Schatten der Nacht ist der Titel eines deutschen Abenteuer- und Kriminal-Stummfilms, den Harry Piel 1912 nach einem Drehbuch von William Kahn und mit Ludwig Trautmann als smartem Detektiv Kelly Brown für die Berliner Continental Kunstfilm GmbH realisiert hat. Er wurde auch unter dem Alternativtitel „Nachtschatten“ verliehen.

Handlung Der Film zeigt eine Verbrecherjagd. Mit einem Parseval-Luftschiff wird ein Schiff überholt.Angabe aus

In „Schatten der Nacht“ rast der Held, der Detektiv Kelly Brown, „mit einem Auto über die Landstraße, steigt von diesem in einen fahrenden Zug, vom fahrenden Zug in ein darüber fliegendes Flugzeug, von diesem hoch in den Lüften in die Gondel eines Zeppelins, und mitten über dem Ozean springt Brown schließlich auf einen Dampfer.“Bleckman, Harry Piel S. 34 f.

Produktionsnotizen Die Produktion der von Walter Schmidthässler und Max Rittberger 1912 gegründeten 'Continental Kunstfilm GmbH Berlin' wurde von Willy Hameister fotografiert. Die Dreharbeiten dauerten über den Dezember 1912. Innenaufnahmen wurden in den Continental-Ateliers in Berlin, Chausseestr. 123 gedreht, Außendrehs gab es an der Nordsee sowie am Kalksee und in den Kalkbergen bei Rüdersdorf bei Berlin.

Der Film lag im Januar 1913 in einer Länge von 3 Akten (923 m) der Zensurbehörde vor. Am 14. Februar 1913 wurde er in Berlin im Tauentzien-Palast uraufgeführt. Die Verleihfassung hatte 4 Akte, war 1008 m lang und spielte, mit 18 BpS vorgeführt, 49 Minuten. Die Reichsfilmzensur Berlin erließ über den Film unter der Nr. B 03407 am 28. Juni 1921 ein Jugendverbot.

Der Film wird erwähnt in Kinematograph No. 316, 1913 Kinematograph No. 317, 1913 Lichtbildbühne No. 3, 1913 Lichtbildbühne No. 4, 1913 Lichtbildbühne No. 6, 1913 VUP, 14. Februar 1913

und ist registriert bei Lamprecht Vol. 12 No. 384

Rezeption Neben der Faszination, welche von den neu entwickelten Kommunikationsmöglichkeiten (Telefon, ‘Funkenruf’veraltet für Funkspruch, drahtlose Nachricht. Noch 1920 verwendet in Filmtiteln wie "Der Funkenruf der Riobamba".) ausging, war es die der durch Technik erweiterten Mobilität, die im Kino als Schauwert eingesetzt werden konnte, indem man ausgiebig Bahn- und Autofahrten, Schiffs- und Luftreisen mit Aeroplan und 'Zeppelin'Letztere Bezeichnung wurde im Volksmund bald generisch für alle Arten damaliger Luftschiffe, ungeachtet ihrer Konstruktion, verwendet. Noch heute sprechen die Leute auch bei einem Blimp, einem Prall-Luftschiff, wie es gelegentlich noch zu Reklamezwecken brummend über den Städten kreist, von einem "Zeppelin" ! in die Handlung einbaute. Das geschah vornehmlich in Abenteuer- und Kriminalfilmen, in denen sensationelle Verfolgungen handlungskonstitutiv waren.

„Piel nahm den Begriff ‘Movie’ wörtlich; bei ihm stand Bewegung als dramaturgisches Prinzip im Vordergrund, so daß es bei ihm zu einer Symbiose von Filmtechnik und Filminhalt kam. Ein besonderes Element bildeten dabei die bis ins Absurde übersteigerten Verfolgungsjagden zu Lande, zu Wasser und in der Luft.“Weisz, S. 156.

Parzeval-Luftschiffe kamen vor 1914 öfters im Film vor. So spielte das auf den Namen „Charlotte“ getauft Parzeval-Luftschiff PL 12gebaut für die „Rheinisch-Westfälische Flug- und Sportplatz-Gesellschaft mbH Wanne-Herten“, dort für Rundfahrten genutzt, erste Fahrt: 11. Mai 1912. PL 12 wurde bis 1914 als Passagier- und Werbeluftschiff eingesetzt. Es war 82 m lang, hatte 14 m Durchmesser und als Antrieb 2 NAG-Motoren mit je 81 kW (110 PS). Sein Gas-Volumen betrug 8.000 m³, seine Höchstgeschwindigkeit 48 km/h. in dem Spionagefilm „S 1“ von Urban Gad eine Rolle, in welchem Asta Nielsen zu sehen war.

Das Berliner Zeughauskino im Historischen Museum zeigte in seinem 'S wie Sonderprogramm' „Chance Kurzfilm“ am Dienstag, 27. Oktober 2015 um 20.00-00.00 Uhr ein viragiertes Fragment aus dem Film.anlässlich des UNESCO-Welttages des audiovisuellen Erbes, vgl. dhm.de: "In dem viragierten Fragment 'Schatten der Nacht' (1912) zeigt Harry Piel sensationelle Verfolgungsjagden mit Auto und U-Bahn quer durch Berlin."

Die im Archiv der Deutschen Kinemathek / Museum für Film und Fernsehen bewahrte 35 mm Positivkopie hat eine Länge von 264 m.Archivsignatur: SDK02237-V, vgl. filmportal.de, spielt mit 16 BpS vorgeführt ca. 14 min.

Anmerkungen

Literatur Herbert Birett: Verzeichnis in Deutschland gelaufener Filme. Entscheidungen d. Filmzensur Berlin, Hamburg, München, Stuttgart 1911–1920. Saur Verlag, München 1980, ISBN 3-598-10067-1. Matias Bleckman: Harry Piel: ein Kino-Mythos und seine Zeit. Filminstitut der Landeshauptstadt Düsseldorf, 1993, ISBN 3-929098-01-6, S. 35, 38 u. 443. Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme. Bde. 1–8 und Gesamtregister: Deutsche Stummfilme aus den Jahren 1903 bis 1931. Deutsche Kinemathek, Berlin 1970, . Michael Hanisch: Auf den Spuren der Filmgeschichte: Berliner Schauplätze. Verlag Henschel, 1991, ISBN 3-362-00263-3, S. 146. Sebastian Hesse: Kamera-Auge und Spürnase: der Detektiv im frühen deutschen Kino. Verlag Stroemfeld, 2003, ISBN 3-87877-765-5, S. 260f. Antonia Weisz: Großstadtdrama. Die SAG [Soziale Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost] und das Kino. In: Rolf Lindner (Hrsg.): “Wer in den Osten geht. geht in ein anderes Land”. Die Settlementbewegung in Berlin zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik. Verlag Walter de Gruyter, 2018, ISBN 978-3-05-007341-5, S. 156 u. Anm. 8.

Weblinks

Abbildungen Filmplakat zu dem 'Kriminal-Abenteuer' im Tauentzien-Palast Berlin. Standbilder (Filmkader, viragiert) aus „Schatten der Nacht“ (Filmmuseum Düsseldorf, Objektnummer FM.B 03440)

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1913 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Kriminalfilm