Ferragus (voller Originaltitel: Ferragus, chef des dévorants, ) ist die erste Erzählung aus der Trilogie Die Geschichte der Dreizehn innerhalb der Menschlichen Komödie von Honoré de Balzac. Der Text wurde erstmals im März 1833 in der Revue de Paris veröffentlicht.Fritz-Georg Voigt: Nachwort. In: Honoré de Balzac: Geschichte der Dreizehn. Aufbau-Verlag, Berlin 1976. S. 455–466. Hier S. 456. Kurzbeschreibung Ein junger Kavallerie-Offizier schwärmt insgeheim für eine Börsianer-Gattin, ertappt sie beim Betreten eines Hauses in übler Gegend, stellt ihren Umgang mit einem zwielichtigen Mann fest, der sich letztlich jedoch als ihr Vater entpuppt. Der Vater schützt den bürgerlichen Leumund seiner Tochter und schreckt dabei auch vor mehrfachem Mord nicht zurück. Am Ende sind unter anderem sowohl der Offizier als auch die Börsianer-Gattin tot, während ihr Ehemann und ihr Vater überleben. Inhalt Der junge, noch bei seiner Großmutter lebende Offizier Baron Auguste de Maulincour ist in die verheiratete Clémence Desmarets, mit der er nur „sieben- oder achtmal im Laufe eines Winters ein paar Worte“Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 30. gewechselt hat, „insgeheim leidenschaftlich verliebt […], verliebt ohne Hoffnung“.Honoré de Balzac: Ferragus, Chef der Dévorants. In: Geschichte der Dreizehn. Übersetzung: Christel Gersch. Aufbau-Verlag, Berlin 1976. S. 13–166. Hier S. 17. Umso erstaunter ist Auguste, als er die Angeschmachtete eines Abends in einem übel beleumundeten Pariser Viertel ein Haus betreten sieht, denn „es gibt Häuser […], die eine Frau dieser Oberschicht nicht betreten darf, ohne sich den allerschlimmsten Verdächtigungen auszusetzen.“Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 16. Auguste versucht, die mit dem Börsenmakler Jules Desmarets verheiratete Clémence auf einem Ball zur Rede zu stellen, blitzt aber ab. „Bis ins Innerste der Seele von Wut erfüllt, […] verließ Auguste alsbald das Fest und schwor sich, diese dunkle Geschichte bis zum letzten zu ergründen.“Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 39. Er mutmaßt eine außereheliche Affäre Clémences und macht sich daher seinerseits Hoffnungen, in seiner Liebe erhört zu werden: „Als untreue Frau wurde sie nahbar.“ Während Auguste das Haus, in dem Clémence verschwunden war, beschattet, stellt er sich aufgrund eines Regengusses gemeinsam mit einem Mann unter, der einen Brief verliert, in dem eine gewisse Ida einem gewissen Henri (adressiert als „Ferragus“) mit Selbstmord droht, weil Henri sie verlassen habe.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 46–49. Der Mann verschwindet in dem Haus, in dem auch Clémence verkehrt, Auguste geht ihm nach und erwischt jenen Mann (Ferragus) „in einem geblümten Hausrock, weißen Flanellhosen, schönen gestickten Pantoffeln“ zusammen mit Clémence.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 51. Zwar wird Auguste von Clémence erkannt, durch Ferragus nach Ablieferung des Ida-Briefes fortgeschickt, nimmt sich aber vor, Clémence „anderntags einen Besuch zu machen, sie konnte nicht ablehnen, ihn zu empfangen, er war ihr Komplize geworden, er stak mit Händen und Füßen in dieser undurchsichtigen Intrige.“Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 52–53. Als Auguste am Folgetag zu diesem Zweck eine Kutsche besteigt, fällt an einer Baustelle „ein Stein von zwei Fuß im Quadrat“ herab, verfehlt Auguste knapp, so dass Auguste mit ein paar Prellungen davonkommt, doch tötet der Stein Augustes Diener.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 54. „Zehn Tage nach diesem Ereignis, bei seiner ersten Ausfahrt“ nach dem Baustellen-Unglück, infolge dessen Auguste Clémence doch nicht besuchte, bricht in voller Fahrt die Wagenachse an Augustes Kutsche: „Zum zweitenmal innerhalb zehn Tagen brachte man ihn der in Tränen aufgelösten alten Dame halbtot“ heim, seiner Großmutter.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 55. Auguste lässt die Wagenachse untersuchen; sie wurde manipuliert. Auguste ist nun überzeugt, dass man es auf sein Leben abgesehen hat: „Beide Mordversuche waren mit einer Raffinesse ins Werk gesetzt worden, die überragende Gegner verriet.“ Über den Vitzdom von Pamiers, einen Freund seiner Großmutter, wirbt Auguste „einen alten ausgedienten Figaro“ namens Justin an, der acht Tage später zu berichten weiß, jener Ferragus heiße eigentlich Henri Bourignard, der es vom einfachen Handwerker zum Bauunternehmer gebracht habe, „die Bruderschaft der Dévorants hat ihn dann zu ihrem Chef unter dem Namen Ferragus XXIII. erwählt“: Ferragus ist somit Oberhaupt des Geheimbunds der Dreizehn.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 59. Clémence besuche Ferragus „häufig“, so Justin.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 60. Der dritte Mordanschlag folgt: Er wird in Form eines Duells verübt, zu dem Auguste aufgrund eines „harmlosen Scherz[es]“ zulasten der Schwester des Duell-Gegners aufgefordert wird. Der Duell-Gegner streckt Auguste mit einem herznahen Schuss nieder und meint: „Die Schwester des Jules César, Monsieur, verdächtigt man nicht ungestraft“; Auguste sieht in dieser Äußerung eine Anspielung darauf, dass er der Frau von Jules Desmarets nachstelle.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 63. Rund 14 Tage später erhält Augustes Großmutter „einen mit F. signierten Brief […], in welchem die Geschichte der Spitzeleien, zu denen ihr Enkel sich erniedrigt hatte, Punkt für Punkt berichtet wurde. In diesem Brief wurden Monsieur de Maulincour eines Edelmannes unwürdige Handlungen vorgeworfen“, für die er mit dem Leben bezahlen würde. Auguste schaltet nun die Polizei ein, die eingesteht, sie suche Ferragus seit dreizehn Jahren vergeblich.Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 65. Auf einem Fest begegnet Auguste Ferragus erneut, der diesmal elegant gekleidet ist, als portugiesischer Graf auftritt und Auguste Kontaktgift ins Haar schmiert,Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 67. ehe er verschwindet, kurz bevor Clémence vor Augustes Augen auftaucht: „Jetzt erregte dieses teuflische Geschöpf nur mehr Haß in ihm“,Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 68. dem er zumindest soweit freien Lauf lässt, dass sein Verhalten Fragen bei Clémences Mann Jules aufwirft, der zusammen mit seiner Gemahlin das Fest besucht. Clémence erklärt ihrem Mann gegenüber, Auguste sehe in den Unglücksfällen „die Wirkung einer Verschwörung […], die ich gegen ihn angezettelt habe. Weiter hat er gedroht, dir zu entdecken, welches Interesse ich hätte, ihn zu ermorden. Begreifst du irgend etwas davon? […] Vielleicht will er uns entzweien, um mich eines Tages allein und wehrlos zu sehen.“Balzac, Ferragus, Chef der Dévorants, S. 73.
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