Die Liste der Bauwerke von Paul Geppert dem Älteren enthält einige Ausführungen zur künstlerischen Ausrichtung des Salzburger Architekten Paul Geppert des Älteren (1875–1965) sowie eine Auflistung aller Gebäude, die nach seinen Plänen errichtet wurden. Ergänzend findet sich eine Liste nicht realisierter Projekte.Die Angaben zum architektonischen Werk entstammen der in der Literatur angegebenen Arbeit von Erich Mantsch 2007. Der Inhalt der beiden Listen entspricht dem dort enthaltenen Katalog S. 256ff.

Die Architektur des Paul Geppert des Älteren Einflüsse und prägende Stilrichtung Der aus Tirol stammende Architekt, Sohn eines Innsbrucker Baumeisters, kam nach einer Ausbildung an der Technischen Universität Wien 1898 nach Salzburg und absolvierte ein Praktikum bei Jakob Ceconi (1857–1922), einem der führenden Architekten des Landes und Betreiber des damals größten Bauunternehmens im gesamten Alpenraum. Ceconi und dessen Vater Valentin hatten bis dahin große Verdienste erlangt für die gründerzeitliche Bebauung in den heutigen Stadtteilen Neustadt und Elisabeth-Vorstadt. In den zehn Jahren vor Gepperts Praktikum in dem Unternehmen waren nahezu zweihundert Gebäude – neben einigen Monumentalbauten hauptsächlich Villen, Einfamilienhäuser sowie größere Wohn- und Zinshäuser – im Stil des ausgehenden Historismus unter Ceconis Plänen und seiner eigenen Ausführung entstanden. Ceconi war Schüler des Heinrich von Ferstel in Wien gewesen und hatte ein Studienjahr in Rom verbracht. Walburga Schobersberger: Baumeister einer Epoche. Das gründerzeitliche Wirken der Baumeister- und Architektenfamilie Ceconi in Stadt und Land Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Jahrgang 125, Salzburg 1985, S. 728 (); zit. in Mantsch, S. 230.

Nach den ersten praktischen Erfahrungen in diesem künstlerischen Umfeld inskribierte Geppert an der Akademie der bildenden Künste Wien und wurde Schüler von Victor Luntz (1840–1903). Luntz, in der Tradition von August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll stehend sowie Nachfolger von Friedrich Schmidt an der Akademie, widmete sich besonders dem Sakralbau. Bei ihm absolvierte Geppert mit einem Kirchenbau-Projekt, für das er einen Schulpreis erhielt. Danach trat Geppert in den Dienst des fürstlich liechtensteinischen Hofarchitekten Gustav Ritter von Neumann (1856–1928), der unter anderem späthistoristische Kirchen und Kapellen schuf. Als sein Hauptwerk gilt die Wiener Canisiuskirche in einer Stilmischung aus Neuromanik und Neugotik. Als das vermutlich früheste Werk Gepperts gilt ein Reliquiar dieser Kirche. Das vermutlich einzige weitere Kleinkunstwerk aus Gepperts Plänen sind Grabmäler, die 1908 für die Kaiserjubiläums-Landesgewerbe-Ausstellung in Salzburg (einer Veranstaltung im Rahmen der monarchieweiten Feierlichkeiten zum 50-jährigen Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs) angefertigt wurden.

Bereits bei seinem ersten Bauauftrag 1903, dem Umbau eines Wohnhauses, wurde ersichtlich, dass Geppert mit dem Historismus seiner Lehrmeister brach. Er war zur Einsicht gelangt, dass die alten Stilformen für die aktuellen baulichen Ansprüche (Wohn- und Siedlungsbau, Geschäftshäuser, Schulen etc.) nicht mehr tauglich waren. Er wandte sich der Heimatbewegung zu und wurde vehementer Vertreter des Heimatschutzgedankens und ein prominenter Vertreter der Heimatschutzarchitektur, die sich als Gegenbewegung zur Moderne verstand. Geppert forderte: Otto Kunz: Von der Romanik zur neuen Sachlichkeit. Ein Stück Baugeschichte an Hand der Werke des Architekten Paul Geppert. In: Bergland, Illustrierte Alpenländische Monatsschrift, XVI, Jg. 1 (1934), S. 21; zit. n. Mantsch 2007, S. 243.

Eigenes Schaffen Paul Geppert ließ sich 1904 in Salzburg als freischaffender Architekt nieder. Sein baukünstlerisches Wirken – neben seiner Arbeit als Architekt übte er auch etliche andere Funktionen aus – erstreckt sich über etwa drei Jahrzehnte. Sein Werk umfasst in erster Linie Wohnbauten unterschiedlicher Art, Geschäfts- und Wohnhäuser und verschiedene Betriebsobjekte sowie unter den öffentlichen Gebäuden vorrangig Schulen. Die Bauwerke befinden sich ausschließlich im Land Salzburg sowie einige aus dem Frühwerk in Tirol.

In seinen ersten Villenbauten bis 1910 verbindet Geppert in harmonischer Weise den Heimatschutzstil – möglicherweise als Kompromiss mit den Wünschen der Auftraggeber – noch mit Elementen des Historismus und des Jugendstils. Kennzeichnend für Gepperts Villen sind eine starke Gliederung des Baukörpers, die harmonische Verteilung von Fenster- und Wandflächen, glatte Fassaden mit wenigen Ornamenten, kleinflächige Sprossenteilung der Fenster, eingebaute Loggien und Veranden, mit Holz verkleidete Giebelfenster sowie steile, oft ineinander geschobene unterschiedlich hohe Walm- oder Satteldächer. Die innere Raumaufteilung ist klar und übersichtlich, die Raumgröße gut proportioniert. Küche und Nebenräume sind möglichst nordseitig gerichtet, Wohn- und Speisezimmer nach Süden. Mantsch 2007, S. 245. Auch bei den größeren und späteren Arbeiter- und Mietwohnhäusern ist Geppert stets bestrebt, für gute Durchlüftung und ausreichende Helligkeit im Inneren zu sorgen.

Später errichtete Wohnhäuser ab der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg (Geppert kam in russische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst Jahre später zurück) sind schlichter, in der Außengestaltung nüchterner, was sich auch bei anderen Bauten Gepperts zeigt. Zum einen war dies der wirtschaftlichen Notlage der Zeit geschuldet, wodurch den Bauherren weniger Mittel zur Verfügung standen. Zum anderen wird in den Bauwerken Gepperts aber auch der Einfluss der Neuen Sachlichkeit sichtbar. Geppert Friedrich Achleitner: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Band I, Residenz Verlag, Salzburg und Wien, 1980, S. 247.

So sehr Geppert anfänglich der Heimatschutzarchitektur, die sich als Gegenbewegung zur Moderne verstand, zugeneigt war, so wenig hat er sich letztlich dieser anderen Richtung verschlossen. Zahlreiche Bauwerke zeigen Einflüsse davon. Sein letztes Werk, ein Wohn- und Geschäftshaus für die Wiener Städtische Versicherung von 1933, ist geprägt von der Moderne und gilt als ein Paradebeispiel dieser Stilrichtung in der Stadt Salzburg.

Liste der Bauwerke Realisierte Objekte Konkret wurden folgende 70 Bauobjekte fertiggestellt: 20 Villen, Einfamilienhäuser und dergleichen 13 Mietwohnhäuser, Arbeiterwohnhäuser und dergleichen 14 Wohn- und Geschäftshäuser und verschiedene Betriebsobjekte 13 Schulgebäude 4 Feuerwehrzeugstätten 2 kleine Kirchen und 1 Kapelle 4 Objekte im Kur- und Gastbetrieb

Legende Die tabellarische Aufstellung ist standardmäßig aufsteigend nach dem Jahr der Fertigstellung geordnet; sie kann nach anderen Spalten sortiert werden. Jahr benennt das Baujahr bzw. das Jahr der Fertigstellung Objekt enthält die Adresse des Gebäudes oder den Hausnamen oder eine andere Bezeichnung Standort enthält den Namen der (heutigen) politischen Gemeinde und den Orts- oder Stadtteil, in der bzw. dem das Gebäude steht Typ bezeichnet den Funktionstyp des Bauwerks; unter „Werkswohnungen“ werden den Angehörigen verschiedener Betriebe und Einrichtungen zur Verfügung gestellte Wohnbauten zusammengefasst Bauherr nennt den Bauherrn (Auftraggeber) Anmerkung enthält allfällige Notizen zum Bauobjekt Bild enthält eine Abbildung des Bauobjekts im aktuellen Zustand; existieren mehrere Abbildungen zu einem Objekt, gibt es zusätzlich einem Link zur Bildersammlung (Alle Angaben, soweit verfügbar.)

Jahr Objekt Standort Typ Bauherr Anmerkung Bild 1903 „Polierhaus“ Jenbach Wohnhaus Hans NeunerGemeindearzt, Jenbach Umbau 1905 Stauffenstraße 8a„Villa Geppert“ Salzburg Elisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Villa) Paul Geppert Ausführung: Valentin Ceconi & Sohn Wohnhaus der Familie Geppert, nur bis ca. 1909 von ihr bewohnt unter Denkmalschutz 130pxVilla Geppert 1905 Jahnstraße 8 / Haunspergstraße 35 Salzburg Elisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Villa) Sylvester Oberberger Grundstücksmakler 1906 Saint-Julien-Straße 15 / Plainstraße 21 SalzburgElisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Wohn- und Geschäftshaus) Hans FinkKantineur, Salzburg Fassadengestaltung restl. Bauplanung und Ausführung: Baumeister J. Messerklinger, Oberndorf 1906 „Villa Swarovski“ Wattens Wohnhaus (Villa) Daniel Swarovski und FamilieUnternehmer, Wattens 1906 Rainerstraße 12 SalzburgNeustadt Wohnhaus (Wohn- und Geschäftshaus) Fritz Niedermayer 1906 Volksschule Puch Puch bei Hallein öffentl. Gebäude (Schulhaus) Gemeinde Puch 1907 Mertensstraße 9 SalzburgElisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Villa) Willibald HeinischHandelsschulprofessor 1907 Rainerstraße 14 SalzburgNeustadt Wohnhaus (Wohn- und Geschäftshaus) Katholischer Universitätsverein 1907 Glasschleiferei Swarovski Wattens Betriebsobjekt D. Swarovski & Comp. 1908 Mirabellplatz 7 und 8Gasthaus „Roter Krebs“ SalzburgNeustadt Wohnhaus (Wohn- und Geschäftshaus) Carl Melms Umbau des ehemaligen Paris-Lodronschen Sekundogeniturpalasts am Mirabellplatz unter Denkmalschutz 130pxParis-Lodronscher Sekundo­genitur­palast 1908 Volksschule Golling Golling an der Salzach öffentl. Gebäude (Schulhaus) Gemeinde Golling 1908 Landwirtschaftsschule Winklhof Oberalm öffentl. Gebäude (Schulhaus) Land Salzburg 1908 Gemeindehaus Adnet Adnet öffentl. Gebäude (Gemeindehaus) Gemeinde Adnet 1909 Purtscheller­gasse 13 SalzburgNeustadt Wohnhaus (Villa) Max Oberberger 1909 Swarovski­straße 4–18 Wattens Wohnhaus (Werkswohnungen) Glasschleiferei Wattens A. Kosmann, D. Swarovski & Comp. 1909 Direktionsgebäude Swarovski Wattens Betriebsobjekt Glasschleiferei Wattens A. Kosmann, D. Swarovski & Comp. 1910 Plainstraße 29„Mortensen-Villa“ SalzburgElisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Villa) Adolf MortensenPrivatier Ausführung: Valentin Ceconi & Sohn 1910 Hofhaymer-Allee 36 SalzburgNonntal Wohnhaus Johann Zinnreichk. k. Postoffizial nicht mehr existent (1922 durch einen Neubau ersetzt) – 1911 Innsbrucker Bundesstraße 44 SalzburgMaxglan Wohnhaus Josef JungSchneidermeister, Maxglan 130pxInnsbrucker Bundes­straße 44 1911 Volksschule Bad Gastein Bad Gastein öffentl. Gebäude (Schulhaus) Gemeinde Bad Gastein Anbau 1911–1929 Bergstraße 12Druckereigebäude SalzburgRechte Altstadt Betriebsobjekt Salzburger Pressverein verschiedene Um- und Neubauten Gebäude später unter der Bezeichnung „Salzburger Druckerei“ weiter verändert 1912 Strubergasse 5 SalzburgLehen Wohnhaus (Villa) Josef Villgratnerk. k. Gymnasialprofessor im Zweiten Weltkrieg zerstört, danach verändert aufgebaut heute Strubergasse 9, türkisches General­konsulat 1912 Mertensstraße 10–16Wohnanlage „Sunhof“ SalzburgElisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Mietshäuser) Pensionsanstalt für Angestellte, Salzburg Ausführung: P. & A. Crozzoli und Valentin Ceconi & Sohn gilt als Vorläufer des sozialen Wohnbaus in Salzburg 1912 Elisabethstraße 1„Elisabeth-Apotheke“ SalzburgElisabeth-Vorstadt Wohnhaus (Wohn- und Geschäftshaus) Emil SchweinbachApotheker, Salzburg erster Bildstock der Geheimnissäulen auf dem Weg nach Maria Plain, eines Rosenkranzwegs aus der Barockzeit, in Fassade integriert 1912/1913 Volksschule Ramingstein Ramingstein öffentl. Gebäude (Schulhaus) Gemeinde Ramingstein unter Denkmalschutz 130px 1912/1913 Filialkirche Oberweißburg Sankt Michael im LungauOrtsteil Oberweißburg Sakralbau (Kirche) unbekannt unter Denkmalschutz 130px 1913 Unken 8Schloss Oberrain Unken Wohnhaus Hermann SchmidtmannUnternehmer, Schmalkalden (D) Umbau, vormaliger Gasthof später mehrmals verändert heute Wohnheim 130pxSchloss Oberrain 1913 PavillonSonnblickstraße Bad GasteinOrtsteil Böckstein Gartenhaus H. Stöcklvermutl. Gastwirt, Böckstein hölzerner Ständerbau mit verglasten Wandflächen und markanter Dachlandschaft für ein Café-Restaurant Bauwerk nicht mehr existent – 1913/1914 Bismarckstraße 22Naturdunstbad Bad Gastein Kur- und Badehaus Gemeinde Bad Gastein Neubau für ein bestehendes Gebäude Ausführung: Comini & Co, Bad Gastein 1992–1994 generalsaniert