mini|hochkant|Mineralwasserflasche „Rhenser Mineralbrunnen“ mit dem Stadtwappen von Rhens, 19. Jahrhundert Die Rhenser Mineralbrunnen GmbH ist ein deutscher Hersteller von alkoholfreien Getränken in Rhens. Der Ursprung des Unternehmens liegt im späten 16. Jahrhundert. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird in Rhens Mineralwasser in Flaschen abgefüllt und vertrieben.
Geschichte Von den Anfängen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
Älteste Urkunde über die Existenz des Rhenser Brunnens ist eine Tagebucheintragung von 1577, in der der Nürnberger Kaufmann Sebald Welser den „Sauerbrunnen“ beschrieb, den er auf einer seiner Studienreisen kennengelernt hatte. Im 1584 erschienenen Buch Neuw Wasserschatz betont der Arzt und Reiseschriftsteller Jakobus Theodorus Tabernaemontanus aus Bergzabern die Heilwirkung des Wassers. Im Jahr 1784 wurde die Quelle durch ein Hochwasser zugeschüttet und erst 1857 wieder freigelegt.
Im Jahr 1862 kaufte der Ingenieur Heinrich Schwarz die Quelle mit dem dazugehörigen Gelände und nutzte sie. Das Wasser wurde in den ersten Jahren in Handarbeit in Flaschen aus gebranntem Ton abgefüllt; 1870 waren es 30.000 Stück und 1880 schon 500.000 Flaschen, die in Weidenkörben verpackt vertrieben wurden. Am 7. April 1883 übernahm der Bergwerksbesitzer Victor Friedrich Meyer aus Limburg zusammen mit seinen Söhnen Fritz und Carl Meyer den Betrieb und steigerte den Absatz auf genau 5.000.062 Flaschen im Jahr 1899. Die Firma lautete Rhenser Mineralbrunnen Fritz Meyer & Co.
20. und 21. Jahrhundert mini|Aktie über 100 RM der Rhenser Mineralbrunnen Fritz Meyer & Co. AG vom 12. Juni 1928 Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Unternehmen ausgebaut, unter anderem 1918 eine Niederlassung in New York gegründet, die jedoch den Zweiten Weltkrieg nicht überdauerte, und 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; Reichsbank und Discontobank waren Teilhaber. Neue Produktionsstätten kamen hinzu und weitere Brunnenbetriebe wie 1923 die Selterser Quellen in Selters wurden gekauft, sodass 1949 der Firma der Zusatz „Die blauen Quellen“ hinzugefügt wurde. 1943 war mit 23 Millionen Flaschen ein Höchststand der Produktion erreicht worden.
Der Zweite Weltkrieg hatte die Entwicklung gestoppt, Betriebsgebäude, Maschinen und Geschäftsausstattung waren zerstört und zwei betriebseigene Rheinschiffe versenkt worden. Dennoch lag die Jahresproduktion 1958 schon bei 40 Millionen Flaschen. Rhenser Mineralwasser wurde in ganz Deutschland verkauft sowie ins europäische Ausland und nach Übersee exportiert. 1958 war der Rhenser Mineralbrunnen auf der Weltausstellung in Brüssel vertreten.
Von 1974 bis 2006 gehörten die „Blauen Quellen“ (Blaue Quellen Mineral- und Heilbrunnen AGWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 836 (zum Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz Meyer).) in Rhens zum Nestlé-Konzern. Danach übernahmen die Vorstandsmitglieder von Nestlé-Waters, Hans-Achim Daschmann und Egon Heckmann, das Unternehmen und führten es in die Eigenständigkeit zurück. Seit März 2006 boten sie Rhenser Mineralwasser-Produkte erstmals in PET-Mehrwegflaschen an und 2007 kam eine Anlage für Kunststoff-Einwegflaschen hinzu. Für die Beschäftigung älterer Mitarbeiter und die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen zeichnete der Bundesminister für Arbeit und Soziales den Rhenser Mineralbrunnen als „Unternehmen mit Weitblick“ aus.Hans-Achim Daschmann: Der Rhenser Mineralbrunnen: Tradition hat einen Namen. In: Heimatbuch des Landkreises Mayen Koblenz 2012, Koblenz, S. 104–107.
Am 1. Dezember 2016 stellte die Rhenser Mineralbrunnen GmbH beim Amtsgericht Koblenz einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Grund dafür war unter anderem die Umstellung auf Kunststoffflaschen sowie der Bau einer neuen Abfüllanlage, die das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte.
Übernahme und Neuausrichtung (2017 bis heute) Nach der Insolvenz übernahmen 2017 eine Investorengemeinschaft um die Gebrüder Friedrich und Christian Berentzen sowie Ingrid Königs, eine Nichte von Hans Riegel (Haribo), den Rhenser Mineralbrunnen. Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen 128 Mitarbeiter. Im ersten Corona-Jahr 2020 verkaufte Rhenser 115 Millionen Füllungen, obwohl der Mineralwasserkonsum seit 2016 und auch während der Coronakrise rückläufig war.Wirtschaftsgeschichte rlp.de. Abgerufen am 21. Mai 2023.
Am 19. Februar 2023 starb überraschend der Geschäftsführer und Mitgesellschafter Friedrich Berentzen, der für Marketing und Vertrieb des Unternehmens verantwortlich war, im Alter von 56 Jahren. Anschließend war sein Bruder Christian Berentzen alleiniger Geschäftsführer.
Im Februar 2024 wurde bekannt gegeben, dass der Rhenser Mineralbrunnen die Markenrechte der insolventen Koblenzer Brauerei (Koblenzer Bräu, Koblenzer Pils/Radler) übernommen hat. Die Biere werden nun unter Lizenz und mit neuem Design bei der Brauerei Königshof in Krefeld produziert.
Am 15. Februar 2026 starb unerwartet der alleinige Geschäftsführer Christian Berentzen im Alter von 60 Jahren. Anschließend beauftragten die Gesellschafter den Interim-Manager Holger Sieck mit der Leitung des Unternehmens.
Am 2. März 2026 meldete der Rhenser Mineralbrunnen beim Amtsgericht Koblenz Insolvenz an. Gründe dafür seien der Wettbewerbsdruck im Getränkemarkt, gestiegene Transportkosten, anhaltend geringe Margen sowie eine aktuelle Zurückhaltung der Konsumenten.
Am 26. Juni 2026 wurde bekannt, dass die Refresco Deutschland GmbH den insolventen Rhenser Mineralbrunnen übernehmen wird. Die Übernahme soll zum 1. August 2026 wirksam werden. Zum Erwerb gehören die Markenrechte sowie das Betriebsgelände, die Produktionsanlagen und Warenbestände in Rhens. Der überwiegende Teil der rund 140 Beschäftigten soll nach der Übernahme weiterbeschäftigt werden.
Produkte Das Programm umfasst Mineralwässer wie „Classic“, „Medium“ und „Naturell“ in den verschiedensten Gebinden sowie sogenannte WasserPlus-Getränke. Bei Letzteren ist der Zucker gegenüber früheren Rezepturen reduziert oder es wird völlig auf Zucker und Süßstoffe verzichtet. Der Zuckergehalt der 1955 auf den Markt gebrachten Limonade Silvetta wurde 2019 um etwa 20 % verringert.
Am 10. Februar 2022 nahm das Unternehmen als erster Mineralwasserbrunnen eine Anlage in Betrieb, in der Mineralwasser und andere Getränke in Tetra Paks abgefüllt werden. Bis zu 9000 Abfüllungen in der Stunde sind möglich. Die Verpackung wird zu fast 90 % aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und ist zu 100 % recyclingfähig. Mit der Inbetriebnahme der Tetra-Top-Abfüllanlage verfügt der Rhenser Mineralbrunnen über vier Abfüllstraßen, sodass die Produkte jetzt in Glas-Mehrweg, PET-Mehrweg, PET-Einweg und in der Kartonflasche verkauft werden können.aktuell4u.de. Rhenser Inbetriebnahme der Tetra-Top-Abfüllanlage. Abgerufen am 22. Mai 2023.packaging-journal. Abgerufen am 22. Mai 2023.
Rhenser Mineralwasser wird auch unter den Marken „Perling“ sowie „Wasserglück“ und „Löschwasser“ in der Tetra-Kartonflasche verkauft. Letzteres entstand aus einer Idee des Rhenser Mineralbrunnens und des Nachrichtenportals 56Aktuell als Erfrischungsgetränk während Feuerwehreinsätzen; 10 % des Verkaufserlöses aus diesem Produkt erhalten die Bambini- und Jugendfeuerwehren in Rheinland-Pfalz.Löschwasser Store. Abgerufen am 23. Mai 2023.
Zweitmarken sind „Aquarissima“ und „Klosterquelle“.Rhenser Zweitmarken. Abgerufen am 23. Mai 2023.
Seit Februar 2024 gehören die Biermarken Koblenzer Pils/Radler sowie Koblenzer Bräu zum Mineralbrunnen, nachdem diese aus der Insolvenzmasse der Brauerei Koblenz erworben wurden.
Sonstiges Am Eingang des Verwaltungsgebäudes gibt es einen Trinkbrunnen, an dem sich Wanderer und Fahrradtouristen kostenlos Mineralwasser abfüllen können.
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Einzelnachweise
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