mini|Fuhrwerksbahn des Gräflich Bernstorffschen Forstamtes in Gartow Als Fuhrwerksbahn wird die besondere Form einer Feldbahn bezeichnet, bei der Gespannfuhrwerke für den Straßentransport auf Rollböcke gesetzt und so auf Schienen transportiert werden konnten.

Hintergrund und Technik Fuhrwerksbahnen wurden insbesondere für den Transport land- und forstwirtschaftlicher Güter eingesetzt. Vom Bochumer Verein ist bekannt, dass er seit spätestens 1873 Material für Fuhrwerksbahnen anbot.Aus dem Feldbahnangebot des Bochumer Vereins: Fuhrwerksbahnen (abgerufen am 26. Mai 2023). Ein anderer Anbieter war Orenstein und Koppel in Berlin.Orenstein und Koppel AG, Berlin. Fuhrwerksbahnen. In: Tonindustrie-Zeitung 1904, S. 1171. Mit dem Aufkommen von Lastkraftwagen endete der Einsatz von Fuhrwerksbahnen. mini|Aufrollen eines Gespannwagens bei der Fuhrwerksbahn in Gartow Jeder Gespannwagen wurde über eine spezielle Aufrollvorrichtung auf zwei auf Schienen laufende Drehgestelle (sog. Rollböcke, Trucks oder Transporteure genannt) gezogen. Am Ende der Strecke konnte das Fuhrwerk über eine gleichartige Anlage wieder abgerollt werden. Fuhrwerke ließen sich so bei schlecht passierbarem Untergrund und ohne Umladung befördern. Auch konnten die Zugtiere wegen der günstigeren Kraftübertragung mehrere Wagen gemeinsam ziehen.

Betriebe mit Fuhrwerksbahnen Von folgenden Betrieben ist bekannt, dass sie über Fuhrwerksbahnen verfügten: Gräflich Bernstorffsches Forstamt in Gartow. Gut Kochstedt bei Praust (Westpreußen).Hermann Wiebe: Meine Heimat II, S. 50 (abgerufen am 26. Mai 2023). Gutsverwaltung Prassen (Ostpreußen): Die 5,9 km lange Bahn (Spurweite: 1000 mm) war 1925 errichtet worden. Sie führte vom Bahnhof Wormen über Prassen nach Groß Bloßkeim. An jedem der drei Orte gab es eine Auf- bzw. Abrolleinrichtung und zudem insgesamt drei Ausweichstellen. Zu den Gütern wurden vor allem Bedarfsgüter für die Landwirtschaft und Kohle transportiert, in der Gegenrichtung Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide. 1935 wurde die Bahn durch Lastkraftwagen ersetzt.Waldemar Könighaus, Jörg Petzold: Von der Kleinbahn zum Hofzug. Zur Geschichte der Eisenbahn zwischen Weichsel und Memel. Kulturzentrum Ostpreußen, Ellingen/Bay. 2023, S. 44–45. Westfälische Cementwaren- und Ringofen-Werke G. Hüsing & LeClaire, Burgsteinfurt.Orenstein und Koppel AG, Berlin: Fuhrwerksbahnen. In: Tonindustrie-Zeitung 1904, S. 1171.

In der Nähe Berlins soll es eine Anlage von 12 km Länge und mit 60 Wagen gegeben haben.Aus dem Feldbahnangebot des Bochumer Vereins: Fuhrwerksbahnen (abgerufen am 26. Mai 2023). Eine Fuhrwerksbahn ist bei der Feldbahnarbeitsgemeinschaft Schlanstedt im Einsatz.Amtsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Wanzleben Börde. Nr. 9/2009 vom 15. September 2009, S. 23.

Literatur Waldemar Könighaus, Jörg Petzold: Von der Kleinbahn zum Hofzug. Zur Geschichte der Eisenbahn zwischen Weichsel und Memel. Kulturzentrum Ostpreußen, Ellingen/Bay. 2023, S. 44–45. Friedrich Zezula: Im Bereiche der Schmalspur – eine Darstellung der hervorragendsten Errungenschaften auf dem Gebiete des schmalspurigen Eisenbahnwesens. Slezak, Wien 1893 (Nachdruck unter dem Titel Die Frühzeit der Schmalspurbahn. Transpress, Berlin 1994, ISBN 978-3-344-70915-0), S. 210. Orenstein und Koppel AG, Berlin: Fuhrwerksbahnen. In: Tonindustrie-Zeitung 1904, S. 1171.

Weblinks Aus dem Feldbahnangebot des Bochumer Vereins: Fuhrwerksbahnen (abgerufen am 26. Mai 2023).

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