mini|Der Wienfluss, hier im Stadtpark, wird auf beiden Seiten von Sammelkanälen begleitet und ca. 30 m unter ihm liegt der Wiental-Kanal. mini|Kanalisation der Stadt Wien 1739 mini|Unratschiff für den Kanalaushub 1918 Die Wiener Kanalisation umfasst ein rund 2.500 km langes Kanalnetz, welches sämtliche Abwässer Wiens zur Hauptkläranlage der Entsorgungsbetriebe Simmering, dem tiefstgelegenen Punkt Wiens, weiterleitet. Dies sind jährlich rund 220 Millionen m³. Das Netz der Hauskanäle ist 6.300 km lang. Rund 400 der 700 Mitarbeiter der früheren Magistratsabteilung 30, die seit 2009 als Magistratsunternehmung Stadt Wien – Wien Kanal firmiert, sind für die Instandhaltung, Räumung und Kontrolle des Kanalisationssystems zuständig.
Zum Betriebsbereich gehören unter anderem einige Betriebsaußenstellen für verschiedene Bereiche Wiens sowie für die Hauptsammelkanäle; die Bereiche Chemie mit Prüf- und Behördenaufgaben samt Labor; Fuhrpark und Werkstätten mit Spezialisten für Sonderfahrzeuge wie z. B. Kanal-TV; Pumpwerke und Sonderanlagen inkl. deren komplette Steuerung über das PW-LDS auf der Donauinsel; dazu die Overhead-Aufgaben wie Steuerung, Vertragswesen, Verrechnung etc. in der Zentrale.
Geschichte 1739 war Wien als erste Stadt Europas erstmals vollständig kanalisiert. Dennoch kam es immer wieder zu Seuchen, denn die Bewohner der Vorstädte leiteten ihre Abfälle und Abwässer in die Wienerwaldbäche, welche allerdings auch zum Waschen benutzt wurden, und Brunnen förderten das verschmutzte Grundwasser als Trinkwasser zu Tage.
Nachdem bei einer Cholera-Epidemie zwischen 1830 und Dezember 1831 rund 2.000 Menschen starben, wurden nach und nach alle wichtigen Bäche der Stadt eingewölbt und in Bachkanäle umgewandelt. Mit den beiden parallel zum Wienfluss verlaufenden Sammelkanälen wurden die ersten großen Abwasserkanäle errichtet, welche in die Donau mündeten. Dennoch kam es immer noch regelmäßig zu Todesfällen durch verunreinigtes Wasser, nicht zuletzt deshalb, weil bei Regenfällen Wasser aus den Kanälen in den Wienfluss überlief, welcher selber immer wieder für Überflutungen sorgte und auf jeden Fall das Grundwasser belastete. Vor allem seit 1873, als die Stadt erstmals eine flächendeckende Wasserversorgung durch die I. Wiener Hochquellenwasserleitung bekam, nahm die Abwassermenge mit fortschreitendem Anschluss der Wiener Haushalte an das Trinkwasser- und Abwassersystem rasant zu. Da dies neben hygienischen Problemen, vor allem bei Hochwasser, auch eine enorme Geruchsbelästigung bedeutete, wurden rasch Maßnahmen erforderlich.
Zwischen 1893 und 1894 wurde daher der linke Hauptsammelkanal am nördlichen Ufer des Donaukanals errichtet, zwischen 1894 und 1904 der wesentlich größere rechte Hauptsammelkanal am südlichen Ufer des Donaukanals, und ab 1895 wurde der Wienfluss reguliert. Im Zuge dieser Bauarbeiten, an denen rund 5.000 Menschen Arbeit fanden, wurden parallel zum Fluss einerseits die Wiener Stadtbahn errichtet und andererseits die beiden Wienflusssammelkanäle ausgebaut, welche in den Rechten Sammelkanal münden. Bei starken Regenfällen ist ein Überlaufen der beiden Wienflusssammelkanäle durch zahlreiche Überlaufrinnen in die Wien auch heutzutage noch möglich, allerdings wird aktuell eine Entlastungsrinne geplant, welche dieses Problem lösen soll.
Lease Im Jahr 2002 vermietete Wien das Nutzungsrecht der Kanalisation im 21. und 22. Bezirk für 99 Jahre an einen US-Investor (Cross-Border-Leasing). Dafür erhielt die Stadt im Voraus den Mietzins in Höhe von etwa 500 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig schloss die Stadt Wien mit diesem Investor einen Untermietvertrag für die Dauer von 35 Jahren ab und mietet damit dieses Nutzungsrecht wieder zurück. Hierfür wird jährlich ein um mehrere Prozent geringerer Betrag als die Miete des Investors bezahlt, da der Investor einen Teil seiner Steuerersparnis vertragsgemäß der Stadt Wien überlässt. Auch eine Investitionsförderung durch den amerikanischen Staat wird untereinander aufgeteilt. Nach 35 Jahren kauft die Stadt laut Vertrag durch Rückzahlung der Miete der verbleibenden 64 Jahre die Kanalisation zurück. Beide Seiten profitieren durch Ausnutzung des US-amerikanischen Steuerrechts in Höhe von 4,5 bis 7 Prozent des eingesetzten Kapitals. Mit dem im Voraus erhaltenen Mietvorschuss kann sich die Stadt Investitionen – etwa im Kanalnetz – finanzieren.
Sämtliche mögliche Risiken und Einnahmeausfälle während der 35-jährigen Vertragsdauer, wie etwa Änderungen des US-Steuerrechts, die solche Verträge verbieten würden, trägt jedoch die Stadt Wien. Das ruft ebenso Kritik von Teilen der Opposition hervor wie die Tatsache, dass der Vertrag rund 1500 Seiten stark ist, komplett auf Englisch verfasst ist, nicht in Österreich aufbewahrt werden darf und an die Rechtslage des Staates New York gebunden ist.27. Sitzung des Wiener Gemeinderates am 23. April 2004. Postnummer 48, wörtliches Protokoll, Seite 25 ff.
Die sechs Sammelkanäle mini|„Situation der Hauptsammelcanäle beiderseits des Donau-Canales“ Fünf Sammelkanäle sammeln das Wasser sämtlicher Mischwasserkanäle und Bäche in Wien und leiten diese zum größten Teil in die Hauptkläranlage in Simmering. Einzig der Liesingtal-Sammelkanal leitet einen großen Teil seines gesammelten Abwassers in die Kläranlage Blumental. Bei Regenfällen kommt es rasch zur Überfüllung der Sammelkanäle und überschüssiges Mischwasser wird durch Überleitungen in den Wienfluss, den Donaukanal oder in die Donau geleitet. Auch bei Räumungs/Reinigungsarbeiten muss das Wasser der meisten Kanäle mehrmals im Jahr übergeleitet werden, wodurch jährlich durchschnittlich über 3,5 Millionen kg BSB5, rund 11 Millionen m³ Abwässer, in die Umwelt gelangen. Dies soll durch verschiedene Maßnahmen in den nächsten Jahren auf ein Minimum reduziert werden.
Die Wienflusssammelkanäle Die beiden Wienflusssammelkanäle, der linke verläuft entlang des nördlichen Wienfluss-Ufers, der rechte entlang des südlichen, besitzen ein Einzugsgebiet von 5.800 Hektar, wovon 2.500 Hektar undurchlässige Fläche (Straßen, Gebäude, Plätze) sind, und fließen von West nach Nordost. Bereits bei geringen Regenmengen floss bis ca. 2005 über 63 Regenüberläufe Mischwasser in den Wienfluss. Die ausgeleitete Jahresschmutzfracht betrug durchschnittlich 940.000 kg BSB5. Der Bau des Entlastungskanals unter dem Flussbett, des Wiental Kanals, sanierte diesen Zustand.
Der linke Wienflusssammler hat bis zur Stadtgrenze eine Länge von ca. 15 km und mündet bei der Stubenbrücke in den rechten Wienflusssammler. Dieser wiederum beginnt beim Lainzer Tiergarten, weist eine Länge von 12,5 km auf, und mündet in den rechten Hauptsammelkanal. Die Profilgrößen für beide Sammler weisen am oberen Ende 0,80/1,20 m, und 1,90/2,50 m bei der Mündung in den rechten Hauptsammelkanal auf. Wegen des starken Gefälles sind abgesehen von der Räumung der Schotterfänge nur selten ablagerungsbedingte Räumungsmaßnahmen erforderlich.
Da die beiden Kanäle nach einer Choleraepidemie 1830 errichtet wurden, haben sie auch den Beinamen Cholerakanäle.
Linker Hauptsammelkanal Der Linke Hauptsammelkanal verläuft entlang der Nordseite des Donaukanals und besitzt ein Einzugsgebiet von rund 1.050 Hektar, wovon 600 Hektar undurchlässige Flächen sind. Er entwässert die Bezirke 2 und 20 und ist 9,9 km lang. Die Profilgrößen betragen im oberen Bereich 1,50/2,00 m, und im unteren bis zur Ostbahnbrücke 2,20–2,45/1,90 m. Von dort verläuft der linke Hauptsammler durch ein sogenanntes Zwillingsprofil, also zwei Röhren, mit einem Durchmesser von je 2,55 m bis zum Hochwasserpumpwerk bzw. Donaukanaldüker. Von dort wird das Abwasser unter dem Donaukanal hindurch in den rechten Hauptsammler gepumpt. Bei Regenwetter werden über die Regenüberläufe nicht weiterleitbare Mischwässer in den Donaukanal geleitet. Wegen des geringen Gefälles kommt es zu Ablagerungen auf der Kanalsohle. An durchschnittlich 40 Tagen im Jahr kommt es daher auf Grund von Räumungsarbeiten zu Ausleitungen von 60 % bis 100 % des Trockenwetterabflusses (=Gebäudeabwässer) an unterschiedlichen Stellen. Insgesamt belasten damit pro Jahr ca. 1,9 Millionen m³ Abwässer mit ca. 604.000 kg BSB5 den Donaukanal. Durch die Koppelung des linken mit dem rechten Hauptsammler sollen diese künftig verringert werden.
Rechter Hauptsammelkanal Der Rechte Hauptsammelkanal verläuft auf der Südseite entlang des Donaukanals von West nach Ost auf 16,6 km Länge. Am oberen Ende am Schreiberbach in Döbling misst der Kanal 1,10/1,65 m, am unteren Ende an der Hauptkläranlage misst er 5,00/4,20 m. Er entwässert die Bezirke 1, 3, 9, 11 und 19. Sein Gesamteinzugsgebiet umfasst rund 13.000 Hektar mit einem Anteil von 5.300 Hektar undurchlässiger Flächen. Insgesamt 18 Wienerwaldbäche entwässern, teils mittels der beidseitigen Wienflusssammelkanäle, in den Rechten Hauptsammelkanal. 14 Sammelkanäle münden ebenfalls in diesen, wobei an den Einlaufstellen Regenüberläufe für die Mischwasserentlastungsrinne situiert sind.
Wegen des geringen Gefälles muss der Kanal laufend von Ablagerungen am Grund gesäubert werden. An durchschnittlich 70 Tagen im Jahr werden aufgrund des Regens 60 % bis 100 % des Trockenwetterabflusses über die Regenüberläufe in den Donaukanal geleitet. Dadurch wird dieser mit durchschnittlich 4,2 Millionen m³ Abwasser bzw. 1,8 Millionen kg BSB5 belastet. Durch die Verbindung des linken mit dem rechten Hauptsammelkanals sollen diese Ausleitungen künftig vermieden werden können.
Linker Donausammelkanal Das Gesamteinzugsgebiet des linken Donausammelkanals beträgt 4.054 Hektar, wovon 1.200 Hektar undurchlässige Flächen sind. Er verläuft entlang des nördlichen Donauufers auf einer Länge von 11 km. Die Profilgrößen der Zwillingsprofile betragen je 2,14/2,40 m bis 5,30/3,10 m. Im Normalfall ist nur die linke Röhre beflossen, erst bei Abflüssen von mehr als 3 m³/s erfolgt über Umschwellbauwerke die Inbetriebnahme der rechten Profilhälfte. Der linke Donausammelkanal, welcher die an Einwohnerzahl stetig wachsenden Bezirke 21 und 22 entwässert, wurde für die Abfuhr einer maximalen Mischwasserabflussmenge von 63 m³/s konzipiert.
Am Ende des Linken Donausammelkanals befindet sich ein Absturzbauwerk zum Düker unter der Neuen Donau. Für jede der beiden Profilröhren sind zwei Absturzschächte vorhanden, von denen der erste Schacht zum Schmutzwasserdüker und weiter zum Schmutzwasserpumpwerk auf die Donauinsel führt. Von dort wird wiederum der Schmutzwasserabfluss kontinuierlich über den Donau-Düker zur Hauptkläranlage befördert.
Bei einer Belastung des Kläranlagenzulaufes durch Mischwasserzuflüsse aus dem übrigen Kanalnetz wird die Leistung des Schmutzwasserpumpwerkes gedrosselt und ein Staubetrieb im Linken Donausammelkanal eingeleitet. Nach der Füllung der Zulaufkanäle beginnt das Regenwasserpumpwerk, die ankommenden Mischwassermengen in die Donau zu heben.
Liesingtal-Sammelkanal Das Gesamteinzugsgebiet des Liesingtal-Sammelkanals beträgt ca. 4.240 Hektar mit einem Anteil von 970 Hektar undurchlässiger Fläche, wovon rund 3.500 Hektar im Trennsystem entsorgen, d. h. Regenwasser wird separat geführt, und kann daher direkt in den Liesingbach geleitet werden. Der Liesingtal-Sammelkanal ist 20,5 km lang und weist Profilgrößen von 0,70/1,05 m bis 2,80/2,30 m auf. Bis auf die flussabwärts der Kläranlage Blumental gelegenen Gebiete, welche schon vorher in die Hauptkläranlage in Simmering entwässerten, wurden bis 2005 die Abwässer der Kläranlage Blumental zugeführt. 2005 wurde diese Vorgangsweise eingestellt, weil sie den Liesingbach, der in der Regel nur wenig Wasser führt, zu stark belastete. Seither werden auch diese Abwässer über den Liesingtal Kanal direkt zur Hauptkläranlage Simmering geleitet. Die ehemaligen Klärbecken der Anlage Blumental dienen nun als Hochwasserauffangbecken, welche 20 Millionen Liter Wasser aufnehmen können und mit 3000 Litern pro Sekunde befüllt werden können. Das entlastet die Hauptkläranlage bei Hochwasser.
Wiental-Kanal