Otto Gündner (geb. 1. Mai 1910 in DarmstadtDFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm; gest. 1989Andrea Rudorff (Hrsg.), „Das KZ Auschwitz 1942–1945 und die Zeit der Todesmärsche 1944/45“, de Gruyter, 2018, S. 428, Fußnote 3, https://books.google.de/books?id=Vwh2DwAAQBAJ&pg=PA428&lpg=PA428) war ein deutscher Jurist. Er war in der Zeit des Nationalsozialismus an der Aktion „Vernichtung durch Arbeit“ gegen damals so genannte „Asoziale“ beteiligt.
Lebensweg Otto Gündner wurde am 1. Mai 1910 als eines von fünf KindernDFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm : Otto Gündner hatte vier Geschwister des Bezirksbeamten der Karlsruher Lebensversicherung (vormals: Allgemeine Versorgungsanstalt) und späteren Fabrikanten für Korsetts und LeibbindenErnst Klee, „Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945“, Copyright 2003, S. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, Lemma: „Gündner, Otto“, S. 208 Ernst Otto GündnerDFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm in Darmstadt geboren. Er besuchte das Realgymnasium in Darmstadt bis zu seinem Abitur im Jahr 1928.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm Gündner studierte anschließend Rechtswissenschaft an den Universitäten Frankfurt am Main, Genf und Gießen. 1932 bestand er das Referendarexamen und 1935, nach Abschluss seines Referendariates, die zweite juristische Staatsprüfung in Stuttgart.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm
Gündner trat Ende 1933 dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) bei. Dort wurde er nach einiger Zeit zum Scharführer (Unteroffizier) befördert.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm
Am 20. Juni 1935 wurde Gündner in Gießen mit seiner Dissertation über „Die Abänderlichkeit formell rechtskräftiger Beschlüsse der streitigen Zivilgerichtsbarkeit“ zum Dr. iur. promoviert.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm Gleich nach Abschluss seiner Doktorarbeit wurde Gündner in den Justizdienst übernommen.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm
Am 10. Mai 1937 beantragte Gündner die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.455.561).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/12431333Ernst Klee, „Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945“, Copyright 2003, S. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, Lemma: „Gündner, Otto“, S. 208
Ebenfalls 1937 wurde Gündner in den Strafvollzugsdienst zum Landesgefängnis (Schwäbisch Hall) versetzt.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html Am 1. Juni 1939 wurde Gündner zum Staatsanwalt ernannt.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html
„Wegen eines Zuckerleidens“ galt Gündner als wehruntauglich und wurde nicht zur Wehrmacht eingezogen.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html
Von Anfang 1940 bis 1943 war er Strafvollzugsreferent für die Württembergischen Gefängnisse beim Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Stuttgart.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm Im Jahr 1942 war Gündner zugleich Staatsanwalt beim Landgericht/Sondergericht Stuttgart.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html
Nach einer Besprechung im Reichsjustizministerium am 9. Oktober 1942 wurde Gündner Mitglied einer Kommission, die – nach nationalsozialistischer Begrifflichkeit – „asoziale“ Gefangene zur Überstellung an die Polizei aussonderte.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html Diese „asozialen“ Gefangenen wurden in der Regel in Konzentrationslager gebracht, wo sie im Rahmen der Aktion „Vernichtung durch Arbeit“ umgebracht wurden.
Ende 1943 wurde Gündner durch Karl Engert ins Reichsjustizministerium (RJM) berufen.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html Er war dort in der Abteilung Strafvollzug tätigErnst Klee, „Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945“, Copyright 2003, S. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, Lemma: „Gündner, Otto“, S. 208 und zu etwa 20 Prozent seiner Arbeitszeit mit der Begutachtung „asozialer“ Häftlinge betraut.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html Gündner blieb bis März 1945 im Reichsjustizministerium.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm
Am 28. Juni 1944 wurde Gündner zum Ersten Staatsanwalt (EStA) befördert.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html
Gündner war im Jahr 1944 Teilnehmer und Berichterstatter des Besuchs einer Delegation des Reichsjustizministeriums im KZ Auschwitz.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html Gündner besichtigte im selben Jahr auch die Konzentrationslager in Ravensbrück und Sachsenhausen. Später äußerte er sich überrascht darüber, wie sauber es in den Lagern gewesen sei.Ernst Klee, „Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945“, Copyright 2003, S. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main, Lemma: „Gündner, Otto“, S. 208 In Auschwitz hätten Häftlinge den Mitgliedern von Gündners Inspektionskommission gesagt, sie bekämen ausreichend zu essen. Sie seien jung und könnten die Arbeit schaffen. Juden habe er, Gündner, in Auschwitz nicht gesehen. Auch das dortige Anstaltspersonal habe ihm nichts mitgeteilt, was ihm zu Bedenken hätte Anlass geben können. Er habe sich kaum mit diesen Personen unterhalten, da er immer sehr eilig gewesen sei. Mit Dritten habe er nicht gesprochen. Er habe sich ansonsten ausschließlich seiner großen Familie gewidmet.Helmut Kramer, „Der Beitrag der Juristen zum Massenmord an Strafgefangenen und die strafrechtliche Ahndung nach 1945“, in: Kritische Justiz, Vol. 43, No. 1 (2010), S. 89–107, S. 94 Nomos Verlagsgesellschaft, https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0023-4834-2010-1-89.pdf?download_full_pdf=1
Erst eine Weile nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des „Dritten Reichs“, nämlich im Jahr 1947, wurde Gündner in Ludwigsburg interniert.Bernward Dörner, „»Heimtücke«. Das Gesetz als Waffe – Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 1933–1945“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München 1998, S. 307, Fußnote 76, Digitalisat: Bayerische Staatsbibliothek (BSB), Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ), Digitale Bibliothek, https://digi20.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb00045473_00001.html In seiner Vernehmung gab er zu, 1944 das Konzentrationslager für Frauen in Ravensbrück besucht zu haben, das „einen besten Eindruck“ auf ihn gemacht habe. Später erinnerte er sich auch, 1944 auch die Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und Oranienburg besucht zu haben.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm
In der Entnazifizierungskartei wurde Gündner als Gerichtsassessor geführt. Das Ergebnis seiner Entnazifizierung ist nicht überliefert.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm
Nach der Entlassung aus seiner Internierung wurde Gündner „Hilfsarbeiter“ eines Stuttgarter Rechtsanwalts.DFG-VK Darmstadt, „Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, Lemma: „Gündner, Otto“, https://dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/GuendnerOtto.htm