mini|Frank Mehring bei der Premiere der Marshall Plan-Oper La Sterlina Dollarosa (2018) Frank Mehring (* 29. Dezember 1970 in Alsfeld) ist ein deutscher Amerikanist und Professor an der Radboud-Universität Nijmegen.

Leben und Wirken

Werdegang Frank Mehring studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er 1996 seinen M.A. mit der Arbeit Sight & Sound zu den Naturbildern der englischen Romantik und des amerikanischen Transzendentalismus erlangte. 2001 promovierte er dort im Fachbereich Anglistik/Amerikanistik mit der Arbeit Sphere Melodies zur Manifestation transzendentalistischen Gedankengutes in der Musik von Charles Ives und John Cage. Als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes forschte er an der University of Wisconsin-Madison, als Fulbrighter arbeitete er im Fachbereich Musik an der Harvard-Universität zu seiner Dissertation über die amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts. Seine Habilitationsschrift The Democratic Gap über transkulturelle Konfrontationen deutscher Immigranten mit dem amerikanischen Freiheitsversprechen entstand am Department of English der Harvard University und dem John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien in Berlin. Es folgten Arbeitsaufenthalte unter anderem an der Yale University, der National Portrait Gallery (Washington) und am Smithsonian American Art Museum.

Nach einer dreijährigen Gastprofessur am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien (Lehrstuhl für Nordamerikanische Kultur) wurde Mehring Professor für American Studies an der Radboud-Universität Nijmegen. Seit Dezember 2024 amtiert Mehring als Präsident der Netherlands American Studies Association. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist Mehring Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes und engagiert sich als Regionalleiter für die Deutsche Atlantische Gesellschaft.

Forschungsschwerpunkte Mehrings Forschung bewegt sich an den Schnittstellen von Kultur-, Medien- und Politikwissenschaft sowie den transnationalen American Studies. Im Mittelpunkt stehen kulturelle Transferprozesse zwischen Europa und Nordamerika sowie die Frage, wie Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und gesellschaftlicher Teilhabe in Literatur, Musik, visueller Kultur und populären Medien vermittelt werden.

Transationale American Studies Einen Schwerpunkt bilden transatlantische Kulturbeziehungen und Migrationsgeschichte. Im Zentrum stehen deutsch-amerikanische Kulturbeziehungen sowie die Rolle von Migration, Exil und kultureller Mobilität für demokratische Vorstellungen in den USA. Untersuchungen zu transkulturellen Konfrontation deutscher Immigranten wie Charles Follen, Ottilie Assing, Kurt Weill, Hans J. Massaquoi und Hannah Arendt mündeten unter anderem in der Monographie The Democratic Gap, die mit dem Rob Kroes Award in Transnational American Studies ausgezeichnet wurde.EAAS Rob Kroes Publication Award, abgerufen am 9. Oktober 2023 Mehring verfasste die erste umfassende deutsche Biografie des deutsch-amerikanischen Freiheitskämpfers Karl Follen (2004) und gab 2007 eine Selektion von Follens Werken heraus. Er trug dazu bei, dass 2022 eine Erinnerungstafel zu Follens transatlantischem Wirken in seiner Geburtsstadt Romrod aufgestellt wurde. Weitere Projekte widmeten sich deutsch-amerikanischen Künstlern wie Audre Lorde, Hans-Jürgen Massaquoi, Bob Rutman und Winold Reiss. Mehring organisierte das erste internationale Symposium „Cultural Mobility and Transcultural Confrontations“ zum Leben und Werk des deutsch-amerikanischen Künstlers Winold Reiss.

Musik, Literatur und visuelle Kultur mini|Frank Mehring, Poe-Attic-Lies-Sense: Sounding English and American Poetry mini|Mehring mit der handgefertigten kanadischen Liberation Guitar Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Intermedialität von Musik, Literatur und visueller Kultur. Aufbauend auf den Studien Sight & Sound mit vertonten Gedichten der englischen und amerikanischen Romantik ging die CD-Produktion Poe-Attic-Lies-Sense (1999) hervor. Es folgten Einspielungen von niederländischen Befreiungsliedern in Soundtrack van de Bevrijding (2015) die im Rahmen des Canadian Tulips Festival als Videoclips im Internet publiziert wurden. Er absolvierte Konzerte mit dem Pianisten Jens Barnieck, mit dem er die Klanginstallation The Mexico Diary basierend auf Tagebuchaufzeichnungen von Winold Reiss produzierte, erschienen im Rahmen der Buchpublikation The Mexico Diary (2016). Weitere biographische Projekte widmen sich der ersten aus den Niederlanden stammenden Dirigentin Antonia Brico (June 26, 1902 – August 3, 1989) und der Band Van Halen, deren Wurzeln in Amsterdam und Nijmegen liegen. Zur Erinnerung an den 80. Jahrestag der kanadischen Befreiung und seine Einsatz zur Erinnerung an den Soundtrack der Befreiung erhielt Frank im Freedom Museum in Groesbeek von Richard Thain eine handgefertigte Canadian Liberation Guitar.

Cultural Diplomacy und Erinnerungskultur Seit den 2000er Jahren beschäftigt sich Mehring verstärkt mit Fragen kultureller Diplomatie und Erinnerungskultur. Die kulturelle Dimension des Marshallplans bildet einen Kernpunkt in Mehrings Forschung. Unter anderem war er Berichterstatter für die Zeitschrift filmdienst zur Retrospektive der Berlinale Marshall Plan-Filme 2004–2006 und Mitarbeiter an der Berlinale-Broschüre „Selling Democracy – Friendly Persuasion“. Er kuratierte Ausstellungen in Den Haag, Nijmegen und Kleve unter dem Titel The New Marshall Plan Europe 1948/2018 – Memories, Discoveries, Lessons (2018). Mehring koordinierte er die deutsche Uraufführung der 30-minütigen Marshallplan-Oper La Sterlina Dollarosa basierend auf Texten von Alfred Friendly auf dem Campus Kleve der Hochschule Rhein-Waal. Aus diesen Arbeiten gingen Publikationen wie Faces of Liberation zur Erinnerungskultur auf dem kanadischen Ehrenfriedhof in Groesbeek sowie Songs of Liberation in the Netherlands: The Transatlantic Soundtrack of Freedom hervor.

Krisendiskurse und Umweltfragen In jüngeren Arbeiten untersucht Mehring demokratische Krisendiskurse, politische Polarisierung und Umweltfragen in den Vereinigten Staaten. Gemeinsam mit dem Soziologen Hermann Strasser analysiert er in Die USA im kollektiven Ausnahmezustand. Zwischen Amok und Reality-TV (2025) die kulturellen und medialen Voraussetzungen gegenwärtiger demokratischer Krisen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Environmental Humanities und Sustainable American Studies. Mit dem Sammelband The Environment in Sustainable American Studies. Powered by Nature (2026) verbindet Mehring ökologische Literatur- und Kulturwissenschaft mit Fragen der Umweltgerechtigkeit, Nachhaltigkeit und transnationalen Kulturforschung.

Akademische Funktionen und Mitgliedschaften Mehring ist in verschiedenen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften und akademischen Gremien tätig. Seit 2024 ist er Präsident der Netherlands American Studies Association (NASA). Darüber hinaus gehört er dem Vorstand der European Association for American Studies (EAAS) an und war Mitglied des International Committee der American Studies Association (ASA).

Gemeinsam mit Tatiani G. Rapatzikou und Stefan L. Brandt gründete er die internationale Open-Access-Fachzeitschrift AmLit – American Literatures. Er initiierte das EAAS Digital Studies Network, das den wissenschaftlichen Austausch zu digitalen Methoden und Perspektiven in den europäischen Amerikastudien fördert. Darüber hinaus engagiert er sich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes. Ferner ist er Regionalleiter der Deutschen Atlantischen Gesellschaft (DAG).

Wissenschaftskommunikation und kuratorische Tätigkeit

Journalismus Mehring verfasst regelmäßig Beiträge zum Thema Film, Kunst und audio-visuelle Medien für Fachzeitschriften und Zeitungen wie Doctor Jazz, Filmbulletin, filmdienst, Geschiedenis, Klever, Rotary Magazin, Rheinische Post und Rheinischer Merkur. Als freier Mitarbeiter produzierte er zahlreiche Features für Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und SFB Radio Kultur. Im Jahr 2025 war Mehring in der ARTE-Dokumentation „Der mystische Rhein von Joseph Beuys“ zu sehen, in der er über das kulturelle und ökologische Vermächtnis des Künstlers sprach. Sein Text zu Heiner Goebbel Komposition Walden erschien in Auszügen in den Liner Notes der CD-Publikation bei ECM (2026). Wirken als Museumsleiter Seit 2021 leitet Mehring ehrenamtlicher das Museum Forum Arenacum in Rindern. Er entwickelte das Museum zu einem Ort grenzüberschreitender Kultur- und Erinnerungsgeschichte, an dem wissenschaftliche Forschung, Ausstellungen und öffentliche Bildungsarbeit miteinander verbunden werden. Einen Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit dem Werk und Leben von Joseph Beuys, der in Rindern aufwuchs. Kennzeichnend für seine Museumsarbeit ist die Verbindung wissenschaftlicher Forschung mit öffentlicher Vermittlung. Zahlreiche Ausstellungen wurden durch Vorträge, Konzerte, digitale Archive, internationale Kooperationen und wissenschaftliche Publikationen ergänzt. Zu den von ihm kuratierten Ausstellungen zählen unter anderem Projekte zur regionalen Kulturgeschichte sowie zur transatlantischen Geschichte, darunter die Ausstellung Der Manhattan-Deal: Peter Minuit vom Niederrhein und 400 Jahre Mythos (2026), die den traditionellen Gründungsmythos New Yorks aus europäischer und indigener Perspektive beleuchtet. Darüber hinaus verfasst Mehring Kinderbücher zu kultur- und regionalhistorischen Themen, darunter Die Käse-Spionin: Maria Reymer und das Geheimnis des Gelben Buches (2025), das die Geschichte der Käsepionierin Maria Reymer für ein junges Publikum aufbereitet.

Publikationen (Auswahl)

Bücher Sight & Sound: Naturbilder in der Englischen und Amerikanischen Romantik. Mit Audio-CD. Tectum-Verlag, Marburg 2001, ISBN 3-8288-8324-9. Sphere Melodies: Die Manifestation Transzendentalistischer Ideen in der Musik von Charles Ives und John Cage. Metzler, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-476-45311-2. Karl/Charles Follen: Deutsch-Amerikanischer Freiheitskämpfer (= Studia Giessensia 12.) Universitätsverlag Ferber, Giessen 2004, ISBN 978-3-932917-55-4. The Democratic Gap: Transcultural Confrontations of German Immigrants and the Promise of American Democracy. Winter, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-8253-6170-9. De Soundtrack van de Bevrijding: Swingen, Zingen en Dansen op Weg naar Vrijheid. Vantilt, Nijmegen, 2015 [mit CD]. mit Gerd Ludwig: BEUYS LAND. Bildband. Lammerhuber, Wien 2024. ISBN 978-3-903101-99-9. mit Hermann Strasser: Die USA im kollektiven Ausnahmezustand. Zwischen Amok und Reality-TV. Springer, Wiesbaden 2026. ISBN 978-3-658-51159-3

Artikel Welcome to the Machine: Representation of Technology in Zeitopern. In: Cambridge Opera Journal. 11/2, 1999, S. 159–178, ’All for the Sake of Freedom:’ Hannah Arendt’s Democratic Dissent, Trauma, and American Citizenship. In: Journal of Transnational American Studies 3 (2) 2011, The Promises of ‘Young Europe’: Cultural Diplomacy, Cosmopolitanism, and Youth Culture in the Films of the Marshall Plan. In: Journal of European American Studies, Band 7 Nr. 2, 2012. mit Erik Redling: Sound and Vision: Intermediality and American Music. In European Journal of American Studies. 12 (4 ), 2017, mit Jorrit van den Berk: Forging the American Century: World War II and the Transformation of US Internationalism. In: International Journal for History, Culture and Modernity. Band 7 Nr. 1, 2019, S. 971–990, Advancing American Art and Intercultural Confrontations in Germany, 1945-1948. In: International Journal for History, Culture and Modernity Band 7 Nr. 1, 2019, mit Elena Furlanetto: Media Agoras: Islamophobia and Inter/Multimediality In: European Journal of American Studies. 15 (3), 2020,

Aufsätze