Gottfried von Rotenstein oder Rottenstein (* 1742 in Pösing, als Gottfried Stegmüller; † um 1800 in Pressburg) war ein Apotheker in Pressburg und Reiseschriftsteller.

Leben Sein Vater Johann Georg Stegmüller war ein evangelischer Müller und Bürger in Pösing. Seine Mutter hieß Juditha Catharina Krupa. Er lernte Pharmazie in der Apotheke zum Roten Krebs beim Michaelertor in Pressburg, dann wurde er Apothekergeselle in Ödenburg und Kaschau.Karl Gottlieb Windisch an Daniel Cornides, 30. März 1787, in Briefwechsel des Karl Gottlieb Windisch, hg. von Andrea Seidler, Budapest 2008 (Magyarországi tudósok levelezése, 5), 167. Als er am 3. August 1775 in Ödenburg Josepha Elisabetha Eitelhuber, die Tochter des Ödenburger Advokaten Karl Joseph Eitelhuber (oder Huber) heiratete,Soproni evangélikus egyházközség, Házasultak anyakönyve, 1738–1833, 1775, n° 52 (online). – Josepha Elisabetha Eitelhuber war damals 18 Jahre alt, sie wurde am 4. Mai 1757 in Pressburg geboren (Archív Hlavného Mesta SR Bratislavy, Inv. č. 611: Bratislava, Evang., Nemecký, Part I, Krsty 1756-176, p. 58 (online).) – Karl Gottlieb Windisch meinte irrtümlicherweise, dass Stegmüllers Schwiegervater ein Pfarrer war (Briefwechsel des Karl Gottlieb Windisch, hg. von Andrea Seidler, Budapest 2008 (Magyarországi tudósok levelezése, 5), 167). kam er zu solchem Vermögen, dass er die Apotheke seines ehemaligen Meisters aufkaufen konnte. Die Apotheke zum Roten Krebs befindet sich an der Außenseite des Michaelertors und dient heute als Pharmaziemuseum. 1779 kaufte er sich den österreichischen AdelstitelJohann Georg Megerle: Österreichisches Adels-Lexikon des 18. und 19. Jahrhunderts. Wien, 1822, 268. „Stegmüller, Apotheker zu Pressburg, im Jahre 1779, mit Edler von Rottenstein.“ und nannte sich von da an „von Rottenstein“.Er und seine Zeitgenossen wie Windisch und Korabinszky schrieben seinen Namen mit doppeltem „t“, Johann Bernoulli, der Herausgeber seines Werkes, gebrauchte die Form mit einem „t“. Vgl. Szentesi Edit, Eszterháza 18. századi leírásai, in Kő kövön: Dávid Ferenc 73. születésnapjára / Stein auf Stein: Festschrift für Ferenc Dávid, II, Budapest, 2013, 216, Anm. 104.

Weil Stegmüller als Lehrling nicht reisen konnte, unternahm er ab den 1770er Jahren eine Reihe von Reisen durch die deutschen Länder und durch das Königreich Ungarn. Als Geadelter hatte er Zugang auch zu den Schlössern des Adels, die er detailliert beschrieb. Diese Berichte erschienen ab 1783 in Berlin in Johann Bernoullis Sammlung kurzer Reisebeschreibungen. Zwischen 1792 und 1793 gab er auch eine Zusammenfassung seiner Reisen in drei Teilen in Leipzig heraus. Karl Gottlieb von Windisch verspottete ihn für seine unendlich pedantischen und detaillierten Beschreibungen der Objekte, die er in den von ihm besuchten Gebäuden sah: „Ein Erznarr, der unter allen Neunundreizigern in allen Kaiserlichen Erbländern, gewiß nicht seines Gleichen hat. […] Er ist das Gelächter der ganzen Stadt, träumt nur von Reisen, und seinem Adel, und ist zu dumm es zu merken, daß ihn jedermann zum Beßten ha[l]t“.Karl Gottlieb Windisch an Daniel Cornides, 30. März 1787, in Briefwechsel des Karl Gottlieb Windisch, hg. von Andrea Seidler, Budapest 2008 (Magyarországi tudósok levelezése, 5), 167.

Haus Stegmüllers Pressburger Haus stand an dem alten Kohlmarkt (später Nagy Lajos tér, Hurbanovo námestie), an der Ecke der Michaelergasse (Michalská).Korabinsky Johann Mathias, Beschreibung der königl. Haupt-, Frey- und Krönungssatdt Preßburg, Preßburg, , 51. Er schreib darüber folgenderweise:

Werke Johann Bernoulli’s Sammlung kurzer Reisebeschreibungen und anderer zur Erweiterung der Länder- und Menschenkenntniß dienender Nachrichten, Band 1–17, Berlin, 1781–1787. – Unter dem Sigel „G. E. v. R.“ (1–7), später unter dem Namen „Herr Gottfried Edler von Rotenstein“ erschienen: Reisen durch einen Theil des Königreichs Ungarn im Jahr 1763 und folgenden Jahren. 1. Abschnitt, in Band 9 (1783), 235–298. – Inhalt: Tyrnau, Neutra, Schemnitz, Altsohl, Neuhausel, Waitzen, Kaschau, Pest, Ofen, Gödöllő, Raab, Eszterháza, Ödenburg, Eisenstadt, Halbturn, Kittsee. Reisen durch einen Theil des Königreichs Ungarn im Jahr 1763 und folgenden Jahren. 2. Abschnitt: Beschreibung von Preßburg und einiger nahe gelegenen Lustörter, in Band 10 (1783), 185–226. – Inhalt: Pressburg, Pösing, Bibersburg, Magyarbél, Lanschitz, Ivanka bei Pressburg. Lustreise von Preßburg nach Bruck an der Leitha und Trautmannsdorf, in Oesterreich. 1782. in Band 10, 1783, S. 227–254. Lustreise durch Oesterreich und Mähren nach Brünn im September 1782, in Band 12 (1783), 237–274. Reise von Wien nach Böhmen und Sachsen, im May 1783, in Band 12 (1783), 275–314. Reisen nach Wien und in der umliegenden Gegend in den Jahren 1781–1783, 1. Abschnitt. in Band 13 (1784), 1–94. Reisen nach Wien und in die umliegende Gegend in den Jahren 1781–1783. 2. Abschnitt, in Band 14 (1784), 1–96. Beschreibung der Insel Schütt in Ungarn. 1784, in Band 15 (1784), 159–178. Zweyer Reisenden Nachrichten aus dem Oesterreichischen. 1784. 1785, 1. Eine kleine Reise nach Baden. in Band 16 (1784), 223–236. Lust-Reisen durch Bayern, Würtemberg, Pfalz, Sachsen, Brandenburg, Österreich, Mähren, Böhmen und Ungarn, in den Jahren 1784 bis 1791, 1–3. Theil, Leipzig, 1792–1793.

Literatur Johann Mathias Korabinsky: Beschreibung der königl. Haupt-, Frey- und Krönungssatdt Preßburg. Preßburg, , 51. – „Herr Gottf. Stegmüller sonst von Rottenstein“. Matthias Korabinsky: Geographisch-historisches und Produkten-Lexikon von Ungarn. Pressburg, 1786, 569. – „Außer dem sind noch verschiedene Sammlungen an raren Werken [in Pressburg] […] Herr von Rottenstein eine Sammlung von Reisebeschreibungen, Topographien und besonders eine niedliche Sammlung von Porcellän, worunter vorzüglich ein kostbarer und sehenswürdiger Bluhmenstock ausgezeichnet.“ Éva H. Balázs: Ki volt Rotenstein? Egy forrás azonosítása. in Ars Hungarica, 15(1987), 133–138. – Sie identifizierte „Rotenstein“ irrtümlicherweise als königlich ungarische Leibgardeoffizier Johann Pállfy. Andrea Seidler: Vom Nutzen des Quellenstudiums: Der Brief als literaturhistorischer Informationsträger. WEBFU (Wiener elektronische Beiträge des Instituts für Finno-Ugristik), 2003, Nr. 10 (PDF-Datei) Andrea Seidler: Ein Beitrag zur Klärung der Frage: Wer war Gottfried von Rottenstein? in Hungarian Studies 23(2009)1, 29–35 (DOI) Edit Szentesi: Eszterháza 18. századi leírásai. in Kő kövön: Dávid Ferenc 73. születésnapjára / Stein auf Stein: Festschrift für Ferenc Dávid, II, Budapest, 2013, 165–229, 177–179.

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Edler Kategorie:Geboren 1742 Kategorie:Gestorben im 18. oder 19. Jahrhundert Kategorie:Mann