Die französische Münzgeschichte, von ihrem Beginn mit keltischen Münzen bis heute, ist ein wesentlicher Teil der französischen Geldgeschichte, die über die Münzen hinaus auch das Papiergeld und das bargeldlose Geldwesen umfasst.

Antike Griechisch/keltisch

Keltische Prägungen wurden seit ca. 150 v. Chr. nicht nur in Gallien, sondern auch in Britannien, bei den Iberokelten, am Rhein und im südlichen Mitteleuropa, dort vor allem im Donaugebiet, hergestellt. Ab ca. 600 v. Chr. gab es auch griechische Siedlungsgebiete an der Südküste des heutigen Frankreichs. Die Münzprägung der griechischen Kolonie Massalia, dem heutigen Marseille, folgte griechischen Gestaltungsgrundsätzen, ohne eine stilistische Modifikationen, wie mehr oder minder starke Abstrahierungen der griechischen Vorbilder, wie es bei den keltischen Prägungen typisch war.

Gallien gehörte somit zu den wenigen Gebieten, die schon vor der römischen Besetzung eigene Münzsysteme besaßen. Diese vorrömischen Münzsysteme endeten durch die römische Besetzung unter dem Befehl von Julius Cäsar und die anschließende Romanisierung.

Römische Zeit

mini|As aus Nemausus In den römischen Kolonien prägten Antipolis, Nemausus, das heutige Nîmes, Vienne und Lugdunum Münzen. Das an Ketten gefesselte Krokodil auf Assen von Nemausus ist auch heute noch das Stadtwappen von Nîmes. Anders als für die römische Provinz Ägypten, für die ein eigenständiges Münzsystem geschaffen wurde (Alexandrinische Münzen), waren die römischen Provinzen in Gallien (Narbonensis, Aquitania, Lugdunensis und Belgica) in das reichsrömische Münzwesen integriert. Die Münzstätten in Lugdunum und Arelate (das heutige Arles) prägten deshalb Münzen, die sich mit Ausnahme der Hinweise auf die Münzstätten (zum Beispiel LVG und LVGN für Lugdunum oder ARLA und ARLP für Arelate)Kankelfitz, Römische Münzen, S. 29f. nicht von den Münzen anderer Münzstätten des römischen Reichs unterschieden.

Mittelalter

Frühmittelalter Die sogenannten pseudoimperiale Prägungen der Germanenreiche, so der Burgunden und Merowinger waren Nachahmungen spätrömischer und byzantinischer Münzen.Kluge, S. 36. Theudebert I. von Austrasien (534 bis 548) war dann der erste der Solidi in eigenen Namen prägen ließ. Außerhalb seines Herrschaftsbereichs wurden diese aber nicht anerkannt.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 42. Nach 550 wurden, anders als in Byzanz, im Westen kaum noch Solidi geprägt. Eine wichtige Ausnahme war Marseille, das für seinen Osthandel auf Solidi als etablierte Fernhandelsmünzen nicht verzichten wollte. Neben der einen Hauptgruppe von merowingischen Münzen, die im Raum Paris und Orleans, mit Ausläufern in Richtung Seine und Loire verwendet wurden, gab es eine zweite Hauptgruppe merowingischer Münzen, die von Marseille in Richtung Rhone Richtung Chalon, Rhein und Mosel in Gebrauch waren. Die Bedeutung Marseilles hielt bis zur arabischen Eroberung Nordafrikas und dem damit verbundenen Rückgang des fränkischen Mittelmeerhandels an.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 40, 47.

Merowinger Die Nachfolger Chlodwigs prägten zunächst Kupfermünzen. Erst Theuderich I. (reg. 511 bis 533) ließ dann für Austrasien auch Silbermünzen herstellen. Goldmünzen wurden im Früh- und Hochmittelalter in Mittel- und Nordeuropa nur selten geschlagen, während das Byzantinische Münzwesen weiter vor allem auf Gold gründete. Speziell für das Münzwesen der Merowinger wird ein Goldmangel vermutet, der dazu führte, dass um 680 ein größeres Geldvolumen auf Silber- statt auf Goldmünzen beruhte.Hans-Jörg Gilomen: Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters. S. 51.

Das fränkische Münzwesen wurde durch die eigenmächtige Aneignung des Münzrechts durch merowingische Teilfürsten und die Bischöfe früh fragmentiert. Am längsten hielt sich das königliche Münzregal noch in Marseille. Die Aneignung des Rechts zu münzen, vollzog sich nicht nur im Tatsächlichen. Mit der Nennung des Namens des Bischofs, wahrscheinlich in ihrer Eigenschaft als weltliche Herrscher fränkischer Teilgebiete, wurde diese Aneignung auch unverhohlen nach außen demonstriert. Im Laufe des 7. Jahrhunderts trugen die Münzen schließlich nur noch den Namen der Münzherren oder der Münzmeister und nicht mehr des Königs. Dabei konnte es sich um Hofbeamte, Kirchen, Bischöfe, Großgrundbesitzer oder Goldschmiede handeln. Der Hauptzweck der Münzen dieser Zeit wird in der Steuererhebung vermutet. Bei den rund 1000 Münzstätten handelte es sich um Königspfalzen, Festungen, größere Städte, Häfen, Zollstätten und Abteien.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 46f. Nach anderen Quellen soll allein die Zahl der Münzer die den Tremissis prägten, über 1400 gelegen haben.Goff, S. 21.

Im 7. Jahrhundert wurde dann eine Silbermünze, der denier, der sich aus dem Denar entwickelt hatte, die Grundlage für einen immer noch bescheidenen Zahlungsverkehr.

Karolinger

Pippin der Jüngere (751 bis 768) leitete schon ab 755 eine Münzreform ein, auf die Karl der Große später aufbauen sollte. Pippin verbot anonyme Prägungen und schrieb vor, dass Münzen wieder den Namen oder zumindest die Initiale des Königs tragen müssen. Die Münzen wurden nun großflächiger ausgeprägt, wurden aber dünner, da ihr Gewichtsstandard unverändert blieb. Nach dieser ersten karolingischen Münzreform folgte um die Jahre 793/794 die große karolingische Münzreform. Karl der Große vollendete die Reform seines Vorgängers Pippin, indem er einen einheitlichen Münztyp festlegt (Karolingisches Münzsystem), nachdem es bei Pippin noch örtliche Varianten gegeben hat. Die Denare dieser reinen Silberwährung zeigen auf dem Avers das Kreuz, umgeben vom Königsnamen als Umschrift und auf dem Revers das Karolusmonogramm. Dieser Denar wurde für lange Zeit der vorherrschende Münztyp in Europa. Denare mit dem Porträt Karls wurden im Jahr 805 geprägt und waren nicht häufig.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 53f.

Die Besonderheit von Karls Münzreform lag in seiner Machtfülle, die es ihm erlaubte, die Reform auch in allen Münzstätten seines Reichs durchzusetzen. Sie wurde erleichtert durch einen Zufluss an Silber im 8. und 9. Jahrhundert, dessen Quellen nicht voll bekannt sind. Teilweise werden es die Silberminen in Spanien und in Melle gewesen sein, was die gestiegene Gesamtsilbermenge aber nicht erklärt. Zwei Münzen mit den Legenden Metall German und Ex Metallo Novo deuten auf neue Silberquellen aus dem Osten des Karolingerreichs hin.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 54.

Karls Sohn, Ludwig der Fromme, ließ auch wieder Goldsolidi prägen, hauptsächlich aber Silberdenare und das in großen Mengen.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 56f. Ab 822/823 waren die Christiana-Religio-Denare der vorherrschende Münztyp. mini|Denar Karls des Kahlen Eine Modifikation der Karolingisches Münzordnung nahm Karl der Kahle durch ein im Jahr 864 erlassendes Münzgesetz, das Edikt von Pitre (Edictum Pistense) vor. In ihm wurde erstmals im mittelalterlichen Europa abstrakt festgelegt, welche Eigenschaften Münzen haben mussten, um als offizielle Zahlungsmittel umlauffähig zu sein.„Edictum Pistense 864“. In: Alfred Boretius, Victor Krause edd. MGH, Capitularia regum Francorum, 2. Hannover 1897. Konkret wurde festgelegt, dass der Denar nun mit der Umschrift GRATIA DIE REX geprägt wurde. Dieses Edikt wurde zunächst noch im ganzen Reich befolgt, bis Ende des 9. Jahrhunderts dann einige Feudalherren wieder Münzen prägten, die von den königlichen Vorgaben abwichen und im 10. Jahrhundert gelegentlich auch den Königsnamen wegließen, ohne dass dies hätte verhindert werden können.Kluge, S. 38, Porteus S. 57. So lag das Münzregal ab dem Ende des 10. Jahrhunderts wieder in der Hand der Grafen. Der Name des Königs wird auf diese Münzen kaum noch geprägt. Neue Münzstätten wurden auch an den Standorten großer Handelsmessen gegründet.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 61f. mini|Frankenreich im Jahr 843

Hochmittelalter mini|Frankreich im Jahr 1030

Fotogalerie französischer Münzen des Hochmittelalters

König Philipp August und seine Nachfolger versuchten den Pariser Denier als allgemeine Standardmünze zu etablieren und ließen entsprechend die Legende FRANCO(RUM) auf diese Münzen prägen. Dieser Versuch blieb aber erfolglos.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 64.

Die zentrifugalen Kräfte in der Münzprägung verstärkten sich im Hochmittelalter noch. Immer mehr Münzstände, zu denen auch Abteien gehörten, prägten ihre eigenen Münzen und gestalteten diese nach ihren eigenen Vorstellungen. Zeitgleich fiel der reale Wert dieser Münzen. Anders als in Deutschland, wo der Münzgewinn über Verrufungen alter Münzen erzielt wurde, weisen französische Denare schon früher als in anderen Regionen einen fallenden Silbergehalt auf.Kluge, S. 40. Die schlechtesten Münzen dieser Zeit in Frankreich wurden in der Normandie in Umlauf gebracht.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 69.

Besonders in Innerfrankreich waren die Schutzheiligen einer Abtei oder Stadt als Porträt beliebt und diese Münzen wurden häufig geprägt. Das gilt beispielsweise auch für die sehr häufigen Denare der cluniazensischen Abtei Souvigny.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 62.

Spätmittelalter

Nachdem im Hochmittelalter der Versuch von Ludwig VII. (reg. 1137–1180) den denier parisis (ca. 0,8 g)Clairand/Prieur, S. 19 als Standardmünze für ganz Frankreich durchzusetzen, am Widerstand der Feudalherren gescheitert war,John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 89. hatte sein Nachfolger Philipp August (reg. 1180–1223) auf den denier tournois der Abtei S. Martin de Tours gesetzt. Der Denier tournois war zu dem Zeitpunkt bereits weitverbreitet und setzte sich unter den nächsten beiden Herrschern noch stärker durch. Diese Münze war schließlich so beliebt, dass er von den feudalen Münzherren häufig nachgeahmt wurde. Im Jahr 1262 gelang es Ludwig IX. (reg. 1226–1270) dann den Einstrom dieser Nachprägungen in sein Herrschaftsgebiet zu unterbinden und im Jahr 1266 den gros tournois (ca. 4,0 g)Clairand/Prieur, S. 20ff im Wert von 12 Deniers als ausschließlich im königlichen Namen geprägte neue und größere Silbermünze zu etablieren. Seinen Wert zeigt diese Münze durch 12 Lilien im Außenkreis. Die Gestaltung des Gros änderte sich in der Folgezeit aber erheblich. Die Münzreform Ludwigs IX. hatte auch Goldmünzen vorgesehen.John Porteus: Münzen – Geschichte und Bedeutung in Wirtschaft, Politik und Kultur. S. 89; Kluge, S. 45. Aber erst durch Philipp IV. (reg. 1285–1314) wurde im Jahr 1296 mit dem Floren (grand florin) oder denier d'or á la masse, mit ca. 7,0 Gramm, erfolgreich eine große Goldmünze eingeführt. Sie zeigte den mit einem Zepter in der Hand thronenden König auf der Rückseite.Clairand/Prieur, S. 23 Dieses Motiv blieb bis zum Ende des Mittelalters unverändert.Kluge, S. 50.