Horažďovice (, deutsch Horaschdowitz, früher Horažďowitz bzw. Horaždiowitz) ist eine Kleinstadt im Okres Klatovy in Tschechien. Sie liegt 17 Kilometer nordwestlich von Strakonice.
mini|Alte Ansicht von Horažďovice
Geographie Horažďovice befindet sich am linken Ufer der Otava in der Blatenská pahorkatina (Bergland von Blatna). Nördlich erhebt sich der Stolavec (507 m), im Südosten der Radlín (516 m) und der Na Kobylinkách (531 m), südlich der Šibeník (498 m), die Hůrka (507 m), die Moučanka (559 m) und die Pučanka (516 m), im Südwesten der Prácheň (504 m) sowie nordwestlich der Gloriet (506 m). Durch die Stadt führen die Staatsstraße I/22 zwischen Klatovy und Strakonice sowie die Bahnstrecke Horažďovice předměstí–Klatovy. Nordöstlich von Horažďovice verläuft die Bahnstrecke České Budějovice–Plzeň.
Nachbarorte sind Horažďovická Lhota, Chrást, Velký Bor und Babín im Norden, Komušín und Mečichov im Nordosten, Hlupín, Zadní Zborovice, Sedlo, Střelskohoštická Lhota und Zadní Hoštice im Osten, Střelské Hoštice und Kozlov im Südosten, Svaté Pole, Veřechov und Boubín im Süden, Hejná, Velké Hydčice, Malé Hydčice, Prácheň und Hliněný Újezd im Südwesten, Týnec, Zářečí, Nový Dvůr und Malý Bor im Westen sowie Pohodnice, Břežany und Třebomyslice im Nordwesten.
Geschichte Horažďovice entstand wahrscheinlich im 10. Jahrhundert als Goldwäschersiedlung unterhalb der Burg Prachin und wurde nach dem hl. Gorazd von Mähren benannt. Interessanterweise ist die Kirche auf dem Prácheň dem hl. Kliment von Ohrid geweiht, einem weiteren Missionar des Mährerreiches, der wie Gorazd nach 885 aus Großmähren vertrieben wurde. Um 1200 erfolgte in Horažďovice der Bau der Kirche St. Peter und einer Veste in ihrer Nachbarschaft, mit der sie durch eine hölzerne Brücke verbunden war. In der Zeit des Niedergangs der Gauburg Prachin fungierten wahrscheinlich die Bavor von Strakonitz in der Mitte des 13. Jahrhunderts als Kastellane von Prachin.
mini|Prager bzw. Rotes Tor
Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung „Gorazdějovic“ erfolgte 1243, als Bavor I. von Strakonitz und seine Frau Dobislawa bei der Kirche des hl. Prokop von Sázava in Strakonitz ein förmliches Konvent des Johanniterordens stifteten und diesem die Kirche in Strakonitz sowie einen Teil der Burg Strakonitz mit den Dörfern Gorazdějovic, Horka, Sousedovice, Mutěnice, Miloňovice, Radošovice, Ptákovice, Lom, Krty und Libětice übereigneten; als Zeuge trat dabei auch der Besitzer der Veste, Neustup von Gorazdějovic auf. Bavor I. erkannte kurz darauf die günstige Lage des zu Füßen des Amtszentrums Prachin sowie nahe der Kreuzung des bedeutenden Handelssteiges von Baiern über Eisenstein und Klattau nach Budweis mit dem am Gunthersteig gelegenen Dorfes Gorazdějovic und holte es sich von den Johannitern, die lediglich die Kirche und Pfarrei behielten, zurück. Als Markgraf Ottokar Přemysl 1251 dem Orden die Schenkung bestätigte, erhielt dieser anstelle von Gorazdějovic das Dorf Makarov. Die Herren Bawor von Strakonitz ließen das Dorf zur Marktsiedlung ausbauen und förderten die Goldseifen an der Otava. Im Jahre 1268 hob König Přemysl Ottokar II. das Amt Prachin auf und übertrug die Gerichtsbarkeit im Gau Prachin dem königlichen Kollegiatstift St. Peter und Paul in Prag-Vyšehrad und das Scharfgericht an die Herren von Strakonitz. Unter Bavor II. begann der Ausbau von Horažďovice zu einer befestigten städtischen Siedlung, im Jahre 1279 wurde erstmals ein Graben um das Städtchen erwähnt. Bis 1293 war der Bau der neuen Stadt und der aus einer Doppelmauer mit drei Toren bestehenden Stadtbefestigung im Wesentlichen abgeschlossen. Am 18. Juni 1293 erhob König Wenzel II. den Markt Horažďovice zur Stadt, verlieh ihr ein Wappen und unterstellte sie direkt den Bavor von Strakonitz. Ab 1316 wurde die Kirche St. Peter und Paul umgebaut, ihre Weihe erfolgte durch den Verwalter des Bistums Prag, den Bischof von Prizren, Hermann († 1322). Bavor III. von Strakonitz bestimmte Horažďovice zu seinem neuen Sitz.
Als nach dem Aussterben der Přemysliden im Jahre 1306 Rudolf von Habsburg zum neuen böhmischen König gekrönt wurde, erhob sich ein Teil des westböhmischen Adels unter Führung des Burggrafen von Zvíkov, Bavor III. von Strakonitz und Wilhelm Zajíc von Waldeck gegen den neuen König. Rudolf I. beauftragte im Sommer 1307 Heinrich von Rosenberg, dem er als Belohnung die Burg Zvíkov als Ersatz für die verlorene Burg Raabs zusicherte, mit einer Expedition gegen den Sitz des Anführers der Rebellen, Bavor III. von Strakonitz, an der er auch selbst teilnahm. Während der Belagerung von Horažďovice verstarb Rudolf I. in der Nacht vom 3. zum 4. Juli 1307 im Feldlager gegenüber der Mühle Jarov an einer plötzlichen Erkrankung, wahrscheinlich an einem Magengeschwür. Da die königlichen Truppen zu dieser Zeit kurz vor der Einnahme der Stadt standen, wurde der Tod des Königs zunächst geheim gehalten. Im Jahre 1315 erhielt Bavor III. von Strakonitz durch König Johann von Luxemburg die verfallene Burg Prachin mit dem einzigen bei der Burg verbliebenen Dorf Poříčí sowie den zugehörigen Anteilen in Broziedl, Domoraz und Prácheň als Geschenk mit der Erlaubnis zum Bau einer neuen steinernen Burg auf dem Prácheň. Bavor III. vereinte die Prachiner Güter mit denen der Burg Strakonice. Der kinderlose Wilhelm Bavor von Strakonitz überschrieb 1336 testamentarisch die Herrschaft Strakonitz dem Johanniterorden, behielt jedoch die Güter Blatná und Horažďovice. Mit dem Tod des Břeněk von Strakonitz starb das Geschlecht der Bavor von Strakonitz 1404 aus. Das Gut Horažďovice fiel den Herren von Neuhaus zu, der übrige Teil Zdenko von Rosental, der zugleich auch 1405 das Scharfrichteramt im Prachiner Kreis übernahm. Während der Hussitenkriege stand die Stadt auf Seiten der Taboriten. Im Jahre 1459 erwarb Peter Racek von Kotzow den Besitz. König Georg von Podiebrad bestätigte der Stadt 1467 ihre Privilegien und erteilte ihr zudem das Recht auf einen Jahrmarkt zu St. Gallus sowie einen Wochenmarkt zwischen St. Georg und St. Gallus. Nachfolgender Besitzer war ab 1478 Půta Švihovský von Riesenberg. König Vladislav II. Jagiello erteilte der Stadt am 4. März 1502 die Rotwachsfreiheit. Durch Kaiser Rudolf II. wurden die städtischen Privilegien noch um die Erhebung einer Maut, einen Pferdemarkt am Fastendienstag sowie einen Jahrmarkt zu St. Peter und Paul erweitert.
Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde die Friedrich Karl Švihovský von Riesenberg gehörende Herrschaft wegen dessen Beteiligung am Ständeaufstand von 1618 konfisziert und 1622 an den Oberstburggrafen Adam Graf von Sternberg verkauft. Ab 1623 gehörte Horažďovice dessen Witwe Maria Maximiliana, einer Tochter des Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen, die die Herrschaft 1635 ihrem Sohn Franz Mathias Graf von Sternberg vererbte. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Horažďovice zweimal von schwedischen Truppen geplündert und erlitt durch zwei Brände schwere Schäden. Franz Mathias von Sternberg verstarb 1652, danach verwaltete seine Witwe Ludmilla, geborene Kavka von Říčany, den Besitz für ihre unmündigen Söhne Ignaz und Wenzel Adalbert. Die Grafen von Sternberg ließen das ruinierte Schloss wieder aufbauen. 1664 trat Ignaz von Sternberg das väterliche Erbe an, 1675 verkaufte er die Herrschaft Horažďovice seinem Bruder Wenzel Adalbert. Durch Kaiser Leopold I. wurden der Stadt im Jahre 1678 ein Faschingsmarkt und ein wöchentlicher Viehmarkt bewilligt. Wenzel Adalbert von Sternberg erteilte der Schutzstadt Horažďovice am 12. März 1681 umfangreiche Freiheiten. Am 13. Juli 1689 zerstörte ein Großfeuer 47 Häuser der Stadt, darunter auch das Rathaus. Wenzel Adalbert von Sternberg vererbte die Herrschaft 1708 seiner Witwe Clara Bernhardina, geborene von Maltzan. Nach deren Tod wurde die Herrschaft Horažďovice 1719 an Philippine von Thun, geborene Gräfin Harrach, verkauft, die sie zwei Jahre später an Eleonore verw. Gräfin von Mansfeld weiterveräußerte.
Durch König Karl II. erhielt die Stadt 1738 das Recht zur Abhaltung eines weiteren Marktes zu Portiuncula sowie sämtliche vorherigen Privilegien bestätigt. Eleonores Sohn Heinrich Franz Fürst von Mannsfeld-Fondi, der Horažďovice 1748 geerbt hatte, verkaufte die Herrschaft im Jahr darauf an Wenzel Maria Josef von Pötting und Persing. Er ließ 1753 an der schwefelhaltigen Heilquelle südlich der Stadt ein Badehaus errichten. 1754 trat von Pötting die Herrschaft an den Fürsten von Mannsfeld-Fondi ab, der Horažďovice 1755 an Maria Caroline Fürstin zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort verkaufte. Maria Caroline stellte die Herrschaft Horažďovice unter die Verwaltung der fürstlichen Löwensteinschen Güter in Wertheim.
Zwischen 1750 und 1760 wurde die Kaiserstraße No. 21 angelegt, die von Budweis über Strakonice, Horažďovice und Malý Bor nach Klatovy führte. Da kurz nach dem Tode von Fürstin Maria Caroline im Jahre 1765 ihre als Erbin vorgesehene einzige Tochter Leopoldine von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst ebenfalls verstarb, fiel die Herrschaft ihrem Witwer Karl Thomas zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort zu. Dieser heiratete 1779 in zweiter Ehe Maria Josepha verw. von Rummerskirch, geborene von Stipplin und überschrieb ihr die Herrschaft Horažďovice. Nach deren Tod erbte 1799 ihr erstehelicher Sohn Johann Bernard von Rummerskirch die Herrschaft und errichtete in Horažďovice ein herrschaftliches Oberamt. Im Jahre 1780 wurde der städtische Meierhof emphyteutisiert. Unter Beteiligung von Kaiser Franz I. gründeten die Grafen von Rummerskirch in Horažďovice eine künstliche Flussperlmuschelzucht. 1821 erbte Johann Bernards Witwe Anna, geborene Hildprandt von und zu Ottenhausen, die Herrschaft. Karl von Rummerskirch, der die Herrschaft 1826 übernommen hatte, verkaufte sie nach mehreren Fehlinvestitionen 1834 an Rudolf Kinsky von Wchinitz und Tettau, der sie der Fürstlich Kinskyschen Güterverwaltung unterstellte.
mini|hochkant|Pestsäule und Dekanatskirche St. Peter und Paul