mini|Zeitgenössische Darstellung der Eureka Stockade (Aquarell)

Edward Thonen (* 26. Mai 1827 in Elberfeld als Eduard Thönen; † 3. Dezember 1854 in Ballarat) war ein deutscher Auswanderer nach Australien und einer der Goldgräber, die am Eureka-Stockade-Aufstand im australischen Bundesstaat Victoria beteiligt waren. Er war Hauptmann einer Abteilung der Aufständischen. Als Soldaten am 3. Dezember 1854 die Stockade stürmten, war Thönen eines der ersten Todesopfer.

Vor seiner Emigration nach Australien im Jahr 1853 erlangte Thönen in England Berühmtheit als Juwelendieb.Great Robbery of Diamonds, in: Morning Post, 10. Mai 1851, Seite 7.A Diamond Robber Caught, in: Riverina Recorder, 10. Februar 1897, Seite 2. Die Geschichte seiner Verhaftung an Bord eines Schiffes vor der Küste von Wales wurde weithin bekannt gemacht; in den 1890er Jahren erreichte sie sogar Australien, ohne dass jemand zu dieser Zeit eine Beziehung zwischen dem Juwelendieb und dem Aufstand von 1854 herstellte.Bamberger, Daniel; Young, Anne: Edward Thonen (1827–1854), in: Ballarat Link, 214, November 2022, Seiten 10–11, herausgegeben von Ballarat & District Genealogical Society. Die Verbindung zwischen den beiden Vorfällen konnte erst 2022 nachgewiesen werden, durch eine Zusammenarbeit von deutschen und australischen Genealogen, deren Ergebnisse durch die Ballarat and District Genealogical Society veröffentlicht wurden.

Biographie Frühe Jahre mini|Elberfeld von Südwesten (um 1845), mit den drei Kirchen der Stadt.Von links: katholische, lutherische und reformierte Kirche

Eduard Thönen wurde 1827 im Rommelspütt, Elberfeld (heute Wuppertal) als siebtes von acht Kindern des Kaufmanns Adolph Friedrich Thönen und dessen Ehefrau Christina Elisabetha Braches geboren. Er wurde in der Lutherischen Kirche in Elberfeld getauft.Eduard Thönen, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Personenstandsregister Elberfeld (1827), Seite 509.Eduard Thönen, in: Kirchenbuch Elberfeld, Taufen 1822–1827, Lutherisch, Seite 470. Zitat: den 20t. [Juli] Stadt. T. – No. 278, den 26t. Mai ist geboren Eduard, ehelicher Sohn des am Rommelspütt wohnenden Kaufmanns Herr Adolph Friedrich Thönen, und der Christina Elisabeth Braches, die Taufzeugen: Herr Daniel Braches, Frau Helena Braches, geb. Schmeetz, und Jungfrau Helena Schmeetz. Im September 1840 ist Thönen als Quartaner des Elberfelder Gymnasiums belegt.Rede-Actus, in: Jahresbericht über das Gymnasium in Elberfeld, Herbst 1839–Herbst 1840, Seite 30. Thönen trug am 11. September 1840 im Rahmen eines von Schülern bestrittenen „Rede-Actus“ Heines Ballade Belsatzar vor. Für ungefähr ein Jahr diente er in der Preußischen Armee.

Die Revolutionen von 1848/1849 In einem Versuch, Eduards spätere Rolle bei der Eureka Stockade zu erklären, haben mehrere Historiker darüber spekuliert, ob und in welcher Weise er an dem Elberfelder Aufstand und den Revolutionen von 1848/1849 beteiligt war, ob er politisch aktiv gewesen ist und ob er dabei mit dem Gesetz in Konflikt geriet.Blake, Gregory: The Eureka Stockade: an International/Transnational Event, in: UNSW Canberra, 2013, Seiten 121–122.FitzSimons, Peter: Eureka: The Unfinished Revolution, Random House Australia, 2012, Seiten 309–310.Corfield, Justin J.; Gervasoni, Clare; Wickham, Dorothy: The Eureka Encyclopaedia, Ballarat Heritage Services, 2004, Seite 506.

Elberfelds Bürger schlugen sich spät auf die Seite der Demokraten. Bis ins Frühjahr 1849 war das protestantisch geprägte Elberfeld eine Hochburg der Royalisten, im Gegensatz zur vorwiegend katholischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Stimmung kippte jedoch schnell, und am 29. April 1849 machte sich eine Delegation von 500 bis 800 Einwohnern von Elberfeld auf den Weg nach Düsseldorf, um von der Preußischen Regierung die Annahme der Paulskirchenverfassung zu verlangen.Sperber, Jonathan: Rhineland radicals: the democratic movement and the revolution of 1848–1849, Princeton University Press, 1991, Seite 358. Der Historiker Gregory Blake vermutete 2013, dass Thönen unter ihnen gewesen sein könnte, obwohl es keinen Beweis für seine Teilnahme gibt oder dafür, dass er sich zu dieser Zeit überhaupt in Elberfeld aufgehalten hat. Im Jahr 2012 spekulierte der australische Journalist Peter FitzSimons, Eduard Thönen sei aufgrund seiner Beteiligung an den Aufständen möglicherweise aus Preußen verbannt worden und sei deshalb nach England gezogen. Andere haben darauf hingewiesen, dass England zu dieser Zeit zu einem sicheren Rückzugsort für politische Flüchtlinge aus Deutschland geworden war und dass Thönen deshalb dorthin gezogen sein könnte.

Reise nach England und der Juwelenraub mini|Ausschnitt aus Francis Holls Gemälde The Railway Station von 1866. Der Mann mit den Handschellen ist Kommissar Michael Haydon, hier dargestellt bei der Verhaftung eines Flüchtigen.

Im Dezember 1850 reiste Thönen über Ostende nach England. Am 10. Dezember kam er in Dover an.The National Archives (Herausgeber): Class: Ho 2; Piece: 193; Certificate Number: 4821, in: England, Alien Arrivals, 1810–1811, 1826–1869. Kurz nach seiner Ankunft wurde er ausgeraubt, wobei er seinen gesamten Besitz verlor.

Thönen zog in den Londoner Stadtteil Finsbury.Edward Thonen, in: Volkszählung England 1851 (Middlesex, St Luke Old Street, Finsbury, 02d), Klasse HO107, Blatt 51, Seite 36. Datum: 30. März 1851 Adresse: 22 City Road, Kaffeehaus Name: Edward Thonen Alter: 23 Jahre Status: Gast Beruf: Fremdsprachenlehrer Herkunft: Elberfeld, Preußen Im Januar 1851 vermittelte ihm sein Vermieter eine Anstellung bei den Diamantenhändlern Jacques Schwabacher und Louis Birnstingl, wobei er speziell auf Thönens Sprachbegabung hinwies (Thönen sprach zahlreiche europäische Sprachen, darunter Französisch, Niederländisch und Spanisch). Sie stellten ihn als Buchhalter an, bei einem wöchentlichen Gehalt von 1 £, aber unter der Bedingung, dass sie sich jederzeit von ihm trennen könnten, sollte er sich als unbrauchbar herausstellen. Tatsächlich stellten sie schnell fest, dass Thönens kaufmännische Kenntnisse zu wünschen übrig ließen. Thönen bat darum, für sie bei geringerem Gehalt als Fremdsprachenlehrer weiterarbeiten zu dürfen. Die Diamantenhändler willigten ein, und Thönen blieb bis Mitte April in ihrem Geschäft. Schwabacher sagte später aus, er habe ihn zuletzt am 23. April gesehen. An diesem Tag habe Thönen das Unternehmen verlassen, vorgeblich um eine Stellung als Lehrer in Eastbourne anzutreten.Dodsley, J.; J.G. & F. Rivington (Herausgeber): Great Robbery of Diamonds, in: Annual Register, 1852, Seiten 62–64.

Zu dieser Zeit bewahrten die Händler ein Päckchen Juwelen (Diamantenarmbänder und Ohrringe im Gesamtwert von 450 £) in ihrem Tresor auf, zu dem Thönen freien Zugang hatte. Thönen hatte lange davon geträumt, in einem fernen Land sein Glück zu finden, und hatte mehrfach von Plänen gesprochen, nach Afrika auszuwandern. Verzweifelt und in Geldnot, nutzte er die Gelegenheit und stahl die Juwelen. Er muss davon ausgegangen sein, dass es Wochen dauern würde, bis der Diebstahl auffallen würde, aber am 28. April beschloss Schwabacher, den Schmuck einem Freund zu zeigen. Nachdem er entdeckt hatte, dass das Siegel beschädigt und der Schmuck entwendet worden war, rief Schwabacher die Polizei.

Thönen verpfändete die Ohrringe für 40 £ und nutzte das Geld, um aus London zu entkommen.Third Court, in: Morning Post, 16. Mai 1851, Seite 7. Ungefähr am 25. April nahm er den Zug nach Peterborough und von dort weiter nach Liverpool. Am 2. Mai verkaufte er in Liverpool mehrere Juwelen, wofür er weitere 25 £ und eine Golduhr erhielt. Kurz darauf ging Thönen an Bord eines Dampfers, der jedoch noch am gleichen Abend bei einer Kollision beschädigt wurde und in den Hafen zurückkehren musste. Thönen war gezwungen, seinen Plan zu ändern. Schließlich verließ er am Morgen des 7. Mai England an Bord des Segelschiffes Sardinia, mit Ziel New York.

Etwa zu dieser Zeit kam Michael Haydon, ein Kommissar der Londoner Polizei, in Liverpool an. Er war am 28. April mit der Aufklärung des Falles betraut worden. Schnell fand er heraus, dass Thönen nicht nach Eastbourne, sondern Richtung Norden aufgebrochen war. Haydon verfolgte ihn bis Peterborough, von wo aus er am Abend des 6. Mai den Nachtzug nach Liverpool nahm. Von Thönens Flucht an Bord der Sardinia erfuhr Haydon nur vier Stunden nach Abfahrt des Schiffes. Haydon charterte einen Dampfer und konnte die deutlich langsamere Sardinia nur 100 Kilometer vor der Küste einholen. Er fand Thönen an Bord, aber der junge Mann leugnete, von dem Juwelendiebstahl zu wissen. Dennoch konnte Haydon den Kapitän des Schiffes überzeugen, ihn Thönen festnehmen zu lassen. Zurück in Liverpool fanden sich bei einer sorgfältigen Suche die verbliebenen Juwelen. Thönen gestand die Tat und half der Polizei, den Rest der Beute zurückzuholen. Schließlich brachte Haydon den Flüchtigen zurück nach London.

mini|Das Newgate-Gefängnis im 19. Jahrhundert

Während die Londoner Polizei, und insbesondere Haydon, seitens der Medien für die Verhaftung Thönens viel Beifall erntete, wurde diese positive Einschätzung nicht von allen geteilt. Einige, darunter der Zeuge Thomas Dismore aus Liverpool, brachten ihre abweichende Meinung öffentlich zum Ausdruck. In einem Brief an den Herausgeber der Lokalzeitung Liverpool Albion schrieb Dismore, der Fall hätte deutlich schneller gelöst werden können, wenn man die Öffentlichkeit von dem Raub früher in Kenntnis gesetzt hätte. Die erfolgreiche Verhaftung Thönens sei reine Glückssache gewesen.Dismore, Thomas: The Late Diamond Robbery. To the Editor of the Albion, in: Liverpool Albion, 19. Mai 1851, Seite 7.

Die Gerichtsverhandlung in Old Bailey begann am 10. Mai. Die Staatsanwaltschaft zeigte Verständnis für Thönen und empfahl dem Gericht, Gnade walten zu lassen. Der Richter drückte in seiner Urteilsbegründung sein Mitleid aus: „Sie scheinen ein junger Mann mit herausragenden Talenten und Fähigkeiten zu sein. Es betrübt mich sehr, Sie in Ihrer derzeitigen unglücklichen Lage zu sehen. Es ist bedauerlich, dass Sie Ihre Fähigkeiten nicht auf bessere Weise zu nutzen wussten.“Diamond Stealing, in: Globe, 10. Mai 1851, Seite 3. Das Gericht befand, dass Thönen ohne Vorsatz gehandelt habe. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt, die er im Newgate-Gefängnis verbüßte.Edward Thonen (1851), Newgate Prison, in: Großbritannien, Gefängniskommissionsregister, 1770–1951. Name: Edward Thonen Beschreibung: 5 Fuß 4 Zoll (ca. 1,63 Meter) groß, gesund, schwarzes Haar Herkunft: Elberfield Beruf: Buchhalter Alter: 24 Jahre Anklage: Diebstahl einer Anzahl Diamanten, wert 450 £, von Jacques Schwabacher und einem anderen, seinen Arbeitgebern Datum der Anhörung: 15. Mai Urteil: Bekennt sich schuldig, verringertes Strafmaß Strafmaß: 1 Jahr Datum der Überweisung: 24. JuniProceedings of the Central Criminal Court, in: Middlesex, London, Old Bailey Court Records 1674–1913, 27. Oktober 1851, Seite 183.

Auswanderung nach Australien mini|Goldrausch in Ballarat, 1854

Was auch immer für Pläne Thönen gehabt haben mag, in „einen Teil Afrikas“ auszuwandernThird Court, in: Morning Post, 16. Mai 1851, Seite 7.The Diamond Robbery in the City, in: Morning Post, 17. Mai 1851, Seite 7. – ein solches Vorhaben kam nicht zustande.