Gusch Etzion () (Etzion-Block) ist eine Gruppe israelischer Siedlungen im Westjordanland und eine Regionalverwaltung in Judäa und Samaria. Die Gebiete von Siedlungsblock und Regionalverwaltung sind nicht völlig identisch. Gusch Etzion liegt auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Hebron.
Geschichte Erste Versuche, Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Gusch Etzion zu errichten, scheiterten 1917–1919 und 1935–1936. Die Siedlungen wurden während arabischer Krawalle angegriffen und mussten evakuiert werden. Ab 1943 entstanden erneut vier religiöse und säkulare Kibbuzim (Kfar Etzion, Maasuot Jitzchak, Ein Tzurim und Rewadim), die zusammen etwa 450 Männer, Frauen und Kinder zählten.Gush Etzion, Land der neun Leben
Die vier Siedlungen, die auch unter dem gemeinsamen Namen Etzion-Block bekannt waren, sahen sich bald nach der Verabschiedung des UN-Teilungsplans für Palästina heftigen arabischen Angriffen ausgesetzt, da sie als Enklave in dem Teil Palästinas lagen, der einem künftigen arabischen Staat vorbehalten war. Bereits am 10. Dezember 1947 war ein Konvoi aus Bethlehem auf dem Weg zum Etzion-Block überfallen worden. Dabei wurden 10 Menschen getötet. Am 5. Januar 1948 wurden dann Kinder und Frauen mit britischer Unterstützung evakuiert, und Mitte Januar kam es zu einer ersten großen militärischen Auseinandersetzung: Dieser Sieg hatte allerdings keine langfristige Bedeutung und wurde bereits am nächsten Tag durch weitere Opfer getrübt: „Eine Hilfsgruppe aus Jerusalem, fast ganz aus Studenten bestehend, […] wollte auf Umwegen Ezion erreichen, wurde aber verraten, angegriffen und bis auf den letzten Mann niedergemetzelt.“Leopold Marx: Mein Sohn Erich Jehoshua, S. 313, und ausführlicher:
Im Mai 1948 kam es zur letzten militärischen Auseinandersetzung um den Etzion-Block und dabei bei Kfar Etzion zu einem Massaker durch arabische KräfteBenny Morris: 1948: A History of the First Arab-Israeli War. Yale University Press 2008, Seite 405: Am 13. Mai 1948 ergaben sich nach halbjähriger Belagerung und weiteren erbitterten Gefechten die letzten Verteidiger von Kfar Etzion. Über 100 Kämpferinnen und Kämpfer wurden nach ihrer Gefangennahme von Soldaten der Arabischen Legion und Angehörigen lokaler Milizen ermordet, drei wurden von arabischen Offizieren gerettet, ein weiterer konnte nach Maasuot Jitzchak fliehen.Benny Morris: 1948: A History of the First Arab-Israeli War. Yale University Press 2008, Seite 170 Die anderen Siedlungen ergaben sich am nächsten Tag. Die Einwohner wurden gefangen genommen und die Häuser geplündert und verbrannt.
1949 würdigte David Ben-Gurion die jüdischen Kämpfer der Schlacht um den Etzion-Block, die vor allem dem Schutz von Jerusalem diente, mit den Worten:
Dieses Ereignis teilt die Geschichte in zwei Zeiträume.
Nach dem Sechstagekrieg von 1967 wurde das Gebiet durch Israelis neu besiedelt. Die erste Siedlung, das neu erbaute Kfar Etzion, entstand bereits im September 1967. Viele der Rückkehrer in die Siedlung Kfar Etzion waren Kinder von Bewohnern der ursprünglichen Siedlungen.
In dem vom israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert 2006 vorgestellten Konvergenz-Plan gehört der Siedlungsblock Gusch Etzion zu einer der drei großen Siedlungsareale jenseits der Grünen Linie im Westjordanland, die Israel für sich beansprucht. Auch Donald Trumps Friedensplan (2020) sah im Falle eines Friedensvertrags mit den Palästinensern die Angliederung Gusch Etzions an Israel vor. Beide Vorschläge wurden von der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmud Abbas abgelehnt und werden seitdem nicht weiter diskutiert.
Siedlungsblock mini|Allon Schewut im Jahr 2009 mini|Bat Ajin im Jahr 2006 mini|Beitar Illit im Jahr 1998
Der Siedlungsblock Gusch Etzion umfasst folgende Siedlungen:
NameHebräischGründungEinwohner (2008)Einwohner (2014)TypAllon Schewut 19703.4003.141GemeinschaftssiedlungBat Ajin 19899001.196GemeinschaftssiedlungBeitar Illit 198538.80046.874StadtverwaltungEfrata 19838.3008.131GemeindeverwaltungElazar 19751.7062.535 GemeinschaftssiedlungGva’ot 198475? GemeinschaftssiedlungHar Gilo 19685701.438 Gemeinschaftssiedlung Karmei Tzur 19847001.011 Gemeinschaftssiedlung Kfar Etzion 19678201.060Kibbuz Migdal Oz 1977440447KibbuzNeve Daniel 19821.8832.174 Gemeinschaftssiedlung Rosch Tzurim 1969560910Kibbuz
Regionalverwaltung mini|Kfar Eldad mini|Neve Daniel mini|Nokdim mini|Tekoa Die Regionalverwaltung Gusch Etzion (, Mo'atza Azorit Gush Etzion) ist für alle Siedlungen des Siedlungsblocks, mit Ausnahme der eigenständigen kommunalen Verwaltungen Beitar Illit und Efrata zuständig. Darüber hinaus gehören ihr weitere Siedlungen in dem Judäischen Bergland an: Ibei Hanachal, Kedar, Kfar Eldad, Maale Amos, Maale Rehav'am, Metzad, Nokdim, Pnei Kedem und Tekoa.
Geschichte
1980 wurde die Regionalverwaltung gegründet.
Gliederung
Die Regionalverwaltung ist zuständig für: 3 Kibbuzim: → Liste der Kibbuzim 13 Gemeinschaftssiedlungen: → Tabelle der Gemeinschaftssiedlungen 8 Außenposten: → Tabelle der israelischen Siedlungen
Einwohner Die Einwohnerzahl beträgt 25.802 (Stand: Januar 2022).
Das israelische Zentralbüro für Statistik gibt bei den Volkszählungen vom 4. Juni 1983, 4. November 1995 und vom 28. Dezember 2008 für die Regionalverwaltung folgende Einwohnerzahlen an:Israelisches Zentralbüro für Statistik Name Gründung 1983 1995 2008 Bemerkung Allon Schewut 1970 1.200 1.870 3.298 Bat Ajin 1989 – 365 950 Elazar 1975 133 417 1.706 Efrata 1980 207 – – Gva’ot 1984 – – – Zu Allon Schewut Har Gilo 1968 201 380 479 Ibei HaNachal 1999 – – – Außenposten, zu Maale Amos Karmei Tzur 1984 – 294 757 Kedar 1984 – 220 852 Kfar Eldad 1994 – – – Zu Nokdim Kfar Etzion 1967 415 556 476 Maale Amos 1981 209 352 348 Maale Rechavam 2007 - – – Außenposten zu Kfar Eldad Metzad/Asfar 1983 – 292 253 Migdal Oz 1977 208 269 347 Neve Daniel 1982 69 655 1.883 Nokdim 1982 34 348 886 Pnei Kedem 2000 --- Außenposten zu Metzad Rosch Tzurim 1969 235 269 550 Sde Boaz 2002 – – – Außenposten zu Neve Daniel Tekoa 1977 188 813 1.635 Tzur Schalem 2001 – – – Außenposten zu Karmei Tzur Gesamt 3.099 7.100 14.420
Bürgermeister Sheila Gal Shaul Goldstein (bis Dezember 2011) Davidi Perl (2012–2017) Shlomo Ne’eman (seit 2017)
Museen Die Geschichte von Gusch Etzion einschließlich der schweren Kämpfe im Krieg von 1948 mit der Folge der Zerstörung der Ortschaften ist sehr anschaulich im Zentralmuseumund auch hier. in Kfar Etzion neben der originalen, letzten Stellung der verteidigenden Kibbuzbewohner dargestellt – einschließlich einer audiovisuellen Darbietung.
Veröffentlichungen Dror Greenblum: The Making of a Myth: The Story of Kfar Etzion in Religious Zionism 1948–1967, in: Israel Studies, Jg. 21 (2016), Heft 1, S. 132–156. Jonas Breng: Ziemlich beste Feinde, in: Stern Nr. 10, 2. März 2017, S. 60–65.
Siehe auch Liste israelischer Siedlungen im Westjordanland
Weblinks
Gush Etzion Foundation (englisch) Dror Etkes, Lara Friedman: Schalom Achschaw, November 2005 (englisch) Peter Beaumont: Massacre that marred birth of Israel in The Guardian 2. Mai 2014 Benny Morris: Before the Kidnappings, There Was a Massacre in Tablet, 25. Juni 2014
Einzelnachweise
Kategorie:Israelische Siedlung Kategorie:Nahostkonflikt Kategorie:Regionalverband in Israel