Als Zwillingsfilme (englisch twin films/movies) werden zwei Filme bezeichnet, die auffälligerweise sowohl einen ähnlichen Inhalt beziehungsweise das gleiche Thema aufweisen als auch mit einem sehr kurzen zeitlichen Abstand zueinander veröffentlicht wurden. Üblicherweise sind beide Filme Big-Budget-Filme oder Blockbuster, die von unterschiedlichen Studios produziert wurden und im Kino, später auch über Streamingdiensten miteinander konkurrieren, wodurch sie von Publikum und Presse Aufmerksamkeit erhalten und verglichen werden können.
Davon sind Mockbuster zu unterscheiden, die gezielt eine deutlich billiger und schlechter produzierte Fassung eines anderen Films darstellen.
Ursachen Dafür, dass Filme anhand ähnlicher Drehbücher über den gleichen Stoff zu etwa der gleichen Zeit produziert und veröffentlicht werden, werden verschiedene Erklärungsansätze angeführt.
Zum einen könne es reiner Zufall sein, wenn das Thema derzeit im Fokus des Zeitgeistes liege, was häufiger bei (Natur)katastrophen, der Auseinandersetzung mit Ängsten oder Neuem oder Jubiläen – beispielsweise 1992 zum 500. Jahr der Entdeckung Amerikas 1492 – der Fall sei, sowie wenn es sich um Umsetzungen gemeinfreier Geschichten wie Märchen und Sagen handelt, die ohnehin immer wieder neu interpretiert werden. Ein aktuelles Ereignis kann für mehrere Autoren Anlass sein, unabhängig voneinander Drehbücher hierüber zu schreiben. So begann 2011, als Steve Jobs sich krankheitsbedingt vom öffentlichen Geschäft zurückzog, Matt Whiteley Jobs zu schreiben, während im selben Jahr Sony die Rechte zur Verfilmung einer Biografie erwarb. Insbesondere sollen reale Personen zu den meisten Zwillingsfilmen führen. Bezüglich zweier Filme zu Truman Capote aus dem Jahr 2003 ist die Anekdote bekannt, dass Douglas McGrath, als er das Drehbuch zu Kaltes Blut fertiggestellt hatte, Bingham Ray angerufen und dieser gesagt habe, er habe das Drehbuch gerade vor sich liegen; da habe er bemerkt, dass dieses das Drehbuch zu Capote war.
Zum anderen kann durchaus ein Zusammenhang zwischen den Drehbüchern oder Filmen bestehen. Wenn etwa Ideen von ihren Schöpfern oder Autoren an verschiedene Studios beworben werden, um eines zu finden, das sie entwickelt und umsetzt, kann ein Produzent eine Idee aufgreifen, die von einem anderen Studio bereits gekauft wurde. Dies kann bis zum Vorwurf der Industriespionage gehen, was der Fall bei Jeffrey Katzenberg gewesen sein soll, als Pixar Das große Krabbeln und das von ihm mitgegründete Studio DreamWorks SKG Antz veröffentlichten. Studios können mit Zwillingsfilmen bewusst gegeneinander in einem Rennen antreten, den eigenen Film zum Thema zuerst vermarkten und veröffentlichen zu können. Auch können es Schauspieler sein, die einen Zwillingsfilm initiieren: So soll Kirk Douglas mit Spartacus deswegen ein eigenes römisches Epos produziert haben, weil er in Ben Hur nicht die Titelrolle erhielt. Ähnlich soll Bette Davis der Legende nach die Rolle der Jezebel angeboten bekommen haben als Kompensation dafür, dass sie nicht die Hauptrolle in Vom Winde verweht erhielt. Die zwei Tanzfilme Lambada und Der verbotene Tanz entstanden nicht nur aufgrund des Trendes zum Lambada-Tanzes und Liedes gleichzeitig, sondern wurden von den zerstrittenen Cousins hinter der Cannon Group bewusst rivalisierend produziert und veröffentlicht.
Es wird davon ausgegangen, dass je mehr Inhalte bestellt und produziert werden, desto häufiger ähnliche Ideen und daher Zwillingsfilmen entstünden, was in den aktuellen Jahren immer mehr der Fall sei. Professorin Laura Rosewarne der Universität Melbourne, die 2025 ein Sachbuch über Zwillingsfilme veröffentlichte, führt neben Zufall und Diebstahl auch Gründe der Filmwirtschaft an. Studios würden immer Filme mit der besten Erfolgschance machen wollen. Dabei gehe es sowohl darum, Geld zu machen als auch zu sparen. Für Ersteres seien Ende der 1980er bereits nach der Ankündigung von James Camerons Abyss, dem Erfolg und Zuschauerinteresse prognostiziert wurden, schnell mehrere andere Tiefsee-Horrorfilme in Produktion gebracht worden, um einen Trend zu generieren und von diesem zu profitieren; etwa Deep Star Six und Leviathan. Eine Spargelegenheit mit billigen Filmen bieten in dem 21. Jahrhundert Figuren und Geschichten, deren Urheberrecht ablaufen, sodass sie gemeinfrei werden. Nachdem dies 2025 in den Vereinigten Staaten für Popeye geschah, entstanden drei Independent-Slasherfilme zu der Figur. Ähnlich ist Micky Maus Vorlage unter anderem für The Mouse Trap und Screamboat.
Vermeidung Auf die Aussicht, mit einem Zwillingsfilm konkurrieren zu müssen, haben Studios verschieden reagiert und Strategien zur Vermeidung der etwa zeitgleichen Veröffentlichung oder des Antretens gegen ein anderes Studio angewandt.
So wurde die Veröffentlichung von Who Do You Love um mehr als ein Jahr zurückgehalten, um einen Bogen um den Film Cadillac Records zu machen, während Matt Damon aufgrund des Films Black Mass ein eigenes Projekt über James J. Bulger gänzlich fallen ließ.
1964 klagte Stanley Kubrick, der Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben drehte, gegen die Produktion von Angriffsziel Moskau, den er als zu sehr der Buchvorlage von Dr. Seltsam empfand. Als Kompromiss kaufte Columbia Pictures die Vertriebsrechte für Angriffsziel Moskau, um beide Filme mit Abstand im gleichen Jahr herauszubringen. Als 1972 sowohl Warner Bros. als auch 20th Century Fox jeweils die Filmrechte zu unterschiedlichen Romanen über Hochhausbrände erworben hatten, schlossen sie sich zusammen, um gemeinsam einen einzelnen Film zu realisieren: Flammendes Inferno von 1974. Im Falle zweier Biographien zu Donald Crowhurst reagierte Studiocanal, welches Vor uns das Meer entwickelte, indem es die Vertriebsrechte zu Crowhurst erwarb, sodass beide Filme vom selben Studio herausgegeben wurden.
Beispiele