wo sie untergekommen sei, machen wiederum Patrick misstrauisch. Als sie sich unter der Dusche aufwärmt, bemerkt sie Schmutz und Blut, die in den Abfluss laufen. Patrick wärmt eine Dose Suppe auf und gibt ihr einen Pullover; auf ihre Frage, ob er verheiratet gewesen sei, behauptet er, dieser stamme von einer früheren Freundin. Er erzählt, er schlafe altersbedingt kaum noch, seine Gedanken „sickerten in sein Leben“; während er die Pfanne abwäscht, scheint sich das Spülwasser in Blut zu verwandeln.
Auf die Frage der Frau, wie sie überhaupt durch das verschlossene Tor auf das Gelände gelangen konnte, weiß auch Patrick keine Antwort. Es klopft plötzlich an der Tür, doch niemand ist zu sehen; Patrick schiebt es auf Kinder aus dem Caravanpark, die ihn mit Klopfstreichen ärgerten. Nach einem Stromausfall gehen beide zum Sicherungskasten. Im Schein der Taschenlampe erkennt die Frau kurz Blut an einem Hammer und bemerkt blutende Kratzspuren auf Patricks Rücken. Als sie im Medizinschrank nach etwas zur Wundversorgung sucht, findet sie in einer Pillendose neben zahlreichen weiteren Ohrringen auch ihren eigenen.
Alarmiert verlangt sie, sofort zu gehen; Patrick erwidert ruhig, die Tür sei nicht abgeschlossen. Da der Sturm weiter tobt, bleibt sie, und die beiden spielen das Kartenspiel Bullshit, bei dem es ums Lügen geht. Passend dazu gesteht Patrick, sie belogen zu haben: Er war verheiratet; seine Frau, die er an einer Tankstelle kennengelernt habe, sei an einer Überdosis gestorben. Die Frau entdeckt Lippenstiftspuren an ihrem Glas. Als Patrick nach einer Sturmböe nach draußen geht, hört sie ein vibrierendes Mobiltelefon und findet es im bislang unbeachteten hinteren Zimmer bei der Leiche einer Frau, die unter einem Laken auf dem Bett liegt.
Sie versucht, über das Dach zu entkommen, und schlägt mit dem zuvor gesehenen Hammer, der plötzlich wieder blutverschmiert ist, auf das Oberlicht ein. Patrick überwältigt sie jedoch, fesselt sie und flößt ihr die GHB-Lösung aus dem Fläschchen ein. Während sie das Bewusstsein verliert, erzählt er ihr von seinem ersten Opfer: einer Frau, die ihn während eines Sturms am Strand um eine Mitfahrgelegenheit gebeten habe und die eine markante Tätowierung an den Rippen trug. Dann erkennt er dieselbe Tätowierung an der Bewusstlosen und begreift, dass seine Besucherin die ganze Zeit über diese erste Tote war. Entsetzt gerät Patrick in eine albtraumhafte Sequenz, in der ihn alle von ihm ermordeten Frauen heimsuchen, während die Polizei unablässig an seine Tür zu klopfen scheint. In der Dunkelheit hört er das Beatmungsgerät seines Vaters – ein Verweis auf eine Kindheitserinnerung, die er der Frau zuvor erzählt hatte. Blutüberströmt und verstört muss er schließlich auf Geheiß der Frau das GHB in seine Whiskyflasche leeren und austrinken, während die toten Frauen ihn anfeuern.
Patrick schlägt die Augen auf: Es gab weder Sturm noch Besucherin – alles war eine Halluzination. Das Klopfen an der Tür stammt tatsächlich von Kindern, die sich einen Streich erlauben. In seiner Tasche findet er das geleerte GHB-Fläschchen und begreift lachend, dass er die Lösung im Delirium selbst getrunken hat. Er kehrt in den Wohnwagen zurück; von außen ist zu hören, wie er zusammenbricht und stirbt.
Besetzung und Synchronisation Die deutsche Synchronfassung entstand bei der 19 Synchron GmbH in Berlin nach einem Dialogbuch von Nancy Munk und unter der Dialogregie von Dirk Talaga.
Rolle Darsteller Synchronsprecher Patrick Brendan Rock Sven Brieger Die Besucherin Jordan Cowan Sabrina Schwarz Kind im Caravanpark 1 Finn Watson Dante Talaga Kind im Caravanpark 2 Luca Trimboli Zoé Zech
In weiteren Rollen sind Elena Carapetis als rauchende Frau, Angela Korng als tote Frau sowie Alina Truong, Aurelie Sowerbutts, Aileen Castro, Cheyenne Joy, Chloe Robinson, Jarminder Kang, Jasmine Garcia, Kelly Woodhall und Kirsty Johnson als „die Frauen“ zu sehen. Zu den weiteren Sprechern der deutschen Fassung zählen Lisa Braun, Patrick Giese, Tarek Helmy und Dirk Talaga.
Produktion Regie führten Josiah Allen und Indianna Bell. Für beide stellt You’ll Never Find Me ihr Spielfilmdebüt dar. Bell schrieb zudem das Drehbuch und fungierte gemeinsam mit Allen, Jordan Cowan und Christine Williams als Produzentin, während Allen den Filmschnitt übernahm. Im Jahr 2016 schloss Allen sein Studium der Filmproduktion ab und gründete zusammen mit Bell und John Chataway das Kollektiv „Stakeout Films“. Gemeinsam realisierten sie die Kurzfilme Small Town P.D., Safe Space, Call Connect. und The Recordist.
Als Inspiration für You’ll Never Find Me nannten Allen und Bell die Folge Zwei Gewitter der Horrorserie Spuk in Hill House von Mike Flanagan, die ebenfalls während eines Unwetters spielt.
Brendan Rock, der bereits in ihren Kurzfilmen Call Connect. und The Recordist sowie in kleineren Rollen in Carnifex von Sean Lahiff und The Stranger von Thomas M. Wright zu sehen war, spielt in der Hauptrolle Patrick. Produzentin Cowan, die ebenfalls bereits in The Recordist mitwirkte, spielt die Frau, die in dieser Nacht an seine Tür klopft. Kameramann Maxx Corkindale war zuletzt für Rolf de Heers Filmdrama The Survival of Kindness tätig. Gedreht wurde in Adelaide.
Die Filmmusik komponierte Darren Lim. Das Soundtrack-Album mit insgesamt 15 Musikstücken wurde am 3. April 2024 als Download veröffentlicht.
Veröffentlichung Im April 2023, noch vor der Premiere, sicherte sich Blue Finch Films die internationalen Vertriebsrechte außerhalb Australiens und Neuseelands; die Rechte für Australien und Neuseeland liegen bei Umbrella Entertainment.
Die Premiere erfolgte am 10. Juni 2023 beim Tribeca Film Festival. Im Juli 2023 wurde der Film beim Bucheon International Fantastic Film Festival im internationalen Wettbewerb gezeigt. Im August 2023 erfolgten Vorstellungen beim Melbourne International Film Festival. Im Oktober 2023 wurde You’ll Never Find Me beim Sitges Film Festival und beim Adelaide Film Festival gezeigt, Ende Oktober und Anfang November 2023 beim Brisbane International Film Festival.
Nach der Tribeca-Premiere erwarb der Streamingdienst Shudder im September 2023 die Auswertungsrechte für Nordamerika, das Vereinigte Königreich und Irland. Im März 2024 wurde der Film beim Glasgow Film Festival und im April 2024 beim Hardline Film Festival vorgestellt. Am 22. März 2024 erfolgte die Veröffentlichung bei Shudder.
In Deutschland erschien der Film am 9. Mai 2024 bei Meteor Film auf DVD, Blu-ray und als Video-on-Demand.
Rezeption Kritiken Bei Rotten Tomatoes fallen 81 Prozent der 53 erfassten Kritiken positiv aus, die durchschnittliche Bewertung liegt bei 6,9 von 10 Punkten. Der Kritikerkonsens der Seite hebt die visuelle und klangliche Eigenständigkeit des Films hervor, der seine unheimliche Atmosphäre und das klaustrophobische Setting mit einer Geschichte verstärke, die das Publikum im Ungewissen halte. Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 82 von 100 möglichen Punkten, basierend auf sechs Kritiken.
Brian Tallerico von RogerEbert.com schrieb, der Film unterlaufe die klassische Thriller-Paranoia, bei der eine verlorene Seele an die falsche Tür klopft. Bell und Allen modulierten die Spannung gekonnt, bis der Film in einem surrealen, unerwarteten Schlussakt explodiere; es sei ein kluger, handwerklich gut gemachter kleiner Thriller. Meagan Navarro von Bloody Disgusting vergab 3,5 von 5 Punkten und beschrieb den Film als düstere Geschichte in einer dunklen Sturmnacht, in der die Filmemacher das klassische Setup zurückeroberten und zeitgenössischen Horror mit einer Spukhaus-Ästhetik zu einem klaustrophobischen, verstörenden Kammerspiel verbänden. Mae Abdulbaki von Screen Rant vergab 4 von 5 Sternen und lobte die intime Geschichte, die von einem intensiven Schlagabtausch zweier Figuren getragen werde und bis zum Schluss an den Nerven zerre.
Fred Topel von United Press International befand, der Film hole das Maximum aus zwei Figuren an einem einzigen Schauplatz heraus und reihe sich damit in die Riege gelungener minimalistischer Horrorfilme ein. Daniel Tune vom Adelaider Stadtmagazin CityMag hob hervor, dass ein Großteil der Laufzeit der langsam brodelnden Spannung gewidmet sei, während die beiden von Brendan Rock und Jordan Cowan überzeugend gespielten Einzelgänger ihre zunächst unklaren Motive nach und nach offenbarten, ehe der Film in einen chaotischen, kaleidoskopischen Höhepunkt münde.
Auszeichnungen Adelaide Film Festival 2023 Nominierung im Feature Fiction Competition
Australian Directors Guild Awards 2024 Nominierung für die Beste Regie bei einem Debütfilm (Josiah Allen und Indianna Bell) Nominierung für die Beste Regie bei einem Film mit einem Budget unter 1,5 Mio. Australischen Dollar (Josiah Allen und Indianna Bell)
Bucheon International Fantastic Film Festival 2023 Nominierung im Internationalen Wettbewerb
Screamfest Horror Film Festival 2023 Auszeichnung für die Beste Filmmusik (Darren Lim)
Weblinks
You’ll Never Find Me im Programm des Tribeca Film Festivals (englisch) You’ll never find me auf der Website von Meteor Film
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2023 Kategorie:Australischer Film Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Thriller