Tejstymy () ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Er gehört zur Gmina Kolno (Landgemeinde Groß Köllen) im Powiat Olsztyński (Kreis Allenstein).

Geographische Lage Tejstymy liegt 500 Meter östlich des Jezioro Tejstymy () in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 18 Kilometer südwestlich der früheren Kreisstadt Rößel () bzw. 35 Kilometer nordöstlich der heutigen Kreismetropole und auch Woiwodschaftshauptstadt Olsztyn ().

Geschichte 1357 ist das Gründungsjahr des nach 1386 noch Teystimme genannten Gutsorts.Dietrich Lange: Teistimmen, In: Geographisches Ortsregister Ostpreußen. (2005). 1785 wurde der Ort als adliges Gut und Vorwerk mit 14 Feuerstellen erwähnt, 1820 als adliges Gut mit neun Feuerstellen bei 103 Einwohnern.GenWiki: Teistimmen. Seit 1821 übernahm die damals noch bürgerliche Familie Schleußner den örtlichen Gutsbesitz, vertreten durch den Kreisphysikus Hofrat Dr. Schleußner. Dessen mittlerweile auch namlich bekannter Sohn und Jurist Johann August Schleußner aus Heilsberg,Georg(e) Friedrich Hartung: Akademisches Erinnerungs-Buch für die, welche in den Jahren 1817 bis 1844 die Universität Königsberg bezogen haben. Selbstverlag der Hartung’schen Hof- und Universitäts-Buchdruckerei, Königsberg 24. August 1844, S. 43. Referendar a. D., wurde Erbe, in Matrikeln Hr. Schleussner jun. genannt.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. Selbstverlag, Berlin 1857, S. 36.

Als 1874 der Amtsbezirk Lautern (polnisch Lutry) im ostpreußischen Kreis Rößel gebildet wurde, gehörte der Gutsbezirk Teistimmen zu den eingegliederten Kommunen.Rolf Jehke: Amtsbezirk Lautern. 1885 waren in Teistimmen 173 Einwohner gemeldet, und 1910 waren es 243.

Der Enkel des erstgenannten Gutsherrn, August sen. von Schleußner (1832–1888), wurde 1869 zu Berlin geadelt.Vgl. Christoph Franke, Klaus von Andrian-Werburg: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band XII (Rol-Schm.), Band 125 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2001, S. 473. Das Gut Teistimmen beinhaltete schon damals 1068 ha. Nachfolger wurde der Rittmeister August jun. von Schleußner, verheiratet mit Else von Hempel. Dessen jüngerer Bruder Major a. D. Wilhelm von Schleußner-Teistimmen (1861–1910) blieb unvermählt.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1913. Siebenter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 709.

Am 30. September 1928 verlor der Gutsbezirk Teistimmen seine juristische Eigenständigkeit und wurde in die Landgemeinde Görkendorf (polnisch Górkowo) eingegliedert, gleichzeitig jedoch wurde die Landgemeinde Görkendorf in „Landgemeinde Teistimmen“ umbenannt. Am privat-rechtlichen Eigentum der einzelnen Landwirte änderte sich dadurch nichts. Gutsbesitzer war die briefadeligen Familie von Schleußner (auch v. Schleussner geschrieben).Vgl. (Leuchs) Adreßbuch der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbsleute und Gutsbesitzer von Ost- und West-Preußen. In Adreßbuch aller Länder. Band 11, Selbstverlag von Leuch’s & Co., Nürnberg 1874, S. B 21.

Die auf diese Weise neu formierte Landgemeinde Teistimmen zählte – nun auch mit den Ortschaften Augustwalde (polnisch Augustówka), Görkendorf (Górkowo), Ludwigsmühl (Młyńczysko) und Rudolfswalde (Młodocin) – 321 Einwohner im Jahre 1933, und 292 Einwohner im Jahre 1939.Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Rößel.

In den 1930er Jahren war August von Schleußner örtlicher Gutsbesitzer. Dessen Besitz beinhaltete 1068 ha, davon etwa 475 ha Wald.Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. 1932. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag von von Niekammer's Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1932, S. 89.

1945 erhielt Teistimmen im Rahmen der Abtretung des gesamten südlichen Ostpreußen an Polen die polnische Namensform „Tejstymy“ und ist heute eine Ortschaft im Verbund der Landgemeinde Kolno (Groß Köllen) im Powiat Olsztyński (Kreis Allenstein), zwischen 1975 und 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig.

Kirche Bis 1945 war Görkendorf resp. Teistimmen in die evangelische Kirche BischofsburgWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen 1968, S. 489–490. (polnisch Biskupiec) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union, außerdem in die römisch-katholische Kirche Lauern (polnisch Lutry) im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt.

Dieser kirchliche Bezug besteht auch heute noch für Tejstymy: katholischerseits zur Pfarrei Lutry, jetzt dem Erzbistum Ermland zugeordnet, und evangelischerseits zu Biskupiec und der dortigen Kapellengemeinde, jetzt einer Filialgemeinde der Pfarrei Sorkwity (Sorquitten) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Verkehr Tejstymy liegt an der verkehrsreichen polnischen Landesstraße 57 – hier im Abschnitt der einstigen deutschen Reichsstraße 128 –, die die Woiwodschaft Ermland-Masuren in Nord-Süd-Richtung durchzieht und bis in die Woiwodschaft Masowien hineinführt. Kleine Nebenstraßen verbinden den Ort mit der Region.

Eine Bahnverbindung besteht über die Bahnstation in Górowo (Bergenthal) an der heute von Posen bis nach Korsze (Korschen) führenden Bahnstrecke, die jetzt nicht mehr nach Nordostpreußen in die russische Oblast Kaliningrad bis Tschernjachowsk (Insterburg) verläuft.

Persönlichkeit des Ortes Hanns Radau (* 24. März 1901 in Teistimmen), deutscher Lehrer, Schriftsteller und Bildhauer († 1960) Erich Trunz (* 1905; † 2001), Germanist, war mehrfach als Student in Teistimmen zu BesuchHerbert Zeman (Hrsg.): Jahrbuch der Österreichischen Goethe-Gesellschaft. Gesellschaft für Österreichische Literaturforschung, LIT, Münster/Berlin 2004, ISBN 3-8258-7585-7, S. 215 f.

Trivia Im 19. Jahrhundert wurden auf der Gemarkung des Ortes ein Polnisches-6-Groschen-Stück von König Sigismund III. und ein Hildesheimer Groschen aus der Zeit Rudolphs II. gefunden worden.Rudolf Reicke, Ernst Wichert (Hrsg.): Altpreussische Monatsschrift. Neue Folge: Der Neuen Preussischen Provinzial-Blätter. Vierte Folge, Band 15 (LXXXI. Band-Provinzial-Blätter), Ferd. Beyer’s Verlag, Königsberg i. Pr. 1878, S. 163 f.

Weblinks Bildarchiv Ostpreußen: Diashow Teistimmen

Einzelnachweise

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