Die Deutsche Nachrichtenagentur (Dena) war eine Berliner Presseagentur, die von 1919 bis März 1923 existierte. Im letzten Geschäftsjahr firmierte sie als Deutsche Telegraphenagentur (Deta). Sie ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Nachrichtenagentur DENA, die 1946 von der amerikanischen Besatzungsmacht in Bad Nauheim gegründet wurde.

Angebot Die Dena entstand nach der Novemberrevolution 1918 als eine der Agenturen, die in Wettbewerb mit der halbamtlichen Nachrichtenagentur Wolffs Telegraphisches Bureau (WTB) traten. Die meist als „Korrespondenzen“ bezeichneten Presseagenturen belieferten Zeitungsredaktionen sowohl mit nachrichtlichem als auch kommentierendem Rohmaterial. alt=Dena in deutschen Zeitungen 1920–22|mini|391x391px|Die Deutsche Nachrichtenagentur (Dena) in Berlin gehörte in der frühen Weimarer Republik zu den häufig im Politikteil deutscher Zeitungen zitierten Quellen. Sie wurde „Nachrichtenagentur“ oder „Korrespondenz“ genannt. Collage aus Zeitungenausschnitten 1920–22. Klarer Schwerpunkt des Dena-Angebots für Redaktionen war Politik. Als typische Agentur ihrer Zeit vor Einführung des Fernschreibernetzes verbreitete sie ihre Nachrichten telegrafisch, telefonisch und per Post oder Kurier auf Papier. Die Dena besaß Anfang 1920 bei ihrem Büro in der Wilhelmstraße zwar einen Funkmast zwischen Wilhelmstraße und Königgrätzer Straße.A (Adolf Stein). Sieben-Tage-Buch : Kappregierung und Generalstreik. Verlag der Täglichen Rundschau, Berlin 1920, S. 44 Dieser diente aber wahrscheinlich vorrangig nur dem Empfang, nicht dem Versand. 1922 änderte sie ihren Namen in Deutsche Telegraphenagentur (Deta). Aber telegraphische Übermittlung war sehr teuer. So wie selbst die größten Rivalen, das WTB und die Telegraphen-Union, lieferte die Agentur aus Kostengründen den Basisdienst (eine Morgen- und eine Nachmittagsausgabe) in Manuskriptform auf Papier. Die mit der Schreibmaschine getippten Exemplare wurden auf vorgedruckten Kopfbogen hektografiert oder mit ähnlichen Apparaten vervielfältigt, dann per Expresspost oder Kurier an die Kunden versandt. Die Kunden erhielten außerdem, wie damals üblich, dringende aktuelle Nachrichten telefonisch.

Offiziöse Agentur Die Dena galt anfangs als „offiziös“, weil sie von Regierungsstellen regelmäßig als informeller Kommunikationskanal genutzt wurde. Verlautbarungen aus Regierungskreisen sollten zwar verschleiert werden, aber die Herkunft ungefähr erkennbar und zuzuordnen sein. So finden sich in zahlreichen Dena-Meldungen typische offiziöse Formulierungen wie „aus unterrichteten Kreisen“, „von zuständiger Seite“, „die maßgebenden Stellen“ oder „von diplomatischer Seite“. Politiker und Verwaltung nutzten solche Kanäle für vage Andeutungen, indirekte Kommunikation, das Lancieren von Entwürfen oder Gerüchten, die jederzeit dementiert oder relativiert werden konnten.

Dem Zeitungswissenschaftler Otto Groth zufolge nahmen nach dem Umsturz zunächst zwei Berliner Dienste die Stellung einer offiziösen Korrespondenz ein: die ältere, schon 1896 von SPD-Kreisen gegründete Politisch-Parlamentarischen Nachrichten (Herausgeber Curt Baake und Paul Hirsch) und die neue Dena, die speziell der SPD-geführten preußischen Staatsregierung nahestand. Als die SPD nach den Reichstagswahlen 1920 aus der Reichsregierung ausschied, hätten PPN und Dena ihre besonderen Informationsquellen bei den Behörden verloren, so Groth. Ähnliche Funktionen hatten laut Groth etwas später die Gustav Stresemann (DVP) nahestehende Deutsche Diplomatisch-Politische Korrespondenz und der Otto Geßler (DDP) nahestehende Süddeutsche Zeitungsdienst.Otto Groth. Die Zeitung : ein System der Zeitungskunde (Journalistik), Bd. 2. J. Bensheimer, Mannheim / Berlin / Leipzig 1929, S. 271

Die Regierungsnähe der Dena wurde auch in der Presse thematisiert. Zum Beispiel bemerkte im Juni 1920 das USPD-Parteiorgan Freiheit, dass in der Verfassungsschutzbehörde, beim preußischen Staats- und Reichskommissar für Überwachung der öffentlichen Ordnung Robert Weismann (Zentrum) unter Leitung von Jakob Scherek ein Nachrichtenbüro eingerichtet worden sei. Dort säßen zwei Mitarbeiter, die für externe Korrespondenzen arbeiteten, einer davon der inoffizielle Dena-Redakteur Richard Dyck. Über diese Kanäle, so die Freiheit, „verseuchte der Staatskommissar die Presse mit den Ergebnissen seiner Spitzelberichte“.„Lage-Bericht vom 17. Juni 1920 – Sowjetregierung und USPD“. Freiheit Nr. 240 23. Juni 1920, S. 1 [Zeitungsportal] Nicht nur die linke Seite war kritisch. Die liberalkonservative Berliner Börsen-Zeitung etwa beanstandete im Herbst 1920, dass in „den Regierungsämtern nahestehenden Korrespondenzen“ immer wieder Meldungen über eine Zwangsanleihe auftauchten, die die BBZ als „Versuchsballons“ einstufte, weil die Regierung dazu jede klare Stellungnahme vermied. Als die BBZ dennoch einen längeren Absatz einer Dena-Notiz über Zweck und Form einer möglichen Zwangsanleihe abdruckte, nannte sie die Agentur die „einen offiziösen Charakter tragenden Korrespondenz ,Dena‘“ und wies dann noch einmal auf diesen „Charakter“ hin, um auszudrücken, dass es sich um von der Regierung absichtlich gestreute Informationen handelte.„Die Zwangsanleihe“. Berliner Börsen-Zeitung 15. September 1920, S. 4 [Zeitungsportal]

Kapp-Putsch 1920 Während des Kapp-Putsches im März 1920 wurden in Berlin die meisten Redaktionen von Freikorpssoldaten oder der paramilitärischen Sicherheitspolizei (Sipo, sog. grüne Polizei) besetzt oder behindert. Es kam aber selbst bei linksstehenden Zeitungen nicht zu Zerstörungen, auch Verhaftungen waren äußerst selten. Eine Ausnahme war die Dena am fünften, letzten Putschtag, dem 17. März. Das Regime hatte politisch bereits aufgegeben, Wolfgang Kapp trat am selben Tag zurück, und die aufständischen Soldaten begannen abzuziehen. Aber dennoch drang eine größere Abteilung Sipo in die Dena-Räume in der Wilhelmstraße ein. Die Dena selbst berichtete:Das Büro der Dena wurde am 17. März von der Gruppe Süd der Sicherheitspolizei in der Friesenstraße 16 [Sitz der Sipo-Gruppe] unter Führung von zwei Offizieren von Grund auf vernichtet. Sämtliche Möbel wurden zerschlagen, die gesamten Archive, Papier- und Briefumschlagbestände zu Boden gerissen und zertreten, die für Vervielfältigungsapparate benötigte Farbe darüber gegossen und zum Schluss das ganze Chaos aus Flammenwerfern mit einer kreosotartigen Flüssigkeit bespritzt, so dass die Räumlichkeiten selbst nach gründlicher Reinigung infolge des Geruchs erst nach Wochen wieder benutzbar sein werden.Dena-Text zitiert nach „Die Kappvandalen“. Vorwärts 1. April 1920, S. 2 [Zeitungsportal]Nach einer Fremddarstellung rückte die Sipo mit zwei großen Lastwagen an, die sich quer über die Straße stellten. Ein Maschinengewehr sei mitgeführt worden. Ein Warnschuss sei abgegeben worden („Straße frei!“). In weiteren Darstellungen drangen drei oder vier Offiziere und 50 Mann in die Redaktion ein, wo nur eine Stenotypistin und Telefonistin anwesend war. Die Frau wurde fest- und mitgenommen.„ein Hauptmann mit drei Offizieren und 50 Mann“ nach: „Abzug der aufständischen Truppen“. General-Anzeiger für Dortmund 53. Jg., Nr. 79, 19. März 1920, S. 1 [Zeitungsportal]„50 Soldaten“ „unter Führung eines Hauptmannes und zweier Leutnants“ – nach: „Arger Gewaltakt gegen eine Nachrichtenagentur“. Neue Freie Presse (Wien), Nr. 19957, 19. März 1920, S. 3 [ANNO ÖNB]

Dem Vorwärts zufolge ging der Aktion eine Mitteilung des Reichswehrgruppenkommandos I an die Sipo-Gruppe Süd voraus, „dass die ,Dena‘ eine bolschewistische Funkenstation (!) sei“. Der kommandierende Major der Sipo-Gruppe Süd habe anschließend den Einsatzbefehl gegeben.„Die Kappvandalen“. Vorwärts 1. April 1920, S. 2 [Zeitungsportal] Hier widersprechen sich einige Presseberichte. Nach einer Version folgte die Aktion auf eine Weigerung der Dena, eine Verlautbarung der Putsch-„Regierung“ zu verbreiten.„Abzug der aufständischen Truppen“. General-Anzeiger für Dortmund 53. Jg., Nr. 79, 19. März 1920, S. 1 [Zeitungsportal]„Arger Gewaltakt gegen eine Nachrichtenagentur“. Neue Freie Presse (Wien), Nr. 19957, 19. März 1920, S. 3 [ANNO ÖNB] Nach anderer Darstellung kam es dazu, weil die Dena vermeintlich „unwahre Meldungen“ verbreitet habe. Eine Etage über der Dena-Redaktion befanden sich Büros der Reichszentrale für Heimatdienst, einer dem Reichspressechef unterstehenden Reichsbehörde. Auch diese wurden demoliert.Falsch benannt als „Zentrale für Heimatschutz“. Nach: „Abzug der aufständischen Truppen“. General-Anzeiger für Dortmund 53. Jg., Nr. 79, 19. März 1920, S. 1 [Zeitungsportal]

Der Dena gelang es zunächst nicht, einen Entschädigungsanspruch oder einen Entschädigungsvorschuss nach dem preußischen Gesetz über die durch innere Unruhen verursachten Schäden und dessen Ausführung (Tumultschadengesetz) durchzusetzen. Der Vorwärts berichtete, dass die Dena ihren 22 Angestellten am 1. April 1920 nicht ihr Gehalt bezahlen konnte.„Die Kappvandalen“. Vorwärts 1. April 1920, S. 2 [Zeitungsportal]

In der Wirtschafts- und Zeitungskrise Dass die Dena durch den Vandalismus in die Zahlungsunfähigkeit geriet, zeigt, dass die relativ kleine Agentur kaum über finanzielle Reserven verfügte. Während der Wirtschafts- und Inflationskrise, die in der Zeitungsbranche zu einem Verlagssterben und zu radikalen Einsparungen auch bei den Agenturservices führte, spitzte sich die Lage weiter zu. Viele neu entstandene Korrespondenzen gerieten in eine Existenzkrise und damit ins Visier kapitalstarker Unternehmen, die sie aufkauften. Im Kontext der Überführung des Korrespondenzverlags Rudolf Dammert in den Hugenberg-Konzern meldete der Frankfurter General-Anzeiger im April 1921, dass Hugenberg die Dena aufgekauft habe. Offenbar wurde darüber verhandelt, aber es kam nicht zu einem Abschluss.„Der Meinungstrust des Industriekapitals : wie die Provinzpresse beeinflusst wird“. General-Anzeiger für Dortmund und Westfalen 34. Jg., Nr. 88 2. April 1921, S. 3 [Zeitungsportal]

Die Dena stand nach dem Verlust ihrer privilegierten „offiziösen“ Quellen unter hohem Wettbewerbsdruck, weiter exklusive Meldungen anzubieten. Zum einen weitete sie ihren Dienst inhaltlich aus und verbreitete häufiger Nachrichten aus der Außenpolitik. Damit verbunden war die Umbenennung in Deutsche Telegraphenagentur (Deta).Otto Groth. Die Zeitung : ein System der Zeitungskunde (Journalistik), Bd. 2. J. Bensheimer, Mannheim / Berlin / Leipzig 1929, S. 271

Zum anderen gerieten journalistische Qualitäts- und Sorgfaltsstandards ins Rutschen. Durch wiederholte Falschmeldungen oder Fehlinterpretationen erhielt die bislang offiziöse, aber seriöse Dena allmählich einen Ruf der Unzuverlässigkeit und sogar Sensationsgier. mini|444x444px|Die Dena meldete in ihrer Nachmittagsausgabe am 24. Mai 1922 einen schwebenden Rücktritt von Reichskanzler Joseph Wirth und ein Zerwürfnis mit Finanzminister Andreas Hermes (beide Zentrum). Die ausführliche Schilderung aus dem Kabinett schien dem Kern der Nachricht Substanz zu geben, doch war dies hoch spekulativ und zum Zeitpunkt der Meldung schlicht falsch. Die Nachricht beschädigte das Ansehen der Dena sehr. Die Berliner Volks-Zeitung baute die Dena-Meldung zwar als Lang-Zitat in ihren Aufmacher auf der Titelseite ein, machte jedoch die Distanzierung der Zeitungsredaktion deutlich, weil der Wahrheitsgehalt zu problematisch erschien. Ausschnitt aus „Hermes’ Reise und das Kabinett“. Berliner Volks-Zeitung 70. Jg., Nr. 243, 25. Mai 1922, S. 1