Die Wirtschaft Kirgisistans basiert auf verschiedenen Sektoren. Die Landwirtschaft war lange der dominante Wirtschaftszweig, inzwischen wurde sie teilweise von dem Dienstleistungssektor abgelöst. Nach dem Zusammenbruch der planwirtschaftlichen Sowjetunion und der Unabhängigkeit hatte das Land in den 1990er Jahren mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, konnte sich aber zu großen Teilen wieder davon erholen. Dennoch ist Kirgisistan ein armes Land: etwa 25 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.

Kirgisistan hat einen großen inoffiziellen Wirtschaftssektor. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 60 % des Bruttoinlandsprodukts dort erwirtschaftet werden und damit nicht in die offiziellen Zahlen aufgenommen werden. Etwa 25 % des BIP werden von im Ausland arbeitenden Kirgisen nach Hause geschickt.

Kirgisistan ist Mitglied der Welthandelsorganisation, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit, und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit.

Kennzahlen und Statistiken mini|Entwicklung des BIP (Kaufkraftparität) Kirgisistans im Vergleich zu anderen Staaten. Kirgisistan ist grün markiert. Das BIP lag im Jahr 2021 bei 8,5 Milliarden US-Dollar. Schätzungen für 2023 gehen von 12,4 Milliarden Dollar aus. Vermutlich ein Viertel des BIP werden von im Ausland arbeitenden Kirgisen nach Hause geschickt. Entwicklung Quelle:, in US-Dollar (Kaufkraftparität) Jahr1992199520002005200620072008200920102011201220132014201520162017BIP(Kaufkraftparität)8,07 Mrd.6,20 Mrd.8,12 Mrd.10,98 Mrd.11,67 Mrd.13,00 Mrd.14,26 Mrd.14,78 Mrd.14,89 Mrd.16,10 Mrd.16,39 Mrd.18,47 Mrd.19,56 Mrd.20,54 Mrd.21,60 Mrd.22,97 Mrd.BIP pro Kopf(Kaufkraftparität)1.8221.2371.6492.1152.2232.4582.6662.7282.7192.9012.8943.1983.3183.4113.5173.667BIP Wachstum(real)…−5,4 %5,4 %2,6 %3,1 %8,5 %7,6 %2,9 %−0,5 %6,0 %−0,1 %10,9 %4,0 %3,9 %3,8 %4,5 %Inflation(in Prozent)…42,1 %19,7 %4,3 %5,6 %10,2 %24,5 %6,8 %8,0 %16,6 %2,8 %6,6 %7,5 %6,5 %0,4 %3,2 %Staatsverschuldung(in Prozent des BIP)……122 %86 %73 %57 %48 %58 %60 %49 %49 %46 %52 %65 %58 %59 %

Primärer Sektor Landwirtschaft Die Landwirtschaft trägt zwar 15 % zum Bruttoinlandsprodukt Kirgisistans bei, was seit einiger Zeit erstmals unter dem Anteil der Dienstleistungen liegt, aber sie beschäftigt immer noch etwa 30 bis 40 % der arbeitenden Bevölkerung.https://climateknowledgeportal.worldbank.org/sites/default/files/2019-06/CSA%20_Profile_The%20Kyrgyz%20Republic.pdf

Die Geographie ist für die Landwirtschaft unvorteilhaft, Anbau ist fast nur im nördlich gelegenen Oblus Tschüi und im Ferghanatal möglich. Dort herrschen oft selbstversorgende Familienbetriebe vor, größere Betriebe sind nur selten anzutreffen. Bei den größeren Betrieben werden hauptsächlich Äpfel, Aprikosen, Kirschen, Bohnen, Baumwolle, Tabak, Mais und Walnüsse angebaut. Das meiste Obst und Gemüse wird lokal konsumiert, dennoch exportierte Kirgisistan im Jahr 2020 landwirtschaftliche Produkte im Wert von 155 Millionen US-Dollar. Die Landwirtschaft ist ineffizient organisiert, viele Betriebe arbeiten aufgrund fehlender Management-Fähigkeiten weit unter ihrer Kapazität. Ausländer dürfen keine landwirtschaftliche Anbaufläche besitzen. Problematisch für die Landwirtschaft sind zudem das unbeständige Wetter, zahlreiche Naturkatastrophen und die Knappheit von Düngemitteln, Maschinen und Treibstoff.

Aufgrund des Mangels an Anbaufläche – nur etwa 6,8 Prozent sind urbar – ist die Nutztierhaltung der wichtigere Teil der Landwirtschaft. In der traditionellen nomadischen Lebensweise der Kirgisen ließ sich kaum Pflanzliches mitnehmen, die Menschen waren auf tierische Produkte angewiesen. Deshalb werden in der Kirgisischen Küche die meisten Gerichte mit tierischen Produkten zubereitet. Fleisch machte 2019 durchschnittlich etwa 29,1 % der gesamten Ernährung aus. Kirgisistan produzierte im Jahr 2019 etwa 1,6 Millionen Liter Milch, Tendenz steigend. Allerdings werden nur 2,5 % industriell weiterverarbeitet, die restlichen 97,5 % werden in privaten Haushalten oder Familienbetrieben verarbeitet. Etwa 1,6 Millionen Rinder werden in Kirgisistan gehalten – ihre Produktivität ist aber im Vergleich zu europäischen „Industriekühen“ (bis zu 28 Liter am Tag) mit 2–4 Litern pro Tag sehr klein. Kirgisistan exportierte 2019 etwa 2.800 Tonnen Milch. Der Milchkonsum in Kirgisistan ist relativ gering.Artikel zur Milchproduktiob in Kirgisistan auf milknews.ru (russisch, abgerufen am 13. Juni 2023) Dennoch werden große Teile der Milch importiert. Die fleischverarbeitende Industrie ist ebenfalls nur schwach entwickelt – Kirgisistan importiert 3 mal mehr Fleisch als es exportiert. Im Land werden auf 9.500 km² Fläche 1,8 Millionen Tiere gehalten.cabar.asia: Kyrgyzstan Not Exploiting its Potential in Meat Industry, verfügbar auf Englisch und auf Russisch, abgerufen am 13. Juni 2023 Die gesamte Produktion an Fleisch beläuft sich 2022 auf 155.000 Tonnen, der Markt für das Fleisch war 2020 ungefähr 628 Millionen Dollar wert.https://www.wm-strategy.com/news/kyrgyzstan-meat-market-size Das Vieh wird zumeist nicht auf festen Feldern oder Ställen gehalten, sondern von Cowboys zwischen Bergwiesen getrieben. Hühnerfleisch und -eier stammen meistens aus dem Ausland.

Fischerei Kirgisistan hat keine große Fischereiindustrie. Die Produktion lag 1988 bei 950 Tonnen, bis zum Jahr 2000 sank die Produktion auf 131. Die Fischerei in größerem Maßstab gibt es nur am Yssyk-Köl-See seit etwa 1890. Bis zu den 1920er-Jahren war die Fischerei dort hauptsächlich auf Leuciscus bergi fokussiert, etwa 90 % des gesamten gefangenen Fischs war Leuciscus bergi. In den 1930er-Jahren wurden jedoch auch andere Fischarten in den See eingesetzt. Heute bedrohen diese invasiven Arten und exzessive Fischerei das Ökosystem.

Im kirgisischen Flachland wurden Fische hauptsächlich in kleineren Seen gefangen. Als diese jedoch zunehmend mit Pestiziden verschmutzt wurden, verlagerte sich die Fischerei an das Taschtaklul-Reservoir. Dort wurden auch Aquakulturen aufgebaut. In den Bergregionen werden nur wenige Fische gefangen. Dort ist besonders am Song-Köl-See die illegale Fischerei ein Problem. Nach der Unabhängigkeit gingen viele Fischereikulturen bankrott, einige konnten sich jedoch an den neuen Markt anpassen.

Forstwirtschaft 8,3 % des Landes sind von Wäldern bedeckt, die fast alle dem Staat gehören.https://unece.org/DAM/timber/publications/2020/Kyrgyzstan_DP82_1922472_E_WEB.pdf Für die wirtschaftliche Nutzung muss eine Pacht an den Staat gezahlt werden. Illegale Abholzung von Wäldern ist vor allem im Gebiet des Yssyk-Köl verbreitet, dennoch ist die Waldfläche gewachsen. Über 90 % des Holzes wird importiert, meist aus Russland. Das meistproduzierte Waldprodukt sind jedoch nicht Holz, sondern Walnüsse.

Sekundärer Sektor Industrie Die Industrie trägt 31,2 Prozent zum BIP bei. Während der Zugehörigkeit zur Sowjetunion entstand fast die gesamte kirgisische Industrie, vorher war sie noch kaum vorhanden. Nach der Unabhängigkeit ging die industrielle Produktion allerdings wieder sehr stark zurück. Dies ist auf den Schwund des sowjetischen Absatzmarktes sowie die mangelnde Versorgung mit Rohstoffen, die früher aus anderen Sowjetrepubliken importiert wurden, zurückzuführen. Diese Probleme haben sich inzwischen teilweise verbessert, aber sind immer noch präsent.

Wichtigster Industriezweig ist die Gewinnung von Bodenschätzen, die von der staatlichen Gesellschaft Kyrgysaltyn überwacht wird. Des Weiteren sind die Herstellung von Zement und die Kleidungs- und Textilproduktion von Bedeutung.

Die Textilindustrie exportierte im Jahr 2016 Produkte im Wert von 91 Millionen US-Dollar, im Jahr 2012 waren es noch 156 Millionen. Im Jahr 2006 hatte die Textilindustrie 129.000 Angestellte, diese Zahl ist aber auch zurückgegangen: 2016 waren es nur noch 29.000. Die Leder- und Fellindustrie wuchsen dagegen im selben Zeitraum.https://scholar.google.de/scholar_url?url=https://pure.iiasa.ac.at/id/eprint/15500/1/WP-18-014.pdf&hl=de&sa=X&ei=Fm2IZMCfD_-By9YP-8awiAQ&scisig=AGlGAw-dCU2s6FO0VU0Uijm7CMH-&oi=scholarr Glas ist eines der wichtigsten Exportgüter, es wird vornehmlich vom Unternehmen Interglass in Tokmok, das zu dem deutschen Unternehmen Heinrich Glaeser gehört, produziert. Die Gesamtkapazität liegt bei etwa 33,5 Millionen Quadratmetern Flachglas. Ziegel und Zement werden in allen Regionen Kirgisistans hergestellt. Das liegt teilweise daran, dass die dafür nötigen Rohstoffe reichlich vorhanden sind. In den 1990ern wurden Ziegelsteine und Zement in verschiedene Länder exportiert, allerdings ist heute der Bedarf und damit auch die Produktion gering. Aktuell gibt es landesweit zwei Zuckerfabriken. Die Produktion wuchs konstant von 16.992 Tonnen im Jahr 2011 auf 67.721 Tonnen im Jahr 2016.

Bodenschätze Zwar ist Kirgisistan im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten rohstoffärmer, aber ihre Förderung spielt dennoch eine wichtige Rolle. Kirgisistans Reserven an Kohle, Erdöl und Erdgas sind vergleichsweise klein, aber dafür ist das Land reich an Mineralien. Die Kumtor-Mine trägt einen beträchtlichen Anteil des BIP bei.

Kirgisistan besitzt Uranvorkommen; eine Anlage zur Herstellung von angereichertem Uran ist in Planung. Diese soll von einem russisch-kasachisch-kirgisischen Joint Venture erstellt und betrieben werden; die Gelder kommen zum Großteil aus Russland. Zwischen 1946 und 1967 wurden im Ferganatal 10.000 Tonnen Uran gefördert. Ein erhebliches Problem, das dringend gelöst werden muss, sind die vielen ungesicherten nuklearen Abfalllager aus sowjetischer Zeit; die Weltbank hat 2004 mit einem ersten Projekt diese Problematik in Angriff genommen. Im Jahr 1958 gelangte nach einem Dammbruch 800.000 Tonnen radioaktives Material in den Mailuu-Suu, noch heute ist das Wasser verstrahlt. Der Anteil der Geburtsanomalien lag noch in den 1990er-Jahren bei 5 %. Die gleichnamige Stadt Mailuu-Suu gilt als einer der am stärksten verstrahlten Orte der Erde.

Kirgisistan verfügt mit 21.500 Tonnen über die weltweit drittgrößten Reserven an Quecksilber und ist der weltweit zweitgrößte Produzent. Seit 1940 wurden ungefähr 40.000 Tonnen gefördert. Nach der Unabhängigkeit ging die Produktion stark zurück, steigt aber inzwischen wieder. Eine der größten Minen befindet sich in Aidarken.

Die entdeckten Lagerstätten an Kohle sind mit 1,3 Milliarden Tonnen im internationalen Vergleich die fünfzehntgrößten, aber sie werden kaum abgebaut. Allerdings wurden im Süden einige Kohleminen errichtet, z. B. in Kysyl-Kyja. Insgesamt gibt es 70 Kohleminen im Land, und die Regierung plant, den Kohleabbau zu vergrößern und neue Lagerstätten zu erschließen. Probleme sind hierbei der Umweltschutz und Schwierigkeiten beim Fördern: Die Kohle liegt meist schwer erreichbar. Die Öl- und Gasreserven sind mit 5 Millionen Tonnen bzw. 6 Millionen Kubikmetern vernachlässigbar, und von den angezapften Ölreserven sind nur noch 70 %, bei den neueren Ölquellen 30 % übrig.

Außerdem werden Antimon, Kupfer, Eisen und Zink abgebaut.

Der Goldabbau spielt eine signifikante Rolle in der Wirtschaft, wird aber hauptsächlich von ausländischen Unternehmen kontrolliert und von der Kumtor-Mine dominiert. 2013 gab es folgende größere Goldvorkommen, die abgebaut werden: Das Kumtor-Vorkommen: Wird seit 1996 abgebaut. Es gibt 109 Millionen Tonnen Golderz, davon 396 Tonnen Gold. 78 Millionen Tonnen Erz mit 304 Tonnen Gold wurden bereits gefördert. Makmal-Vorkommen: 1 Million Tonnen Erz mit 7,6 Tonnen Gold. Wird seit 1986 abgebaut. Südliches Gebiet des Terek-Vorkommens: Wird abgebaut. Verbleibend sind 102.000 Tonnen Erz mit 604 Kilogramm Gold. Ischtamberdy-Vorkommen: 2485 Tonnen Golderz mit 19 Tonnen Gold verbleibend Altyntor-Gebiet des Solton-Sary-Vorkommens: Verbleibend sind 2.306 Kilogramm Gold auf 639.000 Tonnen Erz. Jamgyr-Vorkommen: Verbleibend sind 32.000 Tonnen Erz mit 613,4 kg Gold.