Natalia Revuelta Clews (geb. am 6. Dezember 1925 in Havanna, Kuba; gest. am 27. Februar 2015 ebenda) war eine kubanische Sozialistin, Geliebte von Fidel Castro und Mutter seiner Tochter Alina Fernández.
Leben Frühes Leben Die 1925 geborene Natalia Revuelta Clews war die Tochter von Natica Clews, der einzigen Tochter des um die Jahrhundertwende nach Kuba gekommenen Briten Acton Clews und Natalia Loreto Álvarez de la Vallina. Ihr Vater Manolo Revuelta arbeitete als Verwaltungsbeamter beim Straßenbauamt.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 13f., 346f. Die Ehe der Eltern wurde 1929 geschieden.Wendy Gimbel: Havana Dreams – A Story of a Cuban Family, Vintage Books, New York 1998, Kindle-Version (Kapitel: Selected Cornology), (genaue Seitenanzahl folgt bald). 1935 heiratete die Mutter ihren zweiten Ehemann Herbert Coll, einen leitenden Angestellten der US-amerikanischen Havana Electric Company.Natalia Revuelta Clews dies at 89; socialite who had daughter with Fidel Castro - Los Angeles Times (latimes.com), abgerufen am 7. Juni 2023.
Revuelta besuchte in Havanna die von US-Amerikanern geführte Ruston Academy in Havanna, ehe sie in den USA auf eine katholische Mädchenschule in Chestnull Hill, Pennsylvania ging und anschließend Wirtschaft am Marjorie Webster College in Washington, D.C. studierte. Mit 19 Jahren kehrte sie nach Kuba zurück, wo sie zunächst für die US-Botschaft und später bei der Ölgesellschaft Esso arbeitete, wo sie ein gutes Gehalt verdiente."Fidel puso su proyecto muy por encima de su vida privada" - Diario de La HabanaDiario de La Habana (lavanguardia.com), abgerufen am 7. Juni 2023.
In der Literatur wird Revuelta stets als äußerst attraktive Frau und vielseits begehrte Frau beschrieben.Vgl. etwa Volker Skierka: Fidel Castro - Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 2002, S. 11 ("betörendste Frau Havannas"). „Blond, grünäugig, vollbusig und immer gut gelaunt, war Naty die Art von Frau, die Augen und Zungen zum Stillstand brachte, wenn sie einen Raum betrat“, schrieb Geyer in „Guerilla Prince“. Nach einem schweren BlinddarmdurchbruchAlina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 18. lernte die 22-jährige den fast zwei Jahrzehnte älteren, angesehenen Kardiologen Orlando Fernández kennen. Das Paar heiratete 1948, im Folgejahr kam Tochter namens Natalí Nina. Obgleich Revuelta finanziell nicht darauf angewiesen war – durch die Arbeit ihres Mannes gehörte die Familie zur oberen Mittelschicht –, arbeitete sie weiter bei Esso.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 89. Sie führte ein gutbürgerliches Leben, wurde eine feste Größe in Havannas sozialer Szene, gehörte dem Havana Country Club an, nahm an wöchentlichen Bridge- und Tennisturnieren teil und aß oft in einem Yachtclub zu Mittag. Gleichwohl, so Revueltas Biografin Wendy Gimbel, war Revuelta ruhelos. Ihr bürgerliches Leben erfüllte sie genauso wenig wie ihre Ehe und ihre Mutterschaft.
Erstes politisches Wirken Nach Revueltas eigener Aussage, die ihre Tochter Alina Fernández wiedergibt, erfuhr sie ihr politisches Erweckungserlebnis mit dem Mord an einem Jungen, der von Männern des späteren Diktators Fulgencio Batista ermordet und zerstückelt worden sein soll. Revuelta habe erstmals das Leid der einfachen kubanischen Bevölkerung wahrgenommen. Obwohl der Großteil der kubanischen oberen Mittelschicht, zu der auch sie gehörte, Batista unterstützte, näherte sich die junge Revuelta zunächst Eduardo Chibás und seiner Partei Partido del Pueblo Cubano (auch Orthodoxe Partei) an.Naty Revuelta obituary | Cuba | The Guardian, abgerufen am 7. Juni 2023. Nachdem Chibás 1951 in einer Radiosendung Suizid beging, fuhr Revuelta zum Sender, was sie als erneutes Erweckungs- und Schuldgefühlerlebnis beschreibt, das sie in den politischen Aktivismus führte.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 89f. Sie ließ drei Kopien ihres Hausschlüssels erstellen und ließ sie den drei wichtigsten Vertretern der Orthodoxen Partei zukommen, darunter Fidel Castro.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 90. Nach Batistas Staatsstreich am 10. März 1952 schloss sich Revuelta dem Verband der Martianischen Frauen an, einer anti-imperialistischen Vereinigung, die sich an den Grundsätzen des kubanischen Nationalhelden José Martís orientierte.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 18, 91. Am 27. November 1952 lernte sie auf einer Demonstration Fidel Castro kennen, der Eduardo Chibás als Führer der Partido del Pueblo Cubano nachgefolgt war.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 91. Im März 1953 erlitt Revuelta eine Fehlgeburt, etwa zeitgleich meldete sich Castro und bat um ein Treffen, woraufhin sie und ihr Mann ihn zu einem Abendessen einluden, bei dem Castro seine politischen Ideen erläuterte. Das Paar gab Castro Geld.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 92. Castro kam zunehmend häufiger zu Besuch.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 93.
Rolle beim Sturm auf die Kaserne von Moncada 1953 Revuelta unterstützte Castros Widerstandsbewegung mit Geldspenden und aktiver Arbeit; nach Aussage gegenüber ihrer Tochter, versteckte sie auch Waffen in ihrem Haus unter einem Zwischenboden und hatte ihren Schmuck versetzt, um Waffen zu kaufen.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 93–95. Ebenso war sie über den bevorstehenden Angriff auf die Kaserne von Moncada am 26. Juli 1953 vorab informiert und sollte in Havanna die revolutionäre Proklamation übermitteln, nachdem die Rebellen die Kaserne erfolgreich eingenommen hätten. Die Quellen schwanken über die Art der Übermittlung. Während Alina Fernandez schreibt, ihre Mutter habe nur Flugblätter verteilen sollen,Revueltas Tochter schreibt lediglich, dass sie Flugblätter verteilen sollte. Vgl. Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 23. ist die allgemeine Auffassung – die auch Revuelta wiedergibt –, dass sie das Manifest an die wichtigsten Radiosender der kubanischen Hauptstadt übermitteln sollte. Anderen Quellen nach sollte Revuelta mit einer Gruppe von Mitstreitern einen Radiosender gewaltsam besetzen.Volker Skierka: Fidel Castro - Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 51 Der Angriff scheiterte und 69 Mitglieder starben. Revuelta schaffte es rechtzeitig abzutauchen und unentdeckt zu bleiben.
Liebschaft mit Fidel Castro 1954–1955 Fidel Castro wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Vor dem Aufstand hatte er Revuelta im Falle eines Scheiterns gebeten, sich sowohl um ihn als auch um seine Frau Mirta Díaz-Balart und seinen Sohn Fidelito zu kümmern.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 24, 103. Castro und Revuelta begannen einen intensiven Briefwechsel, in dem sie einander letztlich ihre Liebe gestanden.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 97–103.Volker Skierka: Fidel Castro - Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 53f. Schließlich vertauschte der Gefängniszensor irrtümlich Castros Briefe an Revuelta und Díaz-Balart, wodurch diese den Brief der jeweils anderen erhielten. Letztere erfuhr so, dass ihr Ehemann eine andere Frau liebte, und konfrontierte damit Revuelta.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 104. Díaz-Balart ließ sich 1955 von Castro scheiden, doch war die Beziehung nicht der ausschlaggebende Grund; auch Castro wollte die Scheidung, da er das Verhalten seiner Frau gegenüber dem Batista-Regime als Verrat empfand.Volker Siekert: Fidel Castro - Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 55.
Zur Frage, ob Revuelta ihren Mann über ihre Liebe zu Fidel informierte, sind die Quellen widersprüchlich. Alina Fernández behauptet, ihre Mutter habe ihren Mann informiert, in Fidel verliebt zu sein, dass aber noch nichts zwischen ihnen geschehen sei, weshalb Revueltas Ehemann sich nicht scheiden ließ.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 23, 25. Anders stellt dies Revuelta dar, die für sich in Anspruch nimmt, gegen ihr Ehegelübde nicht verstoßen zu haben, da sie damals von ihrem Mann getrennt gelebt habe, wenngleich beide weiter im gleichen Haus wohnten. Ihr Mann habe aber erst 1955 durch ihre Schwangerschaft von der Beziehung zu Fidel erfahren.
Nach Castros Entlassung aus dem Gefängnis verbrachte er rund zwei Monate in Freiheit und in Havanna, ehe er ins Exil nach Mexiko ging. Revuelta schlief mehrfach mit Castro in dieser Zeit.Revuelta spricht von maximal einem halben Dutzend zweisamen Treffen innerhalb von rund zwei Monaten. "Fidel puso su proyecto muy por encima de su vida privada" - Diario de La HabanaDiario de La Habana (lavanguardia.com), abgerufen am 7. Juni 2023. Die Gründung der Bewegung des 26. Juli am 12. Juni 1955Volker Skierka: Fidel Castro - Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, S. 56. soll im Beisein von Revuelta erfolgt sein. In Mexiko erfuhr Castro von Revueltas Schwangerschaft. Die gemeinsame Tochter Alina kam am 19. März 1956 zur Welt und bekam den Nachnamen des eingeweihten Stiefvaters Orlando Ferández.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 24f., 28. Zeitgleich zu Revuelta hatte Castro jedoch noch weitere Liebschaften gehabt, aus zweien gingen Kinder hervor, die ebenfalls im Jahr 1956 zur Welt kamen. María Laborde gebar den Sohn Jorge Ángel; Micaela CardosoLa reservada vida familiar y amorosa de Fidel Castro, ABC.es vom 26. November 2016 (spanisch) eine Tochter namens Francisca „Panchita“ Pupo.Los secretos de la vida Fidel Castro, BBC Mundo vom 26. November 2016 (spanisch) Während die Zahl der Briefe Castros an Revuelta abnahmen, wurden gleichzeitig Gerüchte über eine Beziehung zu einer neuen Frau lauter.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 105. Nach Castros Rückkehr nach Kuba und dem Beginn seines Guerilla-Krieges in der Sierra Maestra meldete sich Castro bei Revuelta erst wieder 1957. Gemäß Revuelta habe sie danach bis Anfang 1959 keinen Kontakt mehr zu Castro gehabt, Alina Fernández bestreitet dies.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 27f. Nach dem Sieg der Kubanischen Revolution besuchte Castro bis zu einem heftigen Streit mit Revuelta sie und seine Tochter Alina beinahe täglich.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 40f., 61. Die Liebesbeziehung selbst soll nicht fortgesetzt worden sein, wenngleich Alina Fernández in ihren Memoiren zumindest Andeutungen in diese Richtung macht.Alina Fernández: Ich, Alina. Mein Leben als Fidel Castros Tochter, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 42.
Leben im post-revolutionären Kuba Im Januar 1959 ließen sich Revuelta und ihr Ehemann Orlando Fernández scheiden. Laut Revuelta bekam sie das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Natalí, gleichwohl habe diese unter der Woche bei ihrem Vater gelebt. 1960 wurde Revuelta durch die Verstaatlichung von Esso arbeitslos und fand nach sechs Monaten eine Stelle in einer Krankenhausverwaltung.