Variationen und Fuge über ein Originalthema fis-Moll op. 73 ist eine Komposition für Orgel von Max Reger. Das Stück entstand 1903 auf Anregung von Karl Straube. Mit einer Spieldauer zwischen ca. 30 und 45 Minuten gehört es zu den umfangreichsten und anspruchsvollstenMax Reger: Einteilung in Schwierigkeitsgrade. (PDF; 0,1 MB) In: innovation-orgellehre.digital. 2020, abgerufen am 16. April 2025. Orgelwerken Regers.
Entstehung Die Widmung des Stücks lautet: „Karl Straube zur Erinnerung an den 14. Juni 1903“. Straube hatte in den Jahren zuvor häufig die Choralfantasien Regers aufgeführt, so auch am 14. Juni 1903 in Basel die Fantasie über „Ein feste Burg“ op. 27, und schrieb über die Entstehungsgeschichte von op. 73: „In Basel habe ich dann Max Reger gebeten, mir ein Orgelwerk ohne Bezugnahme auf evangelische Choräle schreiben zu wollen, damit ich in vorwiegend katholisch orientierten Städten ein nicht kirchlich gebundenes Stück für mein Programm hätte, und schlug ihm als Form Variationen und Fuge über ein eigenes Thema vor. Das ist die Entstehungsgeschichte von op. 73 und die Lösung des Rätsels der Widmung.“Karl Straube in einem Brief vom 25. Februar 1944 an Hans Klotz. Zitiert nach:
Das Stück wurde am 16. September 1903 fertiggestellt und erschien 1904 im Leipziger Verlag Lauterbach & Kuhn im Druck.Nach der Übernahme des Verlags erschienen weitere Auflagen bei Bote & Bock. Vgl. digitalisierte Ausgabe im International Music Score Library Project. Die Uraufführung fand am 1. März 1905 durch Walter Fischer in der Neuen evangelischen Garnisonkirche Berlin statt. Karl Straube spielte die zweite Aufführung am 3. März 1905 in der Thomaskirche in Leipzig.Hans Haselböck: Einführung. in: Max Reger: Sämtliche Orgelwerke, Band 1, nach der Reger-Gesamtausgabe (Hans Klotz), durchgesehen von Martin Weyer. Breitkopf und Härtel, Wiesbaden o. J., Verlagsnr. 8491, S. 6
Stellung im Gesamtwerk Die fis-Moll-Variationen sind ein komplexes Werk, zu dem mehrere umfangreiche und teilweise sehr unterschiedliche analytische Arbeiten vorliegen. Sie entstanden in einer Schaffensphase, in der Regers Musik in der Münchener Musikszene stark umstritten war. Er kultivierte in den Jahren 1903 und 1904 einen immer komplizierteren Stil ohne Rücksicht auf Verständlichkeit und gab in kurzer Zeit mehrere äußerst komplexe und avancierte Werke in den Druck. Zusammen mit der Violinsonate op. 72 und dem Streichquartett op. 74 bildet op. 73 einen „qualitativen Höhenzug“ im Schaffen des Komponisten.
Die Variationen gelten als gewichtiger Meilenstein in Regers Umgang mit der Variationsform. Sie lösen sich von der figurativen Variationstechnik der Choralfantasien (op. 27, op. 30, op. 40, op. 52). Indem sie den Variationsprozess sehr frei gestalten und an Brahms’ Technik der entwickelnden Variation von motivischem Material anknüpfen, bereiten sie Regers große Variationswerke seiner späteren Jahre vor (Hiller-Variationen op. 100, Mozart-Variationen op. 132 u. a.).
Gliederung Das Stück besteht aus drei großen Abschnitten: Introduktion – Thema und Variationen – Fuge. Nach ihrem Umfang bilden sie einen symmetrischen Aufbau: der zentrale Variationsabschnitt nimmt eine deutlich größere Spieldauer in Anspruch als die beiden kürzeren Rahmenteile.
Die Introduktion nimmt mehrere Minuten in Anspruch, wird aber nicht im Titel des Werks genannt. Dadurch kann es für unvorbereitete Hörer schwierig sein, den Beginn des Variationsabschnitts und das eigentliche Variationsthema zu erkennen. Christoph Bossert interpretiert das Verschweigen der Introduktion im Werktitel als „inszenierte Desorientierung“ des Hörers.Christoph Bossert: Das Orgelwerk von Max Reger in neun Konzerten. Begleittext zum Orgelseminar im Studienjahr 2015/2016 an der Hochschule für Musik Würzburg. PDF-Download auf orgelklasse.jimdofree.com, S. 26 ff.YouTube: Die zweite Musikalische Feierstunde im Reger-Jahr 2023 – Ev. Stadtkirche Giengen (Link 1906) 14.9.23 Die Reger-Gesamtausgabe von Hans Klotz nennt das Stück ohne weiteren Kommentar „Introduktion, Variationen und Fuge über ein Originalthema“;Max Reger: Sämtliche Orgelwerke, Band 1, nach der Reger-Gesamtausgabe (Hans Klotz), durchgesehen von Martin Weyer. Breitkopf und Härtel, Wiesbaden o. J., Verlagsnr. 8491, S. 6 und 111 dies entspricht dem tatsächlichen Verlauf des Stücks, aber ist nicht der originale Titel.
Introduktion Die Introduktion besteht aus vielen musikalischen Fragmenten, die kein deutliches Thema formulieren und sich zu keiner geschlossenen Form zusammenfügen. Auch die Tonart fis-Moll wird noch nicht stabil und eindeutig dargestellt. Im Gegensatz zu Regers Schüler Hermann Keller, der sie lediglich als „Fantasieeinleitung“ bezeichnet, betonen jüngere Autoren motivische und harmonische Zusammenhänge zwischen dem noch ungeordnet präsentierten Material der Introduktion und dem folgenden Variationsteil.
Die Introduktion ist symmetrisch aufgebaut und besteht aus drei Abschnitten, deren mittlerer seinerseits von einem kurzen Einschub unterbrochen wird. Dadurch ergibt sich insgesamt ein fünfteiliger Aufbau A – B-C-B – A, zu erkennen an den Tempovorschriften Adagio – Molto più mosso – Adagio (con moto) – Quasi vivacissimo – Adagio (con moto).
Thema und Variationen Mit dem Thema erscheint zum ersten Mal eine in sich geschlossene musikalische Gestalt in klarer Tonart. Darauf folgen dreizehn weitere Abschnitte. Diese sind nur zum kleineren Teil herkömmliche Variationen, in denen sich das Thema in seiner ursprünglichen und vollständigen Form als Vorlage wiedererkennen lässt. Viele Variationen verwenden das Thema nicht mehr im Ganzen, sondern greifen einzelne motivische Elemente heraus und gruppieren sie neu. Auch Motive aus der Introduktion werden einbezogen. Einzelne Variationen entfernen sich so weit vom Thema, dass sie in der Literatur als kontrastierende, nicht-thematische Episoden beschrieben werden. Gerd Zacher bezeichnet in diesem Sinn die 9. und 11. Variation als „Kontraste“. Martin Weyer nennt die Abschnitte ohne manifeste Themenelemente „Intermezzi“ und rechnet zusätzlich zu den beiden genannten noch die 7. Variation dazu. Zugleich verdeutlicht er die Problematik, Nähe oder Entfernung zum Thema zu beurteilen, in der Bemerkung, dass man zwischen diesem und der 7. Variation „noch immer einige motivische Gemeinsamkeiten an den Haaren herbeiziehen kann“. Reger selbst schrieb dazu:
Von ursprünglich vierzehn Variationen wurde eine von Reger noch vor der Drucklegung im Autograph durchgestrichen. Sie war dementsprechend in der Erstausgabe nicht mit abgedruckt. Trotz der eindeutigen Willensbekundung durch den Komponisten ist sie in der Gesamtausgabe von Hans Klotz enthalten, aus dieser sind die Taktzahlen der folgenden Übersicht entnommen. Variation TaktAlle Taktzahlen sind mit vorhergehendem Auftakt zu verstehen. Tonart TempoThema1–15fis-MollAndante1.16–30fis-Molla tempo (quasi un poco più mosso)2.31–45fis-Molla tempo (quasi Allegretto con moto)3.46–60d-Mollquasi prestissimo4.61–86fis-Mollquasi tempo primo ma con moto5.87–101fis-Mollquasi prestissimo(von Reger gestrichen)102-116fis-Moll(-)6.117–131a-Mollsostenuto7.132–146d-MollVivacissimo8.147–155d-Moll / fis-MollVivacissimo9.156–163d-MollGrave / Quasi prestissimo10.164–177f-Moll / fis-MollIm Notentext bleibt es bei der Vorzeichnung mit einem b für d-Moll, angegeben sind die tatsächlich klingenden Tonarten.Andante11.178–191G-DurAndantino12.192–206fis-MollVivacissimo13.207–225fis-MollAndante con moto
Fuge Im Vergleich mit der vieldeutigen Form und den vielfach wechselnden Ausdruckscharakteren der beiden ersten Abschnitte ist die Fuge klar, verständlich und in ihrem Ausdrucksgehalt einheitlich. Für das Gesamtwerk bildet sie einen ausgleichenden und stabilisierenden Abschluss. Ihr Thema ist motivisch mit dem Variationsthema verwandt. Die Themeneinsätze befinden sich fast ausschließlich auf Hauptstufen der Tonart fis-Moll und bekräftigen diese nach den harmonisch schweifenden Variationen.
Notenausgaben Max Reger: Variationen und Fuge über ein Originalthema für Orgel. Lauterbach & Kuhn, Leipzig 1904 (Erstausgabe). Max Reger: Introduktion, Variationen und Fuge über ein Originalthema op. 73. In: Hans Klotz (Hrsg.): Max Reger, Fantasien und Fugen; Introduktion, Variationen und Fuge op. 73; Introduktion, Passacaglia und Fuge op. 127 (= Sämtliche Orgelwerke, Band 1). Breitkopf & Härtel, Wiesbaden o. J., S. 111–155. Max Reger: Variationen und Fuge über ein Originalthema fis-Moll op. 73. In: Susanne Popp und Thomas Seedorf (Hrsg.): Max Reger, Phantasien und Fugen, Variationen, Sonaten, Suiten II (= Werkausgabe: Wissenschaftlich-kritische Hybrid-Edition von Werken und Quellen, Abteilung I Orgelwerke, Band 3). Carus, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-89948-170-9, S. 34–75.
Einspielungen für und CDs auf YouTube Hier sind – möglichst vollständig – Interpretationen dieses Werks auf YouTube gelistet,Mit freundlicher Unterstützung des MRI. unterschieden in Livemitschnitte und Produktionen. Die Tabellen sind sortierbar, die Vorsortierung ist das Einspielungsjahr abwärts. Livemitschnitte Interpret Land Ort Kirche Orgel Baujahr Größe Einsp.-jahr Spiel-dauer YouTube-LinkAlbèrt DriessenNLHaarlemSt.-Bavo-KathedraleAdema192380, IV/P202534:30→Christoph PreißDGiengenStadtkircheLink190651, III/P202332:20→Helge PflägingDLychenSt. JohannesGrüneberg190724, II/P202342:30→Daniil ProtsyukRUKaliningradDomA. Schuke200790, IV/P202329:43→Amelie HeldDStuttgartHochschule für Musik und Darst. Kunst, KonzertsaalRieger199679, IV/P202034:35→Grace Eunhye OhDDüsseldorfSt. Albertus MagnusRieger201957, III/P202035:25→Jan DoleželDKevelaerMarienbasilikaE. Seifert1907133, IV/P201936:02→Martin SturmDKevelaerMarienbasilikaE. Seifert1907133, IV/P201932:55→Wolfgang KleberGBLincolnKathedraleFather Willis1893–189864, IV/P201835:38→Gereon KrahforstDHildesheimDomSeifert201493, IV/P201836:10→Christoph BossertDWürzburgHochschule für Musik, KonzertsaalKlais201683, III/P (Bauph. 1)201637:00→Helmut SchröderDHagenSt. MeinolfWest199535, III/P201629:00→Lukas StollhofDOberweselLiebfrauenkircheEberhardt/Klais1745/1977–198055, III/P201636:10→Jonathan HolmesGBEwellSt Mary'sFather Willis188939, III/P201529:00→Martin StaceyGBLondon-IslingtonSt John the EvangelistWalker196346, III/P201538:00→Ulf NorbergSEStockholmHedwig-Eleonora-KircheÅkerman1868/190869, III/P201436:33→Espen MelbøDLeipzigHochschule für Musik und Theater, Großer SaalEule200260, III/P200935:39→Andreas MattesDBerlinDomSauer1905113, IV/P200642:37→Willem TankeNLHaarlemSt.-Bavo-KathedraleAdema192380, IV/P200643:45→Morten LadehoffDKAarhusDomFrobenius1929/1958/ 198389, IV/P200433:42→Joachim EndersDDarmstadtStadtkircheBosch196149, II/P200129:15→Samuel KummerDStuttgartHochschule für Musik und Darstellende Kunst, KonzertsaalRieger199679, IV/P199731:14→Hartmut HauptDJenaVolkshaus, Ernst-Abbe-SaalSauer198761, III/P199332:27→Andreas ArandDBonnSt. Maria MagdalenaKlais197944, III/P199334:14→Heiner KühnerCHBaselPauluskircheZimmermann/Kuhn1901/198753, III/P198726:48→Fernando GermaniITParmaSan Giovanni EvangelistaTamburini197933:00→Kurt WiklanderSEGöteborgChristinae kyrkaMarcussen1864/192751, III/P197831:26→Fernando GermaniITNeapelConservatorio di Musica San Pietro a Majella196728:17→ Produktionen