Das teleologische Argument (von τέλος, telos; auch teleologischer Gottesbeweis oder Intelligent-Design) ist ein Argument für die Existenz Gottes oder, allgemeiner, dass die komplexe Funktionalität der natürlichen Welt (vgl. der Uhrmacher-Analogie) auf einen intelligenten Schöpfer der Welt hindeutet.

Das Konzept einer Intelligenz hinter der natürlichen Ordnung ist sehr alt und wurde bereits im antiken Griechenland entwickelt. Denker im Judentum, Christentum und im Islam, sowie im Hinduismus und Konfuzianismus entwickelten Versionen des teleologischen Arguments. Später wurden in der westlichen Philosophie und schließlich im christlichen Fundamentalismus Varianten des Argumentes vom Design entwickelt. Heute wird dieses u. a. von Befürwortern der Intelligent-Design-Bewegung vertreten.

Geschichte mini|Platon und Aristoteles, hier in der „Schule von Athen“, entwickelten beide philosophische Argumente, die sich mit der scheinbaren Ordnung des Universums (logos) befassen Die frühesten aufgezeichneten Versionen dieses Arguments werden mit Sokrates im antiken Griechenland in Verbindung gebracht, obwohl er dabei wahrscheinlich ein älteres Argument aufgriff, welches auf Anaxagoras Bezug nahm. Anaxagoras ist der erste, von dem mit Sicherheit bekannt ist, dass er ein solches Konzept mit dem Wort Nous erklärt hat. In seinem Philebos lässt Platon Sokrates wie folgt sprechen: „Alle Philosophen sind sich einig – wobei sie sich wirklich selbst erhöhen –, dass der Geist (nous) König des Himmels und der Erde ist. Vielleicht haben sie Recht.“ und stellt später fest, dass die anschließende Diskussion „die Äußerungen derer bestätigt, die einst erklärten, dass der Geist (nous) immer das Universum regiert“. Platon und Aristoteles entwickelten komplexe Ansätze für die Idee, dass der Kosmos eine intelligente Ursache hat, aber es waren die Stoiker, die unter ihrem Einfluss „die Reihe von kreationistischen Argumenten entwickelten, die allgemein unter der Bezeichnung The Argument from Design bekannt sind“. Eine frühe Version der Uhrmacher-Analogie kommt in Ciceros De natura deorum vor, in dem er einen Charakter sagen lässt: „Wenn Sie eine Sonnenuhr oder eine Wasseruhr sehen, erkennen Sie, dass sie die Zeit nach einem bestimmten Plan und nicht zufällig anzeigt. Wie können Sie sich dann vorstellen, dass das Universum als Ganzes ohne Zweck und Intelligenz ist, wenn es alles umfasst, einschließlich dieser Artefakte selbst und ihrer Erschaffer?“

Ebenfalls bereits im klassischen Griechenland entwickelten sich zwei Ansätze für das teleologische Argument, die sich darin unterscheiden, ob die natürliche Ordnung buchstäblich geschaffen wurde oder nicht. Der nicht-kreationistische Ansatz beginnt am deutlichsten bei Aristoteles, obwohl viele Denker, wie die Neuplatoniker, glaubten, dass dies bereits von Platon beabsichtigt war. Dieser Ansatz ist nicht im einfachen Sinne kreationistisch, denn er stimmt zwar zu, dass eine kosmische Intelligenz für die natürliche Ordnung verantwortlich ist, lehnt aber die Vorstellung ab, dass dies einen „Schöpfer“ erfordert, der diese Ordnung physisch erstellt und aufrechterhält. Die Neuplatoniker fanden das teleologische Argument nicht überzeugend, und in diesem Punkt folgten ihnen mittelalterliche Philosophen wie Al-Farabi und Avicenna. Später hielten Averroes und Thomas von Aquin das Argument für akzeptabel, aber nicht unbedingt für das beste Argument. mini|William Paley etablierte die Uhrmacher-Analogie Die abrahamitischen Religionen haben das teleologische Argument in vielfältiger Weise verwendet. Im Mittelalter verwendeten islamische Theologen wie al-Ghazālī das Argument, obwohl es von koranischen Theologen als unnötig und von vielen islamischen Philosophen als nicht überzeugend abgelehnt wurde. Marcus Minucius Felix, ein frühchristlicher Schriftsteller, argumentierte in einer Schrift für die Existenz Gottes anhand der Analogie eines geordneten Hauses: „Angenommen, du gehst in ein Haus und findest alles sauber, ordentlich und gepflegt, so würdest du sicher annehmen, dass es einen Herrn hat, und zwar einen viel besseren als die guten Dinge, sein Eigentum; wenn du also in diesem Haus des Universums überall am Himmel und auf der Erde die Zeichen der Voraussicht, der Ordnung und des Gesetzes siehst, darfst du dann nicht annehmen, dass der Herr und Urheber des Universums schöner ist als die Sterne selbst oder als irgendein Teil der ganzen Welt?“ Später wurde das teleologische Argument von Thomas von Aquin akzeptiert und als fünfter seiner „Fünf Gottesbeweise“ aufgenommen. Im frühneuzeitlichen England waren Geistliche wie William Turner und John Ray bekannte Befürworter. 1713 veröffentlichte William Derham seine Physico-theology, in der er versuchte, das Wesen und die Eigenschaften Gottes anhand seiner Schöpfungswerke nachzuweisen. Später veröffentlichte der englische Theologe William Paley in seiner 1802 erschienenen Natural Theology eine bedeutende Darstellung des Design-Arguments mit seiner Version der Uhrmacher-Analogie und der ersten Verwendung des Ausdrucks „Argument aus dem Design“.

Seit seinen Anfängen gab es zahlreiche Kritiken an den verschiedenen Versionen des teleologischen Arguments und seine Antworten wurden durch die nichtteleologische moderne Naturwissenschaft herausgefordert. Besonders wichtig waren die Argumente von David Hume in seinen 1779 veröffentlichten Dialoge über natürliche Religion und die Erklärung der biologischen Komplexität in Charles Darwins Über die Entstehung der Arten von 1859. Seit den 1960er Jahren waren Paleys Argumente einflussreich für die Entwicklung einer schöpfungswissenschaftlichen Bewegung, die Ausdrücke wie „Design by an intelligent designer“ verwendete, und nach 1987 wurde dies in „intelligent design“ umbenannt, gefördert von der Intelligent-Design-Bewegung. Beide Bewegungen haben das teleologische Argument benutzt, um gegen das moderne wissenschaftliche Verständnis der Evolution zu argumentieren und zu fordern, dass übernatürliche Erklärungen der Welt in den Lehrplänen der US-amerikanischen öffentlichen Schulen gleichberechtigt behandelt werden sollten.

Befürwortende Positionen Eine Übersicht für in der Moderne gemachten Begründungen und befürwortende Positionen des Arguments.

Wahrscheinlichkeitsbezogene Argumente In den Jahren 1928 und 1930 veröffentlichte F. R. Tennant seine Philosophical Theology, ein Versuch, wissenschaftliches und theologisches Denken zu verbinden. Er schlug dafür eine Version des teleologischen Arguments vor, die auf der Akkumulation der Wahrscheinlichkeiten jeder einzelnen biologischen Anpassung beruht. „Tennant räumt ein, dass naturalistische Erklärungen wie die Evolutionstheorie jede der von ihm angeführten individuellen Anpassungen erklären können, aber er besteht darauf, dass in diesem Fall das Ganze die Summe seiner Teile übersteigt: Der Naturalismus kann jede einzelne Anpassung erklären, aber nicht deren Gesamtheit.“ Richard Swinburne berief sich in seiner Arbeit auf Argumente Tennants, versuchte diese allerdings methodologisch zu verfeinern. Er verwendet die Bayessche Statistik und sieht das Argument für die Existenz Gottes grade in Kombination mit Kausalitätsargumenten und persönlichen mystischen Erfahrungen als valide an. Swinburne schreibt:

Der US-amerikanische Philosoph Alvin Plantinga bietet in seinem Buch God and Other Minds eine Wahrscheinlichkeitsversion des teleologischen Arguments an:

Im Anschluss an Plantinga hat Georges Dicker eine leicht abweichende Version vorgelegt:

Feinabstimmung der Naturkonstanten

Die Feinabstimmung der Naturkonstanten bezieht sich auf die überraschende Präzision der physikalischen Konstanten der Natur und des Anfangszustands des Universums. Um den gegenwärtigen Zustand des Universums zu erklären, setzen die bisherigen wissenschaftlichen Theorien voraus, dass die physikalischen Konstanten der Natur und der Anfangszustand des Universums äußerst präzise Werte haben. Das ist statistisch unwahrscheinlich und bisher nicht einfach zu erklären. Für die Feinabstimmung der Naturkonstanten wird deshalb unter anderem eine teleologischen Erklärung herangezogen.

Unwahrscheinliche Effektivität der Mathematik William Lane Craig hat ein Argument vorgeschlagen, das von der Philosophie der Mathematik beeinflusst ist. Dieses Argument bezieht sich auf die Tatsache, dass wir durch die Verwendung mathematischer Konzepte viel über die natürliche Welt herausfinden können. So schreibt Craig, „Peter Higgs und jeder andere Wissenschaftler könne sich an seinen Schreibtisch setzen und mit Hilfe mathematischer Gleichungen die Existenz eines fundamentalen Teilchens vorhersagen, das die Experimentatoren dreißig Jahre später, nachdem sie Millionen von Dollar und Tausende von Arbeitsstunden investiert haben, endlich nachweisen können“. Er bezeichnet die Mathematik als die „Sprache der Natur“ und widerlegt zwei mögliche Erklärungen dafür. Erstens wirft die Vorstellung, dass es sich um abstrakte Gebilde handelt, die Frage nach ihrer Anwendbarkeit auf. Zweitens antwortet er auf die Frage, ob es sich lediglich um nützliche Fiktionen handelt, indem er vorschlägt, die Frage zu stellen, warum diese Fiktionen so nützlich sind. Unter Berufung auf Eugene Wigner, der sein Denken beeinflusst hat, fasst er sein Argument wie folgt zusammen:

Intelligent Design

Die Anhänger des Intelligent Design behaupten, dass sich bestimmte Eigenschaften des Universums und des Lebens auf der Erde nur durch einen intelligenten Urheber erklären lassen und nicht durch einen Vorgang ohne solche Leitung, wie die natürliche Selektion. Befürworter halten das Universum nicht nur für durch eine höhere Intelligenz geschaffen, sondern suchen nach einer wissenschaftlichen Bestätigung wiederholter wundersamer Eingriffe in die Geschichte des Lebens und argumentieren, dass ihre theistische Wissenschaft in naturwissenschaftlichen Klassenzimmern gelehrt werden sollte. Der Reduktionismus und Materialismus der modernen Naturwissenschaften wurde von einigen Anhängern des Intelligent Design als eigene quasi religiöse Überzeugungen verunglimpft. Konzepte, die für Intelligent Design von zentraler Bedeutung sind, sind die nichtreduzierbare Komplexität (eine Variante der Uhrmacher-Analogie) und die spezifizierte Komplexität (welche dem Feinabstimmungsargument sehr ähnlich ist). Viele Wissenschaftler widersprachen der Behauptung, dass intelligentes Design wissenschaftlich sei, und seine Einführung in den naturwissenschaftlichen Lehrplan eines Schulbezirks in Pennsylvania führte 2005 zum Prozess Kitzmiller gegen Dover Area School District, in dem vom Gericht entschieden wurde, dass die Argumente für „intelligentes Design“ im Wesentlichen religiöser Natur und nicht Teil der Wissenschaft seien.

Die Welt als interagierendes Ganzes