mini|hochkant=1.4|Das Nationale Filmmuseum in der Mole Antonelliana mini|Blick in die zentrale Halle mit dem Panoramaaufzug und den umliegenden Ausstellungsebenen Das Nationale Filmmuseum Turin () ist ein Filmmuseum in der italienischen Stadt Turin. Es befindet sich im Wahrzeichen der Stadt, der Mole Antonelliana. Die Museumsarchitektur erstreckt sich über mehrere offene Ebenen im Inneren des Turms.

Geschichte Turin war als früherer Sitz des italienischen Königshauses und durch das Entstehen der Automobilindustrie eine wirtschaftlich bedeutende Stadt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich hier frühe Filmproduktionsfirmen Italiens wie Itala Film oder Ambrosio Film, weshalb Turin als ein Entstehungszentrum des italienischen Films gilt.

Erste Konzepte zur Gründung eines italienischen Filmmuseums stammten von der Geschichts- und Filmwissenschaftlerin Maria Adriana Prolo (1901–1991). Sie begann 1941 mit dem Sammeln von Dokumenten, Filmen und historischen Objekten des Pré Cinéma und Kinos. Im Jahr 1953 trat das Museum der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) bei. Im selben Jahr gründete Prolo gemeinsam mit dem Regisseur Giovanni Pastrone und dem Filmkritiker Mario Gromo die Associazione Museo del Cinema. Im September 1958 wurde das Museum im Palazzo Chiablese für die Öffentlichkeit geöffnet. 1960 folgte die Eröffnung der angeschlossenen Kinobibliothek. Das Ministerium für öffentliche Erziehung erkannte die Einrichtung 1965 offiziell als Nationalmuseum an.

Im Jahr 1985 wurde der Standort im Palazzo Chiablese aus Sicherheitsgründen geschlossen. In der Folgezeit wurde die Sammlung eingelagert und inventarisiert, während das Museum als Archiv- und Forschungseinrichtung weiter existierte. 1992 wurde die Stiftung Fondazione Maria Adriana Prolo - Museo Nazionale del Cinema ins Leben gerufen, um eine Neuausrichtung vorzubereiten. Als neuer Standort wurde die Mole Antonelliana ausgewählt. Am 20. Juli 2000 erfolgte die Wiedereröffnung des Museums am heutigen Standort. Anlässlich der Olympischen Winterspiele 2006 erfuhren die Ausstellungsflächen eine partielle Neugestaltung und Erweiterung.

Ausstellung, Konzeption und Sammlungen Die Ausstellungsfläche folgt der Architektur der Mole Antonelliana und steigt spiralförmig über mehrere Ebenen empor. Der Rundgang führt von den Anfängen der Filmgeschichte und der „Archäologie des Kinos“ mit Schattentheatern, Guckkästen sowie historischen Laternae Magicae bis hin zu Spezialeffekten. Das Zentrum bildet die Tempelhalle. Diese ist von Themennischen zu verschiedenen Filmgenres umgeben, bietet Liegesessel für Filmvorführungen und wird durch einen Panoramaaufzug aus Glas durchquert. Die ansteigende Rampe beherbergt zudem eine Plakatgalerie, welche die Entwicklung der Werbegrafik nachzeichnet. Die Ausstellung verfügt über einen Bereich namens „Kinomaschine“, eine Ebene, die sich den Gewerken der Filmproduktion wie Regie, Drehbuch und Kostümdesign widmet.

Das angeschlossene Museumsarchiv beherbergt eine Sammlung zur Kinogeschichte. Der Bestand umfasst über 30.000 Filme, rund 2,5 Millionen Fotografien, mehr als 540.000 Kinoplakate sowie über 1,5 Millionen filmhistorische Dokumente, Drehbücher, historische Kameras und Kostüme.

Neben dem Hauptstandort in der Mole Antonelliana gehören zum Museum weitere Einrichtungen in Turin: Das nahegelegene Programmkino Cinema Massimo dient seit 1989 als hauseigene Spielstätte und Austragungsort für Filmfestivals; es wurde 2007 auf Digitalprojektion umgerüstet. Zudem unterhält die Stiftung seit 2008 in der Via Matilde Serao die Bibliomediateca „Mario Gromo“ samt historischem Archiv, die als Dokumentationszentrum für Film und Fotografie dient.

Filmfestivals Die Stiftung des Museums ist der Hauptorganisator und Träger von drei großen, jährlich in Turin stattfindenden Filmfestivals, die primär im Cinema Massimo ausgetragen werden: Das Torino Film Festival (TFF): Gegründet 1982, gilt es nach den Internationalen Filmfestspielen von Venedig als das zweitgrößte Filmfestival Italiens und fokussiert sich auf Independent- und Autorenkino sowie neue filmische Tendenzen. Das Lovers Film Festival: Gegründet 1986, ist es das älteste LGBT-Filmfestival Europas und befasst sich mit Themen der sexuellen Orientierung und Geschlechteridentität. Das Festival CinemAmbiente: Gegründet 1998, präsentiert es internationale Filmproduktionen zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen.

Weblinks

Website des Museo Nazionale del Cinema – Fondazione Maria Adriana Prolo (italienisch, englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Kinemathek Kategorie:Filmorganisation (Italien) Kategorie:Kunst (Turin) Kategorie:Archiv (Italien) Kategorie:Kunstmuseum in Turin Kategorie:Museumsgründung 2000 Kategorie:Filmmuseum