mini|hochkant|McDougall während seiner Zeit in Tokio Edward Stuart McDougall (selten auch MacDougall; * 25. September 1886 in Montreal, Québec, Kanada; † 14. Februar 1957 ebenda) war ein kanadischer Politiker und Richter, unter anderem am Internationalen Militärgerichtshof für den Fernen Osten, dem Gericht der Tokioter Prozesse.

Leben Er wurde am 25. September 1886 in Montreal geboren. Das Studium der Rechtswissenschaften an der McGill University in Montreal schloss er mit einem Bachelor in Civil Law ab (BCL) und wurde Barrister. Am 17. Februar 1915 trat er in Ottawa seinen Armeedienst im Regiment Princess Patricia’s Canadian Light Infantry der Canadian Army an. Sein höchster Rang war Major. Eine andere Quelle spricht von einer Dienstzeit von Juni 1915 bis November 1918.

1936 wurde er Finanzminister in der Regierung von Adélard Godbout in Québec. Diese Regierung hielt jedoch nur knapp ein Jahr und mit Ende der Regierung endete auch seine Amtszeit als Finanzminister. Im August 1940 war er Deputy Chief Warden des Civilian Protection Commitee von Montreal. Von 1941 bis 1943 war er Mitglied der Royal Commission on Labour disputes.

Im Jahr 1942 wurde er zum Richter am Court of Appeal of Quebec ernannt, was er bis zu seinem Tode 1957 blieb.

Nominierung als Richter für Tokio 1945 endete der Krieg. Kanada hielt sich bei der juristischen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen in Europa sehr zurück. Als Gründe dafür werden genannt, dass Kanada sich als zu weit von Europa weg empfand und der damalige Premier William Lyon Mackenzie King eine Gefahr in der Involvierung Kanadas in Konflikte außerhalb seiner Grenzen sah. Auch habe es keine Berichte über Misshandlungen kanadischer Kriegsgefangener aus Deutschland gegeben. Dies war jedoch anders im Bezug zu Japan. Der Verlust zweier Bataillone in Hongkong hatte für die Kanadier einen großen Verlust dargestellt und die Behandlung in japanischen Kriegsgefangenenlagern war außergewöhnlich schlecht gewesen. Am 18. Oktober 1945 versandten die USA ein Memorandum, in dem das Vereinigte Königreich, China und die Sowjetunion um die Nominierung von fünf Richtern und Australien, Kanada, Frankreich, die Niederlande und Neuseeland um die Nominierung von drei Richtern gebeten wurden, aus denen Douglas MacArthur dann die Richter des Tribunals aussuchen sollte. Großenteils wurde darauf jedoch nicht geantwortet, bis die USA im November bei einem Treffen zwischen dem als Chefankläger in Tokio vorgeschlagenen Joseph B. Keenan sowie C. M. A. Strathy und R. D. Jennings in Washington mitteilten, dass die USA bereit seien, auch ohne die Unterstützung anderer Nationen zu beginnen. Am 14. Dezember setzten die USA allen genannten Staaten ein Ultimatum, bis zum 5. Januar 1946 einen Richter zu benennen. Eine der geforderten Qualifikationen war, dass der Nominierte den Rang eines Majorgenerals oder höher bekleiden sollte. Das kanadische Verteidigungsministerium konnte jedoch keinen geeigneten Kandidaten finden und beschloss, nach dem Vorbild von Neuseeland und China, die Juristen außerhalb des Militärs nominiert hatten, einen ehemaligen Offizier zu wählen und diesem einen Ehrenrang zu verleihen. Zunächst wurden zwei Namen diskutiert, John Andrew Hope und John Keiller MacKay. Am 7. Januar schlug der stellvertretende Justizminister F. P. Varcoe Premierminister King Hope als Nominierten vor. Der kanadische Privy Council empfahl jedoch, den Chief Justice of Ontario zu konsultieren. Am 8. November beschloss das Kabinett King die Nominierung. Hope war bereits von Toronto nach Ottawa aufgebrochen, als der Chief Justice von Ontario ein Veto einlegte. Die Verwaltung der Justiz in Ontario könnte eine monatelange Abwesenheit von Hope nicht schadenfrei überstehen. Später beschrieb Hope in einem Brief, dass er mit dem Chief Justice gesprochen hatte, dieser zwar die Schwierigkeiten der Personalsituationen im Justizwesen angesprochen hatte, er jedoch nicht davon ausging, dass die Nominierung beendet sei. Hope bat die Regierung um eine Fortführung seiner Ernennung.

Innerhalb weniger Tage wurde dann McDougall, Mitglied der King’s Bench of Québec von der kanadischen Regierung als Nominierter bekanntgegeben. Es gibt keine Dokumentation, wieso er gewählt wurde. Zum einen wird vermutet, dass zum Ende der Nominierung Hopes die Frist bereits abgelaufen war und man schnell, u. a. per Telefonabsprache, einen Kandidaten finden musste. Es gibt eine Notiz vom 11. Januar 1946 an den kanadischen Botschafter in Washington, in der davon gesprochen wird, dass die Ernennung von McDougall per Telefon abgeklärt wurde.

McDougall galt als Experte für Berg- und Unternehmensrecht, er hatte weder Expertise im Strafrecht noch im internationalen Recht. Er war bis zu seiner Nominierung an die King’s Bench 1942 privater Anwalt. Sein Lebenslauf enthielt zu diesem Zeitpunkt nur eine kurze Zeit als Provinzfinanzminister und Mitglied einer königlichen Kommission, ansonsten nur Vereinsmitgliedschaften und Nebenbeschäftigungen. McDougall war sich wohl selbst bewusst, dass er im Vergleich zu Hope, der eine lange, außergewöhnliche Karriere durchlaufen hatte, die schlechtere Wahl war, da er um eine Kopie des Urteils im Prozess gegen Yamashita Tomoyuki auf den Philippinen und das Strafgesetzbuch bat. Seine Nominierung wird von Patrick Brode damit erklärt, dass er Mitglied der Godbout-Regierung war, und diese hatte King und Kings Liberale Partei 1944 während der Kontroverse um die Einziehung ins Militär und die Autonomiefrage Québecs unterstützt. Auch habe eine Verbindung zwischen King und McDougall darin bestanden, dass beide in der Bergbauindustrie beschäftigt waren. Es besteht daher die Spekulation, dass King und McDougall sich kannten, womöglich sogar Freunde oder zumindest politisch Alliierte waren.

Ankunft in Tokio – 1946 mini|McDougall in seinem Büro in Tokio während einer Sitzungspause Am 20. Januar 1946 wurde er dann als kanadischer Richter in Tokio öffentlich durch Pressemitteilung bekanntgegeben. Am 22. Februar startete er mit einer Douglas C-54 Skymaster vom Hamilton Army Airfield in Kalifornien in Begleitung des amerikanischen Richters Higgins und des niederländischen Richters Röling von Amerika in Richtung Tokio.

Trotz seiner spontanen Nominierung und seines kurzen Lebenslaufs wurde McDougall in Tokio von seinen Kollegen geschätzt und von einem Anwalt in der Anklage und in der Verteidigung als einer der „besseren Richter“ genannt. Er gehörte zu den Richtern, die am wenigsten fehlten; er fehlte nur an 14 Tagen. Alle Richter beschrieben die Situation in Tokio als chaotisch, wobei sie dies auf die Arbeit von Chefankläger Joseph B. Keenan zurückführten. Die Anklage wurde deshalb erst am 29. April 1946 verlesen.

Nach Ansicht der Commonwealth-Ankläger Arthur Comyns Carr, Alan Mansfield und Ronald Henry Quillian war Joseph B. Keenan darauf aus, für sich selbst Aufmerksamkeit zu generieren. Als Konsequenz dieser Ansicht bemühten sich die Commonwealth-Richter McDougall, William Donald Patrick und Erima Harvey Northcroft in mindestens drei Situationen um Keenans Entlassung.

McDougall sandte am 3. Mai 1946, kurz vor der Eröffnung des Tribunals, zwei Briefe an Norman Robertson im Außenministerium, wobei er im ersten die Arbeit unter den Richtern als exzellent beschrieb, aber auch die Gefahr andeutete, dass der Prozess länger als drei Monate andauern würde, und daher um weitere Finanzierung bat. Im zweiten Brief beschrieb er Änderungen an der Tokio-Charter. Am 6. Mai versuchte die Verteidigung, die Anklage für unzulässig erklären zu lassen, da nach ihrer Ansicht die Anklagepunkte zum Zeitpunkt der japanischen Kapitulation kein Teil des internationalen Rechtes gewesen seien. Das Gericht verschob diese Frage und diskutierte sie später. Zu diesem Zeitpunkt waren es immer noch nur neun Richter, da Radhabinod Pal und Delfin Jaranilla noch nicht angekommen waren. Diese neun Richter entschieden einstimmig, den Antrag der Verteidigung abzulehnen. Die Richter waren sich jedoch nur über die Ablehnung einig, nicht über die Gründe für die Entscheidung. Nach der Meinung von Patrick hätte es die Möglichkeit gegeben, dass sich alle Richter auf ein Urteil geeinigt hätten, wenn der Gerichtspräsident William F. Webb zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen hätte, ein Urteil vorzubereiten. Webb wollte jedoch nicht damit beginnen, bevor er das Ergebnis aus Nürnberg erfahren hatte. Patrick hatte den Verdacht, dass Webb sich selbst seiner Meinung bezüglich der Rechtsgrundlagen nicht sicher war. Im Juni 1946 begannen dann die eigentlichen Gerichtsverhandlungen.

Die Richter sollten während des Prozesses Noten an Webb senden. Dabei war die simultane Übersetzung aus dem Japanischen nur äußerst schleppend. Allein Webb konnte sich durch ein Mikrofon verständigen. Nach Ansicht der Richter war Webb äußerst ablehnend und feindlich gesinnt gegenüber den Anregungen der anderen Richter und nach Ansicht Northcrofts sogar unfähig, die Anregungen zu verstehen.

Kritik an Webb und Schreiben an die kanadische Regierung